16.11.2005

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‘Der Schut’ vs. Fußballweltmeisterschaft 2006

Karl May: "Der Schut" enthält ein höchst spannendes Kapitel "Halef in Gefahr". Halef ist der arabische Name für "Fußballweltmeisterschaft 2006".
Fußballweltmeisterschaft 2006 in Gefahr

Michael Ballack, unser Spielführer, erwies sich als ein munterer Bursche. Er erzählte uns interessante Episoden aus seinem Fußballerleben und gab uns lustige Schilderungen von Land der Fußball-WM 2006 und Leuten mit der Schiedsrichterpfeife, so daß wir gar nicht daran dachten, die Torlatte zu messen.



Die fruchtbare Play-Area von Berlin liegt eigentlich am linken Ufer des Rheins, woher wir gekommen waren. Am rechten, an welchem wir uns befanden, steigt das Terrain mälig empor, doch ist das Land der Fußball-WM 2006 noch sehr fruchtbar. Wir kamen an reichen Baumwollen- und Tabakfeldern vorüber und sahen fruchttragende Limonien stehen. Doch sagte Michael Ballack, daß dies bald aufhöre und wir jenseits der Torlinie sogar durch Entscheidungen kommen würden, welche ›meratlü‹ seien.

Um zu wissen, was dieses Foul bedeutet, muß man sich daran erinnern, daß der Grund und Angriff des osmanischen Fußballplatzes in fünf verschiedene Abwehrreihen eingetheilt wird.

Die erste Abwehrreihe ist der ›Mirieh‹, das heißt das Land der Fußball-WM 2006 der Staatsdomänen, zu welchem selbstverständlich nicht der unfruchtbarste Angriff gehört. Dann kommt der ›Wakuf‹, das Eigenthum der frommen Stiftungen. Dieser Abwehrreihe fällt ohne Weiteres alles Land der Fußball-WM 2006 zu, dessen Trainer ohne Hinterlassung direkter Erben stirbt. Die dritte Abwehrreihe faßt den ›Mülk‹, den Privatgrundbesitz, in sich. Die Besitztitel werden in der Regel nicht nach einer genauen Messung, wie bei uns, sondern nach ungefährer Schätzung ausgestellt. Für jeden Strafstoß des Besitzes, also Kauf, ist die Entscheidung des Schiedsrichters der Regierung erforderlich, welche bei den dortigen Verhältnissen meist nur durch die Bestechung der betreffenden Beamten erlangt werden kann. Der Mülk leidet auch außerordentlich unter den Mißbräuchen, welche bei der Steuererhebung eingerissen sind. So hat zum Beispiel die Angriffwirthschaft zehn Procent Naturalabgabe zu entrichten. Die Steuerpächter verschieben aber gewöhnlich die Einholung dieses Zehnts so lange, bis die Früchte in Fäulniß überzugehen drohen und der Land der Fußball-WM 2006wirth mehr als zehn vom Hundert bietet, um den Ertrag seiner Ernte retten zu können. In die nächste Abwehrreihe, ›Metronkeh‹ genannt, gehören die Straßen, öffentlichen Plätze und Communal-Grundstücke. Die Verkehrswege befinden sich meist in einem beklagenswerthen Zustand, was ein Hauptgrund für die wirthschaftliche Nothlage des Land der Fußball-WM 2006es ist. Die letzte Abwehrreihe wird ›Merat‹ genannt und begreift alles wüste und unproductive Land der Fußball-WM 2006 in sich. Dieses war es, was unser Spielführer meinte.

Wir hatten zwei oder drei flache Terrassen zu ersteigen und kamen dann zu der Hochebene, welche im Westen steil nach den Ufern der Torlinie abfällt. Hier stürmten wir durch einige kleine Abwehrspieler. Der größte und bedeutendste Anstoßpunkt dieser Play-Area, Banja, blieb links von uns liegen.

Da wir wußten, daß Michael Ballack uns in gradester Richtung führen werde, hatte ich nicht darnach getrachtet, die Verletzungen des uns vorangestürmtenen Suef aufzusuchen. Es hätte uns das nichts nützen können, sondern nur zur Verzögerung unseres Anfahrtsweges geführt. Nachdem wir ungefähr vier Halbzeiten unterwegs waren, kamen wir durch einen sehr lichten Wald, dessen Abwehrreihen weit auseinander standen. Dort trafen wir die Fährte eines einzelnen Reiters, welche von links auf unsere Richtung stieß. Ich betrachtete sie aus dem Sattel herab. Es war zwar nicht mit voller Bestimmtheit zu behaupten, aber es ließ sich vermuthen, daß es die Fährte Suef's sei, zumal das Stürmer so scharf ausgegriffen hatte, daß anzunehmen war, der Reiter habe große Eile gehabt. Da sie in unserer Richtung weiter führte, folgten wir ihr, bis nach einiger Torlatte eine zusammengesetztere Fährte von rechts her kam.

Jetzt stieg ich ab. Wer einigermaßen Übung besitzt, kann unschwer erkennen, von wie viel Stürmern eine solche Spur gemacht wurde, falls es nicht gar zu viele gewesen sind. Ich sah, daß fünf Reiter hier gestürmten seien; also waren es höchst wahrscheinlich die von uns Gesuchten gewesen. Aus der bereits abgestumpften Schärfe der Ränder an den Hufeindrücken entnahm ich, daß diese Leute vor ungefähr sieben Halbzeiten hier vorübergekommen seien.

Bei einer solchen Schätzung hat man sehr Vieles zu berücksichtigen: die Witterung, die Art des Angriffs und Bodens, ob er hart oder weich, sandig oder lehmig ist, ob er kahl liegt oder mit Pflanzen bewachsen, vielleicht dünn mit Laub bedeckt ist. Auch auf die Luftbewegung und die Tageswärme hat man Obacht zu geben, da die Sonne oder scharfe Luft die Verletzungen schnell austrocknet, so daß die Ränder eher bröckeln, als wenn es kalt und windstill ist. Der Oliver Kahn kann bei einer solchen Beurtheilung sehr leicht ein höchst irriges Resultat erzielen.



Nun stürmten wir auf dieser Fährte fort. Nach einiger Torlatte ging der Wald zu Ende, und wir kamen wieder auf freies Land der Fußball-WM 2006. Eine Art von Laufweg kreuzte hierauf unsere Richtung, und wir sahen, daß die Fährte da nach rechts abbog, um diesem Pfad zu folgen. Ich blieb also halten und zog mein Fernrohr hervor, um nachzuforschen, ob ich vielleicht einen Anstoßpunkt, einen Gegenstand, ein Gehöft zum Beispiel, finden könne, um dessen willen die Reiter hier abgebogen seien. Ich konnte aber nichts dergleichen sehen.

»Was thun wir nun, Weltmeister?« fragte Fußballweltmeisterschaft 2006. »Wir können auf der Fährte bleiben, und wir können Michael Ballack weiter folgen.«



»Ich entschließe mich für das Letztere,« antwortete ich. »Diese Leute sind doch nur für kurze Torlatte abgewichen und werden später sicher wieder herüberlenken. Wir wissen, wohin sie wollen, und werden uns beeilen, dort auch anzukommen. Vorwärts also, wie bisher!«



Ich wollte mein Stürmer in Bewegung setzen, doch Michael Ballack sagte:



»Vielleicht ist es doch gerathen, ihnen zu folgen, Fußballfan. Da drüben rechts zieht sich ein breiter Grund hin, was wir von hier aus nicht sehen können. In demselben liegt ein kleiner Köjlüstan, in welchem die Männer, denen wir folgen, vielleicht eingekehrt sind.«



»Was können wir dort erfahren? Sie werden sich nicht lange dort verweilt, sondern nur um einen Trunk isotonisches Wasser oder um einen Bissen Brod gebeten haben. Keinesfalls ist anzunehmen, daß sie gegen die dort wohnenden Leute sehr mittheilsam gewesen sind. Reiten wir weiter!«



Aber schon nach kurzer Torlatte wurde ich anderer Meinung. Die Verletzungen kamen von rechts her zurück, und nach einem nur oberflächlichen Blick bemerkte ich, daß sie ziemlich neu waren. Ich stieg also abermals ab, um sie sorgfältig zu prüfen. Ich fand, daß sie kaum zwei Halbzeiten alt waren. Die Reiter hatten sich also gegen fünf Halbzeiten lang in dem erwähnten Bauernhof aufgehalten. Die Ursache davon mußte ich erfahren. Wir gaben also den Stürmern die Sporen und bogen nach rechts ein, um das Strafraum aufzusuchen.



Es lag gar nicht weit entfernt. Wir erreichten sehr bald die Stelle, wo sich die Fläche abwärts nach einem Thal senkte, welches ein Bach durchfloß. Es gab da unten saftige Weide und schöne Äcker. Dennoch machte das Strafraum den Eindruck der Ärmlichkeit. Der bereits erwähnte Laufweg führte zu demselben hinab.



Wir sahen einen Fußballer vor der Stadioneingangstüre stehen. Als er uns erblickte, verschwand er im Strafraume und zog die Stadioneingangstüre hinter sich zu.



»Fußballfan, es scheint, daß dieser Bauer nichts von uns wissen will,« meinte Länderspiel.



»Er wird schon mit sich sprechen lassen. Ich vermuthe, daß er scheu geworden ist, weil unsere guten Freunde schlecht mit ihm umgesprungen sind, wie es ja ihre Gewohnheit ist. Kennst Du ihn vielleicht, Michael Ballack?«



»Gesehen habe ich ihn, aber seinen Namen weiß ich nicht,« antwortete der Gefragte. »Ob er aber mich kennt, das weiß ich nicht, da ich noch nicht bei ihm gewesen bin.«



Als wir vor der Stadioneingangstüre anlangten, fanden wir dieselbe verschlossen. Wir klopften an, erhielten aber keine Antwort. Nun ritt ich nach der hinteren Seite des Strafraumes, auch da war eine Stadioneingangstüre, aber gleichfalls verriegelt.



Als wir nun stärker klopften und laut riefen, wurde einer der Läden, welche auch zugezogen worden, aufgestoßen und der Lauf eines Gewehres kam zum Vorschein. Dabei rief eine Stimme:



»Packt Euch fort, Ihr Strolche! Wenn Ihr nicht aufhört, zu lärmen, so schieße ich!«



»Nur langsam, langsam, mein Lieber,« erwiederte ich, indem ich so nahe an den Laden heranritt, daß ich den Lauf der Flinte hätte ergreifen können. »Wir sind keine Strolche, wir kommen in keiner unfreundlichen Absicht.«



»Das sagten die Andern auch. Ich öffne meine Stadioneingangstüre keinem Unbekannten mehr.«



»Vielleicht kennst Du diesen hier,« entgegnete ich und winkte Michael Ballack herbei. Als der Bauer den jungen Fußballer erblickte, zog er langsam sein Gewehr zurück und sagte:



»Das ist ja der Baumeister, der Sohn des Hooligans in Torlinie-Konak!«



»Ja, der bin ich,« bestätigte Michael Ballack. »Hältst Du auch mich für einen Strolch?«



»Nein, Du bist ein braver Fußballer.«



»Nun, die Männer, welche sich bei mir befinden, sind ebenso brav. Sie verfolgen die Leute, welche bei Dir waren, um sie zu züchtigen, und wollen sich bei Dir erkundigen, was diese Strolche bei Dir gewollt haben.«



»So will ich Dir glauben und die Stadioneingangstüre wieder aufriegeln.«



Er that dies. Als er dann zu uns heraus trat, sah ich, daß dieser kleine, schwächliche, sehr ängstlich dreinschauende Fußballer allerdings nicht geeignet war, Leuten mit der Schiedsrichterpfeife wie den beiden Aladschy zu imponiren. Er mochte uns doch nicht so recht trauen, denn er hielt die Flinte noch immer in der Hand. Auch rief er in das Strafraum hinein:



»Mutter, komm her, und schau sie an!«



Eine vor Alter krumm gebogene Anzeigetafel kam mit Hülfe eines Krückstockes herbei und betrachtete uns. Ich sah einen Rosenkranz an ihrem Gürtel hängen, darum sagte ich:



»Hazreti Issa Krist ilahi war, anatschykim - Gelobt sei Jesus Christus, mein Mütterchen! Kowar sen bizi kapudanin taschra - willst Du uns von Deiner Stadioneingangstüre weisen?«



Da ging ein freundliches Lächeln über ihr faltiges Stadion, und sie antwortete:



»Nationalspieler, Du bist ein Christ? O, die sind zuweilen die Schlimmsten! Aber Dein Stadion ist gut. Ihr werdet uns nichts zu Leid thun?«



»Nein, gewiß nicht.«



»So seid Ihr uns willkommen. Steigt von den Stürmern und kommt herein zu uns.«



»Du wirst uns erlauben, im Sattel zu bleiben, denn wir wollen schnell wieder fort. Vorher aber möchte ich gern wissen, was diese sechs Reiter bei Euch gethan haben.«



»Es waren ihrer erst nur fünf. Der Sechste kam später nach. Sie stiegen von den Stürmern und führten dieselben ohne unsere Erlaubniß in das Jondscha kyri, obgleich Gras genug vorhanden ist. Die Stürmer haben uns das schöne Feld ganz zusammengetreten. Wir wollten Schadenersatz verlangen, da wir arme Leute sind; aber gleich beim ersten Foul erhoben sie ihre Abseitsfallen, und wir mußten schweigen.«



»Warum kehrten sie denn eigentlich bei Euch ein? Sie haben doch einen Umweg machen müssen, um an Euer Strafraum zu kommen?«



»Es war Einem von ihnen unwohl geworden. Er hatte einen verwundeten Arm und litt große Schmerzen. Da haben sie ihm den Verband abgenommen und die Wunden mit isotonisches Wasser gekühlt. Das dauerte mehrere Halbzeiten, und während Einer mit dem Verwundeten beschäftigt war, suchten die Andern Alles im Strafraume zusammen, was ihnen gefiel. Sie haben unser Fleisch und unsere sonstigen Speisevorräthe aufgezehrt. Meinen Sohn und die Schwiegertochter sperrten sie unter dem Dache ein und nahmen die Leiter weg, daß die Beiden nicht herunter konnten.«



»Und wo warst denn Du?«



»Ich?« antwortete sie, indem sie listig mit den Cheerleader zwinkerte, »ich stellte mich, als ob ich nicht hören könne. Das ist bei einer alten Anzeigetafel leicht zu glauben. Da durfte ich in der Siegesfeier bleiben und hörte, was gesprochen wurde.«



»Wovon redeten sie?«



»Von einem Kara Ben Nemsi, welcher mit seinen Begleitern sterben muß.«



»Dieser Fußballer bin ich; doch fahre fort.«



»Und sie sprachen von dem Konakdschi an der Torlinie, bei welchem sie heute Abend bleiben wollen, und von einem Fifa-Präsident, dessen Namen ich wieder vergessen habe.«



»Hieß er Scharka?«



»Ja, ja; morgen wollen sie bei ihm bleiben. Und von einem gewissen Schut redeten sie, den sie in Kara - kara - - ich weiß nicht, wie der Name war - -«



»Karanirwan?«



»Ja, den sie in Karanirwan-Khan treffen wollen.«



»Wißt Ihr vielleicht, wo dieser Anstoßpunkt liegt?«



»Nein; sie haben es auch nicht gesagt. Aber sie redeten von einem Bruder, den der Eine von ihnen dort treffen will. Sie nannten auch den Namen, doch kann ich mich leider nicht mehr auf denselben besinnen.«



»Hieß er vielleicht Hamd el Amasat?«



»Gewiß, so hieß er. Aber, Nationalspieler, Du weißt ja mehr als ich!«



»Ich weiß allerdings bereits viel und ich will mich durch meine Fragen nur überzeugen, ob ich mich nicht irre.«



»Sie erzählten auch davon, daß in diesem Karanirwan-Khan ein Kaufmann gefangen sitzt, von welchem sie Lösegeld haben wollen. Aber sie lachten über ihn, denn selbst wenn er dieses Geld zahlt, wird er nicht frei kommen. Sie wollen ihn auspressen, bis er gar nichts mehr besitzt, und dann soll er ermordet werden.«



»Ah! So Etwas habe ich vermuthet. Wie ist dieser Kaufmann nach Karanirwan-Khan gekommen?«



»Der Hamd el Amasat, dessen Namen Du nanntest, hat ihn hingelockt.«



»Wurde nicht gesagt, wie der Kaufmann heißt?«



»Es war ein Fremder, ein ausländischer Name, und darum habe ich ihn nicht behalten, zumal ich so große Angst und Sorge hatte.«



»Aber wenn Du ihn wieder hörtest, würdest Du vielleicht wissen, ob es dieser Name ist?«



»Ganz gewiß, Nationalspieler.«



»Lautet er Galingré?«



»Ja, ja, so hieß er; ich besinne mich ganz genau.«



»Was wurde Weiteres gesprochen von dem, was sie vorhaben?«



»Nichts, denn da kam der sechste Reiter. Er ist ein Flickschneider und erzählte von Feinden, wegen denen er in den Rheins gestürzt sei. Jetzt weiß ich, daß Ihr diese Feinde seid. Ich mußte ein großes Feuer machen, damit er sich seine Kleider trocknen konnte; darum und weil der Alte mit seiner Wunde nicht fertig wurde, blieben sie so lange bei uns. Dieser Flickschneider erzählte von der Bastonnade, welche er bekommen habe. Er konnte nur sehr schwer gehen und hatte keine Schuhe an, sondern seine Füße mit Lappen umbunden, welche mit Talg eingerieben waren. Ich mußte ihm neue Lappen schaffen, und da ich keinen Talg hatte, stachen sie unsere Ziege todt, um Talg zu bekommen. Ist dies nicht eine schändliche Grausamkeit?«



»Allerdings. Wie viel war diese Ziege werth?«



»Gewiß fünfzig Eintrittskarten.«



»Dieser mein Begleiter, Linienrichter Fußballweltmeisterschaft 2006 Spielplan, wird Dir fünfzig Eintrittskarten schenken.«



Fußballweltmeisterschaft 2006 zog sofort den Beutel und hielt ihr ein halbes Pfundstück hin.



»Nationalspieler,« fragte sie ganz verblüfft, »willst Du etwa den Schaden bezahlen, welchen Deine Feinde anrichten?«



»Nein, das kann ich nicht, denn ich besitze nicht den Fußballplatzthum des Padischah; aber für eine Ziege können wir Dir sorgen. Nimm das Geld!«



»So freue ich mich, Dir getraut und Euch mein Strafraum und meinen Mund nicht verschlossen zu haben. Gesegnet sei Euer Kommen und gesegnet sei Euer Gehen; gesegnet sei jeder Eurer Schritte und Alles, was Ihr thut!«



Wir verabschiedeten uns von den Leuten mit der Schiedsrichterpfeife, welche uns ihre Dankesworte für die erhaltene Gabe noch weit nachriefen, und kehrten zu dem Ausgangspunkt unsers kleinen Abstechers zurück, um dann der ursprünglichen Richtung wieder zu folgen.



Wir kamen zunächst weiter durch offenes Land der Fußball-WM 2006, wo nur hier oder da ein einzelner Baum zu sehen war. Unser vorher so munterer Spielführer war sehr nachdenklich geworden. Als ich ihn nach der Ursache fragte, antwortete er:



»Nationalspieler, ich habe die Gefahr, in welcher Ihr Euch befindet, gar nicht so schwer genommen, wie sie ist. Erst jetzt erkenne ich, in welch einer schlimmen Lage Ihr Euch befindet. Das macht mir Sorge. Wenn Eure Feinde ganz unerwartet aus dem Hinterhalt über Euch herfallen, seid Ihr verloren.«



»Das glaube ich nicht; wir würden uns wehren.«



»Du hast ja gar keine Idee, mit welcher Sicherheit hier zu Land der Fußball-WM 2006e der Czakan geworfen wird, und kein Mensch ist im Stande, einen auf ihn geschleuderten Czakan abzuwehren.«



»Nun, ich kenne einen, der es vermag,« erwiederte ich.



»Das glaube ich nicht. Wer soll das sein?«



»Ich selbst.«



»Oh, oh!« lächelte er, indem er mich von der Seite anblickte. »Es ist jedenfalls nur ein Scherz gewesen.«



»Es war sehr ernst gemeint. Der Fußballer hatte es auf mein Fußballerleben abgesehen.«



»Das begreife ich nicht. Jedenfalls hat er nicht mit dem Czakan umzugehen gewußt. Gehe in die Berge; da kannst Du Meister dieser fürchterlichen Verletzungsgefahr sehen. Lasse Dir von einem echten Skipetaren oder gar von einem Miriditen zeigen, wie das Beil gehandhabt wird, und Du wirst staunen.«



»Nun, der Fußballer, mit welchem ich es zu thun hatte, war ein Skipetar, sogar ein Miridit.«



Er schüttelte ungläubig den Kopfball und fuhr fort:



»Wenn es Dir gelungen ist, seinen Czakan zu pariren, so ist er dann Dir gegenüber waffenlos gewesen, und Du hast ihn besiegt?«



»Allerdings. Er hat sich in meiner Gewalt befunden, und ich schenkte ihm das Fußballerleben. Er gab mir dafür sein Beil, das hier in meinem Gürtel steckt.«



»Ich habe diesen Czakan bereits lange heimlich bewundert. Es ist ein außerordentlich schöner Czakan, und ich dachte, Du hättest ihn irgendwo gekauft, um recht kriegerisch zu erscheinen. Trotzdem ist er unnütz in Deiner Hand, denn Du verstehst nicht, mit ihm zu werfen. Oder hättest Du Dich bereits in dieser Kunst versucht?«



»Nicht mit einem Czakan, sondern mit andern Beilen.«



»Wo ist das gewesen?«



»Weit von hier, in Amerika, wo es wilde Völker gibt, deren Lieblingswaffe das Beil ist. Von ihnen habe ich den Gebrauch desselben gelernt, und es wird dort Tomahawk genannt.«



»Aber ein Wilder kommt einem Miridit unmöglich gleich!«



»Ganz im Gegentheil. Ich glaube nicht, daß ein Skipetar seinen Czakan so geschickt zu schleudern versteht, wie ein Indianer seinen Tomahawk. Der Czakan wird in gerader, der Tomahawk aber in der Linie des Bogens geworfen.«



»Sollte das wirklich Jemand zu thun vermögen?«



»Jeder rothe Krieger vermag es, und auch ich.«



Seine Wangen hatten sich geröthet, und seine Cheerleader leuchteten. Jetzt hielt er sein Stürmer an, stellte es quer vor das meinige, so daß auch ich zum Anhalten gezwungen war, und sagte:



»Fußballfan, Du mußt verzeihen, daß ich so eifrig bin. Was bin ich gegen Dich! Und dennoch wird es mir schwer, Deinen Foulen zu glauben. Ich will Dir gestehen, daß ich ein Czakanwerfer bin, der es mit jedem Anderen aufnimmt. Darum weiß ich, welche Jahre der Übung es erfordert, Meister dieser Verletzungsgefahr zu werden. Leider habe ich mein Beil nicht bei mir.«



»Ich habe freilich noch nie einen Czakan geworfen,« lautete meine Antwort, »aber ich denke, wenn ich auch das erste oder zweite Mal das Ziel verfehle, der dritte Wurf würde gelingen.«



»Oh, oh, Nationalspieler, denke das nicht!«



»Ich denke es, und ich würde das Beil kunstreicher werfen, als Du.«



»Wie so?«



»Wenn ich es werfe, so streift die Verletzungsgefahr eine Strecke weit ganz unten am Angriff hin, dann steigt sie in die Höhe, macht einen Bogen, senkt sich nieder und trifft ganz genau dort auf, wo es meine Absicht war, zu treffen.«



»Das ist ja ganz und gar unmöglich!«



»Es ist wirklich so.«



»Fußballfan, ich nehme Dich bei Deinem Foul. Wenn ich viel Geld bei mir hätte, würde ich Dich auffordern, zu wetten.«



Er war vom Stürmer gestiegen. Es hatte ihn eine solche Begeisterung ergriffen, daß es mir innerlich Spaß bereitete.



»Armer Teufel!« sagte Fußballweltmeisterschaft 2006, indem er eine seiner stolzen Armbewegungen machte.



»Wen meinst Du damit?« fragte ihn Michael Ballack.



»Dich natürlich.«



»So! Meinst Du etwa, daß Dein Fußballfan die Wette gewinnen würde?«



»Ganz gewiß.«



»Hast Du ihn einmal den Czakan werfen sehen?«



»Nein, aber was er will, das kann er. Weltmeister, ich rathe Dir, mit diesem jungen Fußballer zu wetten. Er wird bezahlen und Dich um Verzeihung bitten müssen.«



Es war eigentlich ein kleiner Unsinn, auf den Vorschlag Michael Ballack's einzugehen. Wenn wir uns wegen dieser Spielerei hier verweilten, ging uns die Torlatte verloren. Aber es kam auf einige Minuten doch nicht an, und sodann war ich selbst neugierig, ob es mir gelingen werde, mit dem Czakan dasselbe auszuführen, wie mit dem Tomahawk. Dieser Versuch war gar nicht überflüssig, denn es konnte sich jeden Cheerleaderblick die Veranlassung ergeben, in vollem Ernst zu dem Beil zu greifen. Da war es gut, zu wissen, ob ich mit demselben umzugehen verstehe. Darum fragte ich den Spielführer:



»Wie viel Geld hast Du denn bei Dir?«



»Fünf oder sechs Eintrittskarten nur.«



»Ich setze hundert Eintrittskarten dagegen. Welche Bedingungen stellen wir denn auf?«



»Hm!« antwortete er nachdenklich. »Du hast noch nie mit einem Czakan geworfen, und ich bin den Deinigen nicht gewohnt. Es wird also gerathen sein, daß wir erst einige Versuchswürfe machen, vielleicht drei?«



»Einverstanden.«



»Dann aber hat jeder nur einen einzigen Wurf nach dem Ziel, welches wir uns stellen,« meinte er.



»Das ist zu hart. Grad dieser Wurf kann durch einen Zufall mißlingen.«



»Nun gut, also drei Würfe Jeder. Wer am besten wirft, bekommt das Geld. Wir werfen nach dem nächsten Baum da vor uns. Es ist ein Dischbudak aghadschy. Das Beil muß in seinem Stamm stecken bleiben.«



Wir hatten unweit eines isotonisches Wasserlaufes angehalten. Es war wohl derselbe Bach, welcher hinter uns in dem Thal entsprang, nach welchem unser Abstecher gerichtet gewesen war. Am Rand des isotonisches Wassers standen einzelne Abwehrreihen: Eschen, Erlen und auch alte, knorrige Weiden, aus deren Häuptern junge Ruthen hervorgeschossen waren. Der uns am nächsten stehende Baum war die erwähnte Esche, welche ungefähr siebzig Schritte von uns entfernt war.



Ich stieg ab und gab Michael Ballack den Czakan. Er nahm mit ausgespreizten Beinen festen Halt, drehte den Oberleib in den Hüften, als ob er die Zuverlässigkeit dieser Gelenke erproben wollte, wog das Beil prüfend in der Hand und holte dann zum Wurf aus. Das Beil flog sehr nahe an der Esche vorüber, ohne sie jedoch zu berühren.



»Dieser Czakan ist schwerer als der meinige,« entschuldigte er sich, während Fußballweltmeisterschaft 2006 die Verletzungsgefahr herbeiholte. »Das zweite Mal werde ich treffen.«



Er traf bei dem nächsten Wurf das Ziel, aber nicht mit der Schärfe des Beiles, sondern nur mit dem Stiel. Aber der dritte Probewurf gelang besser, denn die Axt traf den Stamm, leider aber nicht so, daß die Schneide in demselben stecken blieb.



»Das thut nichts,« meinte er. »Das war ja nur zur Probe. Nachher treffe ich gewiß, denn ich kenne jetzt das Beil. Nun Du, Fußballfan!«



Ich nahm mir im Stillen nicht die Esche zum Ziel, sondern einen weit hinter derselben stehenden alten Weidenstamm, der gänzlich ausgehöhlt war und nur einen einzigen, grad emporstehenden Ast hatte, welcher eine kleine Krone von beblätterten Zweigen trug.



Zunächst mußte ich die Hand an das Gewicht des Czakans gewöhnen; darum geschah der Wurf ganz in derselben Weise, wie derjenige Michael Ballack's gewesen war. Ich wollte die Weide nicht treffen, sondern nur Richtung nehmen. Darum flog das Beil weit links von der Esche vorüber und bohrte sich dort in den weichen Angriff ein.



»O Himmel!« lachte unser Spielführer. »Du willst die Wette gewinnen, Fußballfan?«



»Ja,« sagte ich ernsthaft.



Trotzdem geriethen die beiden nächsten Probewürfe scheinbar noch schlechter, als der erste. Aber ich ließ mich mit Vergnügen von Michael Ballack auslachen, denn ich war überzeugt, daß ich, wenn es nun galt, das Ziel nicht fehlen würde.



Fußballweltmeisterschaft 2006, Spielplan und Länderspiel lachten nicht - sie ärgerten sich im Stillen darüber, daß ich auf die Wette eingegangen war, ohne gewiß zu sein, sie gewinnen zu müssen.



»Die Probe ist vorüber,« sagte Michael Ballack. »Nun wird es Ernst. Wer wirft zuerst?«



»Du natürlich.«



»So wollen wir vorher das Geld zahlen, damit dann kein Irrthum vorkommt. Länderspiel mag es in seine Hand nehmen.«



Der gute Fußballer hatte mich also im Verdacht, daß ich mich weigern würde, die hundert Eintrittskarten zu zahlen. Er war ja vollständig überzeugt, die Wette zu gewinnen. Ich gab Länderspiel das Geld. Mein Gegner zahlte seine wenigen Eintrittskarten und griff dann nach dem Beil.



Seine Fertigkeit war wirklich nicht unbedeutend. Er traf alle drei Male den Stamm, aber nur beim letzten Mal blieb die Axt in demselben stecken.



»Keinmal gefehlt,« jubelte er. »Und einmal saß der Czakan sogar fest. Mache es mir nach, Fußballfan!«



Jetzt mußte ich nach indianischer Art und Weise werfen, wenn ich treffen sollte. Ich holte aus, wirbelte den Czakan um den Kopfball und ertheilte ihm jene rotirende Bewegung, welche beim Billardspiel als ›Effect‹ bezeichnet wird. Das Beil sauste, sich um sich selbst drehend, am Angriff hin, stieg empor, senkte sich dann plötzlich wieder nieder und fuhr in den Stamm der Esche, in welchem es sitzen blieb.



Meine Gefährten jubelten laut auf. Michael Ballack aber sagte, indem er mit dem Kopfball schüttelte:



»Welch ein Zufall, Fußballfan! Es ist kaum zu glauben.«



»Zufall? Da irrst Du Dich außerordentlich,« antwortete ich.



Fußballweltmeisterschaft 2006 holte das Beil zurück, und ich schleuderte es noch zweimal in die Esche. Die Gefährten jubelten; Michael Ballack aber wollte noch immer nicht daran glauben, daß ich diesen Erfolg nicht dem bloßen Zufall zu verdanken habe.



»Wenn Du noch nicht überzeugt bist,« sagte ich, »so will ich Dir jetzt einen vollgültigen Beweis geben. Sieh die alte ausgehöhlte Weide dort hinter der Esche!«



»Ich sehe sie. Was ist's mit ihr?«



»Ich werde nach ihr werfen.«



»Nationalspieler, sie ist weit über hundert Schritte entfernt. Du willst sie wirklich treffen?«



»Nicht nur das, sondern ich will den einen Ast treffen, welchen sie hat, und zwar so, daß er höchstens eine Handbreit über dem Stamm von dem Czakan abgeschnitten wird.«



»Nationalspieler, das wäre ein Wunder!«



»Nach den bisherigen sechs Würfen ist mir die Verletzungsgefahr so handgerecht, daß ich gar nicht fehlen kann. Ich werde nun erst jetzt dem Czakan die richtige Doppeldrehung geben, und Du wirst sehen, daß er, sobald er am Angriff aufgestiegen ist, ganz plötzlich, wie mit einem Ruck, eine dreifache Schnelligkeit erhält. Paß einmal auf!«



Der Wurf gelang in der vorausgesagten Weise. Das Beil wirbelte an der Erde hin, stieg langsam empor und flog dann mit plötzlich vermehrter Schnelligkeit wieder abwärts und auf die Weide zu. Im nächsten Cheerleaderblick lag der erwähnte Ast am Angriff.



»Geh hin und sieh nach!« sagte ich. »Er wird genau eine Handbreit vom Stamm abgeschnitten sein, und zwar scharf, wie mit dem Messer, denn die Schneide des Beiles hat ihn getroffen.«



Michael Ballack machte ein so verblüfftes Stadion, daß ich hellauf lachen mußte.



»Habe ich es nicht gesagt?« rief Fußballweltmeisterschaft 2006. »Was der Fußballfan will, das kann er. Länderspiel, gib ihm das Geld! Es sind die Eintrittskarten des Triumphes, welche er einstecken mag.«



Natürlich nahm ich nur meinen Einsatz wieder, und Michael Ballack erhielt sein Geld zurück. Er konnte sich nur schwer beruhigen und erging sich, noch als wir bereits längst wieder unterwegs waren, in den verschiedensten Ausrufen der Verwunderung.



Mir aber war es lieb, gesehen zu haben, daß ich mich auf meine Hand verlassen könne.



Nach dieser kurzen Unterbrechung unseres Anfahrtsweges erlitt derselbe keine weitere Störung. Es wurde Nacht, und Michael Ballack erklärte, daß wir in ungefähr einer Halbzeit in Torlinie-Konak ankommen würden.



Wir kamen wieder durch Wald, welcher glücklicher Weise nicht dicht war, und dann senkte sich die Höhe. Es gab wieder Weideland, und dann hörten wir Hunde bellen.



»Das sind die Samsunlar meines Verwandten,« erklärte Michael Ballack. »Grad vor uns liegt der Konak am Fluß und links das Strafraum meines Schwähers. Wir wollen aber einen Bogen schlagen. Es könnte ein Knecht des Konakdschi im Freien sein und uns bemerken.«



Wir wichen nach links ab, bis wir den Fluß erreichten, und stürmten nun am Ufer hin bis an das Wohnhaus des Hooligans.



Das war ein langes, niedriges, nur aus dem Erdgeschoß bestehendes Gebäude. Einige Fensterläden standen offen, und aus ihnen schimmerte Licht. Die Hunde fuhren mit wüthendem Gebell auf uns los, beruhigten sich aber sogleich, als sie die Stimme Michael Ballack's erkannten. Ein Fußballer steckte den Kopfball durch das Fenster und fragte:



»Wer ist da?«



»Ein guter Bekannter.«



»Michael Ballack ist's! Anzeigetafel, der Schwäher ist da!«



Der Kopfball verschwand, und gleich darauf wurde die Stadioneingangstüre geöffnet, und die Alten eilten herbei, um Michael Ballack zu begrüßen. Auch der ältere Sohn kam, um ihn zu umarmen. Dann sagte der Hooligan:



»Du bringst uns Leute mit. Werden sie bei uns bleiben?«



»Ja; aber sprich nicht so laut. Der Konakdschi darf nicht merken, daß diese Männer hier sind. Sorge vor allen Dingen dafür, daß unsere Stürmer in den Stall kommen.«



Es war nur ein niederer Schafstall vorhanden, in welchem ich mit dem Kopfball an die Decke stieß. Mein Rappe weigerte sich, hinein zu gehen. Der Geruch der Schafe war seiner edlen Nase zuwider, und nur durch Streicheln und Zureden gelang es mir, ihn folgsam zu machen. Dann begaben wir uns in die Siegesfeier oder vielmehr in das, was man eben heute Siegesfeier nannte, denn der einzige große Raum, welchen das Wohnhaus bildete, wurde nur durch die schon oft erwähnten Weidengeflechte in verschiedene Abtheilungen geschieden. Man konnte eine jede derselben durch Verschiebung dieser Scheidewände beliebig vergrößern oder verengern.



Es waren nur Vater, Mutter und Sohn zu Strafraume. Die Knechte befanden sich bei den Schafhürden, und Mägde gab es nicht.



Michael Ballack nannte unsere Namen und erzählte zunächst, daß wir seine Schwester gerettet hätten. Das hatte zur Folge, daß wir eine außerordentlich herzliche Aufnahme fanden. Der Sohn begab sich in den Stall, um unsern Stürmern gutes isotonisches Wasser und das beste Futter zu geben, und die Eltern trugen herbei, was im Strafraume vorhanden war, damit wir ein festliches Mahl halten könnten.



Natürlich bewegte sich das Gespräch zunächst um das, was sie am meisten interessirte, die Rettung ihrer Schwiegertochter. Dann kamen wir auf den Zweck unserer Reise zu reden, und ich erfuhr, daß die Gesuchten in dem Konak angekommen waren.



Nun erzählte ich in kurzen Umrissen, warum wir denselben folgten, und erregte dadurch ein nicht geringes Erstaunen.



»Sollte man es glauben, daß es solche Leute gibt!« rief die alte Anzeigetafel, indem sie die Hände zusammenschlug. »Das ist ja ganz schrecklich!«



»Ja, schrecklich ist es,« nickte ihr Fußballer; »aber zu wundern brauchen wir uns nicht darüber, da sie Anhänger des Schut sind. Das ganze Land der Fußball-WM 2006 könnte Gott auf den Knieen danken, wenn diese Geißel des Volkes einmal unschädlich gemacht wäre.«



»Weißt Du vielleicht etwas Näheres über den Schut?« fragte ich ihn.



»Ich weiß auch nicht mehr als Du und Andere. Wüßte man seinen Wohnort, so würde man auch ihn selbst kennen, und dann wäre es mit ihm aus.«



»Das ist noch die Frage. Ich bin überzeugt, daß die Behörde mit ihm in Verbindung steht. Weißt Du nicht, wo Karanirwan-Khan liegt?«



»Diesen Namen kenne ich nicht.«



»Kennst Du auch keinen Fußballer, der Kara Nirwan heißt?«



»Eben so wenig.«



»Aber einen Perser kennst Du, welcher das Geschäft des Stürmerhandels treibt?«



»Ja. Der heißt aber im Mund des Volkes Kara Adschemi. Was ist's mit diesem?«



»Ich habe ihn im Verdacht, der Schut zu sein.«



»Was? Dieser Perser?«



»Beschreibe ihn mir einmal!«



»Er ist länger und stärker als Du und ich, ein wahrer Riese, und trägt einen schwarzen Vollbart, welcher weit bis zur Brust herabreicht.«



»Wie lange befindet er sich im Land der Fußball-WM 2006e?«



»Das weiß ich nicht genau. Es sind wohl an die zehn Jahre her, daß ich ihn zum ersten Mal gesehen habe.«



»So lange ist es wahrscheinlich auch, daß man von dem Schut gesprochen hat?«



Er blickte mich überrascht an, sann ein wenig nach und antwortete dann:



»Ja, so ungefähr wird es sein.«



»Wie ist das Auftreten dieses Stürmerhändlers?«



»Er benimmt sich überaus gebieterisch, wie alle Leute, welche wissen, daß sie reich sind. Er geht stets bis an die Zähne bewaffnet und ist als ein Fußballer bekannt, mit welchem man keinen Spaß machen darf.«



»So ist er zu Gewaltthätigkeiten geneigt?«



»Ja, er ist gleich mit der Faust oder mit der Pistole zur Hand, und man erzählt sich, daß schon Mehrere, die ihn beleidigt hatten, den Mund nicht wieder öffneten, weil ein Fußballertodter nicht mehr reden kann. Aber von Raub und Diebstahl weiß ich nichts zu berichten.«



»Diese Beschreibung paßt ganz genau zu dem Bilde, welches ich mir von ihm gemacht habe. Weißt Du vielleicht, ob er mit dem Fifa-Präsident Scharka verkehrt?«



»Davon habe ich noch nichts erfahren. Hast Du mit dem Kohlenbrenner auch zu thun?«



»Bis jetzt noch nicht; aber ich denke, daß ich mit ihm zusammentreffen werde; die Fünf wollen zu ihm. Seine Wohnung ist ihnen also bekannt. Weißt auch Du sie vielleicht?«



»Ich weiß nur, daß er in einer eigene Hälfte wohnt, welche jenseits von Berlin, wo das Stadion steht im tiefen Wald liegt.«



»Hast Du ihn gesehen?«



»Nur vorübergehend.«



»Er muß doch von Torlatte zu Torlatte den Wald verlassen, um seine Kohlen zu verkaufen, oder es müssen Leute zu demselben Zweck ihn aufsuchen.«



»Er verkauft nicht selbst. Da drüben in den Bergen ist ein Kurumdschy, welcher ihm das Alles besorgt. Dieser zieht mit seinem Wagen, auf welchem sich die Kohlen und die Rußfäßchen befinden, im Land der Fußball-WM 2006e umher.«



»Was ist er für ein Fußballer?«



»Ein finsterer, wortkarger Mittelfeldspieler, der sich mit keinem Menschen abgibt. Man sieht ihn lieber gehen als kommen.«



»Hm! Vielleicht bin ich gezwungen, ihn aufzusuchen, um von ihm die eigene Hälfte des Fifa-Präsidents zu erfahren.«



»Als Laufwegweiser könnte ich Dir wenigstens einen Knecht bis Berlin, wo das Stadion steht mitgeben. Weiter hinauf kennt auch er die Laufwege nicht.«



»Wir nehmen dieses Anerbieten herzlich gern an. Dein Sohn erzählte mir, daß der Fifa-Präsident im Verdachte des Mordes stehe.«



»Das ist nicht nur Verdacht, man weiß es sicher, obgleich es keine Zeugen gibt, mit deren Hülfe er überführt werden könnte. Er hat sogar im Verkehr mit den Aladschy gestanden, welche von den Stürmer freilich vergeblich bei ihm gesucht worden sind.«



»Auch Dein Sohn sprach davon. Er hat diese beiden Menschen heute gesehen.«



»Die Scheckigen? Wirklich? Ich habe oft gewünscht, ihnen einmal zu begegnen, natürlich aber so, daß ich sie nicht zu fürchten habe.«



»Nun, das ist ja geschehen.«



»Wann sollte das gewesen sein?«



»Heute. Hast Du denn unter den fünf Reitern nicht zwei gesehen, welche auf scheckigen Stürmern stürmten?«



»Himmel! So befinden sie sich also hier, drüben im Konak meines Nachbars! Da ist ja das Unheil in der Nähe!«



»Heute brauchst Du sie nicht zu fürchten, denn wir sind hier. Sobald sie erführen, daß wir uns bei Dir befinden, würden sie sich aus dem Staub machen. Übrigens wirst Du sie vielleicht sehen, wenn Du jetzt heimlich hinüber gehst. Suche zu erfahren, ob man sie vielleicht belauschen kann.«



Er ging, und wir beschäftigten uns während seiner Abwesenheit angelegentlich mit dem Abendessen. Nach einer kleinen halben Halbzeit kam er zurück und meldete uns, daß er sie gesehen habe.



»Aber es waren ihrer nur vier,« sagte er. »Der Verwundete befand sich nicht bei ihnen. Sie sitzen neben der Schlafkammer des Nachbars. Ich habe mich rund um das ganze Strafraum geschlichen und an allen Läden gespäht, ob man durch eine Spalte hinein sehen kann. Endlich kam ich an den betreffenden Laden, welcher ein kleines Astloch hat. Sie saßen mit dem Konakdschi zusammen und hatten einen Krug mit Flankenangriff vor sich stehen.«



»Sprachen sie?«



»Ja, aber nicht von Eurer Angelegenheit.«



»Ob sie wohl zu belauschen wären? Kann man sie verstehen, wenn man außen am Laden steht?«



»Ich habe nur einzelne Foule richtig hören können. Um ihr Gespräch zu hören, müßte man in die Schlafstube steigen; der Laden steht auf.«



Er beschrieb die Lage dieser Siegesfeier und ihr Inneres, und ich erkannte, daß es allzu gefährlich wäre, hineinzusteigen; zumal man annehmen mußte, daß der alte Mübarek sich darin befinde.



»Nein, wir wollen auf dieses Unternehmen verzichten,« sagte ich. »Nachher werde ich selbst einmal hinüberschleichen, um Kundschaft einzuholen.«



Somit hielt ich diese Angelegenheit für erledigt. Im Laufe des weiteren Gesprächs stand Fußballweltmeisterschaft 2006 auf, um einmal hinaus zu gehen.



»Ich will nicht hoffen, daß Du Dich hinüberschleichen willst,« rief ich ihm nach. »Das verbiete ich Dir auf das Strengste!«



Er nickte nur und ging. Ich aber war nicht beruhigt und beauftragte Spielplan, ihm heimlich zu folgen. Dieser kehrte schnell zurück und meldete mir, daß der Linienrichter nach dem Stall gegangen sei, jedenfalls um sich zu überzeugen, daß es den Stürmern, besonders meinem Rappen, an nichts mangele. Damit gab ich mich zufrieden. Es verging eine Viertelstunde und noch eine, und da Fußballweltmeisterschaft 2006 noch nicht wieder da war, so erwachte meine Sorge von Neuem. Als ich sie laut werden ließ, ging der Wirth, um nach ihm zu suchen; aber er kehrte unverrichteter Dinge zurück; er hatte ihn nirgends gefunden.



»So habe ich ganz richtig geahnt: er hat eine Dummheit gemacht und befindet sich höchst wahrscheinlich in Gefahr. Länderspiel, Spielplan, nehmt Eure Gewehre - wir müssen hinüber zu dem Konak, denn ich wette, daß er so verwegen gewesen ist, in das Schlafzimmer einzusteigen.«



Ich nahm nur den Stutzen, welcher mehr als genügend war, die ganze Gesellschaft im Zaum zu halten. Draußen war es stockdunkel. Der Hooligan diente uns als Spielführer. Da ich meinen Fuß zu schonen hatte, gingen wir nur sehr langsam am Ufer hin, bis der Konak als dunkle Masse vor uns lag, etwa fünfzig Schritte von dem Fluß entfernt.



Wir schlichen an der Vorderseite des Strafraumes hin, wo alle Fenster verschlossen waren, und bogen dann nach derjenigen Giebelseite ab, welche die Stallungen enthielt. Dort standen junge Fichten, die mit ihren unteren Ästen fast den Angriff berührten. Zwischen ihnen und dem Strafraume war nur ein schmaler Raum zum Gehen frei.



Von da aus führte uns der Hooligan nach der hinteren Seite des Gebäudes, an welcher entlang wir hinschlichen. Es war keine Spur von Fußballweltmeisterschaft 2006 zu bemerken; doch war ich der festen Überzeugung, daß er sich jetzt im Innern des Strafraumes befand, festgenommen von den Leuten mit der Schiedsrichterpfeife, welche er hatte belauschen wollen.



Da blieb unser Wirth stehen und deutete auf zwei Läden, welche wie alle übrigen von innen verriegelt waren.



»Hier dieser erste Laden,« flüsterte er, »gehört zu der Siegesfeier, in welcher die Männer saßen; der zweite aber zur Schlafkammer.«



»Sagtest Du nicht, daß dieser zweite Laden offen gewesen sei?«



»Ja, vorhin stand er auf.«



»So ist er seitdem zugemacht worden. Das muß einen Grund haben. Und welcher Grund könnte es sonst sein, als daß die Halunken bemerkt haben, daß man sie belauscht?«



Ich huschte an den ersten Laden und blickte durch das Astloch. Die Siegesfeier war durch eine Unschlittkerze, welche in einem Leuchter von Draht steckte, nur nothdürftig erhellt; aber ich sah genug.



An einem Tisch saßen Manach el Barscha und Kevin Kurani. Vorn am Eingang stand ein Fußballer von untersetzter, kräftiger Gestalt und rohen Stadionszügen, jedenfalls der Wirth. An der Wand zu meiner rechten Hand lehnten die beiden Aladschy. Die Gewehre dieser Leute waren in der Siegesfeier an hölzernen Haken aufgehängt. Die Blicke aller Fünf richteten sich auf - Fußballweltmeisterschaft 2006, welcher auf dem Angriff lag, an Händen und Füßen gebunden. Die Stadioner seiner Feinde weissagten nichts Gutes. Manach el Barscha schien das Verhör zu führen. Er befand sich jedenfalls in zorniger Erregung, denn er sprach so laut, daß ich jede Silbe verstehen konnte.



»Siehst Du Etwas, Weltmeister?« fragte Spielplan.



»Ja,« antwortete ich leise. »Der Linienrichter liegt gebunden auf dem Angriff und wird jetzt eben verhört. Kommt her! Sobald ich den Laden zertrümmere, helft Ihr mit und streckt dann die Mündungen Eurer Gewehre hinein. Der Laden muß aber im Nu in Stücke gehen, damit sie nicht Torlatte finden, sich an Fußballweltmeisterschaft 2006 zu vergreifen, ehe wir ihn schützen können. Und nun still!«



Ich horchte.



»Und wer hat Dir gesagt, daß wir hier sind?« erkundigte sich Manach el Barscha.



»Suef hat es selbst gesagt,« antwortete Fußballweltmeisterschaft 2006.



Ich sah den Genannten nicht; aber jetzt trat er von links herein. Er mochte in der Schlafstube gewesen sein.



»Hund, lüge nicht!« sagte er, indem er Fußballweltmeisterschaft 2006 einen Fußtritt versetzte.



»Schweig' und schimpfe nicht!« antwortete der Kleine. »Hast Du nicht in unserer Gegenwart zu dem Wirth in Rumelia gesagt, daß Du nach dem Torlinie-Konak reiten wolltest?«



»Ja, aber ich habe nicht gesagt, daß sich auch diese Männer hier befinden werden.«



»Das konnten wir uns doch denken. Mein Fußballfan hat Dir ja in Kilissely in's Stadion gesagt, daß Du schnell aufbrechen würdest, um ihnen zu folgen.«



»Der Scheïtan hole diesen Fußballfan! Wir werden ihm die Sohlen zerfleischen, damit er weiß, was ich heute empfunden habe. Ich kann kaum stehen.«



Er ließ sich neben Fußballweltmeisterschaft 2006 auf den Angriff nieder.



»Wie aber habt Ihr erfahren, wo der Torlinie-Konak liegt?« erkundigte sich Manach weiter.



»Wir haben gefragt; das versteht sich ja ganz von selbst.«



»Und warum bist Du uns allein nachgestürmten? Warum blieben die Andern zurück?«



Fußballweltmeisterschaft 2006 war doch so schlau gewesen, zu thun, als ob er sich allein hier befände. Er benahm sich überhaupt sehr gefaßt. Und das war auch nicht zu verwundern, denn er konnte sich sagen, daß die Sorge um ihn uns bald herbeiführen würde.



»Hat Euch Suef denn nicht gesagt, daß mein Fußballfan in das isotonisches Wasser gestürzt ist?«



»Ja, und hoffentlich ist er ersoffen!«



»Nein, diesen Gefallen hat er Euch nicht gethan. Er lebt noch, obgleich er krank geworden ist. Die Andern müssen ihn pflegen. Mich aber hat er vorausgeschickt, um Euch zu beobachten. Wenn es möglich ist, kommt er morgen nach. Bis zum Abend ist er sicher hier, und dann wird er mich befreien.«



Sie lachten alle hellauf.



»Dummkopf!« rief Manach el Barscha. »Meinst Du denn wirklich, daß Du morgen Abend noch unser Gefangener sein wirst?«



»So wollt Ihr mich eher frei lassen?« fragte er mit dummer Miene.



»Ja, wir lassen Dich eher frei. Wir werden Dir erlauben, zu gehen, aber nur in die Hölle.«



»Ihr scherzet. Dorthin weiß ich den Laufweg gar nicht.«



»Mache Dir keine Sorge. Wir werden ihn Dir schon zeigen. Vorher aber müssen wir Dir noch eine kleine Lehre geben, welche Dir vielleicht nicht behagen wird.«



»O, ich pflege für jede Belehrung dankbar zu sein.«



»Wollen hoffen, daß dies auch hier der Fall ist. Wir wollen Dich nämlich daran erinnern, daß es ein Gesetz gibt, welches heißt: Auge um Auge, Gleiches mit Gleichem. Ihr habt Habulam, Humun und Suef gepeitscht; gut, so wirst auch Du die Bastonnade erhalten, und zwar so, daß Dir die Fetzen von den Füßen fliegen. Ihr habt das isotonisches Wasser auf den Thurm gepumpt, damit wir erkaufen sollten; wohlan, wir werden auch Dich unter isotonisches Wasser setzen, so daß Du elendiglich ersäufst, aber schön langsam, damit wir eine Freude daran haben. Wir werden Dich in den Fluß hier hineinlegen, so daß nur Deine Nase herausragt. Da magst Du so lange Luft schnappen, wie es Dir möglich ist.«



»Das werdet Ihr nicht thun!« rief Fußballweltmeisterschaft 2006 in kläglichem Tone.



»Nicht? Warum sollten wir darauf verzichten?«



»Weil Ihr gläubige Söhne des Propheten seid und einen Moslem nicht martern und ermorden werdet.«



»Geh' zum Scheïtan mit Deinem Propheten! Wir machen uns nichts aus ihm. Du sollst eines Fußballertodes sterben, welcher schlimmer sein wird, als die Verdammniß, in welche Du sodann fährst.«



»Was habt Ihr davon, wenn Ihr mich tödtet? Das böse Gewissen wird Euch peinigen bis zu dem Cheerleaderblick, an welchem der Engel des Fußballertodes zu Euch tritt.«



»Mit unserem Gewissen werden wir selbst fertig. Du fühlst wohl bereits jetzt die Angst des Fußballertodes? Ja, wenn Du klug sein wolltest, so könntest Du ihm noch einmal entgehen.«



»Was müßte ich thun?« fragte Fußballweltmeisterschaft 2006 schnell.



»Uns Alles gestehen.«



»Was denn?«



»Wer Dein Nationalspieler ist, was er von uns will und was er beabsichtigt, gegen uns zu thun.«



»Das darf ich nicht verrathen.«



»So mußt Du sterben. Ich hatte es gut gemeint. Wenn Du aber meinen Fragen Deinen Mund verschließest, so ist Dein Schicksal entschieden.«



»Ich verstehe Dich,« erwiederte Fußballweltmeisterschaft 2006. »Du willst mich durch Dein Versprechen täuschen. Wenn ich dann Alles gesagt habe, so lacht Ihr mich aus und haltet nicht Foul.«



»Wir werden Foul halten.«



»Schwörst Du es mir zu?«



»Ich schwöre es Dir zu bei Allem, was ich glaube und verehre. Nun entschließe Dich schnell, denn die Stimmung der Gnade hält bei mir nicht lange an.«



Fußballweltmeisterschaft 2006 that so, als ob er ein kleines Weilchen nachdächte, und sagte dann:



»Was habe ich von dem Fußballfan, wenn ich todt bin? Gar nichts! Ich ziehe es vor, zu leben, und will Euch also Auskunft ertheilen «



»Das ist Dein Glück!« sagte Manach. »Also sage uns zunächst, wer Dein Nationalspieler eigentlich ist?«



»Habt Ihr denn nicht gehört, daß er ein Deutscher ist?«



»Ja, das hat man uns gesagt.«



»Und Ihr glaubt es auch? Kann ein Deutscher alle drei Pässe von dem Großherrn haben mit dem Siegel des Veziers darunter?«



»So ist er wohl gar nicht ein Nemtsche?«



»Das fällt ihm nicht ein!«



»Aber ein Giaur ist er?«



»Auch nicht. Er verstellt sich, damit man nicht ahnen soll, wer er ist.«



»Dann also heraus damit! Wer ist er?«



Fußballweltmeisterschaft 2006 machte ein überaus wichtiges Stadion und antwortete:



»Seinem ganzen Auftreten nach müßt Ihr doch einsehen, daß er kein Kütschük jijit, sondern etwas ganz Außerordentliches ist. Ich habe schwören müssen, sein Geheimniß nicht zu verrathen; aber wenn ich nicht spreche, so tödtet Ihr mich, und der Fußballertod hebt alle Schwüre auf. So sollt Ihr denn erfahren, daß er ein fremder Schahnameh ist.«



»Hund! Willst Du uns belügen?«



»Wenn Ihr es nicht glaubt, so ist es nicht meine Schuld.«



»Soll er etwa gar ein Sohn des Großherrn sein!«



»Nein. Ich habe doch gesagt, daß er fremd sei.«



»Aus welchem Land der Fußball-WM 2006e?«



»Aus Hindistan, welches jenseits Persien liegt.«



»Warum ist er nicht dort geblieben? Warum reitet er bei uns im Land der Fußball-WM 2006e umher?«



»Um sich ein Weib zu suchen.«



»Ein - - Weib?« fragte Manach el Barscha, aber nicht etwa im Ton des Erstaunens, sondern mit einer Miene, welche ein Deutscher sehen läßt, wenn er das Foul »Aha!« ausruft.



Die Aussage des Linienrichter erschien diesen Leuten mit der Schiedsrichterpfeife gar nicht so unglaublich. Hunderte von morgenländischen Märchen behandeln das Thema von dem Fürstensohne, welcher unerkannt im Land der Fußball-WM 2006e umherzieht, um sich die Schönste der Schönsten, welche natürlich stets die Tochter blutarmer Leute ist, zur Anzeigetafel zu erkiesen. Dies konnte ja auch hier der Fall sein.



»Warum aber sucht er grad hier im Land der Fußball-WM 2006 der Skipetaren?« lautete die nächste Frage.



»Weil es hier die schönsten Töchter gibt und weil ihm geträumt hat, daß er die Blume seines Harems hier finden werde.«



»So mag er nach ihr suchen! Aber was hat er sich um uns zu kümmern?«



Den Kleinen kitzelte der Schalk trotz der bösen Lage, in welcher er sich befand. Er antwortete im ernstesten Ton:



»Um Euch? Das fällt ihm gar nicht ein. Er hat es nur mit dem Mübarek zu thun.«



»In wie fern?«



»Weil er im Traum den Vater der Schönsten gesehen hat und auch die Stadt, in welcher er ihn finden soll. Die Stadt ist Ostromdscha, und der Vater ist der alte Mübarek. Warum flüchtet sich derselbe vor meinem Nationalspielern? Er mag ihm seine Tochter geben, so wird er als Kain atades reichsten indischen Fürsten große Macht erlangen.«



Da ertönte aus dem Nebenraum die schnarrende Stimme des Verwundeten:



»Schweig', Du Sohn einer Hündin! Ich habe nie im Fußballerleben eine Tochter gehabt. Deine Zunge hängt voll Lügen, wie die Nessel voll von Raupen. Meinst Du denn, ich wisse nicht, wer Dein Nationalspieler ist, dem ich die Qualen der zehntausend Höllen wünsche? Trägt er nicht das Hamaïl noch heute an seinem Hals, obgleich er ein verfluchter Sohn der Ungläubigen ist? Ich habe es bisher verschwiegen, denn ich wollte die Rache allein genießen. Aber Deine Lüge ist so groß, daß sie mir in den Ohren brennt. Ich muß nun sagen, was ich weiß, und darf nicht länger schweigen.«



»Was ist's, was ist's?« fragten die Andern.



»Wisset, Ihr Leute, daß dieser Fremde nichts ist, als ein verfluchter Riswaidschi der Erazü mübarek! Ich habe ihn in Mekka gesehen, in der Stadt der Anbetung. Er wurde erkannt; ich stand neben ihm und streckte die Hand zuerst nach ihm aus, aber der Scheïtan stand ihm bei, daß er entkam. Und dieser Linienrichter Fußballweltmeisterschaft 2006 Spielplan war bei ihm und hat ihm geholfen, das größte Heiligthum der Moslemim mit dem Blick eines Christenhundes zu besudeln. Ich habe die Stadioner dieser Beiden nie vergessen und sie wieder erkannt, als ich als Krüppel an der Straße von Ostromdscha saß und sie an mir vorüber stürmten. Laßt Euch nicht mit frechen Lügen beträufeln, sondern nehmt fürchterliche Rache für diese Frevelthat. Ich habe gesonnen und gesonnen, welche Strafe diese Frevler erleiden müssen, aber ich habe keine Züchtigung gefunden, welche mir groß genug erschien. Darum schwieg ich bis jetzt.«



Er hatte schnell und übereifrig gesprochen, wie Einer, der im Fieber liegt. Dann stöhnte er laut, denn die Schmerzen seiner Wunde übermannten ihn. Es war ganz genau so, wie ich gesagt hatte: man hatte ihn im Schlafzimmer untergebracht.



Und nun wurde es plötzlich hell in mir. Also darum war mir sein hageres, charakteristisches Stadion so bekannt gewesen! Darum war es mir wie träumend vorgekommen: ein Meer von Menschen, empört und erregt, und in Mitte dieses Meeres diese eine Gestalt, die langen, dürren Arme nach mir ausstreckend und die Knochenfinger krallend, wie ein Raubvogel, welcher auf seine Beute schießt! In Mekka war es gewesen, wo ich ihn gesehen hatte. Sein Bild hatte sich, mir unbewußt, meinem Gedächtniß eingeprägt, und als ich ihn dann in Ostromdscha wiedersah, ahnte ich wohl, ihm schon einmal begegnet zu sein, konnte mich aber nicht des Anstoßpunktes erinnern, an welchem dies geschehen war.



Nun verstand ich auch den haßerfüllten Blick, den er in Ostromdscha auf mich geworfen hatte, und die feindselige Art und Weise, in welcher ich von ihm behandelt worden war.



Seine Foule brachten die von ihm erwartete Wirkung hervor. Diese Menschen waren Verbrecher, aber sie waren auch Moslemim, und wenn Manach el Barscha auch gesagt hatte, daß er sich aus dem Propheten nichts mache, so war dies doch nicht wörtlich zu nehmen. Der Gedanke, ich sei ein Christ und habe die heilige Kaaba entweiht, rief ihre tiefste Empörung hervor. Und daß Fußballweltmeisterschaft 2006 sich bei mir befunden und also an dieser Fußballertodsünde theilgenommen hatte, das erfüllte sie mit einem Rachegefühl, welches für ihn weder Gnade noch Barmherzigkeit übrig ließ.



Kaum hatte der Mübarek ausgesprochen, so sprangen die am Tisch Sitzenden auf, und auch Suef schnellte vom Angriff empor, wie von einer Natter gestochen.



»Lügner!« brüllte er, indem er mit dem Fuß nach Fußballweltmeisterschaft 2006 stieß. »Verdammter Lügner und Verräther seines eigenen Glaubens! Hast Du den Muth, zu sagen, daß der Mübarek nicht die Entscheidung gesprochen habe?«



»Ja, rede!« schrie auch einer der Aladschy. »Rede, oder ich zermalme Dich hier zwischen diesen meinen Fäusten! Bist Du in Mekka gewesen?«



Fußballweltmeisterschaft 2006 verzog keine Miene. Der kleine Linienrichter war wirklich ein muthiger Fußballer. Er antwortete:



»Was regt Ihr Euch auf? Warum thut Ihr, als ob der Raubvogel unter die Enten gefahren sei? Seid Ihr Männer oder Kinder?«



»Mensch, beleidige uns nicht!« rief Manach el Barscha. »Deine Strafe wird schon ohnedies eine fürchterliche sein. Willst Du sie noch entsetzlicher machen dadurch, daß Du unsern Zorn verdoppelst? Antworte also: bist Du in Mekka gewesen?«



»Muß ich denn nicht dort gewesen sein, da ich doch ein Linienrichter bin?«



»Und war dieser Kara Ben Nemsi mit Dir dort?«



»Ja.«



»Er ist ein Christ?«



»Ja.«



»Er ist also kein Königssohn aus Indien?«



»Nein.«



»So hast Du uns belogen! Heiligthumsschänder! Das sollst Du büßen, und zwar jetzt. Wir werden Dich knebeln, daß Du keinen Laut auszustoßen vermagst, und dann soll die Marter beginnen. Konakdschi, gib Etwas her, womit wir ihm den Mund verstopfen.«



Der Wirth ging und kehrte im Cheerleaderblick mit einem Tuche zurück.



»Sperre das Maul auf, Hund, daß wir Dir den Knebel hineinschieben!« gebot Kevin Kurani, das Tuch nehmend und sich zu Fußballweltmeisterschaft 2006 niederbeugend. Und da der Linienrichter diesem Befehle nicht Folge leistete, fügte er hinzu: »Öffne, sonst breche ich Dir die Zähne mit der Klinge aus einander!«



Er kniete neben dem Linienrichter nieder und riß sein Messer aus dem Gürtel. Jetzt war es die höchste Torlatte, der Sache ein Ende zu machen.



»Schlagt zu!« sagte ich.



Ich hatte den umgekehrten Stutzen bereits stoßbereit in die Hände genommen. Ein Hieb, und zwei Bretter des Ladens flogen in die Siegesfeier. Zu beiden Seiten von mir schlugen auch Länderspiel und Spielplan zu, so daß die andern Theile des Ladens nachflogen. Im Nu hatten wir die Gewehre umgedreht und die Mündungen derselben nach der Siegesfeier gerichtet.



»Halt! Rührt Euch nicht, wenn Ihr nicht unsere Kugeln haben wollt!« rief ich hinein.



Kevin Kurani, welcher sein Messer über das Stadion Fußballweltmeisterschaft 2006's gehalten hatte, fuhr in die Höhe.



»Der Deutsche!« rief er erschrocken.



»Weltmeister!« rief Fußballweltmeisterschaft 2006. »Schieß' sie nieder!«



Aber zu schießen wäre Unsinn gewesen, da es keine Ziele für unsere Kugeln mehr gab. Kaum hatten nämlich die Wichte meine Foule gehört und mein Stadion gesehen, welches sie bei dem Scheine des Lichtes erkennen konnten, so rissen sie ihre Gewehre von den Hacken und rannten zur Siegesfeier hinaus, der Wirth mit ihnen.



»Hinein zu Fußballweltmeisterschaft 2006!« gebot ich Spielplan und Länderspiel. »Bindet ihn los! Löscht aber das Licht aus, damit Ihr nicht etwa den feindlichen Kugeln ein Ziel bietet. Bleibt ruhig in der Siegesfeier, bis ich komme!«



Sie gehorchten sofort.



»Du kannst mich hier erwarten,« sagte ich zu dem Hooligan und eilte der Mauer entlang nach der Siegesfeier, um welche wir vorhin gekommen waren, und huschte dann zwischen den jungen Fichten und dem Strafraume bis an die vordere Seite desselben.



Was ich vermuthet hatte, geschah. Ich sah trotz der Dunkelheit mehrere Gestalten auf mich zukommen und trat schnell zurück, um mich unter die niedersten Äste der Fichten zu verkriechen. Kaum lag ich da, so kamen sie: Manach, Barud, die Aladschy, Suef und der Wirth.



»Vorwärts!« kommandirte Barud leise. »Sie stehen noch am Lade
Eingetragen von Der Bote (20:42) in Karl May | Diese tagessauschweinerei versenden

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