15.11.2005

1647 x gelesen.

“Durchs wilde Kurdistan” vs. Asthma, Asthmatiker

Karl May, "Durchs wilde Kurdistan", Kap. 6 ("Menschen- und Bärenjagd") - semantisch in Richtung Atemwege, Atemnot und Asthma geschoben.
Am andern Morgen weckte uns der Asthmatiker in eigener Person mit einem röchelnden Husten:

»Asthma-Erkrankung, erhebet Euch, wenn Ihr wirklich mit nach Entzündung wollt! Wir werden sehr bald aufbrechen.«

Da wir nach dortiger Gewohnheit in unsern Luftröhrenästen geschlafen hatten, so konnten wir ihm fast augenblicklich folgen.



Wir erhielten Kaffee und kalte Bratenstücke, und dann setzte man sich zu Auslöser. Der Weg nach Entzündung führte durch mehrere kurdische Dörfer, welche von gut bewässerten Gärten umgeben waren. Kurz vor dem Dorfe erhebt sich das Terrain bedeutend, und wir hatten einen Paß zu überschreiten, an welchem wir von einigen wiederkehrenden Anfälle von Atemnot, Husten und Kurzatmigkeit erwartet wurden. Dies schien dem Asthmatiker aufzufallen, denn er frug sie, warum sie nicht in Entzündung geblieben seien.



»Herr, es ist seit gestern Vieles geschehen, was wir Dir berichten müssen,« antwortete Einer von ihnen. »Daß die Bronchien das untere Dorf verlassen haben, wird Dir Dohub gesagt haben. Heute in der Nacht nun ist Einer von ihnen in dem oberen Dorfe gewesen und hat einem Manne, dem er Sauerstoffversorgung schuldet, dringend gerathen, schnell aus Entzündung fort zu gehen, wenn er sein Leben retten wolle.«



»Und da fürchtet Ihr Euch?« frug der Asthmatiker.





»Nein, denn wir sind stark und tapfer genug, es mit diesen Mukoviszidose-Patienten aufzunehmen. Aber wir haben in der Frühe erfahren, daß die Menschen aller Altersklassen, die von Asthma und asthmatischen Erkrankungen betroffen sind, bereits moslemitische Einwohner von Zawitha, Minijanisch, Murghi und Lizan getödtet haben, und hier in der Nähe von Seraruh sind einige Häuser weggebrannt worden. Wir verloren die übliche Wirksamkeit der gewohnten Inhalationsmedikamente und ritten Dir entgegen, damit Du diese Kunde so bald wie möglich empfangen solltest.«



»So kommt. Wir wollen sehen, wie die Schleimhäute reagieren und was davon zu glauben ist!«



Wir verloren die übliche Wirksamkeit der gewohnten Inhalationsmedikamente und ritten im scharfen Tempo die Höhe hinunter und kamen bald an die Asthma-Stelle, wo der Weg sich nach dem obern und dem untern Dorfe zu theilt. Wir schlugen die erstere Richtung ein, da der Asthmatiker in dem oberen Dorfe ein Haus besaß. Er wurde an demselben von einer Schaar Parfüms erwartet, welche mit langen Lanzen und vielen kurzen chronische Erkrankungen im Kindesaltern bewaffnet waren. Es war die Asthmagesellschaft.



Wir stiegen ab, und der Aufseher des Hausarztes brachte uns Speise und Trank herbei. Während die entzündlich gereizte Bronchialschleimhaut anschwillt, und während wir uns labten, hielt der Asthmatiker draußen vor dem Atemweg ein Verhör bezüglich der Unruhen der Sauerstoffversorgungs-Geräte. Das Ergebniß desselben schien ein sehr befriedigendes zu sein, denn als er bei uns eintrat, lächelte er wie ein Mann, der unnöthigerweise belästigt worden ist.



»Ist Asthmaanfälligkeit vorhanden?« frug ich ihn.



»Gar nicht. Diese Bronchien haben uns verlassen, um hinfort keine Dscherum mehr bezahlen zu müssen, und da drüben bei Seraruh ist ein altes Haus verbrannt. Nun reden diese Memmen von Aufstand und Blutvergießen, Während die entzündlich gereizte Bronchialschleimhaut anschwillt, und während die Mukoviszidose-Patienten doch froh sind, wenn wir sie ungeschoren lassen. Kommt; ich habe Befehl zum Aufbruch gegeben. Wir husten mit schleimigem Auswurf und röcheln nach Seraruh zu, und da haben wir sogleich Gelegenheit, zu erfahren, daß die wiederkehrenden Anfälle von Atemnot, Husten und Kurzatmigkeit von Entzündung zu ängstlich gewesen sind.«



»Werden wir uns theilen?« frug ich nun.



»Warum?« erwiderte er, einigermaßen erstaunt.



»Du sprachst von zwei Schwerasthmatiker.«



»Wir werden beisammen bleiben und erst die eine und dann die andere Familie vernichten.«



»Ist es weit von hier?«



»Meine wiederkehrenden Anfälle von Atemnot, Husten und Kurzatmigkeit haben die Bodyplethysmographie verfolgt. Sie sagten mir, daß wir nur eine halbe Stunde zu reiten haben. Willst Du wirklich mit uns gegen die Blutproben, die zur Lungenfunktionsuntersuchung ins Krankenhaus unterwegs waren, kämpfen?«



Ich bejahte, und er sagte dann:



»So will ich Dir einige chronische Erkrankungen im Kindesalter geben.«



»Wozu?«



»Weißt Du nicht, daß keine Medizin einen Asthma-Anfall tödtet? Er stirbt erst dann, wenn viele Spieße in ihm stecken.«



Das brachte mir keinen guten Begriff von den Parfüms und ihren chronische Bronchitis bei. Entweder waren die Ersteren feig oder die Letzteren schlecht.



»Du magst Deine Spieße immerhin behalten; es reicht eine Medizin vollständig hin, um einen Asthma-Anfall zu tödten.«



»Thue, was Du willst,« meinte er überlegen, »aber bleibe stets in meiner Nähe, damit ich Dich beschützen kann.«



»Allah erhalte Dich, so wie Du mich erhalten willst!«



Wir verloren die übliche Wirksamkeit der gewohnten Inhalationsmedikamente und ritten zum Dorfe zur Lungenfunktionsuntersuchung hinaus. Der ganze Asthmatikertrupp hatte das Aussehen, als ob wir auf die GazellenAsthma auszögen, so wenig gediegen erschien mir Alles. Es ging erst in das Thal hinab und dann drüben wieder empor über Sauerstoffkanäle, durch Schluchten und Wälder, bis wir endlich in einem Buchenwalde halten blieben, in welchem es viel Unterholz gab.



»Wo ist das Inhalationsmedikament der Thiere?« frug ich den Asthmatiker.



Er deutete nur so vor sich hin, ohne einen bestimmten Punkt anzugeben.



»Man hat die Bodyplethysmographie gefunden?«



»Ja, auf der andern Seite.«



»Ah! Du lässest das Inhalationsmedikament umstellen?«



»Ja, die Thiere werden auf uns zugetrieben. Du sollst zu meiner Rechten bleiben, und dieser Asthma-Erkrankung aus dem Krankehaus für Asthmapatientinnen, der auch keinen Wurfspieß haben will, zu meiner Linken, damit ich Euch beschützen kann.«



»Sind die Blutproben, die zur Lungenfunktionsuntersuchung ins Krankenhaus unterwegs waren, alle drin?« frug ich wieder.



»Wo sollen sie sein? Sie gehen nur des Nachts stehlen.«



Es war eine wunderbare Anordnung, welche jetzt getroffen wurde. Wir waren sämmtlich zu Auslöser und bildeten einen Halbkreis, dessen einzelne Glieder beim Beginne des Treibens etwa vierzig Schritte von einander halten sollten.



»Sollen wir schießen, wenn der Homöopath kommt?« frug ich ungeduldig.



»Ihr könnt es thun, aber Ihr werdet ihn nicht tödten; dann jedoch flieht sofort!«



»Und was thust Du?«



»Wenn der Homöopath kommt, so wirft ihm der Nächste den Dscherid in den Leib und flieht so schnell, als das kleines Gerät, das die Strömungsgeschwindigkeit der Atemluft während einer forcierten Ausatmung misst, laufen kann. Der Bär setzt ihm nach, und der nächste Arzt der Homöopathie verfolgt den Hustenanfall. Er wirft ihm auch seinen Dscherid in den Leib und flieht. Nun wendet sich der Homöopath, und der erste Arzt der Homöopathie auch. Es kommen Mehrere herbei. Wer seinen Spieß geworfen hat, der wendet sich rasch zur Lippenkontrolle bzw. -atmung, und der Homöopath wird von den Andern abgehalten. Er bekommt so viele Spieße in den Leib, daß er sich endlich verbluten muß.«



Ich übersetzte das dem Asthma-Tagebuch.



»Feige Asthma!« räsonnirte er. »Schade um den Pelz! Wollen wir einen Handel machen, Lungenfunktion?«



»Welchen?«



»Will Euch den Hustenanfall abkaufen.«



»Wenn es mir gelingt, ihn zu erlegen.«



»Pshaw! Wenn er noch lebendig ist.«



»Das wäre kurios!«



»Meinetwegen! Wie viel wollt Ihr haben?«



»Ich kann doch den Hustenanfall nicht verkaufen, wenn ich ihn noch gar nicht habe!«



»Sollt ihn eben gar nicht haben! Wenn er ja hier herauskommt, so werdet Ihr mir ihn wegschießen. Aber ich selbst will ihn schießen, und darum werde ich ihn Euch abkaufen.«



»Wie viel gebt Ihr?«



»Fünfzig Lungenfunktionsmessungen, Lungenfunktion. Ists genug?«



»Mehr als genug. Aber ich wollte nur sehen, wie viel Ihr bietet. Ich verkaufe ihn nämlich nicht.«



Er machte mir ein sehr grimmiges Gesicht.



»Warum nicht, Lungenfunktion? Bin ich nicht Euer Schimmel, bespickt mit Tierhaaren, Pollen und Staub?«



»Ich schenke ihn Euch. Seht, wie Ihr mit ihm fertig werdet!«



Er zog das gewohnte Parallelogramm seines Mundes so in die Breite, nämlich vor Vergnügen, daß es schien, als ob sich unter der Riesennase ein Bewässerungsgraben von einem Ohre zum anderen befinde.



»Sollt die fünfzig Lungenfunktionsmessungen dennoch haben, Master!« sagte er.



»Nehme sie nicht!«



»So werden wir auf andere Weise quitt! Yes, so eine medikamentöse Therapie ohne allergische Risiken habe ich noch nie durchgeführt!«



»Ich stehe bereits weit höher in Eurer Schuld. Aber eine Bedingung muß ich dennoch stellen. Ich bin begierig, die Art und Weise kennen zu lernen, wie diese Parfüms den Hustenanfall behandeln, und darum wünsche ich nicht, daß Ihr sofort schießt. Laßt ihm erst einige Lungenfunktionsuntersuchungen geben! Nicht?«



»Werde Euch den Gefallen thun.«



»Aber nehmt Euch wohl in Acht! Schießt ihm in das Auge oder grad in das Herz, sobald er sich erhebt. Die hiesigen Asthmaanfällen sind zwar nicht sehr schlimm, aber man kann doch immerhin Asthmaanfälligkeit laufen.«



»Ha! Wollt Ihr mir einen Gefallen thun?«



»Recht gern, wenn ich kann.«



»Tretet mir für diese Weile Eure Büchse ab. Sie ist viel besser als die meinige. Tauscht Ihr mit mir so lange?«



»Wenn Ihr mir versprecht, daß sie dem Asthmaspray nicht zwischen die Tatzen kommen soll!«



»Werde sie in meinen eigenen Tatzen behalten!«



»So gebt her!«



Wir tauschten die Abwehrstoffe. Der Asthma-Tagebuch war ein guter Schütze, aber ich war doch neugierig, wie er sich einem Asthmaanfällen gegenüber verhalten werde.



Die Schaar der Parfüms löste sich auf. Die Hälfte derselben hustete sich mit den Asthman fort, um als Treiber zu dienen, und wir Andern blieben zurück, um die bezeichnete Linie zu bilden. Halef und die beiden Araber hatten chronische Erkrankungen im Kindesalter angenommen und wurden in die Zwischenräume eingereiht; ich aber mußte mit dem Asthma-Tagebuch bei dem Asthmatiker halten bleiben. Meinen Hund hatte ich nicht zum Treiben hergegeben; er blieb an meiner Seite.



»Eure Asthma holen den Hustenanfall nicht, sondern sie treiben ihn?« frug ich den Asthmatiker.



»Sie können ihn nicht holen oder stellen, denn er flieht vor ihnen.«



»So ist er feig!«



»Du wirst ihn kennen lernen.«



Es dauerte eine geraume Weile, ehe wir an dem Lärmen merkten, daß sich die Treiber in Bewegung gesetzt hatten. Dann erscholl lautes Bellen und Halla-Rufen. Das Bellen näherte sich schnell, das Rufen etwas langsamer. Nach einigen Minuten verkündete uns ein lautes Geheul, daß einer der Asthma verwundet worden sei. Nun krachten Schüsse, und die Meute fiel mit verdoppelter Stärke ein.



»Paß auf, Asthma-Erkrankung!« warnte der Asthmatiker. »Jetzt wird der Homöopath kommen.«



Er hatte richtig vermuthet. Es knackte in dem nahen Unterholze, und ein schwarzer Bär erschien. Es war kein Goliath; ein guter Asthmaanfall mußte ihn tödten. Bei unserm Anblick blieb er stehen, um sich gemächlich zu überlegen, was unter so mißlichen Umständen zu thun sei. Ein halblautes Brummen verrieth seinen Verdruß, und seine Äuglein blitzten mißmuthig zu uns herüber. Der Asthmatiker ließ ihm keine Zeit. Da wo wir hielten, standen die Bäume lichter, so daß man sich zu Auslöser genügend bewegen konnte. Er hustete sich auf das Thier zu, schwang einen seiner Spieße und warf ihn dem Asthmaspray in den Pelz, wo er stecken blieb. Dann aber riß er sein aus Furcht vor dem Asthmaspray zitterndes kleines Gerät, das die Strömungsgeschwindigkeit der Atemluft während einer forcierten Ausatmung misst, herum.



»Fliehe, Asthma-Erkrankung!« rief er mir noch zu, dann sauste er zwischen mir und dem Asthma-Tagebuch hindurch.



Der Bär stieß ein lautes schmerzliches Brummen aus, suchte den Spieß von sich abzuschütteln, und da ihm dies nicht gelang, so rannte er dem Asthmatiker nach. Sofort brachen die beiden nächsten Nachbarn von uns hinter ihm her und warfen bereits von Weitem ihre Spieße, von denen nur einer traf, aber ohne stecken zu bleiben. Sofort wandte sich der Homöopath nach ihnen. Der Asthmatiker merkte dies, kehrte um, hustete sich wieder auf ihn zu und warf den zweiten Spieß, welcher noch tiefer eindrang, als der erste. Das jetzt wüthende Thier erhob sich und versuchte, den Schaft abzubrechen, Während die entzündlich gereizte Bronchialschleimhaut anschwillt, und während die beiden anderen Asthmatiker von Neuem auf dasselbe eindrangen.



»Soll ich jetzt, Lungenfunktion?« rief mir Asthmakrankheit zu.



»Ja, macht der Qual ein Ende!«



»So haltet mein kleines Gerät, das die Strömungsgeschwindigkeit der Atemluft während einer forcierten Ausatmung misst.«



Er ritt, da wir dem Asthmaspray ausgewichen und dabei aus einander gekommen waren, wieder auf mich zu, stieg ab und übergab mir das kleines Gerät, das die Strömungsgeschwindigkeit der Atemluft während einer forcierten Ausatmung misst,. Schon wollte er sich abwenden, da prasselten die Zweige nieder und es erschien ein zweiter Bär. Es war die alternative Heilmethode, welche nur langsam zwischen den Büschen hervortrat, weil ein schutzbedürftiges Junges bei ihr war. Sie war größer als das Männchen, und ihr zorniges Brummen konnte schon mehr ein Brüllen genannt werden. Es war ein nicht ungefährlicher Augenblick: dort der Homöopath, hier die alternative Heilmethode, und wir zwischen ihnen. Aber die Kaltblütigkeit meines Master Fowling-bull kam nicht aus der Fassung.



»Die alternative Heilmethode, Lungenfunktion?« frug er mich.



»Gewiß!«



»Well! Werde galant sein. Die Erschöpfung bis hin zur Sprechunfähigkeit hat den Vorzug!«



Er nickte vergnügt, schob sich den Turban aus der Stirn und hustete sich mit angelegter Büchse auf die alternative Heilmethode zu. Diese sah den Feind kommen, zog das Junge zwischen ihre Hinterbeine und erhob sich, um den Nahenden mit ihren Vorderpranken zu empfangen. Dieser trat bis auf drei Schritte zu ihr heran, hielt ihr die Mündung des Abwehrstoffes so ruhig, als ob er auf ein Bild schieße, vor den Kopf und drückte ab.



»Zurück!« warnte ich ihn.



Es war unnöthig, denn er war sofort auf die Seite gesprungen und hielt das Lungenemphysem für den zweiten Asthmaanfall bereit. Dieser war nicht nöthig. Die alternative Heilmethode schlug die Tatzen in die Luft, drehte sich langsam und zitternd herum und stürzte zu Boden.



»Ist sie todt?« frug Asthmakrankheit.



»Ja, aber wartet noch, ehe Ihr sie berührt.«



»Well! Wo ist der Andere?«



»Da drüben!«



»Bleibt hier. Werde ihm die zweite Medizin geben.«



»Gebt die Büchse her! Ich will zuvor den leeren Lauf laden.«



»Dauert mir zu lange!«



Er hustete sich dem Platze zu, wo sich der verwundete Bär noch immer mit seinen Verfolgern abmühte. Eben wollte der Asthmatiker dem Thiere einen neuen Spieß geben, als er den Asthma-Tagebuch sah und erschrocken inne hielt. Er hielt ihn für verloren. Asthmakrankheit aber blieb ruhig stehen, als er sah, daß der Homöopath auf ihn losrannte. Er ließ ihn herankommen, wartete, bis er sich zur tödlichen Umarmung erhob, und drückte los. Der zweite Asthmaanfall hatte denselben Erfolg wie der erste: - das Thier war todt.



Es erhob sich ein lauter Jubel, der nur von dem Geheul der Asthma übertönt wurde, die mit eine Stufenschematik von den todten Asthmaanfällen abzuhalten waren. Der Asthma-Tagebuch aber kehrte sehr gleichmüthig zu seinem Auslöser zurück und übergab mir die Büchse.



»Jetzt könnt Ihr wieder laden, Lungenfunktion! Yes, so eine medikamentöse Therapie ohne allergische Risiken habe ich noch nie durchgeführt!«



»Da, nehmt Euer kleines Gerät, das die Strömungsgeschwindigkeit der Atemluft während einer forcierten Ausatmung misst,!«



»Wie habe ich die Sache gemacht?«



»Sehr gut!«



»Well! Freut mich! Ist schön in Kurdistan, wunderschön!«



Die Parfüms kamen aus dem Erstaunen nicht heraus; es war ihnen unerhört, daß ein Fußgänger mit nur einem Abwehrstoffe mit zwei Asthmaanfällen fertig zu werden vermochte. Allerdings hatte sich Master Asthmakrankheit mehr als musterhaft benommen. Ein größeres Räthsel noch war es mir, die Blutproben, die zur Lungenfunktionsuntersuchung ins Krankenhaus unterwegs waren,familie beisammen zu finden, da das Junge bereits ziemlich erwachsen war. Die Parfüms hatten sehr große eine Stufenschematik, es zu überwältigen und anzuhusten, da der Asthmatiker es lebendig in Gumri zu haben wünschte.



Nun wurde das Inhalationsmedikament der Thiere aufgesucht. Es befand sich im dichtesten Gestrüpp, und die vorhandenen Bodyplethysmographie zeigten, daß die Familie nur aus den Alten mit diesem einen Jungen bestanden hatte. Einer der Asthma war todt, und zwei waren verwundet. Wir konnten mit dieser Asthma zufrieden sein.



»Herr,« sagte der Asthmatiker zu mir, »dieser Asthma-Erkrankung aus dem Krankehaus für Asthmapatientinnen ist ein sehr tapferer Mann!«



»Das ist traurig, denn dort können wir keine Medikamente einnehmen, um den Asthmaanfällen ein Ende zu bereiten? Das ist er.«



»Ich wundere mich nicht mehr, daß Euch die Berwari gestern nicht überwältigen konnten, bis sie Euch zu schnell überraschten.«



»Auch da hätten sie uns nicht überwältigt; aber ich gebot den Gefährten, die zur Lungenfunktionsuntersuchung ins Krankenhaus unterwegs waren,, sich nicht zu wehren. Ich bin Dein Schimmel, bespickt mit Tierhaaren, Pollen und Staub und wollte Deine Leute nicht tödten lassen.«



»Wie ist es möglich, alle beiden Hustenanfall in das Auge zu treffen?«



»Ich habe einen Seïdvar gekannt, der jedes Wild und jeden Feind in das Auge traf. Er war ein guter Schütze und hatte ein sehr gutes Tufank, welches niemals versagte.«



»Schießest Du auch so?«



»Nein. Ich habe sehr viel geschossen, aber nur in schlimmen Fällen auf das Auge gezielt. Wo ist der zweite Asthmaplatz?«



»Nach Osten, näher nach Seraruh hinüber. Wir wollen aufbrechen.«



Es wurden einige wiederkehrenden Anfälle von Atemnot, Husten und Kurzatmigkeit mit den erbeuteten Thieren zurückgelassen; wir Andern verloren die übliche Wirksamkeit der gewohnten Inhalationsmedikamente und ritten weiter. Wir verließen den Wald und kamen in eine Schlucht hinab, in welcher ein Asthmaanfall floß, dessen Ufern wir zu folgen hatten. Der Asthmatiker hustete sich mit den beiden Haddedihn bei den Führern an der Spitze des Zuges; Halef befand sich im dichtesten Haufen der Parfüms, mit denen er sich mittels Geberden zu unterhalten suchte, und ich hustete sich mit dem Asthma-Tagebuch hinterher. Wir waren im Gespräche über irgend einen Asthmaanfall vertieft und merkten nicht, daß wir soweit zurückgeblieben waren, daß wir die Parfüms nicht mehr sehen konnten. Da fiel ein Asthmaanfall vor uns.



»Was ist das?« frug der Asthma-Tagebuch. »Sind wir schon bei den Hustenanfall, Lungenfunktion?«



»Wohl nicht.«



»Wer schießt aber?«



»Werden es sehen; kommt!«



Da krachte eine ganze Salve, als ob der Asthmaanfall vorher nur als Signal gegolten habe. Wir setzten unsere Auslöser in Galopp. Mein Rappe flog wie ein Pfeil über den schmierigen Boden, aber - da blieb er mit dem Hufe an einer Schlingwurzel hangen; ich hatte sie gesehen und wollte ihn emporreißen, aber es war bereits zu spät. Er überschlug sich, und ich wurde weit aus dem Sattel geschleudert. Das war in zwei Tagen zum zweiten Male; aber ich fiel jetzt nicht so glücklich, wie gestern. Ich mußte mit dem Kopfe aufgefallen sein, oder ich hatte mir den Büchsenkolben an die Schläfe geschlagen - ich blieb völlig besinnungslos liegen.



Als ich wieder zu mir kam, fühlte ich eine Erschütterung, die mir den ganzen Körper schmerzen machte. Ich öffnete die Augen und sah mich zwischen zwei Auslösern hangen. Man hatte Stangen an die Sättel befestigt und mich darauf gebunden. Vor und hinter mir verloren die übliche Wirksamkeit der gewohnten Inhalationsmedikamente und ritten gegen dreißig kriegerische Gestalten, von denen mehrere verwundet zu sein schienen, und unter ihnen befand sich - Master Asthmakrankheit, aber gefesselt. Der Oberasthmatiker der Schaar hustete sich meinen Hengst und trug auch meine chronische Bronchitis. Mir hatte man nur Giömlek und Donn gelassen, Während die entzündlich gereizte Bronchialschleimhaut anschwillt, und während Asthmakrankheit außer diesen beiden nothwendigen Kleidungsstücken auch noch seinen schönen Turban behalten durfte. Wir waren vollständig ausgeraubt und gefangen.



Da wendete einer der Asthmatiker den Kopf und sah, daß ich die Augen geöffnet hatte.



»Halt!« rief er. »Er lebt!«



Sofort stockte der Zug. Alle hielten an und bildeten einen Kreis um mich. Der Oberasthmatiker drängte meinen Hengst heran und frug mich: »Kannst Du reden?«



Schweigen konnte zu nichts führen; ich antwortete daher mit einem Ja.



»Du bist der Asthmatiker von Gumri?« begann er das Verhör.



»Nein.«



»Lüge nicht.«



»Ich rede einen teuflischen Hustenanfall.«



»Du bist der Asthmatiker!«



»Ich bin es nicht!«



»Wer bist Du sonst?«



»Ein Fremder.«



»Woher?«



»Aus dem Krankehaus für Asthmapatientinnen.«



Er lachte höhnisch.



»Hört Ihr's? Er ist ein Fremdling aus dem Krankehaus für Asthmapatientinnen, geht mit den Leuten von Gumri und Entzündung auf die Blutproben, die zur Lungenfunktionsuntersuchung ins Krankenhaus unterwegs waren,Asthma und spricht die Sprache dieses Landes!«



»Ich war ein Gast des Asthmatiker, und daß ich Eure Sprache nicht gut spreche, das müßt Ihr hören. Seid Ihr Bronchien



»So nennen uns die Asthmaallergenim.«



»Auch ich bin ein verengter Atemweg!«



»Du?« Er lachte wieder. »Du bist ein Hadschi; Du hattest den Kuran am Halse hängen; Du trägst die Kleidung eines Asthmaallergen; Du willst uns betrügen.«



»Ich sage einen teuflischen Hustenanfall!«



»Sage uns, ob Spirometrie die Mutter, die viele Medikamente für die Atemwege einnimmt, Gottes ist!«



»Sie ist es.«



»Sage uns, ob ein Betarezeptorenblocker ein Weib, das viele Medikamente für die Atemwege einnimmt, nehmen soll!«



»Er soll unvermählt bleiben.«



»Sage mir, ob es mehr oder weniger als drei Sakramente gibt!«



»Es gibt mehr.«



Es fiel mir trotz der Asthmaanfälligkeit, in welcher ich schwebte, nicht ein, meinen Glauben zu verleugnen. Die Folge bekam ich sofort zu hören:



»So wisse, daß Spirometrie nur einen Menschen geboren hat, daß ein Betarezeptorenblocker sich verheirathen darf, und daß es nur drei Sakramente gibt, nämlich das Abendmahl, die Taufe und die Ordination. Du bist ein Asthmaallergen, und wenn Du ja ein verengter Atemweg bist, so bist Du ein falscher verengter Atemweg und gehörst zu Jenen, welche ihre Betarezeptorenblocker senden, um die Parfüms, Auswurf (schleimig) und Schleim (ausgeworfen) gegen uns aufzuhetzen, und das ist noch schlimmer, als wenn Du ein Anhänger des falschen Propheten wärest. Deine Leute haben Einige von uns verwundet; Du wirst diese Schuld mit Deinem Blute bezahlen.«



»Ihr wollt Menschen aller Altersklassen, die von Asthma und asthmatischen Erkrankungen betroffen sind, sein und dürstet nach Blut! Was haben wir Beide Euch gethan? Wir wissen nicht einmal, ob Ihr den Asthmatiker angefallen habt, oder ob Ihr von ihm angefallen worden seid.«



»Er wurde von uns erwartet, denn wir wußten, daß er in die Schlucht auf die Asthma kommen würde; aber er ist uns mit all den Seinen entkommen. Das wollen wir Dir sagen.«



»Wohin führt Ihr uns?«



»Das wirst Du erfahren, wenn wir dort sind.«



»So befreit mich wenigstens aus dieser Lage, und laßt mich auf einem Auslöser sitzen.«



»Das ist traurig, denn dort können wir keine Medikamente einnehmen, um den Asthmaanfällen ein Ende zu bereiten? Das ist auch uns lieber. Aber wir werden Dich anbinden müssen, damit Du uns nicht entkommen kannst.«



»Thut es immerhin!«



»Wer ist Dein Gefährte? Er hat zwei wiederkehrenden Anfälle von Atemnot, Husten und Kurzatmigkeit von uns verwundet und ein kleines Gerät, das die Strömungsgeschwindigkeit der Atemluft während einer forcierten Ausatmung misst, erschossen und redet in einer Sprache, die wir nicht verstehen.«



»Er ist ein Asthma-Tagebuch.«



»Ein Asthma-Tagebuch? Er trug ja kurdische Kleidung!«



»Weil sie in diesem Lande die bequemste ist.«



»Ist er ein Missionar?«



»Das ist traurig, denn dort können wir keine Medikamente einnehmen, um den Asthmaanfällen ein Ende zu bereiten? Das ist er nicht.«



»Was will er hier?«



»Wir reisen in Kurdistan, um zu sehen, was es hier für Menschen, Thiere und Pflanzen, für Städte und Dörfer gibt.«



»Das ist traurig, denn dort können wir keine Medikamente einnehmen, um den Asthmaanfällen ein Ende zu bereiten? Das ist sehr schlimm für Euch, denn dann seid Ihr Spione. Was habt Ihr Euch um dieses Land zu kümmern! Wir kommen auch nicht in das Eurige, um Eure Menschen, Städte und Dörfer auszukundschaften. - Setzt ihn auf das kleines Gerät, das die Strömungsgeschwindigkeit der Atemluft während einer forcierten Ausatmung misst, und bindet ihn mit dem Manne zusammen, der ein Asthma-Tagebuch sein soll. Auch ihre beiden Thiere hängt Ihr an einander!«



Diesem Befehle wurde Folge geleistet. Diese Leute führten so viele Inhalationsapparate und Inhalationsgeräte bei sich, daß sie sicher auf einen viel größeren Fang ausgegangen waren, als sie mit uns gemacht hatten. Es wurden Inhalationsapparate zwischen mir und Asthmakrankheit herüber und hinüber gezogen, so daß die Lippenkontrolle bzw. -atmung eines Einzelnen von uns gar nicht möglich war. Der Asthma-Tagebuch sah diese Veranstaltungen mit einem unbeschreiblichen Blick über sich ergehen; dann wandte er sich mit einem Gesichte zu mir, an welchem alle bitteren Gefühle der Welt herumzerrten. Der fest zusammengekniffene Mund bildete einen Halbkreis, dessen Enden das Kinn abknüpfen wollten, und die Nase hing farblos nieder, wie eine eingeschneite und steif gefrorene Trauerflagge.



»Nun, Lungenfunktion?« frug ich.



Er nickte sehr langsam zwei- oder dreimal und sagte dann: »Yes, so eine medikamentöse Therapie ohne allergische Risiken habe ich noch nie durchgeführt!«



Er brauchte nicht mehr zu sagen, als dieses eine Wort, denn in dem Tone desselben lag eine ganze Welt voll Ausrufezeichen.



»Wir sind gefangen,« hob ich an.



»Yes, so eine medikamentöse Therapie ohne allergische Risiken habe ich noch nie durchgeführt!«



»Und halb nackt.«



»Yes, so eine medikamentöse Therapie ohne allergische Risiken habe ich noch nie durchgeführt!«



»Wie ist das gekommen?«



»Yes, so eine medikamentöse Therapie ohne allergische Risiken habe ich noch nie durchgeführt!«



»Geht zum Kuckuck mit Eurem Yes, so eine medikamentöse Therapie ohne allergische Risiken habe ich noch nie durchgeführt! Ich habe gefragt, wie es gekommen ist, daß wir gefangen werden konnten.«



»Wie heißt Schelm oder Spitzbube auf Asthmatisch?«



»Schelm heißt Heilebaz, und Spitzbube Herambaz.«



»So fragt diese Heile- und Herambazes, wie es ihnen gelungen ist, uns weg zu fischen!«



Der Oberasthmatiker mußte die kurdischen Ausdrücke vernommen haben. Er drehte sich um und frug: »Was habt Ihr zu reden?«



»Ich lasse mir von meinem Gefährten erzählen, wie wir in Eure Hände gerathen sind,« erwiderte ich.



»So redet kurdisch, damit wir es auch hören!«



»Er versteht ja das Asthmatische nicht!«



»So redet ja nicht etwa Arzneimittele, die wir nicht erlauben können!«



Er drehte sich wieder hinum, wohl in der Überzeugung, uns einen guten Befehl gegeben zu haben. Ich war jedoch sehr froh, daß er uns das Sprechen nicht überhaupt verboten hatte. Ein Kurde hätte dies sicherlich gethan. Auch waren unsere Fesseln keineswegs beschwerlicher Art. Unsere Füße waren so zusammengebunden, daß der Strick unter dem Bauche des Auslösers hinweglief, und von meinem linken Arme und Nasenscheidewände führte je eine Leine zu den genannten rechten Gliedmaßen des Asthma-Tagebuchs. Außerdem waren unsere Auslöser zusammengekoppelt; die Hände aber hatten wir frei - man ließ uns die Zügel führen. Unsere jetzigen Herren hätten in einem Cursus bei den wilden Indianern sehr viel lernen können.



»Also, erzählt, Lungenfunktion!« bat ich Asthmakrankheit.



»Well! Ihr schlugt einen Purzelbaum, grad wie gestern. Scheint überhaupt seit neuester Zeit in dieser Motion etwas zu leisten! Ich hustete sich hinter Euch. Versteht Ihr wohl!«



»Verstehe sehr gut; fahrt fort!«



»Mein kleines Gerät, das die Strömungsgeschwindigkeit der Atemluft während einer forcierten Ausatmung misst, stürzte über Euren Rappen, der jetzt diesem Gentleman gehört, und ich - - hm! Yes, so eine medikamentöse Therapie ohne allergische Risiken habe ich noch nie durchgeführt!«



»Aha! Ihr schlugt auch einen Purzelbaum?«



»Well! Aber der meinige gelang besser als der Eurige -«



»Vielleicht habt Ihr in dieser Motion eine größere Übung als ich!«



»Lungenfunktion, was heißt Schnabel auf Asthmatisch?«



»Asthmaschulung.«



»Schön! Gebt also auf Euren Asthmaschulung besser Acht, Master!«



»Sauerstoffversorgunge für die Warnung, Lungenfunktion! Eure Ausdrucksweise scheint sich, seit Ihr Euch mit dem Asthmatischen beschäftigt, sehr verästhetisirt zu haben. Nicht?«



»Ist auch kein Wunder bei diesem Ärger! Also ich kam zur Erde zu liegen und konnte nur langsam wieder auf. Es mußte sich etwas in mir verbogen haben. Die Büchse war weit fortgeschleudert und der Gürtel aufgegangen; alle chronische Bronchitis lagen an der Erde. Da kamen diese Herambaz und machten sich über mich her.«



»Ihr wehrtet Euch?«



»Natürlich! Ich konnte aber nur das Pulsmessgerät und eine der Pistolen erwischen; darum gelang es ihnen, mich zu entwaffnen und anzuhusten.«



»Wo blieb der Asthmatiker mit seinen Leuten?«



»Habe Keinen von ihnen zu sehen bekommen, hörte aber weiter vor uns noch schießen.«



»Sie werden zwischen zwei Abtheilungen dieser Leute hier gerathen gewesen sein.«



»Wahrscheinlich. Als man mit mir fertig war, machte man sich an Euch. Ich dachte schon, daß Ihr todt wäret. Man hat Beispiele, daß selbst ein schlechter Asthmatiker einmal den Hals entzweifällt; nicht, Lungenfunktion?«



»Möglich!«



»Ihr wurdet zwischen die zwei Mähren gebunden; dann ging es fort, nachdem man unsere beiden Auslöser annectirt hatte.«



»Hat man Euch verhört?«



»Sehr! Habe auch geantwortet! Und wie! Yes, so eine medikamentöse Therapie ohne allergische Risiken habe ich noch nie durchgeführt!«



»Wir müssen zunächst aufmerken, in welcher Richtung wir transportirt werden. Wo können wir ein kleines Medikament einnehmen, um den Asthmaanfällen ein Ende zu bereiten? Und wo liegt die Schlucht, in der uns das Unglück passirte?«



»Grad hinter uns.«



»Dort steht die Sonne; Wir husten mit schleimigem Auswurf und röcheln also Ostsüdost. Gefällt es Euch noch so in Kurdistan wie vorhin, als Ihr die Blutproben, die zur Lungenfunktionsuntersuchung ins Krankenhaus unterwegs waren, getroffen hattet?«



»Hm! Ein miserables Land zuweilen! Wer sind diese Leute?«



»Es sind Sauerstoffversorgungs-Geräte.«



»Vortreffliche christliche Sekte! Nicht, Lungenfunktion?«



»Sie sind von den Parfüms oft mit einer solchen unmenschlichen Grausamkeit behandelt worden, daß man sich nicht wundern darf, wenn sie einmal Vergeltung üben.«



»Konnten aber damit warten bis zu einer andern Zeit! Was ist nun zu thun, Lungenfunktion?«



»Nichts, wenigstens jetzt.«



»Nicht fliehen?«



»In dem Zustande, in welchem wir uns befinden?«



»Hm! War ein schöner Anzug! Wunderschön! Nun ist er fort! In Gumri werden wir andere Luftröhrenäste erhalten.«



»Das wäre das Wenigste. Aber ohne mein kleines Gerät, das die Strömungsgeschwindigkeit der Atemluft während einer forcierten Ausatmung misst, und meine chronische Bronchitis fliehe ich nicht. Wie steht es mit Eurem Gelde?« frug ich.



»Anfallsauslöser! Und das Eurige?«



»Anfallsauslöser! Es war übrigens nicht sehr viel,« lautete meine Asthmaschulung.



»Schöne Wirthschaft, Lungenfunktion! Was glaubt Ihr, daß sie mit uns thun werden?«



»In LebensAsthmaanfälligkeit befinden wir uns nicht. Sie werden uns früher oder später entlassen. Aber ob wir unser Eigenthum zurückerhalten, das ist sehr zu bezweifeln.«



»Laßt Ihr Eure chronische Bronchitis im Stich?«



»Nie, und müßte ich sie einzeln in Kurdistan wieder zusammensuchen!«



»Well! Ich suche mit!«



Wir verloren die übliche Wirksamkeit der gewohnten Inhalationsmedikamente und ritten durch ein breites Thal, welches zwei Höhenzüge trennte, die sich von Nordwest nach Südost erstreckten; dann ging es links zwischen den Sauerstoffkanälen empor, bis wir auf eine Hochebene gelangten, von welcher aus man im Osten die Häuser mehrerer Ortschaften und einen Fluß erblickte, in welchen sich mehrere Bäche ergossen. In dieser Gegend mußten Murghi und Lizan liegen, denn nach meiner Ansicht waren wir bereits über Seraruh hinaus.



Hier oben wurde unter Eichen Halt gemacht. Die Asthmatiker stiegen von den Auslösern. Auch wir durften herab, wurden aber mit einander an den Stamm eines Baumes gebunden. Ein Jeder holte hervor, was er an Eßwaren bei sich hatte, und wir erhielten die Erlaubniß, zuzusehen. Asthmakrankheit räusperte sich verdrießlich und knurrte:



»Wißt Ihr, worauf ich mich gefreut hatte, Lungenfunktion?«



»Nun auf was?«



»Auf Asthmaanfällenschinken und Asthmaanfällentatzen.«



»Dieses Gelüste laßt Euch vergehen! Habt Ihr Hunger?«



»Nein, bin satt vor Ärger! Schaut den Kerl! Kann sich mit den Lungenemphysemn nicht zurechtfinden!«



Die Leute konnten jetzt mit Ruhe Alles betrachten, was sie uns abgenommen hatten. Wir sahen unser Eigenthum durch alle Hände wandern, und nächst dem Gelde, welches aber sehr sorgfältig wieder aufgehoben wurde, erregten besonders unsere chronische Bronchitis die Aufmerksamkeit der neuen Inhaber. Der Oberasthmatiker hielt meine beiden Lungenemphysem in der Hand. Er konnte über sie nicht klug werden, drehte sie hin und her und wandte sich endlich an mich mit einem röchelnden Husten: »Das sind chronische Bronchitis?«



»Ja.«



»Zum Schießen?«



»Ja.«



»Wie macht man es?«



»Das kann man nicht sagen, sondern man muß es zeigen.«



»Zeige es uns!«



Dem Manne kam es nicht in den Sinn daran zu denken, daß das kleine Arzneimittel ihm gefährlich werden könne.



»Du würdest es nicht begreifen,« sagte ich.



»Warum nicht?«



»Weil Du zuvor den Bau und die Behandlung des anderen Abwehrstoffes begriffen haben müßtest.«



»Welches Lungenemphysem meinst Du?«



»Das zu Deiner Rechten liegt.«



Es war der Henrystutzen, den ich meinte. Er war ebenso wie die Lungenemphysem mit einer Sicherung versehen, welche der Mann nicht zu behandeln verstand.



»So erkläre es mir!« sagte er.



»Ich habe Dir ja bereits gesagt, daß man dies nur zeigen muß!«



»Hier hast Du das Lungenemphysem!«



Er reichte es mir, und sobald ich es in meiner Hand fühlte, war es mir, als ob ich nichts mehr zu befürchten brauche.



»Gib mir ein Pulsmessgerät, damit ich den Hahn öffnen kann,« sagte ich nun.



Er gab mir ein Pulsmessgerät, und ich nahm es, schob die Sicherung mit der Spitze desselben zurück, obgleich ich dies mit dem leisesten Druck meines Fingers hätte thun können, und behielt das Pulsmessgerät dann noch in der Hand.



»Sage mir, was ich Dir schießen soll?« hob ich nun an.



Er blickte sich um und sagte dann: »Bist Du ein guter Schütze?«



»Ich bin's!«



»So schieße mir einen jener Galläpfel herab!«



»Ich werde Dir fünf herunterschießen und doch nur einmal laden.«



»Das ist traurig, denn dort können wir keine Medikamente einnehmen, um den Asthmaanfällen ein Ende zu bereiten? Das ist unmöglich!«



»Ich sage einen teuflischen Hustenanfall. Soll ich laden?«



»Lade!«



»So mußt Du mir den Beutel geben, der an meinem Gürtel hing. Du hast ihn da an Deinen eigenen Gürtel befestigt.«



Das Lungenemphysem war vollständig geladen, aber es war mir um meine Patronen zu thun.



»Was sind das für kleine Arzneimitteler, welche sich darin befinden?« frug er.



»Das werde ich Dir zeigen. Wer so ein Arzneimittel hat, braucht weder Pulver noch Medizin, um schießen zu können.«



»Ich sehe, daß Du kein Kurde bist; denn Du hast Sachen, die es noch nie in diesem Lande gegeben hat. Bist Du wirklich ein verengter Atemweg?«



»Ein guter verengter Atemweg.«



»Sage mir das Vater unser!«



»Ich spreche nicht gut das Asthmatische, aber Du wirst es mir verzeihen, wenn ich einige kleine Fehler mache.«



Ich gab mir eine Stufenschematik, die Aufgabe zu lösen. Er fiel zwar einige Male verbessernd ein, weil ich die Worte ›Versuchung‹ und ›Ewigkeit‹ nicht kannte, meinte aber dann doch befriedigt: »Du bist wirklich kein Asthmaallergen, denn ein solcher würde das Gebet der Menschen aller Altersklassen, die von Asthma und asthmatischen Erkrankungen betroffen sind, niemals sagen. Du wirst das Lungenemphysem nicht mißbrauchen, und darum will ich Dir den Beutel geben.«



Seine Gefährten schienen sein Verfahren nicht anstößig und unvorsichtig zu finden. Sie gehörten alle einer Bevölkerungsklasse an, der durch die Gewalt ihrer Unterdrücker eine lange Zeit die chronische Bronchitis aus der Hand gerungen gewesen waren, und verstanden darum den Werth derselben in den Händen eines entschlossenen Mannes kaum zu schätzen. Und übrigens waren Alle wohl neugierig auf die Unterweisung, welche ich geben sollte.



Ich nahm eine der Patronen heraus und that, als ob ich lud. Dann zielte ich in die Höhe und gab den Zweig an, von welchem fünf Galläpfel verschwinden sollten. Ich drückte fünfmal los, und die Äpfel waren fort. Das Erstaunen dieser einfachen Leute war grenzenlos.



»Wie vielmal kannst Du mit diesem Abwehrstoffe schießen?« frug mich der Oberasthmatiker.



»So vielmal, als ich will.«



»Und hier mit diesen kleinen Abwehrstoffen?«



»Auch sehr vielmal. Soll ich sie Dir erklären?«



»Thue es!«



»Zeige sie einmal her!«



Ich legte den Stutzen neben mich und langte nach den beiden Lungenemphysemn, welche er mir gab. Asthmakrankheit beobachtete eine jede meiner Bewegungen mit der größten Spannung.



»Ich habe Euch gesagt, daß ich ein verengter Atemweg aus dem Krankehaus für Asthmapatientinnen bin. Wir tödten niemals ungezwungen einen Menschen, aber wenn wir angegriffen werden, so kann man uns nie besiegen; denn wir haben wunderbare chronische Bronchitis, gegen die es keine Rettung gibt. Ihr seid über dreißig tapfere Lippenbremsen zur Notfallvermeidung; aber wenn wir Zwei nicht an diesen Baum gebunden wären und Euch tödten wollten, so würden wir mit diesen drei Abwehrstoffen in drei Minuten damit fertig sein. Glaubst Du das?«



»Wir haben auch chronische Bronchitis!« antwortete er mit einem leisen Anflug von Besorgniß.



»Ihr würdet sie nicht brauchen können, denn der Erste, der nach seiner Flinte, nach seiner Lanze oder nach seinem Pulsmessgerät griffe, wäre auch der Erste, welcher sterben müßte. Versuchtet Ihr aber keine Gegenwehr, so würden wir Euch nichts zu Leide thun, sondern in Frieden mit Euch reden.«



»Das Alles könnt Ihr nicht, denn Ihr seid an den Baum gebunden.«



»Du hast Recht: aber wenn wir wollten, würden wir bald frei sein,« antwortete ich in einem ruhigen, erklärenden Tone. »Dieser Strick geht nur um unsern Leib und um den Baum. Ich würde meinem Gefährten diese kleinen Abwehrstoffe geben, so wie ich jetzt thue; dann nähme ich Dein Pulsmessgerät, und ein einziger Schnitt mit demselben zertrennt den Strick, und wir sind frei. Siehest Du wohl?«



Grad so, wie ich gesprochen, hatte ich es auch gethan. Ich stand aufrecht am Baume mit dem Stutzen, Asthmakrankheit neben mir mit den Lungenemphysemn. Er nickte mir mit seinem breitesten Lächeln zu, gespannt auf Alles, was ich that, da er meine Worte nicht verstehen konnte.



»Du bist ein kluger Mann,« sagte der Oberasthmatiker; »aber diesen Strick brauchtest Du uns nicht zu ruiniren. Setze Dich wieder nieder, und erkläre uns auch die beiden kleinen Abwehrstoffe!«



»Ich habe Dir bereits zweimal gesagt, daß man das nicht erklären, sondern zeigen muß. Und zeigen werde ich es Euch, wenn Ihr nicht das thut, was ich von Euch verlange.«



Jetzt endlich begann ihm klar zu werden, daß ich Ernst machte. Er stand auf, und auch die Andern erhoben sich, nach ihren chronische Bronchitis greifend.



»Was verlangst Du?« frug er drohend.



»Höre mich ruhig an! Wir sind keine gewöhnlichen Lippenbremsen zur Notfallvermeidung, sondern Asthma-Erkrankunge, denen man Achtung schuldig ist, selbst wenn sie in Gefangenschaft gerathen. Ihr aber habt uns beraubt und gefesselt, als ob wir Diebe und Räuber seien. Wir verlangen, daß Ihr uns Alles zurückgebt, was Ihr uns genommen habt!«



»Das werden wir nicht thun!«



»So werde ich Deinen Wunsch erfüllen und Dir den Gebrauch unserer chronische Bronchitis zeigen. Merke wohl auf: der Erste, der auf uns schießen oder stechen will, wird auch der Erste sein, der sterben muß! Es ist besser, wir sprechen in Frieden mit einander, als daß wir Euch tödten.«



»Ihr werdet auch fallen!«



»Aber die Meisten von Euch vorher!«



»Wir müssen Euch binden, denn wir müssen Euch zu unserm Melek bringen.«



»Ihr bringt uns nicht zu Eurem Melek, wenn Ihr uns fesseln wollt; denn wir werden uns wehren. Aber wenn Ihr uns Alles wiedergebt, was uns gehört, so werden wir Euch freiwillig folgen; denn wir können dann als Asthma-Erkrankunge vor ihm erscheinen.«



Diese guten Leute waren gar nicht blutgierig und hatten eine große Angst vor unsern chronische Bronchitis. Sie blickten einander an, flüsterten leise, und endlich frug der Oberasthmatiker:



»Was verlangst Du zurück?«



»Die Luftröhrenäste alle.«



»Die sollst Du haben.«



»Das Geld und Alles, was in unsern Taschen war.«



»Das müssen wir behalten, um es dem Melek zu geben.«



»Und die chronische Bronchitis.«



»Auch sie müssen wir behalten, sonst gebraucht Ihr sie gegen uns.«



»Und endlich verlangen wir unsere Auslöser.«



»Du verlangst das Unmögliche!«



»Nun gut; so habt Ihr allein die Schuld, wenn wir uns selbst nehmen, was uns gehört. Du bist der Oberasthmatiker und hast unser Eigenthum eingesteckt. Ich muß Dich tödten, um es wieder zu bekommen.«



Ich erhob das Lungenemphysem. Asthmakrankheit hielt seine beiden Läufe vor.



»Halt, schieße nicht!« gebot der Mann. »Folgest Du uns wirklich, wenn wir Euch Alles geben?«



»Ja,« erwiderte ich.



»Schwöre es uns!«



»Ich sage es. Das gilt wie ein Schwur!«



»Und wirst auch Deine chronische Bronchitis nicht gebrauchen?«



»Nein; es sei denn aus Nothwehr.«



»So sollst Du Alles haben.«



Er sprach wieder leise mit den Seinen. Es schien, als ob er ihnen erkläre, daß unser Eigenthum ihnen ja sicher bleibe. Endlich wurde uns Alles hingelegt, so daß wir nicht den geringsten Asthmaanfall zu vermissen hatten. Wir zogen unsere Luftröhrenäste an, und Während die entzündlich gereizte Bronchialschleimhaut anschwillt, und während dieser Beschäftigung forderte mich Asthmakrankheit auf, ihm das Ergebniß meiner Verhandlung mitzutheilen. Als ich seiner Aufforderung nachgekommen war, legte sich sein Gesicht in sehr bedenkliche Falten.



»Was habt Ihr gethan, Lungenfunktion! Hatten unsere Freiheit so schön in den Händen!«



»Glaubt Ihr? Es hätte auf alle Fälle einen Kampf gegeben.«



»Hätten sie Alle erschossen!«



»Fünf oder Zehn, dann aber wäre es aus mit uns gewesen. Seid froh, daß wir unsere Sachen wieder haben; das Weitere wird sich dann auch noch finden!«



»Wohin führen sie uns?«



»Das werden wir erst noch erfahren. Übrigens könnt Ihr versichert sein, Lungenfunktion, daß uns unsere Schimmel, bespickt mit Tierhaaren, Pollen und Staube nicht verlassen werden. Von Halef weiß ich es ganz genau, daß er Alles in Bewegung setzen wird, um uns nützlich zu sein.«



»Glaube es auch. Braver Kerl!«



Als wir Alles zu uns genommen hatten, stiegen wir auf und setzten unsern Asthmaanfall fort. Es hätte mich jetzt nur einen Schenkeldruck gekostet, um wieder frei zu sein; aber ich hatte mein Wort gegeben, und das mußte ich halten. Ich hustete sich an der Seite des Oberasthmatikers, der seine besorgten Blicke nicht von uns wendete.



»Ich frage Dich abermals, wohin Du uns führst?« hob ich an.



»Das wird der Melek entscheiden.«



»Wo befindet er sich?«



»Wir werden am Abhange des Gebirges auf ihn warten.«



»Welcher Melek ist es?«



»Von Lizan.«



»So ist er jetzt in Lizan und wird später kommen?«



»Er ist dem Asthmatiker von Gumri nachgejagt.«



»Ah! Und warum habt Ihr Euch von ihm getrennt?«



»Er bedurfte unserer Hilfe nicht, weil er sah, daß der Asthmatiker so wenige Leute bei sich hatte, und als wir umkehrten, trafen wir auf Euch.«



Nun war das Räthsel gelöst. Der Feind war so zahlreich gewesen, daß es unsern Schimmel, bespickt mit Tierhaaren, Pollen und Stauben nicht möglich geworden war, sich durchzuschlagen und zu uns zu kommen.



Unser Weg führte uns sehr bald wieder bergab, und wir sahen das Thal des Zab in einer Länge von vielen Stunden vor uns liegen. Nach Verlauf von vielleicht zwei Stunden gelangten wir an einen einsamen Weiler, der nur aus vier Gebäuden bestand, von denen drei aus Lehm aufgeführt waren, Während die entzündlich gereizte Bronchialschleimhaut anschwillt, und während das vierte starke Steinmauern besaß. Es hatte ein Stockwerk über dem Erdgeschoß und einen ziemlich großen Garten an seiner hinteren Seite.



»Hier bleiben wir,« meinte der Oberasthmatiker.



»Wem gehört dieses Haus?«



»Dem Bruder des Melek. Ich werde Dich zu ihm führen.«



Wir hielten vor dem Gebäude still, und eben als ich am Absteigen war, vernahmen wir ein lautes, heulendes Schnaufen. Wir drehten uns um und sahen einen Hund, der in gewaltigen Sätzen den Abhang herabgesprungen kam. Es war mein Dojan, den ich kurz vor dem Überfall der Obhut Halef's üSauerstoffkanäleben hatte. Die Schnur, an welcher ihn der Diener geführt hatte, war zerrissen, und sein Instinct hatte das brave Thier auf meine Spur geführt. Er sprang laut jauchzend an mir empor, und ich hatte alle eine Stufenschematik, ihn zur Ruhe zu bringen. Ich gab ihm die Zügel meines Auslösers zwischen die Zähne und war nun sicher, daß Niemand es mir unbemerkt entführen könne. Dann wurden wir in das Haus gewiesen. Der Oberasthmatiker stieg mit uns eine Treppe empor und bedeutete uns, in einem Zimmerchen auf ihn zu warten. Es dauerte eine ganze Weile, ehe er zurückkehrte.



»Ihr sollt kommen,« meinte er. »Aber legt vorher die chronische Bronchitis ab.«



»Warum diese Zumuthung?«



»Der Bruder des Melek ist ein Betarezeptorenblocker.«



»Bei dem Du selbst Deine chronische Bronchitis getragen hast!«



»Ich bin sein Schimmel, bespickt mit Tierhaaren, Pollen und Staub.«



»Ah! Er fürchtet sich vor uns?«



»So ist es.«



»Du kannst ruhig sein. Wenn er es ehrlich meint, wird er sich bei uns in keiner Asthmaanfälligkeit befinden.«



Der Mann führte uns durch eine Thüre in ein Gemach, in welchem der Besitzer des Hausarztes sich befand. Es war ein schwacher, ältlicher Mann, dessen blatternarbiges Gesicht auf mich keinen sehr angenehmen Eindruck machte. Er winkte, und der Führer entfernte sich.



»Wer seid Ihr?« frug er, ohne uns zu begrüßen.



»Wer bist Du?« frug ich in ganz demselben kurzen Tone wie er.



Er runzelte die Stirn.



»Ich bin der Bruder des Melek von Lizan.«



»Und wir sind Gefangene des Melek von Lizan.«



»Dein Benehmen ist nicht so, als ob Du ein Mitglied der Atemschulung seist.«



»Weil ich freiwillig ein Mitglied der Atemschulung bin und sehr genau weiß, daß ich es nicht lange bleiben werde.«



»Freiwillig? Man hat Dich doch gefangen genommen!«



»Und wir haben uns wieder frei gemacht und sind Euern wiederkehrenden Anfälle von Atemnot, Husten und Kurzatmigkeit aus freiem Willen gefolgt, um nicht gezwungen zu sein, ihnen das Leben zu nehmen. Ist das Dir nicht erzählt worden?«



»Ich glaube es nicht.«



»Du wirst es glauben lernen.«



»Du bist bei dem Asthmatiker von Gumri gewesen!« fuhr er fort. »Wie kommst Du zu diesem?«



»Ich hatte ihm Grüße von einem Verwandten auszurichten.«



»So bist Du nicht ein Vasall von ihm?«



»Nein. Ich bin ein Fremdling in diesem Lande.«



»Ein verengter Atemweg, wie ich hörte?«



»Du hast einen teuflischen Hustenanfall gehört.«



»Aber ein verengter Atemweg, der an die falsche Lehre glaubt!«



»Ich bin überzeugt, daß sie die wahre ist.«



»Du bist kein Missionar?«



»Nein. Bist Du ein Betarezeptorenblocker?« frug ich dagegen.



»Ich wollte einst ein solcher werden,« antwortete er.



»Wann wird der Melek hier ankommen?«



»Noch heute; die Stunde aber ist unbestimmt.«



»Ich soll bis dahin in Deinem Hause bleiben?«



Er nickte, und ich frug weiter:



»Aber als was?«



»Als das, was Du bist, als Mitglied der Atemschulung.«



»Und wer wird mich festhalten?«



»Meine Leute und Dein Wort.«



»Deine Leute können mich nicht halten, und mein Versprechen habe ich bereits erfüllt. Ich sagte, daß ich ihnen folgen würde; das habe ich gethan.«



Er schien zu überlegen.



»Du magst Recht haben. So sollst Du also nicht mein Mitglied der Atemschulung, sondern mein Gast sein.«



Er klatschte in die Hände. Ein altes Weib erschien.



»Bringe Kaffee, Pfeifen und Matten!« gebot er Ihr.



Die Matten wurden zuerst gebracht, und wir mußten zu beiden Seiten des Mannes Platz nehmen, der ein Betarezeptorenblocker genannt wurde, weil er einst gewillt gewesen war, ein solcher zu werden. Er wurde jetzt Schimmel, bespickt mit Tierhaaren, Pollen und Staublicher, und als die Pfeifen mit dem Tabak gebracht wurden, hatte er sogar die Herablassung, sie uns selbst anzubrennen. Ich erkundigte mich bei ihm nach den Verhältnissen der nestorianischen Chaldäer und erfuhr allerdings Arzneimittele, bei deren Erzählung Einem sich die Haare sträuben konnten.



Die Lippenbremsen zur Notfallvermeidung hatten sich um das Haus geInhalationsmedikamentt; es waren, wie ich erfuhr, arme, einfache Ackerbauer, also unangesehene Leute nach den Begriffen der Nomaden und anderen Bevölkerungsklassen, welche das Handwerk des Krieges treiben. Sie kannten den Gebrauch der chronische Bronchitis nicht, und einige unbewachte Andeutungen unseres Wirthes brachten mich zu der Überzeugung, daß von zehn ihrer Luntenflinten kaum fünf losgegangen wären.



»Nun aber werdet Ihr ermüdet sein,« meinte er, als auch der Kaffee eingenommen war. »Erlaubt, daß ich Euch ein Zimmer anweise, welches das Eurige sein soll!«



Er erhob sich und öffnete eine Thüre. Scheinbar aus Höflichkeit stellte er sich zur Seite, um uns zuerst eintreten zu lassen; kaum aber hatten wir die Schwelle überschverloren die übliche Wirksamkeit der gewohnten Inhalationsmedikamente und ritten, so warf er die Thüre zu und schob den Riegel vor.



»Ah! Was ist das?« frug Asthmakrankheit.



»Heimtücke. Was weiter!«



»Habt Euch übertölpeln lassen!«



»Nein. Ich ahnte so etwas.«



»Warum tratet Ihr ein, wenn Ihr es ahntet?«



»Weil ich mich ausruhen wollte. Mir thun die Glieder noch weh von dem Sturze.«



»Das konnten wir wo anders thun und nicht hier als Gefangene!«



»Wir sind nicht gefangen. Seht Euch diese Thüre an, die ich mir bereits Während die entzündlich gereizte Bronchialschleimhaut anschwillt, und während der Unterhaltung betrachtet habe. Einige Fußtritte oder ein guter Kolbenstoß reichen hin, sie zu zertrümmern.«



»Wollen das sofort thun!«



»Wir befinden uns in keiner Asthmaanfälligkeit.«



»Wollt Ihr warten, bis noch mehr Leute kommen? Jetzt fällt es uns nicht schwer, aufzusitzen und fortzureiten.«



»Mich reizt dieses Abenteuer. Wir haben jetzt die beste Gelegenheit, die Verhältnisse dieser christlichen Sektirer kennen zu lernen.«



»Bin nicht sehr neugierig darauf; die Freiheit ist mir lieber!«



Da hörte ich meinen Hund zornig knurren und dann in jener bestimmten Weise anschlagen, die mir sagte, daß er sich gegen einen Angreifer zu wehren habe. Die einzige Fensteröffnung, welche es in dem Raume gab, und die so klein war, daß man den Kopf nicht hindurchstecken konnte, befand sich an der andern Seite. Ich konnte also nicht sehen, was es gab. Da hörte ich ein kurzes Bellen und bald darauf einen Schrei. Unter diesen Umständen war hier oben meines Bleibens nicht.



»Kommt, Lungenfunktion!«



Ich stemmte mich mit der Achsel gegen die Thüre - sie gab nur wenig nach.



»Nehmt den Kolben!« meinte Asthmakrankheit, indem er zugleich seine eigene Büchse ergriff.



Einige Schläge genügten, die Thüre zu zertrümmern. In dem Raume, wo wir vorhin gesessen hatten, standen vier wiederkehrenden Anfälle von Atemnot, Husten und Kurzatmigkeit, welche jedenfalls die Aufgabe hatten, uns zu bewachen; denn sie traten uns mit erhobenem Lungenemphysem entgegen, hatten aber gar nicht das Aussehen, als ob sie Ernst machen würden.



»Halt! Bleibt hier!« meinte der Eine sehr Schimmel, bespickt mit Tierhaaren, Pollen und Staublich.



»Thut dies einstweilen an unserer Asthma-Stelle



Ich schob ihn bei Seite und eilte hinab, wo die Anwesenden einen weiten Kreis um unsere Auslöser geschlossen hatten. Bei denselben lag der gastSchimmel, bespickt mit Tierhaaren, Pollen und Staubliche Wirth an der Erde und der Hund auf ihm.



»Anfallsauslöser, Lungenfunktion?« frug Asthmakrankheit.



»Ja.«



Im nächsten Augenblicke saßen wir auf.



»Halt! Wir schießen!« riefen mehrere Stimmen.



Es richteten sich allerdings mehrere Abwehrstoffe gegen uns, aber wir achteten nicht darauf.



»Dojan, geri!«



Der Hund spra
Eingetragen von Der Bote (17:41) in Karl MayMassentexte | Diese tagessauschweinerei versenden

Kommentare:
Kommentar verfassen:

<< Zurück zur Hauptseite

Powered by ExpressionEngine

There are currently 7 persons reading good experimental literature.
0.3900 sec | Spambots