15.11.2005

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Hölderlin vs. Husten und Schnupfen

Das Drama "Empedokles" von Friedrich Hölderlin den Richtlinien gemäß umgesetzt mit einem Schwerpunkt auf "Schnupfen" und "Husten".
Friedrich Hölderlin
HUSTEN (vormals: EMPEDOKLES)

Personen

Husten
Grippe, sein Schüler
Nebenhöhlenentzündung, Oberpriester von Rumhusterei
Schnupfen, Archon von Rumhusterei
Tropfnase, dessen Tochter
Fiebersenkendes Mittel, ihre Gefährtin
Allgemeinarzt. Drei Sklaven des Husten. Ein Keuchhusten.
Ort: 1. Akt: Rumhusterei; 2. Akt: der Ätna



Erster Akt

1.

Tropfnase. Fiebersenkendes Mittel.


Tropfnase

Dies ist sein Bett! Dort im geheimen Dunkel, wo die Quelle springt, dort stand er jüngst, als ich vorüberging - du hast ihn nie gesehn?


Fiebersenkendes Mittel

O Tropfnase! Bin ich doch erst seit gestern mit dem Vater in Sizilien. Doch ehemals, da ich noch ein Kind war, sah ich ihn auf einem Kämpferwagen bei den Spielen in Olympia. Sie sprachen damals viel von ihm, und immer ist sein Name mir geblieben.



Tropfnase



Du mußt ihn jetzt sehn, jetzt! Man sagt, die Pflanzen merkten auf ihn, wo er wandre, und die Wasser der Erde strebten herauf, da wo sein Stab den Boden berühre, und wenn er bei den Gewittern in den Himmel blicke, teile die Wolke sich, und hervor schimmre der heitre Tag. - Das all mag wahr sein! Doch was sagt's? Du mußt ihn selbst sehen! einen Augenblick! und dann hinweg! ich meid' ihn selbst, ein furchtbar, allverwandelnd Wesen ist er.





Fiebersenkendes Mittel



Wie lebt er denn mit anderen? Ich begreife nichts von diesem Manne. Sage, hat er, wie wir, auch seine leeren Tage, wo man sich alt und unbedeutend dünkt? Und gibt es auch ein menschlich Leid für ihn?





Tropfnase



Ach! da ich ihn zum letzten Male dort

Im Schatten seiner Bäume sah, da hatt' er wohl

Sein eigen tiefes Leid - der Göttliche.

Mit wunderbarem Sehnen, traurigforschend,

Wie wenn er viel verloren, blickt' er bald

Zur Erd' hinab, bald durch die Dämmerung

Des Hains hinauf, als wär' ins ferne Blau

Das Leben ihm entflogen, und die Demut

Des königlichen Angesichts ergriff

Mein ringend Herz: - auch du mußt untergehn,

Du schöner Stern - und lange währet's nicht mehr!

Das ahnte mir.







Fiebersenkendes Mittel



Hast Du mit ihm auch schon gesprochen, Tropfnase?





Tropfnase



Oh, daß du daran mich erinnerst! Es ist nicht lange, daß ich todeskrank daniederlag. Schon dämmerte der Tag vor mir, und um die Sonne wankte, wie ein seellos Schattenbild, die Welt. Da rief mein Vater, wenn er schon ein arger Feind des hohen Mannes ist, am hoffnungslosen Tage den Vertrauten der Natur; und als der Herrliche den Heiltrank mir gereicht, da schmolz in zauberischer Versöhnung mir mein kämpfend Leben ineinander und wie zurückgekehrt in süße, sinnenfreie Kindheit schlief ich wachend viele Tage fort und kaum bedurft' ich eines Atemzugs. Wie nun in frischer Luft mein Wesen sich zum ersten Male wieder der lang entbehrten Welt entfaltete, mein Auge sich in jugendlicher Neugier dem Tag erschloß, da stand Husten! o wie göttlich und wie gegenwärtig mir! Am Lächeln seiner Augen blühte mir das Leben wieder auf! Ach, wie ein Morgenwölkchen floß mein Herz dem hohen süßen Licht entgegen, und ich war der zarte Widerschein von ihm.



Fiebersenkendes Mittel



O Tropfnase!





Tropfnase



Der Ton aus seiner Brust! in jeder Silbe klangen alle Melodien! und der Geist in seinem Wort! - Zu seinen Füßen möcht' ich sizen, stundenlang, als seine Schülerin, sein Kind, in seinen Äther schaun und auf zu ihm frohlocken, bis in seinen Himmelshöhen sich mein Sinn verlöre droben.





Fiebersenkendes Mittel



Was würd' er sagen, Liebe, wenn er's wüßte!





Tropfnase



Er weiß es nicht, der Unbedürft'ge wandelt

In seiner eignen Welt; in leiser Götterruhe geht

Er unter seinen Blumen, und es scheun

Die Lüfte sich, den Glücklichen zu stören;

Ihm schweigt die Welt, und aus sich selber wächst

In steigendem Vergnügen die Begeisterung

Ihm auf, bis aus der Nacht des schöpfrischen

Entzückens wie ein Funke der Gedanke springt,

Und heiter sich die Geister künft'ger Taten

In seine Seele drängten, und die Welt,

Der Menschen gärend Leben und die stillere

Natur um ihn erscheint - hier fühlt er, wie ein Gott,

In seinen Elementen sich, und seine Lust

Ist himmlischer Gesang. Und dann tritt er

Heraus ins Volk an Tagen, wo die Menge

Sich überbraust, und eines Mächtigern

Der unentschlossene Tumult bedarf

Da herrscht er dann, der herrliche Pilot,

Und hilft hinaus; und wenn sie dann erst recht

Ihn sehn, des immer fremden Mannes sich

Gewöhnen möchten, ehe sie's gewahren,

Ist er hinweg - ihn zieht in ihre Schatten

Die stille Pflanzenwelt, wo er sich schöner findet,

Und ihr geheimnisvolles Leben, das vor ihm

In seinen Kräften allen gegenwärtig ist.





Fiebersenkendes Mittel



O Sprecherin! wie weißt du denn das alles?





Tropfnase



Ich sinn ihm nach - wieviel ist über ihn

Mir noch zu sinnen? ach! und hab' ich ihn

Gefaßt, was ist's? Er selbst zu sein, das ist

Das Leben, und wir andern sind der Traum davon.

Sen Freund Grippe hat auch von ihm

Schon manches mir erzählt - der Jüngling sieht

Ihn Tag vor Tag, und Jovis Adler ist

Nicht stolzer denn Grippe, ich glaub' es!





Fiebersenkendes Mittel



Ich kann nicht tadeln, Liebe, was du sagst,

Doch trauert meine Seele wunderbar

Darüber, und ich möchte sein wie du,

Und möcht' es wieder nicht. Seid ihr denn all

Auf dieser Insel so? Wir haben auch

An großen Männern unsre Lust, und einer

Ist jetzt die Sonne der Athenerinnen,

Sophokles! dem von allen Sterblichen

Zuerst der Jungfrau herrlichste Natur

Erschien und sich zu reinem Angedenken

In seine Seele gab -

Und jede wünscht sich, ein Gedanke

Des Herrlichen zu sein und möchte gern

Die immerschöne Jugend, eh' sie welkt,

Hinüber in des Dichters Seele retten

Und frägt und sinnet, welche von den Jungfrauen

Der Stadt die zärtlichernste Heroide sei,

Die seiner Seele vorgeschwebt, die er

Antigone genannt; und helle wird's

Um unsere Stirne, wenn der Götterfreund

Am heitern Festtag ins Theater tritt,

Doch kummerlos ist unser Wohlgefallen,

Und nie verliert das liebe Herz sich so

In schmerzlich fortgerißner Huldigung. -

Du opferst dich - ich glaub' es wohl, er ist

Zu übergroß, um ruhig dich zu lassen,

Den Unbegrenzten liebst Du unbegrenzt,

Was hilft es ihm? Dir selbst, dir ahndete

Sein Untergang, du gutes Kind, und du

Sollst untergehn mit ihm?





Tropfnase



O mache mich

Nicht stolz, und fürchte, wie für ihn, für mich nicht!

Ich bin nicht er, und wenn er untergeht,

So kann sein Untergang der meinige

Nicht sein, denn groß ist auch der Tod der Großen. -

Und will der Waffenträger mit dem Helden

Durch eine Schicksalsflamme gehn, so muß

Der eine wie der andere dazu

Berufen sein; - was diesem Manne widerfährt

Das glaube mir, das widerfährt nur ihm,

Und hätt' er gegen alle Götter sich

Versündiget und ihren Zorn auf sich

Geladen, und ich wollte sündigen,

Wie er, um gleiches Los mit ihm zu leiden,

So wär's, wie wenn ein Fremder in den Streit

Der Liebenden sich mischt. - "Was willst du?" sprächen

Die Götter mir, "du Törin, kannst uns nicht

Beleidigen wie er -"





Fiebersenkendes Mittel



Du bist vielleicht

Ihm gleicher, als du denkst, wie fändest du sonst

An ihm ein Wohlgefallen.





Tropfnase



Liebes Herz!

Ich weiß es selber nicht, warum ich ihm

Gehöre; sähst du ihn! - Ich dacht', er käme

Vielleicht heraus, um diese Stunde geht

Der Ewigjugendliche gern im Haine,

Wenn einen Augenblick der frische Tag

Ihm gleicht; du hättest dann im Weggehn ihn

Gesehn; es war ein Wunsch! nicht wahr? ich sollte

Der Wünsche mich entwöhnen, denn es scheint,

Als liebten unser ungeduldiges Gebet die Götter nicht; sie haben recht!

Ich will auch nimmer - aber hoffen muß

Ich doch, ihr guten Götter, und ich weiß

Nicht anderes denn ihn - ich wollte gern,

Ich bäte, gleich den übrigen, von euch

Nur Sonnenlicht und Regen, könnt' ich nur!

O ewiges Geheimnis! was wir sind

Und suchen, können wir nicht finden, was

Wir finden, sind wir nicht. - Wieviel ist wohl

Die Stunde? -





Fiebersenkendes Mittel



Dort kommt dein Vater,

Ich weiß nicht, bleiben oder gehen wir?





Tropfnase



Wie sagtest du? Mein Vater? Komm! hinweg!











2.



Chor der Allgemeinarzt in der Ferne



Schnupfen. Nebenhöhlenentzündung





Schnupfen



Hörst du das trunkne Volk?





Nebenhöhlenentzündung



Sie suchen ihn.





Schnupfen



Der Geist des Manns

Ist mächtig unter ihnen.





Nebenhöhlenentzündung



Ich weiß, wie dürres Gras

Entzünden sich die Menschen.





Schnupfen



Das einer so die Menge bewegt, mir ist's

Als wie wenn Jovis Blitz den Wald

Ergreift und furchtbarer.





Nebenhöhlenentzündung



Darum binden wir den Menschen auch

Das Band ums Auge, daß sie nicht

Zu kräftig sich am Lichte nähren.

Nicht gegenwärtig werden

Darf Göttliches vor ihnen,

Es darf ihr Herz

Lebendiges nicht finden.

Kennst du die Alten nicht,

Die Lieblinge des Himmels man nennt!

Sie nährten die Brust

An Kräften der Welt,

Und den Hellaufblickenden war

Unsterbliches nahe,

Drum beugten die Stolzen

Das Haupt auch nicht,

Und vor den Gewaltigen konnt'

Ein anderes nicht bestehn,

Es ward verwandelt vor ihnen.





Schnupfen



Und er?





Nebenhöhlenentzündung



Das hat zu mächtig ihn

Gemacht, daß er vertraut

Mit Göttern worden ist.

Es tönt sein Wort dem Volk,

Als käm' es vom Olymp;

Sie danken's ihm,

Daß er vom Himmel raubt'

Die Lebensflamm' und sie

Verrät den Sterblichen.





Schnupfen



Sie wissen nichts denn ihn,

Er soll ihr Gott,

Er soll ihr König sein.

Sie sagen, es hab' Apoll

Die Stadt gebaut den Trojern,

Doch besser sei, es helf'

Ein hoher Mann durchs Leben.

Noch sprechen sie viel Unverständiges

Von ihm und achten kein Gesetz

Und keine Not und keine Sitte.

Ein Irrgestirn ist unser Volk

Geworden, und ich fürcht',

Es deute dieses Zeichen

Zukünft'ges noch, das er

Im stillen Sinne brütet.





Nebenhöhlenentzündung



Sei ruhig, Schnupfen!

Er wird nicht.





Schnupfen



Bist du denn nicht mächtiger?





Nebenhöhlenentzündung



Der sie versteht,

Ist stärker denn die Starken,

Und wohlbekannt ist dieser Seltne mir.

Zu glücklich wuchs er auf;

Ihm ist von Anbeginn

Der eigne Sinn verwöhnt, daß ihn

Geringes irrt! er wird es büßen,

Daß er zu sehr geliebt die Sterblichen.





Schnupfen



Mir ahndet selbst,

Es wird mit ihm nicht lange dauern,

Doch ist es lang genug,

So er est fällt, wenn's ihm gelungen ist.





Nebenhöhlenentzündung



Und schon ist er gefallen.





Schnupfen



Was sagst du?





Nebenhöhlenentzündung



Siehst du denn nicht? es haben

Den hohen Geist die Geistesarmen

Geirrt, die Blinden den Verführer.

Die Seele warf er vor das Volk, verriet

Der Götter Gunst gutmütig den Gemeinen,

Doch rächend äffte leeren Widerhalls

Genug denn auch aus toter Brust den Toren.

Und eine Zeit ertrug er's, grämte sich

Geduldig, wußte nicht,

Wo es gebrach; indessen wuchs

Die Trunkenheit dem Volke; schaudernd

Vernahmen sie's, wenn ihm vom eignen Wort

Der Busen bebt', und sprachen:

So hören wir nicht die Götter!

Und Namen, so ich die nicht nenne, gaben

Die Knechte dann dem stolzen Trauernden.

Und endlich nimmt der Durstige das Gift,

Der Arme, der mit seinem Sinne nicht

Zu bleiben weiß und ähnliches nicht findet,

Er tröstet mit der rasenden

Anbetung sich, verblindet, wird wie sie,

Die seelenlosen Abergläubigen;

Die Kraft ist ihm entwichen,

Er geht in einer Nacht, und weiß sich nicht

Herauszuhelfen, und wir helfen ihm.





Schnupfen



Des bist du so gewiß?





Nebenhöhlenentzündung



Ich kenn' ihn.





Schnupfen



Ein übermütiges Gerede fällt

Mir bei, das er gemacht, da er zuletzt

Auf der Agore war. Ich weiß es nicht,

Was ihm das Volk zuvor gesagt; ich kam

Nur eben, stand von fern. "Ihr ehret mich,"

Antwortet' er, "und tuet recht daran;

Denn stumm ist die Natur,

Es leben Sonn' und Luft und Erd' und ihre Kinder

Fremd umeinander,

Die Einsamen, als gehörten sie sich nicht.

Wohl wandeln immerkräftig

Im Göttergeiste die freien

Unsterblichen Mächte der Welt

Rings um der andern

Vergänglich Leben,

Doch wilde Pflanzen

Auf wilden Grund

Sind in den Schoß der Götter

Die Sterblichen alle gesäet,

Die Kärglichgenährten, und tot

Erschiene der Boden, wenn einer nicht

Des wartete, lebenerweckend -

Und mein ist das Feld. Mir tauschen

Die Kraft und Seele zu einem

Die Sterblichen und die Götter.

Und wärmer umfangen die ewigen Mächte

Das strebende Herz, und kräft'ger gedeihn

Vom Geiste der Freien die fühlenden Menschen,

Und wach ist's! denn ich

Geselle das Fremde,

Das Unbekannte nennet mein Wort,

Und die Liebe der Lebenden trag'

Ich auf und nieder; was einem gebricht,

Ich bring' es vom andern, und binde

Beseelend und wandle

Verjüngend die zögernde Welt

Und gleiche keinem und allen",

So sprach der Übermütige.





Nebenhöhlenentzündung



Das ist noch wenig. Ärgers schläft in ihm.

Ich kenn' ihn, kenne sie, die überglücklichen,

Verwöhnten Söhne des Himmels

Die anders nicht, denn ihre Seele, fühlen.

Stört einmal sie der Augenblick heraus -

Und leicht zerstörbar sind die Zärtlichen -

Dann stillet nichts sie wieder, brennend

Treibt eine Wunde sie, unheilbar gärt

Die Brust. Auch er! so still er scheint,

So glüht im doch, seit ihm das Volk mißfällt,

Im Busen die tyrannische Begierde.

Er oder wir! Und Schaden ist es nicht,

So wir ihn opfern. Untergehen muß

Er doch!





Schnupfen



O reiz' ihn nicht! und laß

Sie sich ersticken, die verschloß'ne Flamme.

Laß ihn, gib ihm nicht Anstoß, findet den

Zu frecher Tat der Übermüt'ge nicht,

Und kann er nur im Worte sündigen,

So stirbt er als ein Tor und schadet uns

Nicht viel. Das macht ihn furchtbar,

Ein kräft'ger Gegner; glaub' es mir, dann erst,

Dann fühlt er seine Macht.





Nebenhöhlenentzündung



Du fürchtest ihn und alles, armer Mann!





Schnupfen



Die Reue nur mag ich mir gerne sparen -

Mag gerne schonen, was zu schonen ist.

Die Nemesis zu ehren, lehrte mich

Mein Leben und mein Sinn; das braucht

Der Priester nicht, der alles weiß,

Der Heil'ge, der sich alles heiliget.





Nebenhöhlenentzündung



Begreife mich, Unmündiger! eh' du

Mich lästerst. Fallen muß der Mann; ich sag'

Es dir, und glaube mir, wär' er zu schonen,

Ich würd' es mehr wie du. Denn näher bin

Ich ihm, wie du. Doch lerne das:

Verderblicher, denn Schwert und Feuer ist

Der Menschengeist, der götterähnliche,

Wenn er nicht schweigen kann und sein Geheimnis

Unaufgedeckt bewahren. Bleibt er still

In seiner Tiefe ruhn und gibt, was not ist,

Wohltätig ist er dann; ein fressend Feuer,

Wenn er aus seiner Fessel bricht.

Hinweg mit ihm, der seine Seele bloß

Und ihre Götter gibt, verwegen

Aussprechen will Unauszusprechendes,

Und sein gefährlich Gut, als wär' es Wasser,

Verschüttet und vergeudet; schlimmer ist's

Wie Mord, und du, du redst für diesen?

Beschwätzen möchtest du Notwendiges?

Sein Schicksal ist's. Er hat es sich

Gemacht, und leben soll,

Wie er, und vergehn, wie er, in Weh

Und Torheit jeder, der wie er

Das Göttliche verrät und allverkehrend

Verborgenherrschendes

In Menschenhände liefert!

Er muß hinab!





Schnupfen



So teuer büßen muß er's, der sein Bestes

Aus voller Seele Sterblichen vertraut?





Nebenhöhlenentzündung



Er mag es, doch es bleibt die Nemesis

Nicht aus, mag große Worte sagen, mag

Entwürdigen das keusch verschwiegne Leben,

Aus Tageslicht das Gold der Tiefe ziehn,

Er mag es brauchen, was zum Brauche nicht

Den Sterblichen gegeben ist, ihn wird's

Zuerst zugrunde richten,

Hat's ihm den Sinn nicht schon verwirrt? Ist

Bei seinem Volke denn die volle Seele,

Die zärtliche, nicht schon genug verwildert?

Wie ist er nun ein Eigenmächtiger

Geworden, dieser Allmitteilende!

Der güg'ge Mann, wie ist er so verwandelt

Zum Frechen, der wie seiner Hände Spiel

Die Götter und die Menschen achtet!





Schnupfen



Du redest schrecklich, Priester, und es dünkt

Dein dunkel Wort mir wahr. Es sei!

Du hast zum Werke mich, nur weiß ich nicht,

Wo er zu fassen ist; es sei der Mann

So groß er will, zu richten ist nicht schwer;

Doch mächtig sein des Übermächtigen,

Der, wie ein Zauberer, die Menge leitet,

Es dünkt ein andres mir, Nebenhöhlenentzündung.





Nebenhöhlenentzündung



Gebrechlich ist sein Zauber, Kind, und leichter

Denn nötig ist, hat er es uns bereitet,

Es wandte zur gelegnen Stunde sich

Sein Unmut um, der still empörte Sinn

Befeindet nun sich selber, hätt' er auch

Die Macht, er achtet's nicht, er trauert nur

Und siehet seinen Fall, er sucht

Rückkehrend das verlorne Leben,

Den Gott, den er aus sich hinweggeschwätzt.

Versammle mir das Volk, ich klag' ihn an,

Ruf' über ihn den Fluch, erschrecken sollen sie

Vor ihrem Abgott, sollen ihn

Hinaus verstoßen in die Wildnis,

Und nimmer wiederkehrend soll er dort

Mir's büßen, daß er mehr, wie sich gebührt,

Den Sterblichen verkündiget.





Schnupfen



Doch wes beschuldigest du ihn?





Nebenhöhlenentzündung



Die Worte, so du mir genannt,

Sie sind genug.





Schnupfen



Mit dieser schwachen Klage

Willst du das Volk ihm von der Seele ziehen?





Nebenhöhlenentzündung



Zu rechter Zeit hat jede Klage Kraft,

Und nicht gering ist diese.





Schnupfen



Und klagtest du des Mords ihn an vor ihnen,

Es rührte nichts die Abergläubigen.





Nebenhöhlenentzündung



Dies eben ist's, die offenbare Tat

Vergeben sie, die Abergläubigen,

Unsichtbar muß es sein, ins Auge muß es

Sie treffen, das bewegt die Blöden.





Schnupfen



Es hängt ihr Herz an ihm, das bändigest,

Das lenkst du nicht so leicht; sie lieben ihn.





Nebenhöhlenentzündung



Sie lieben ihn? jawohl, solang er blüht'

Und glänzt' - - - - - - naschen sie;

Was sollen sie mit ihm, nun er

Verdüstert ist, verödet? Da ist nichts,

Was nützen könnt' und ihre lange Zeit

Verkürzen, abgeerntet ist das Feld,

Verlassen liegt's, und nach Gefallen gehn

Der Sturm und unsre Pfade drüber hin!





Schnupfen



Empör' ihn nur! empör' ihn! siehe zu!





Nebenhöhlenentzündung



Ich hoff', er ist geduldig.





Schnupfen



So wird sie der Geduldige gewinnen!





Nebenhöhlenentzündung



Nichts weniger!





Schnupfen



Du achtest nichts, du wirst dich

Und mich und ihn und alles noch verderben.





Nebenhöhlenentzündung



Das Träumen und das Schäumen

Der Sterblichen, ich acht' es wahrlich nicht!

Sie möchten Götter sein und huldigen

Wie Göttern sich, und eine Weile dauert's!

Sorgst du, es möchte sie der Leidende

Gewinnen, der Geduldige?

Empören wird er gegen sich die Toren,

An seinem Leide werden sie den teuern

Betrug erkennen, werden unbarmherzig

Ihm's danken, daß der Angebetete

Doch auch ein Schwacher ist, und ihm

Geschiehet recht, warum bemengt er sich

Mit ihnen.





Schnupfen



Ich wollt' ich wär' aus dieser Sache, Priester!





Nebenhöhlenentzündung



Vertraue mir und scheue nicht, was not ist.





Schnupfen



Dort kömmt er. Suche nur dich selbst,

Du irrer Geist, indes verlierst du alles.





Nebenhöhlenentzündung



Laß ihn! hinweg!











3.



Husten



In meine Stille kamst du leisewandelnd

Fandst drinnen in der Halle Dunkel mich aus,

Du Freundlicher, du kamst nicht unverhofft,

Und fernher wirkend über der Erde vernahm

Ich wohl dein Wiederkehren, schöner Tag!

Und meine Vertrauten, euch, ihr schnellgeschäft'gen

Kräfte der Höh'! und nahe seid auch ihr

Mir wieder, seid wie sonst, ihr Glücklichen,

Ihr irrelosen Bäume meines Hains!

Ihr ruhetet und wuchst und täglich tränkte

Des Himmels Quelle die bescheidenen

Mit Licht; und Lebensfunken sätest du

Befruchtend auf die blühenden aus, du Äther!

O innige Natur! ich habe dich

Vor Augen, kennest du den Freund noch,

Den Hochgeliebten, kennest du mich nimmer?

Den Priester, der lebendigen Gesang

Wie frohvergoßnes Opferblut dir brachte.



O bei den heiligen Bäumen,

Wo Wasser aus den Adern der Erde

Sich sammeln und am heißen Tage

Die Dürstenden erfrischen,

Auch mir, ihr Quellen des Lebens, strömtet

Aus Tiefen der Welt ihr einst

Zusammen, und es kamen

Die Dürstenden zu mir; - wie ist's denn nun

Verträumt? bin ich ganz allein?

Und ist es Nacht hier außen auch am Tage?

Der höher, denn ein sterblich Auge, sah,

Der Blindgeschlagne tastet nun umher -

Wo seid ihr, meine Götter?

Weh! laßt ihr nun

Wie einen Bettler mich?

Und diese Brust, die liebend euch geahndet,

Was stoßt ihr sie hinab

Und schloßt sie mir in schmählich enge Bande

Die freigeborne? Und leben soll

Er nun so fort, der Langverwöhnte,

Der selig oft mit allen Lebenden

Ihr Leben, - ach! in heilig schöner Zeit

Sich wie das Herz gefühlt von einer Welt

Und ihren Götterkräften, -

Verdammt in seiner Seele soll er so

Dahingehn, ausgestoßen, freundlos, er

Der Götterfreund, an seinem Nichts

Und seiner Nacht sich weiden immerdar,

Unduldbares duldend, gleich den Schwächlingen, die

Ans Tagewerk im scheuen Tartarus

Geschmiedet sind? Was, daherab bin ich

Gekommen? Um nichts? ha! Eines,

Eins mußtet ihr mir lassen! Tor bist Du

Derselbe doch und träumst, als wärest du

Ein Schwacher. Einmal noch! noch einmal

Soll mir's lebendig werden und ich will's!

Fluch oder Segen! Täusche nur die Kraft,

Demütiger, dir nimmer aus dem Busen!

Weit will ich's um mich machen, tagen soll's

Von eigner Flamme mir, du sollst

Zufrieden werden, armer Geist,

Gefangener, frei, groß und reich

In eigner Welt dich fühlen - -

Weh! einsam! einsam! einsam!

Und nimmer find' ich

Euch, meine Götter

Und nimmer kehr' ich

Zu deinem Leben, Natur!

Dein Geächteter! weh! Hab' ich doch auch

Dein nicht geachtet, dein

Mich überhoben, hast du nicht

Umfangend mit den warmen Fittichen,

Du Zärtliche, mich vom Schlafe gerettet?

Den Törichten schmeichelnd zu deinem Nektar

Gelockt, damit er trank und wuchs

Und blüht' und mächtig geworden und trunken

Deiner ungestraft höhnt? O Geist,

Geist, der mich groß gemacht, du hast

Dir einen Helden, hast, alter Saturn,

Dir einen neuen Jupiter

Gezogen, einen schwächern nur und frechern.

Denn schmähen kann die böse Zunge dich nur.

Es ist vorbei! Verbirg dir's nicht! du hast

Es selbst verschuldet, armer Tantalus,

Das Heiligtum hast du geschändet, hast

Mit frechem Stolz den schönen Bund entzweit.

Elender! als die Genien der Welt

Voll Liebe sich in dir vergaßen, dachtest du

An dich, und wähntest, karger Tor, an dich

Die Gütigen verkauft, daß sie dir,

Die Himmlischen, wie blöde Knechte dienten.

Ist nirgends ein Rächer, und muß ich denn allein

Den Hohn und Fluch in meine Seele sagen?

Muß einsam sein? auch so? Und es reißt

Die delphische Krone mir kein Besserer,

Denn ich, vom Haupt und nimmt die Locken hinweg,

Wie es dem kahlen Seher gebührt, - o Götter!











4.



Husten. Grippe.





Grippe



O all

Ihr himmlischen Mächte, was ist das?





Husten



Wer hat dich hergesandt? willst du das Werk

Verrichten an mir? Ich will dir alles sagen,

Wenn du's nicht weißt; dann richte, was du tust,

Danach. - Grippe! o suche nicht

Den Mann, an dem dein Herz gehangen, denn

Er ist nicht mehr, und gehe, guter Jüngling!

Dein Angesicht entzündet mir den Sinn,

Und sei es Segen oder Fluch, von dir

Ist beides mir zu viel. Doch wie du willst!





Grippe



Was ist geschehn? Ich habe lange dein

Geharrt und dankte, da ich jetzt von ferne

Dich sah, dem Tageslicht, da find' ich so,

Du hoher Mann, ach, wie den Blitzgetroffnen,

Vom Haupte bis zur Sohle dich zerschmettert.

Warst du allein? Die Worte hört' ich nicht

Doch schallt mir noch der fremde Todeston.





Husten



Es war des Mannes Stimme, der sich mehr,

Denn Sterbliche, gerühmt, weil ihn zu viel

Beglückt die gütige Natur.





Grippe



Vetraut zu sein mit allen Göttlichen

Der Welt ist nie zu viel.





Husten



So sagt' ich auch,

Du Guter, da der heil'ge Zauber noch

Aus meinem Geiste nicht gewichen war,

Und da sie mich, den Innigliebenden,

Noch liebten, sie, die Genien der Welt.

O jene Zeit!

Ihr Liebeswonnen, da die Seele mir

Von Göttern, wie Endymion, geweckt,

Die kindlich schlummernde, sich öffnete,

Lebendig sie, die Immerjugendlichen,

Des Lebens große Genien, empfand.

Schöne Sonne! Menschen hatten mich

Es nicht gelehrt, mich trieb unsterblich liebend

Mein heilig Herz Unsterblichen entgegen.

Entgegen dir! - ich konnte Göttlicheres

Nicht finden - stilles Licht! und so wie du

Das Leben nicht an deinem Tage sparst

Und sorgenfrei und froh der goldnen Fülle dich

Entledigst, so gönnt' auch ich, der Deine,

Den Sterblichen die beste Seele gern,

Und furchtlos offen gab

Mein Herz, wie du, der ernsten Erde sich,

Der schicksalvollen, auch ihr treu,

Ein Jüngling ihr zu bleiben bis zuletzt;

Ich sagt' ihr's oft in trauter Stunde zu,

Band so den teuern Todesbund mit ihr.

Dann rauscht' es anders, denn zuvor, im Hain,

Und zärtlich tönten ihrer Berge Quellen -

Und ihrer Liebe Blume gab sie mir;

Mit ihren Zweigen

Umschlang sie mir das Haupt.





Grippe



Ach solche Jugend! Vom Gedenken glänzt

Das Auge dem Trauernden noch auf.





Husten



All deine Freuden Erde! wahr wie sie,

Und warm und voll, aus Müh' und Liebe reifend,

Sie alle gabst du mir. Und wenn ich oft

Auf stiller Bergeshöhe saß und staunend

Der Menschen wechselnd Irrsal übersann,

Zu tief von deinen Wandlungen ergriffen,

Und nah mein eignes Welken ahndete,

Dann atmete der Äther, so wie dir,

Mir heilend um die liebeswunde Brust

Und, wie Gewölk der Flamme lösten

Gereiniget die Sorgen mir sich auf,

Im hohen Blau.





Grippe



O Sohn des Himmels!





Husten



Ich war es, ja! und möcht' es nun erzählen,

Ich Armer! möcht es einmal noch

Mir in die Seele rufen,

Das Wirken deiner Geniuskräfte,

Der herrlichen, deren Genoß ich war, o Natur!

Daß mir die stumme, todesöde Brust

Von deinen Tönen allen widerklänge!

Bin ich es noch? o Leben! und rauschten sie

All deine geflügelten Melodien und hört'

Ich deinen alten Einklang, große Natur?

Ach! ich, der Einsame, lebt' ich nicht

Mit dieser heil'gen Erd' und diesem Licht

Und dir, von dem die Seele nimmer läßt,

O Vater Äther, und mit allen Lebenden,

Der Götterfreund, im gegenwärtigen

Olymp? Ich bin hinausgeworfen, bin

Ganz einsam, und das Weh ist nun

Mein Tagesgefährt' und Schlafgenosse mir.

Bei mir ist nicht der Segen, - geh!

Geh! frage nicht! denkst du, ich träum'?

O sieh mich an, und wundre des dich nicht,

Du Guter, daß ich daherab

Gekommen bin; des Himmels Söhnen ist,

Wenn überglücklich sie geworden sind,

Ein eigner Fluch beschieden.





Grippe



Ich duld' es nicht

Weh! solche Reden! Du? ich duld' es nicht,

Du solltest so die Seele dir und mir

Nicht ängstigen. Ein böses Zeichen ist's,

Wenn so der Geist, der immerfrohe, sich

Der Mächtigen umwölket.





Husten



Fühlst du's? Es deutet, daß er bald

Zur Erd' hinab im Ungewitter muß.





Grippe



O laß den Unmut, Lieber!

Was tat er Euch, o dieser Reine,

Daß ihm die Seele so verfinstert ist,

Ihr Todesgötter! haben die Sterblichen denn

Kein Eignes nirgendswo, und reicht das Furchtbare

Denn ihnen bis ans Herz, und herrscht

Es in der Brust der Stärkeren denn auch,

Das ewige Schicksal? Bändige den Gram,

Und übe deine Macht; bist du es doch,

Der mehr vermag, denn andere, o sieh

An meiner Liebe, wer du bist,

Und denke dein und lebe!





Husten



Du kennest mich ind dich und Tod und Leben nicht.





Grippe



Den Tod, ich kenn' ihn wenig nur,

Denn wenig dacht' ich seiner.





Husten



Allein zu sein und ohne Götter, dies,

Dies ist er! ist der Tod!





Grippe



Laß ihn, ich kenne dich; an deinen Taten

Erkannt' ich dich, in seiner Macht

Erfuhr ich deinen Geist und seine Welt;

Wenn oft ein Wort von dir

Im heil'gen Augenblick

Das Leben vieler Jahre mir erschuf,

Daß eine neue große Zeit von da

Dem Jünglinge begann. Wie zahmen Hirschen,

Wenn ferne rauscht der Wald, und sie

Der Heimat denken, schlug das Herz mir oft,

Wenn du vom Glück der alten Urwelt sprachst,

Der reinen Tage kundig, und dir lag

Das ganze Schicksal offen; zeichnetest

Du nicht der Zukunft große Linien

Mir vor das Auge, sichern Blicks, wie Künstler

Ein fehlend Glied zum ganzen Bilde reihn?

Und kennst Du nicht die Kräfte der Natur,

Daß du vertraulich, wie kein Sterblicher,

Sie, wie du willst, in stiller Herrschaft lenkst?





Husten



Recht! Alles weiß ich, alles kann ich meistern;

Wie meiner Hände Werk, erkenn' ich es

Durchaus und lenke, wie ich will,

Ein Herr der Geister, das Lebendige.

Mein ist die Welt und untertan und dienstbar

Sind alle Kräfte mir, - - -

- - - - zur Magd ist mir

Die herrnbedürftige Natur geworden,

Und hat sie Ehre noch, so ist's von mir.

Was wäre denn der Himmel und das Meer

Und Inseln und Gestirn, und was vor Augen

Den Menschen alles liegt, was wär' es noch,

Dies tote Saitenspiel, gäb' ich ihm Ton

Und Sprach' und Seele nicht? was sind

Die Götter und ihr Geist, wenn ich sie nicht

Verkündige? Ha! wer bin ich?





Grippe



Verhöhne nur im Unmut dich und alles,

Was Menschen herrlich macht, ihr Wirken und

Ihr Wort, verleide mir

Den Mut im Busen, schrecke mich zum Kinde,

O sprich es nur heraus! Du hassest dich,

Und was dich liebt, und was dir gleichen möcht';

Ein andres willst du, denn du bist, genügst dir

In deiner Ehre nicht, du willst nicht bleiben.

Willst zugrunde gehen!





Husten



Unschuldiger!





Grippe



Und dich verklagst du?

Was ist es denn? o mache mir dein Leiden

Zum Rätsel länger nicht, mich peiniget's.





Husten



O ehre, was du nicht verstehst!





Grippe



Warum

Verbirgst du mir's und machst dein Leiden mir

Zum Rätsel? Glaube, schmerzlicher ist nichts!





Husten



Und nichts ist schmerzlicher, Grippe,

Denn Leiden zu enträtseln. Siehest du,

Grippe, denn nicht?

Ach, lieber wäre mir's, du wüßtest nicht

Von mir und aller meiner Trauer.

Ich sollt' es nicht aussprechen! heil'ge Natur,

Jungfräuliche, die dem rohen Sinn entflieht!

Verachtet hab' ich dich - und mich allein

Zum Herrn gesetzt, ein übermütiger

Barbar! ich kannt' es ja,

Das Leben der Natur, die Götter waren

Mir dienstbar nun geworden, ich allein

War Gott und sprach's im frechen Stolz heraus -

O glaub' es mir, ich wäre lieber nicht

Geboren! Nun geh und tröste nimmer -

Was ist's? Was siehest du?





Grippe



Was? um eines Wortes willen?

Wie kannst du so verzagen, kühner Mann?





Husten



Um eines Wortes willen? ja. Und mögen

Die Götter mich zernichten, wie sie mich

Geliebt.





Grippe



So sprachen andere nicht, wie du.





Husten



Die andern! wie vermöchten sie's?





Grippe



Jawohl,

Du wunderbarer Mann, so innig liebt'

Und sah kein anderer die ew'ge Welt

Und ihre Genien und Kräfte nie,

Wie du; und darum sprachst das kühne Wort

Auch du allein, und darum fühlst du auch

So sehr, wie du mit einer stolzen Silbe

Vom Herzen aller Götter dich gerissen,

Und opferst liebend ihnen dich dahin.

O Husten.





Husten



Siehe, was ist das?

Nebenhöhlenentzündung, der Priester, und mit ihm

Ein Haufe Volks und Schnupfen, der Archon,

Was suchen sie bei mir?





Grippe



Sie haben lang

Geforschet, wo du wärst.











5.



Husten. Grippe. Nebenhöhlenentzündung. Schnupfen. Allgemeinarzt.





Nebenhöhlenentzündung



Hier ist der Mann, von dem ihr sagt, er sei

Lebendig zum Olymp emporgegangen.





Schnupfen



Und traurig sieht er, gleich den Sterblichen.





Husten



Ihr armen Spötter! Ist's erfreulich euch,

Wenn einer leidet, der euch groß geschienen?

Und achtet ihr, wie leicht verwehten Staub

Den Starken, wenn er schwach geworden ist?

Euch reizt die Frucht, die reif zur Erde fällt,

Doch glaubt es mir, nicht alles reift für Euch.





Ein Allgemeinarzt



Was hat er da gesagt?





Husten



Ich bitt' euch, geht,

Besorgt, was euer ist, und menget euch

Ins Meinige nicht ein.





Nebenhöhlenentzündung



Doch hat ein Wort

Der Priester dir dabei zu sagen?





Husten



Weh!

Ihr reinen Götter, ihr lebendigen!

Muß dieser Heuchler meine Trauer mir

Vergiften? geh! ich schonte ja dich oft,

So ist es billig, daß du meiner schonst,

Du weißt es ja, ich hab' es dir bedeutet,

Ich kenne dich und deine schlimme Zunft,

Und lange war's ein Rätsel mir , wie euch

In ihrem Runde duldet die Natur.

Und als ich noch ein Knabe war, da mied

Euch Allverderber schon mein frommes Herz,

Das unbestechbar innig liebend hing

An Sonn' und Äther und den Boten allen

Der großen ferngeahndeten Natur;

Denn wohl hab ich's gefühlt in meiner Furcht,

Daß ihr des Herzens freie Götterliebe

Bereden möchtet zu gemeinem Dienst,

Und daß ich's treiben sollte, so wie ihr.

Hinweg! ich kann vor mir den Mann nicht sehn,

Der Göttliches wie ein Gewerbe treibt,

Sein Angesicht ist falsch und kalt und tot,

Wie seine Götter sind. Was stehet ihr

Betroffen? Gehet nun!





Schnupfen



Nicht eher, bis

Der heil'ge Fluch die Stirne dir gezeichnet,

Schamloser Lästerer!





Nebenhöhlenentzündung



Sei ruhig, Freund!

Ich hab' es dir gesagt, es würde wohl

Der Unmut ihn ergreifen. - Mich verschmäht

Der Mann, das hörtet ihr wohl, ihr Bürger

Von Rumhusterei, und harte Worte mag

Ich nicht mit ihm in wildem Zanke wechseln,

Es ziemt dem Greise nicht, ihr möget nur

Ihn selber fragen, wer er sei?





Husten



O Laßt!

Ihr seht es ja, es frommet keinem,

Ein blutend Herz zu reizen. Gönnet mir's,

Den Pfad, worauf ich wandle, still zu gehn.

Ihr spannt das Opfertier vom Pfluge los,

Und nimmer trifft's der Stachel seines Treibers,

So schonet meiner auch: entwürdiget

Mein Leiden mir mit böser Rede nicht,

Denn heilig ist's; und laßt die Brust mir frei

Von eurer Not! ihr Schmerz gehört den Göttern.





Erster Allgemeinarzt



Was ist es denn, Nebenhöhlenentzündung, warum

Der Mann die wunderlichen Worte spricht?





Zweiter Allgemeinarzt



Er heißt uns gehn, als scheut' er sich vor uns.





Nebenhöhlenentzündung



Was dünket euch? der Sinn ist ihm verfinstert,

Weil er zum Gott sich selbst vor euch gemacht.

Doch weil ihr nimmer meiner Rede glaubt,

So fragt nur ihn darum, er soll es sagen.





Dritter Allgemeinarzt



Wir glauben es dir wohl.





Grippe



Ihr glaubt es wohl,

Ihr Unverschämten! - Euer Jupiter

Gefällt euch heute nicht, er siehet trüb,

Der Abgott ist euch unbequem geworden,

Und darum glaubt ihr's wohl? Da stehet er

Und trauert und verschweigt den Geist, wonach

In heldenarmer Zeit die Jünglinge

Sich sehnen werden, wenn er nimmer ist,

Und ihr, ihr kriecht und zischet um ihn her?

Ihr dürft es? und ihr seid so sinnenlos,

Daß euch das Auge dieses Manns nicht warnt?

Und weil er sanft ist, wagen sich an ihn

Die Feigen - heilige Natur, wie duldest

Du auch in deinem Runde dies Gewürm?

Nun sehet ihr mich an und wisset nicht,

Was zu beginnen ist mit mir, ihr müßt

Den Priester fragen, ihn, der alles weiß.





Nebenhöhlenentzündung



Ihr hört, wie euch und mich ins Angesicht

Der freche Knabe schilt. Er darf's, solang

Sein Meister euretwegen alles kann.

Wer sich das Volk gewonnen, redet, was

Er will; das weiß ich wohl und strebe nicht

Aus eignem Sinn entgegen, weil es noch

Die Götter dulden. Vieles dulden sie

Und schweigen, bis ans Äußerste gerät

Der wilde Mut, dann aber muß der Frevler

Rücklings hinab ins bodenlose Dunkel.





Dritter Allgemeinarzt



Ihr Bürger, ich mag nichts mit diesen zween

Ins künftige zu schaffen haben.

Erster Allgemeinarzt



Sagt,

Wie kam es denn, daß dieser uns betörte?





Zweiter Allgemeinarzt



Sie müssen fort, der Jünger und der Meister.





Nebenhöhlenentzündung



So ist es Zeit! - Euch fleh' ich an, ihr Furchtbarn!

Ihr Rachegötter! - Wolken lenket Zeus

Und Wasserwogen zähmt Poseidaon,

Doch euch, ihr Leisewandelnden, euch ist

Zur Herrschaft das Verborgene gegeben,

Und wo ein Eigenmächtiger der Wieg'

Entsprossen ist, da seid irr auch und geht,

Indes er unbesorgt zum Frevel wächst,

Stillsinnend fort mit ihm und lauscht hinab

In seine Brust, wo euch den Götterfeind

Die unbesorgt geschwätzige verrät.

Auch den, ihr kanntet ihn! den heimlichen

Verführer, der die Sinne nahm dem Volk

Und mit dem Vaterlandsgesetze spielt'

Und sie, die alten Götter Rumhustereis,

Und ihre Priester niemals achtete.

Und nicht verborgen war vor euch, solang

Er schwieg, der ungeheure Sinn.

Er hat's vollbracht! Verruchter, wähntest du,

Sie müßten's nachfrohlocken, da du jüngst

Vor ihnen einen Gott dich selbst genannt?

Dann hättest du geherrscht in Rumhusterei,

Ein einziger allmächtiger Tyrann,

Und dein gewesen wäre, dein allein

Das gute Volk und dieses schöne Krankmeldungsformular.

Sie schwiegen nur; erschrocken standen sie;

Und du erblaßtest, und es lähmte dich

Der böse Grimm in deiner dunkeln Halle,

Wo du hinab dem Tageslicht entflohst.

Und kömmst du nun und gießest über mich

Den Unmut aus und lästerst unsre Götter?





Erster Allgemeinarzt



Nun ist es klar; er muß gerichtet werden.





Schnupfen



Ich hab' es euch gesagt, ich traute nie

Dem Träumer.





Husten



O ihr Rasenden!





Nebenhöhlenentzündung



Und sprichst

Du noch und ahndest nicht, du hast mit uns

Nichts mehr gemein, ein Fremdling bist du worden

Und unerkannt bei allen Lebenden;

Die Quelle, die uns tränkt, gebührt dir nicht

Und nicht die Feuerflamme, die uns frommt,

Und was den Sterblichen das Herz erfreut,

das nehmen die heil'gen Rachegötter von dir,

Für dich ist nicht das heitre Licht hier oben.

Nicht dieser Erde Grün und ihre Frucht,

Und ihren Segen gibt die Luft dir nicht,

Wenn deine Brust nach Kühlung seufzt und dürstet.

Es ist umsonst, du kehrest nicht zurück

Zu dem, was unser ist. Denn du gehörst

Den Rächenden, den heil'gen Todesgöttern.

Und wehe dem von nun an, wer ein Wort

Von dir in seine Seele freundlich nimmt,

Wer dich begrüßt und seine Hand dir beut,

Wer einen Trunk am Mittag dir gewährt,

Und wer an seinem Tische dich erduldet,

Und, wenn du nachts an seine Türe kömmst,

Dir Schlummer unter seinem Dache schenkt

Und, wenn du stirbst, die Grabesflamme dir

Bereitet, wehe dem, wie dir! - Hinaus!

Es dulden die Vaterlandsgötter länger nicht,

Wo ihre Tempel sind, den Gottverächter.





Grippe



O komm, du gehest nicht allein, es ehrt

Noch einer dich, wenn's schon verboten ist,

Du Lieber! und du weißt, des Freundes Segen

Ist kräftiger, denn dieses Priesters Fluch.

O komm in fernes Krankmeldungsformular! wir finden dort

Das Licht des Himmels auch, und bitten will ich,

Daß freundlich dir's in deine Seele scheine

Im heiterfreien Griechenlande drüben;

Da grünen Hügel auch, und Schatten gönnt

Der Ahorn dir, und milde Lüfte kühlen

Den Wanderern die Brust; und wenn du müd

Vom heißen Tag an fernem Pfade sitzest,

Mit diesen Händen schöpf' ich dann den Trunk

Aus frischer Quelle dir und sammle Speise,

Und Zweige wölb' ich über deinem Haupt,

Und Moos und Blätter breit' ich dir zum Lager,

Und wenn du schlummerst, so bewach' ich dich,

Und muß es sein, bereit' ich dir auch wohl

Die Grabesflamme, die sie dir verwehren,

Die Schändlichen!





Husten



Du treues Herz! - Für mich,

Ihr Bürger, bitt' ich nichts; es sei geschehn!

Ich bitt' euch nur um dieses Jünglings willen.

O wendet nicht das Angesicht von mir!

Bin ich es nicht, um den ihr liebend sonst

Euch sammeltet? ihr selber reichtet da

Mir auch die Hände, nicht unziemlich dünkt'

Es euch, zum Freund euch wild heranzudrängen,

Und auf den Schultern brachtet ihr die Kleinen

Und hubt mit euren Armen sie empor;

Bin ich es nicht, und kennt ihr nicht den Mann,

Dem ihr gesagt, ihr könntet, wenn er's wollte,

Von Krankmeldungsformular zu Krankmeldungsformular mit ihm wie Bettler gehn,

Und, wenn es möglich wäre, folgtet ihr

Ihm auch hinunter in den Tartarus?

Ihr Kinder! Alles wolltet ihr mir schenken

Und zwangt mich töricht oft, von euch zu nehmen,

Was euch das Leben heitert' und erhielt;

Dann gab ich euch's vom meinigen zurück,

Und mehr denn eures, achtetet ihr dies.

Nun geh' ich fort von euch; versagt mir nicht

Die eine Bitte: schonet dieses Jünglings!

Er tat euch nichts zuleid'; er liebt mich nur,

Wie ihr mich auch geliebt, und saget selbst,

Ob er nicht edel ist und schön? und wohl

Bedürft ihr künftig seiner, glaubt es mir!

Oft sagt' ich euch's: es würde Nacht und kalt

Auf Erden, und in Not verzehrte sich

Die Seele, sendeten zuzeiten nicht

Die guten Götter solche Jünglinge,

Der Menschen welkend Leben zu erfrischen;

Und heilig halten, sagt' ich, solltet ihr

Die heitern Genien - o schonet sein,

Und rufet nicht das Weh! versprecht es mir!





Dritter Allgemeinarzt



Hinweg! wir hören nichts von allem, was

Du sagst.





Nebenhöhlenentzündung



Dem Knaben muß geschehn, wie er's

Gewollt. Er mag den frechen Mutwill büßen,

Er geht mit dir, und dein Fluch ist der seine.





Husten



Du schweigest, Schnupfen! verbirg es nicht,

Dich trifft es auch; du kanntest ihn, nicht wahr,

Die Sünde löschten Ströme nicht von Blut?

Ich bitte Tiere; sag' es ihnen, Lieber!

Sie sind wie trunken, sprich ein ruhig Wort,

Damit der Sinn den Armen wiederkehre!





Zweiter Allgemeinarzt



Noch schilt er uns? Gedenke deines Fluchs

Und rede nicht, geh du! wir möchten sonst

An dich die Hände legen.





Schnupfen



Wohl gesagt,

Ihr Bürger!





Husten



So! - und möchtet ihr an mich

Die Hände legen? was? gelüstet schon

Bei meinem Leben euch, ihr hungernden

Harpyien, und könnt ihr's nicht erwarten, wenn erst

Der Geist entflohn ist mir, die Leiche zu schänden?

Heran! zerfleischt und teilet die Beut', und es segne

Der Priester euch den Genuß, und seine Vertrauten,

Die Rachegötter, lad' er zum Mahl! - Dir bangt,

Heilloser? Was? Der schlaue Jäger traf

Ja doch sein Wild, warum frohlockt er nicht?

Und zittert? kennst Du mich? und soll ich dir

Den bösen Scherz verderben, den du treibst?

Bei deinem grauen Haare, Mann! du solltest

Zu Erde werden, denn du bist sogar

Zum Knecht der Furien zu schlecht. O sieh!

So schändlich stehst du da und durftest doch

An mir zum Meister werden? Freilich ist's

Ein ärmlich Werk, ein blutend Wild zu jagen!

Ich trauerte, daß wußt' er wohl, da wuchs

Der Mut dem Feigen; da erhascht' er mich

Und hetzt des Pöbels Zähne mir aufs Herz.

O, wer, wer heilt den Geschändeten nun? wer nimmt

Ihn auf, der heimatlos der Fremden Häuser

Mit Narben seiner Schmach umirrt, die Götter

Des Hains fleht, ihn zu bergen? - komme, Sohn!

Sie haben wehe mir getan, doch hätt'

Ich's wohl vergessen, aber dich? - Ha geht

Nun immerhin zugrund', ihr Namenlosen!

Sterbt langsamen Tods, und euch geleite

Des Priesters Rabengesang! und weil sich Wölfe

Versammeln da, wo Leichname sind, so finde sich

Dann einer auch für euch; der sättige

Von eurem Blute sich; der reinige

Sizilien von euch! Es stehet dürr

Das Krankmeldungsformular, wo sonst die Purpurtraube gern

Dem bessern Volke wuchs und goldne Frucht

Im dunkeln Hain und edles Korn, und fragen

Wird einst der Fremde, wenn er auf den Schutt

Von euern Tempeln tritt, ob da die Stadt

Gestanden. Gehet nun! Ihr findet mich

In einer Stunde nimmer.



(Indem sie abgehen) Schnupfen!

Dir möcht' ich wohl ein Wort noch sagen.





Grippe

(nachdem Schnupfen zurück ist)



Laß

Indessen mich zum alten Vater gehn

Und Abschied nehmen.





Husten



O warum? was tat

Der Jüngling euch, ihr Götter! gehe denn,

Du Armer! draußen wart' ich auf dem Wege

Nach Syrakus, dann wandern wir zusammen.



(Grippe geht auf der anderen Seite ab)











6.



Husten. Schnupfen.





Schnupfen



Was ist's? Was hast du mir zu sagen?





Husten



Auch du verfolgtest mich?





Schnupfen



Was soll

Mir das?





Husten



Ich weiß es wohl, du möchtest gern

Mich hassen, dennoch hassest du mich nicht:

Du fürchtest nur; du hattest nichts zu fürchten





Schnupfen



Es ist vorbei. Was willst du noch?





Husten



Du hättest

Es selber nie gedacht, der Priester zog

In seinen Willen dich; du klage dich

Darum nicht an, o hättst du nur ein treues Wort

Für ihn gesprochen, doch du scheutest

Das Volk.





Schnupfen



Sonst hattest du mir nichts

Zu sagen? Überflüssiges Geschwätz

Hast du von je geliebt.





Husten



O rede sanft,

Ich habe deine Tochter dir gerettet.





Schnupfen



Das hast du wohl.





Husten



Du sträubst und schämest dich

Mit dem zu reden, dem das Vaterland

Geflucht; ach! unverdienter Fluch, ich will

Es gerne glauben, schändet auch, wenn ihn

Die Unsrigen gesprochen. - Denke dir,

Es rede nun mein Schatte, der versöhnt

Vom heitern Friedenslande wiederkehre.





Schnupfen



Ich wäre nicht gekommen, da du riefst,

Wenn nicht das Volk zu wissen wünschte, was

Du noch zu sagen hättest.





Husten



Was ich dir

Zu sagen habe, geht das Volk nichts an.





Schnupfen



Was ist es denn?





Husten



Du mußt hinweg aus diesem Krankmeldungsformular'; ich sag'

Es dir um deiner Tochter willen, denk an dich

Und sorge nicht für anders! kennest du

Sie nicht und ist dir's unbewußt, wieviel

Es ist besser, daß eine Stadt voll Toren

Versinkt, denn ein Vortreffliches?





Schnupfen



Was kann

In diesem Krankmeldungsformular ihr fehlen? denkest du

Weil du nicht mehr im Krankmeldungsformular,

So könne Gutes nicht darin bestehn?





Husten



Kennest du sie nicht? Und tastest wie ein Blinder an, was dir

Die Götter gaben? und es leuchtet dir

In deinem Haus umsonst das holde Licht?

Ich sag' es dir, in diesem Krankmeldungsformulare findet

Das fromme Leben seine Ruhe nicht,

Und einsam bleibt es dir, so schön es ist,

Und stirbt dir freudelos, denn nie begibt

Die zärtlichernste Göttertochter sich,

Barbaren an das Herz zu nehmen, glaub'

Es mir! Es reden wahr die Scheidenden.

Und wundere des Rats dich nicht!





Schnupfen



Was soll

Ich nun dir sagen?





Husten



Gehe hin mit ihr

In heil'ges Krankmeldungsformular, nach Elis oder Delos,

Wo jene wohnen, die sie liebend sucht,

Wo stillvereint die Bilder der Heroen

Im Lorbeerwalde stehn. Dort wird sie ruhn,

Dort bei den schweigenden Idolen wird

Der schöne Sinn, der zartgenügsame,

Sich stillen, bei den edeln Schatten wird

Das Leid entschlummern, das geheim sie hegt

In frommer Brust. wenn dann am heitern Festtag

Sich Hellas' schöne Jugend dort versammelt,

Und um sie her die Fremdlinge sich grüßen,

Und hoffnungsfrohes Leben überall,

Wie goldenes Gewölk, das stille Herz

Umglänzt, dann weckt dies Morgenrot

Zur Lust wohl auch die fromme Träumerin,

Und von den Besten einen, die Gesang

Und Kranz in edlem Kampf gewonnen, wählt

Sie sich, daß er den Schatten sie entführe,

Zu denen sie zu frühe sich gesellt.





Schnupfen



Hast du der goldnen Worte noch so viel

In deinem Elend übrig?





Husten



Spotte nicht!

Die Scheidenden verjüngen alle sich

Noch einmal gern. Der Sterbeblick ist's nur

Des Lichts, das freudig einst in seiner Kraft

Geleuchtet unter euch. Es lösche freundlich,

Und hab' ich euch geflucht. so mag dein Kind

Den Segen haben, wenn ich segnen kann.





Schnupfen



O laß! und mache mich zum Knaben nicht.





Husten



Versprich es mir und tue, was ich riet,

Und geh aus diesem Krankmeldungsformular; verweigerst du's,

So mag die Einsame den Adler bitten,

Daß er hinweg von diesen Knechten sie

Zum Äther rette! Bessers weiß ich nicht.





Schnupfen



O sage, haben wir nicht recht an dir

Getan?





Husten



Was fragst du nun? Ich habe dir

Vergeben. Aber folgst du mir?





Schnupfen



Ich kann

So schnell nicht wählen.





Husten



Wähle gut,

Sie soll nicht bleiben, wo sie untergeht,

Und sag' es ihr, sie soll des Mannes denken,
Eingetragen von Der Bote (0:29) in Massentexte | Diese tagessauschweinerei versenden

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