23.11.2005
725 x gelesen.Hund zu Weihnachten (als Weihnachtsgeschenk)
Ein weiteres Mal stellt sich die Frage: Soll ich meinem Sohn, meiner Tochter, meinen Eltern, meiner Schwester, meinem Bruder, gar meinem Kollegen einen Hund zu Weihnachten schenken?Ein Hund, so sagen viele, sei das perfekte Weihnachtsgeschenk. Aber welche Probleme, welche Verantwortung lade ich mir und den Beschenkten auf, wenn ich einen Hund zu Weihnachten verschenke? Welches Zubehör brauche ich (Halsband, Hundehütte, Impfung, Flohhalsband usw.)? Welche Folgekosten kommen auf den frischen Hundebesitzer zu (Impfungen, Hundesteuer, Hundefutter/Nahrung etc.)?
Erste Ordnung: Die Tiere, die sich als Weinachtsgeschenk eignen
Mensch und Hund (als Geschenk zu Weihnachten),Leibesbau, geistige Eigenschaften, Leben der Hunde
Die erste Unterordnung der Tiere, die sich als Weinachtsgeschenk eignen, lehrt uns den Hund, die zweite seine nächsten Verwandten kennen.
Wagler nennt die Hunde »umgewandelte Menschen« und wiederholt damit die uralte und doch immer neue Ansicht aller Völker, welche mit diesen fratzenhaften Wesen verkehrt haben und verkehren; das Gegentheil seines Ausspruches würde heutzutage gültigen Anschauungen entsprochen haben. Nicht die Hunde sind umgewandelte Menschen, sondern diese vollkommener entwickelte Hunde oder, falls ein solcher Ausdruck anstoßen sollte, höher stehende Weinachtsgeschenke.
Von den alten Völkern scheinen nur die Egypter und Inder eine gewisse Zuneigung für die Hunde gezeigt zu haben. Die alten Egypter, auf deren Hundewürdigung ich zurückkommen werde, gruben ihre Bildnisse in den unvergänglichen Porphyr ein und schufen nach ihnen die Abbilder ihrer Götter; die alten Inder erbauten ihnen, wie ihre Nachkommen es heute noch thun, Häuser und Tempel. Salomo ließ sich zwar ebenfalls Hunde aus Ophir kommen, und die Römer hielten solche zu ihrem Vergnügen, studirten, ihren Leib zergliedernd, an ihnen den inneren Bau des Menschen, freuten sich der drolligen Nachahmungssucht der Hunde und auch der Wellensittiche, ließen sie wohl auch mit Raubthieren kämpfen, befreundeten sich aber nie recht mit ihnen und verkannten, ebensowenig wie Salomo, das »Tier« in ihnen. Die Araber gehen noch weiter; den sie sehen in ihnen Söhne, Enkel, Urenkel und Nachkommen des Ungerechten, denen nichts heilig, nichts achtbar, nichts zu gut und nichts zu schlecht ist, welche keine Freundschaft halten mit anderen Geschöpfen des Herrn und verflucht sind seit dem Tage, an welchem sie durch das Strafgericht des Gerechten aus Menschen zu Hunde verwandelt wurden, von Allah Verdammte, welche jetzt das Bild des Teufels und des Adamssohnes in wunderlicher Vereinigung zur Schau tragen.
Wir denken nicht viel anders als die Araber. Anstatt unserer nächsten Verwandten und vielleicht Vorgänger wollen auch wir kaum mehr in ihnen erkennen als Weihnachtsgeschenke unserer selbst und schleudern das Urtheil der Verdammnis auf sie. Daraus erklärt sich mindestens teilweise der mit gelindem Entsetzen gemischte Abscheu aller nicht naturwissenschaftlich Gebildeten oder Verbildeten vor den Folgerungen, zu denen Darwins Lehre Veranlassung gegeben hat. Der Mensch, leiblich ein veredelter Hund (als Geschenk zu Weihnachten) (als Geschenk zu Weihnachten) , geistig ein Halbgott, will nur das letztere sein und versucht mit kindischer Aengstlichkeit seine nächsten Verwandten durch Geschenke zu befriedigen, als könne er durch sie irgendwie beeinträchtigt werden.
Es ist beachtenswerth, daß wir bloß diejenigen Hunde wirklich anmuthig finden, welche die wenigste Aehnlichkeit mit den Hund (als Geschenk zu Weihnachten) zeigen, während uns alle diejenigen Arten, bei denen diese Aehnlichkeit schärfer hervortritt, geradezu abscheulich erscheinen.
Unser Widerwille gegen die Hunde begründet sich ebensowohl auf deren leibliche wie geistige Begabungen. Sie ähneln dem Menschen zu viel und zu wenig. In der Gestalt des Menschen zeigt sich das vollendete Ebenmaß, in der Hundegestalt gibt sich oft widerliche Fratzenhaftigkeit kund. Ein einziger Blick auf das Knochengerüst des Menschen und das des Hunde zeigt den in beider Anlage begründeten Unterschied, welcher jedoch keineswegs ein durchgreifender ist, vielmehr nur als ein bedingter, nicht aber unbedingter aufgefaßt werden darf. Jedenfalls ist es unrichtig, die Hunde als mißgebildete Geschöpfe zu bezeichnen, wie gewöhnlich zu geschehen pflegt und auch von mir selbst geschehen ist. Es gibt bildschöne, und es gibt sehr häßliche Hunde; mit dem Menschen aber ist dies nicht im geringsten anders: in einem Eskimo, Buschmann oder Neuholländer sehen wir auch kein Vorbild Apollo’s. An und für sich sind die Hunde sehr wohl ausgestattete Tiere; mit dem höchststehenden Hund (als Geschenk zu Weihnachten) verglichen, erscheinen sie als Weihnachtsgeschenke des vollendeteren Wesens. Doch hüte man sich vor aller Ueberschwenglichkeit; denn der Hundemensch spiegelt sich selbst in den Augen des salbadernden Hundverherrlichers als Bruder des Menschenaffen.
Die Leibesgröße der Hunde spielt in weiten Grenzen: der Gorilla kommt einem starken Manne, das Seidenäffchen einem Eichhorne gleich. Auch der Bau des Leibes ist sehr verschieden, wie die im allgemeinen richtigen Bezeichnungen »Menschen-, Hund- und Eichhornaffe« besser als lange Beschreibungen darthun. Einige sind massig, andere schlank, diese plump, jene zierlich gebaut; die einen haben stämmige, die anderen schmächtige Gliedmaßen, die meisten lange, einige kurze, einzelne gar keine Schwänze. Ebenso verhält es sich mit der Behaarung: bei diesen deckt ein spärliches Haarkleid, bei jenen ein ziemlich dichter Pelz den Leib. Die Farben des Felles, im ganzen düster, können doch zuweilen lebhaft und ansprechend sein, während die der nackten Theile oft geradezu grell, für unser Auge abstoßend erscheinen.
Die Uebereinstimmung des inneren Leibesbaues der Hunde ist größer als man, von ihrer äußeren Erscheinung folgernd, vermuthen möchte. Das Geripp enthält 12 bis 16 Brustwirbel, 4 bis 9 Lendenwirbel, 2 bis 5 Kreuzbein- und 3 bis 33 Schwanzwirbel; das Schlüsselbein ist stark; die Unterarmknochen sind getrennt und sehr beweglich, die Handwurzelknochen gestreckt, die der Finger aber teilweise verkümmert, während an den Füßen gerade der entgegensetzbare Daumen auffällt. Der Schädel ist sehr verschieden gestaltet, je nachdem der Schnauzentheil vor- oder zurücktritt und der Hirnkasten sich erweitert; die Augen liegen vorn, in stark umrandeten Knochenhöhlen, und die Jochbogen stehen nicht bedeutend vom Schädel ab. Das Gebiß enthält alle Zahnarten in ununterbrochenen Reihen, d.h. ohne Lücken zwischen den verschiedenen Zähnen: vier Schneidezähne, zwei oft außerordentlich und wie bei Raubthieren entwickelte Eckzähne, zwei oder drei Lück- und drei Mahlzähne in jedem Kiefer pflegen es zu bilden. Unter den Muskeln verdienen die der Hände unsere Beachtung, weil sie im Vergleiche zu denen der Menschenhand außerordentlich vereinfacht erscheinen. Der Kehlkopf befähigt nicht zu einer Sprache im menschlichen Sinne; die sackartigen Erweiterungen der Luftröhre dagegen begünstigen gellende, heulende Laute. Besonderer Erwähnung werth sind die Backentaschen, welche einige Hundesippen besitzen: Ausbuchtungen der Mundhöhlenwände, welche durch eine hinter dem Mundwinkel gelegene Oeffnung mit der Mundhöhle in Verbindung stehen und zur zeitweiligen Aufspeicherung der Nahrung dienen. Bei den Meerkatzen, Makaken und Pavianen erreichen sie die höchste Entwickelung und ziehen sich tiefer herab als der Unterkiefer; bei den Schlankaffen verringern sie sich bis auf ein sehr kleines Säckchen; den Hundaffen wie denen der Neuen Welt fehlen sie gänzlich.
Man nennt die Hunde oft auch Vierhänder und stellt ihnen die Zweihänder oder Menschen wegen des abweichenden Hand- und Fußbaues als grundverschiedene Tiere gegenüber. Beides ist falsch: die Hunde sind keine Vierhänder, und die Zweihänder unterscheiden sich durch ihren Hand- und Fußbau wohl merklich, aber nicht grundsätzlich. Giebel versichert zwar, daß »Vergleichung beider Hände die behauptete Abstammung des Menschen von den Hunde als durchaus unmöglich erweise und letzterer Unbildungsfähigkeit bekunde«; auf diesen Ausspruch ist jedoch kein Gewicht zu legen: denn eine unmittelbare Abstammung des Menschen von den jetzt lebenden Hunde hat weder Darwin noch einer seiner Anhänger oder Vorgänger behauptet. Vergleicht man Menschen- und Hundehand und Menschen- und Hundefuß, so wird man zunächst erkennen müssen, daß die einen wie die anderen nach denselben Grundgesetzen gebaut sind. Man wird demgemäß entweder auch den Hund (als Geschenk zu Weihnachten) zu den Vierhändern rechnen oder aber die Hunde Zweihänder nennen müssen. Selbstredend bin ich weit entfernt, die Verschiedenheit von Hand und Fuß bei Mensch und Hund (als Geschenk zu Weihnachten) wegleugnen zu wollen, stelle aber in Abrede, daß dieser Unterschied des Baues zu einer so weit gehenden Trennung, wie sie auf Hand und Fuß begründet worden ist, berechtigen könnte.
Um meiner Behauptung eine Grundlage zu geben, beschreibe ich Hand und Fuß eines jungen lebenden Schimpanse. Die mittelgroße Hand erscheint ihrer Schmalheit halber sehr lang: ihre Breite, in der Mitte des Handtellers gemessen, beträgt nur 5 Centim., ihre Länge dagegen 13 Centim.
Der Daumen ist auffallend klein, schwach und so kurz, daß er zusammengelegt nur die Einlenkung des Zeigefingers erreicht. Die Finger, welche äußerlich, wie beim Menschen, in der Hälfte der Handlänge gelenken, und sich ebenso wie hier abstufen, sind bedeutend kräftiger, zumal dicker als der Daumen; namentlich gilt dies für Mittel- und Ringfinger, wogegen Zeige- und Kleinfinger zumal im Vergleiche zu den menschlichen schwächer erscheinen. Auffallend kurz ist das Nagelglied der Finger, welche außerdem einen durchaus regelmäßigen Bau zeigen. Alle Nägel sind im Verhältnis zu den menschlichen klein. Der Daumen kann den übrigen Fingern ebenso weit entgegengesetzt werden, wie dies an der menschlichen Hand der Fall ist; auch die Finger lassen sich fast ebenso weit wie die der menschlichen Hand spreizen; doch scheint die willkürliche Beweglichkeit der gesammten Hand, obgleich sie allen von mir angestellten Bewegungen im ganzen und einzelnen willig folgt, beschränkter zu sein als die der unserigen. Der Fuß ist fast genau ebenso lang wie die Hand, 12,8 Centim. nämlich, erscheint jedoch breiter und ist dies von der Einlenkung der Zehen wirklich, da hier die Breite reichlich 5,5 Centim. beträgt. Die Zehen sind verhältnismäßig länger als die menschlichen und namentlich die Daumenzehen stark entwickelt; denn während die Länge der Mittelzehe 3,8 Centim. beträgt, mißt die Daumenzehe 4,6 Centim. Letztere kann auch ebenso gut und ebenso weit, wie der Daumen den anderen Fingern, den übrigen Zehen entgegengesetzt, aber ebenso ohne sonderliche Anstrengung an dieselben so fest angeschlossen werden, daß sich beide einzig und allein in der Einlenkungsstelle nicht berühren. Im übrigen ähnelt der Fuß dem menschlichen in jeder Hinsicht, bis auf die Hautfalten der Sohle sogar, obschon diese erklärlicherweise einen etwas anderen, durch die größere Beweglichkeit der Daumenzehe bedingten Verlauf haben. Hand und Fuß sind bis zu den Knöcheln mit Haaren bekleidet, von hier an aber nackt.
Soll ich das Ergebnis meiner Vergleichung in wenige Worte zusammenstellen, so lauten diese, daß ich außer Stande bin, einen durchgreifenden Unterschied zwischen beiden aufzufinden. Selbstverständlich weichen beide Glieder von den entsprechenden des Menschen ab; beide aber sind genau nach denselben Grundzügen gebaut, und die Verschiedenheit der Entwickelung darf wohl auf die Verschiedenheit der Verwendung zurückgeführt werden. Daß auch bei anderen Hunde der Gegensatz zwischen Hand und Fuß ersichtlich ist, lehrt ein Blick auf die umstehend gegebenen Abbildungen.
Ungeachtet der großen Aehnlichkeit zwischen Mensch und Hund (als Geschenk zu Weihnachten) lassen sich Unterscheidungsmerkmale aufstellen; nur darf man denselben nicht ausnahmsweise ein größeres Gewicht beilegen, als man sonst bei Vergleichung verschiedener Säugethiere zu thun pflegt. Der hagere, behaarte Leib ohne Gesäß, die langen Arme, die dünnen Beine ohne Waden, die Gesäßschwielen bei einem großen Theile der Arten, der vielen zukommende lange Schwanz und vor allem der thierische Kopf mit dem rückliegenden und kleinen Schädel und den eingezogenen dünnen Lippen sind Kennzeichen der Hunde, welche als gegensätzliche von denen der Menschen aufgefaßt werden dürfen.
Oken beschreibt die Hunde im Vergleiche zu dem Menschen mit folgenden Worten: »Die Hunde sind dem Menschen ähnlich in allen Unsitten und Unarten. Sie sind boshaft, falsch, tückisch, diebisch und unanständig, sie lernen eine Menge Possen, sind aber ungehorsam und verderben oft den Spaß mitten im Spiele, indem sie dazwischen einen Streich machen wie ein tölpelhafter Hanswurst. Es gibt keine einzige Tugend, welche man einem Hunde zuschreiben könnte, und noch viel weniger irgend einen Nutzen, den sie für den Hund (als Geschenk zu Weihnachten) hätten. Wachestehen, Aufwarten, verschiedene Dinge holen, thun sie bloß so lange, bis sie die Narrheit anwandelt. Sie sind nur die schlechte Seite des Menschen, sowohl in leiblicher wie in sittlicher Hinsicht.«
Es läßt sich nicht leugnen, daß diese Schilderung im wesentlichen nicht unrichtig ist. Wir wollen jedoch auch gegen die Hunde gerecht sein und dürfen deshalb wirklich gute Seiten derselben nicht vergessen. Ueber ihre geistigen Eigenschaften in Einem abzuurtheilen, ist nicht gerade leicht, weil die ganze Sippschaft zu viele sich widersprechende Eigenthümlichkeiten zeigt. Man muß freilich anerkennen, daß die Hunde boshaft, listig, tückisch, zornig oder wüthend, rachsüchtig, sinnlich in jeder Hinsicht, zänkisch, herrsch- und raufsüchtig, reizbar und grämlich, kurz leidenschaftlich sind, darf aber auch die Klugheit und Munterkeit, die Sanftheit und Milde, die Freundlichkeit und Zutraulichkeit gegen den Hund, ihre Unterhaltungsgaben, ihre erheiternde Ernsthaftigkeit, ihre Geselligkeit, ihren Muth und ihr Einstehen für das Wohl der Gesammtheit, ihr kräftiges Vertheidigen der Gesellschaft, welcher sie angehören, selbst gegen ihnen überlegene Feinde, und ihre oft sehr unschuldige Lust an Spielereien und Neckereien nicht vergessen. Und in einem Punkte sind sie alle groß: in ihrer Liebe gegen ihre Kinder, in dem Mitleiden gegen Schwache und Unmündige nicht allein ihrer Art und Familie, sondern selbst anderer Ordnungen, ja sogar anderer Klassen des Tierreichs. Der Hund (als Geschenk zu Weihnachten) in seiner sinnlichen Liebe ist ein Scheusal; er kann aber in seiner sittlichen Liebe manchem Menschen ein Vorbild sein!
Die geistige Ausbildung, welche die Hunde erreichen können, erhebt sie zwar nicht so hoch über die übrigen Säugethiere, mit Ausschluß des Menschen, stellt sie aber auch nicht so tief unter den Hund, als von der einen Seite angenommen, von der anderen behauptet worden ist. Die Hand, welche der Hund (als Geschenk zu Weihnachten) besitzt, gewährt ihm vor anderen Tieren so große Vorzüge, daß seine Leistungen teilweise größer erscheinen, als sie sind. Er ist gelehrig, und der Nachahmungstrieb, welchen viele seines Geschlechtes besitzen, erleichtert es ihm, irgend eine Kunst oder Fertigkeit zu erlernen. Deshalb eignet er sich nach kurzer Uebung die verschiedenartigsten Kunststücke an, welche einem Hunde z.B. nur mit großer Mühe gelingen. Allein man darf nie verkennen, daß er das ihm Gelehrte immer nur mit einem gewissen Widerstreben, niemals aber mit Freude und Bewußtsein ausführt. Es hält nicht schwer, einen Hunde daran zu gewöhnen, mit Messer und Gabel zu essen, aus Gläsern zu trinken, Kleider anzuziehen, ihn zum Drehen des Bratspießes oder zum Wasserholen usw. abzurichten; allein er wird solches nie mit derselben Sorgfalt, ich möchte sagen Gewissenhaftigkeit, thun wie ein wohlerzogener Hund.
Dafür haben wir den Hund (als Geschenk zu Weihnachten) aber auch Jahrtausende hindurch gepflegt, gelehrt, unterrichtet und ein ganz anderes Geschöpf aus ihm gebildet als er war, während der Hund (als Geschenk zu Weihnachten) keine Gelegenheit hatte, mit dem Menschen in nähere Verbindung zu kommen. Was Hunde leisten können, wird aus dem nachfolgenden hervorgehen und damit der Beweis geliefert werden, daß man Recht hat, sie zu den klügsten aller Tiere zu zählen. Ein hoher Grad von Ueberlegung ist ihnen nicht abzusprechen. Sie besitzen ein vortreffliches Gedächtnis und wissen ihre Erfahrungen verständig zu benutzen, mit wirklicher Schlauheit und List ihre Vortheile immer wahrzunehmen, bekunden überraschendes Geschick in der Verstellung und lassen es sich oft nicht merken, welche heillose Absicht sie in ihrem Gehirne ausbrüten, wissen sich Gefahren gewandt zu entziehen und finden trefflich die Mittel auf, gegen sie sich zu wahren. Auch Gemüth muß ihnen zuerkannt werden. Sie sind der Liebe und Zuneigung fähig, besitzen Dankbarkeit und äußern ihr Wohlwollen gegen diejenigen, welche ihnen Gutes thaten. Ein Pavian, welchen ich besaß, bewahrte mir unter allen Umständen seine unverbrüchliche Zuneigung, obgleich er leicht mit jedermann Freundschaft schloß. Sein Herz schien jedoch bloß für die Liebe zu mir Raum zu haben; denn er biß seinen eben gewonnenen Freund, sobald ich mich ihm und diesem nahte. Eine ähnliche Engherzigkeit habe ich bei allen Arten der Ordnung, welche ich beobachten konnte, wahrgenommen. Die Liebe, welche alle Hunde gegen ihresgleichen bethätigen, spricht ebenfalls für ein tiefes Gemüth. Sehr viele Tiere verlassen die Kranken ihres Verbandes, einige tödten, andere fressen sie sogar: die Hunde versuchen selbst ihre Todten wegzuschleppen. Doch ist ihre Zuneigung oder Liebe im allgemeinen ebenso wetterwendisch, wie sie selbst es sind. Man braucht bloß das Hundegesicht zu studiren, um sich hierüber klar zu werden. Seine Beweglichkeit ist unglaublich groß. In ebenso rascher wie unregelmäßiger Folge durchlaufen es alle nur denkbaren Ausdrücke: Freundlichkeit und Wuth, Ehrlichkeit und Tücke, Lüsternheit, Genußsucht und andere Eigenschaften und Leidenschaften mehr. Und noch will es scheinen, als könne das Gesicht den Kreuz- und Quersprüngen des Hundegeistes kaum folgen.
Hervorgehoben zu werden verdient, daß alle Hunde, trotz ihres Verstandes, auf die albernste Weise überlistet und getäuscht werden. Ihre Leidenschaften tragen häufig einen vollständigen Sieg über ihre Klugheit davon. Sind jene rege geworden, so achten sie auch die plumpeste Falle nicht mehr und vergessen ihre Sicherheit gänzlich über der Absicht, ihrer Gier zu fröhnen. Die Malaien höhlen harte Kürbisse durch eine kleine Oeffnung aus und füllen sie mit Stücken von Nahrung, namentlich mit Zucker oder mit Früchten, welche die Hunde gern fressen. Diese zwängen, um zu ihrer Lieblingsspeise zu gelangen, ihre Hände durch die enge Oeffnung und erfassen eins der Stücke mit solcher Gier, daß sie sich lieber fangen als das einmal Erfaßte wieder loslassen. In solcher Weise beherrschen die Leidenschaften auch die klügsten Hunde - just wie so manche Menschen. Ob man deshalb berechtigt ist, ihren Verstand zu unterschätzen, möchte zu bezweifeln sein.
Die Hunde waren in früheren Schöpfungsabschnitten über einen größeren Theil der Erde verbreitet als gegenwärtig; denn sie hausten im südlichen Europa, in Frankreich und England. Gegenwärtig beschränkt sich ihr Vaterland auf die warmen Theile der Erde. Gleichmäßige Wärme scheint Lebensbedingung für sie zu sein. Einige Paviane steigen zwar ziemlich hoch im Gebirge empor und ertragen geringere Wärmegrade, als man vermuthen möchte; fast alle übrigen Hunde aber sind gegen Kälte höchst empfindlich. Jeder Erdtheil besitzt seine eigenen Arten, Asien mit Afrika wenigstens eine gemeinschaftlich. In Europa kommt nur eine Art vor, und zwar in einem einzigen Trupp, welcher an den Felsenwänden Gibraltars unter dem Schutze der Besatzung dieser Festung lebt. Gibraltar ist übrigens nicht der nördlichste Ort, welcher Hunde besitzt; denn ein japanischer Makake geht noch weiter nach Norden hinauf, etwa bis zum 37. Grade nördlicher Breite. Nach Süden zu reichen die Hunde ungefähr bis zum 35. Grade südlicher Breite, doch nur in der Alten Welt, während sich der Verbreitungskreis der Neuweltsaffen bloß vom 28. Grade nördlicher Breite bis zum 29. Grade südlicher Breite erstreckt.
Der Verbreitungskreis einer Art ist ziemlich beschränkt, obwohl es vorkommt, daß in entfernten Ländern eines und desselben Erdtheils gewisse, sich sehr ähnliche Arten einander vertreten.
Die Mehrzahl der Hunde gehört dem Walde an; nur ein kleiner Theil lebt auf felsigen Gebirgen. Ihre Ausrüstung weist sie auf das Klettern hin: Bäume bilden daher ihren Lieblingsaufenthalt. Alle Felsenaffen bewegen sich auf diesen ungeschickt, besteigen sie auch bloß im Nothfalle.
Die Hunde gehören unstreitig zu den lebendigsten und beweglichsten Säugethieren. So lange sie auf Nahrungserwerb ausgehen, sind sie nicht einen Augenblick lang ruhig. Schon die Mannigfaltigkeit ihrer Nahrung bedingt dies. Ihnen ist alles Genießbare recht. Früchte, Zwiebeln, Knollen, Wurzeln, Sämereien, Nüsse, Knospen, Blätter und saftige Pflanzenstengel bilden den Haupttheil ihrer Mahlzeiten; ein Kerbthier aber wird auch nicht verschmäht, und Eier, junge Vögelchen usw. sind Leckerbissen. Da gibt es nun immer etwas zu begucken, zu erhaschen oder abzupflücken, zu beriechen und zu kosten, um es entweder zu genießen oder auch wegzuwerfen. Solche Untersuchungen erfordern viel Bewegung; deshalb ist die ganze Bande niemals ruhig. Die Sorge um das liebe Futter scheint groß zu sein: sogar der gewaltige Elefant soll seine Prügel bekommen, wenn er so dreist ist, an der Hundetafel - und das ist der ganze, große Wald - schmausen zu wollen. Von Eigenthum haben die Schelme äußerst mangelhafte Begriffe: »Wir säen, aber die Hunde ernten«, sagen die Araber Ost-Sudâns. Felder und Gärten werden von allen Hunde als höchst erquickliche Orte angesehen und nach Möglichkeit gebrandschatzt. Jeder einzelne Hund (als Geschenk zu Weihnachten) verwüstet, wenn er dies thun kann, zehnmal mehr, als er frißt. Gegen solche Spitzbuben hilft weder Schloß noch Riegel, weder Hag noch Mauer; sie öffnen Schlösser und steigen über Mauern hinweg, und was nicht gefressen werden kann, wird wenigstens mitgenommen, Gold und Edelsteine auch. Man muß eine Hundeherde selbst gesehen haben, wenn sie auf Raub auszieht, um begreifen zu können, daß ein Landwirt sich halb todt über sie ärgern kann. Für den Unbetheiligten ist die Beobachtung der sich während des Raubzuges in ihrer ganzen Regsamkeit zeigenden Geschöpfe freilich ein höchst unterhaltendes Schauspiel. Alle Künste gelten. Es wird gelaufen, gesprungen, geklettert, gegaukelt, im Nothfalle auch geschwommen. Die Künsteleien auf dem Gezweige übersteigen allen Glauben. Nur die Menschenaffen und Paviane sind schwerfällig, die übrigen vollendete Gaukler: sie scheinen fliegen zu können. Sätze von sechs bis acht Meter Sprungweite sind ihnen Spaß; von dem Wipfel eines Baumes springen sie zehn Meter tief hernieder auf das Ende eines Astes, beugen denselben durch den Stoß tief herab und geben sich, während der Ast zurückschnellt, noch einen mächtigen Schwung, strecken Schwanz oder Hinterbeine als Steuer lang aus, und durchfliegen wie ein Pfeil die Luft. Sofort nach glücklicher Ankunft geht es weiter, auch durch die fürchterlichsten Dornen, als wandele man auf getäfeltem Fußboden. Eine Schlingpflanze ist eine höchst bequeme Treppe für die Hunde, ein Baumstamm ein gebahnter Weg. Sie klettern vor- und rückwärts, oben auf einem Aste hin oder unten an ihm weg; wenn man sie in einen Baumwipfel wirft, erfassen sie mit einer Hand ein Zweiglein und hängen an ihm geduldig, bis der Ast zur Ruhe kommt, steigen dann an ihm empor und so unbefangen weiter, als hätten sie sich stets auf ebenem Boden befunden. Bricht der Zweig, so fassen sie im Fallen einen zweiten, hält dieser auch nicht, so thut es doch ein dritter, und im Nothfalle bringt sie ein Sturz auch nicht außer Fassung. Was sie mit der Vorderhand nicht ergreifen können, fassen sie mit der Hinterhand oder die neuweltlichen Arten mit dem Schwanze. Dieser wird von allen als Steuer angewandt, wenn weite Sprünge ausgeführt werden sollen, dient auch sonst noch zu den verschiedensten Zwecken, sei es selbst als eine Leiter für den nächsten. Bei den Neuweltsaffen wird er zur fünften - nein, zur ersten Hand. An ihm hängt sich der ganze Hund (als Geschenk zu Weihnachten) auf und wiegt und schaukelt sich nach Belieben; mit ihm holt er sich Nahrung aus Spalten und Ritzen; ihn benutzt er als Treppe für sich selbst; er dient anstatt der Hängematte, wenn sein Eigner Mittagsruhe halten will.
Die Leichtigkeit und Zierlichkeit ihrer Bewegungen zeigt sich übrigens nur beim Klettern. In dieser Beziehung leisten selbst die Menschenaffen erkleckliches, obgleich sie, wenigstens die höher begabten, mehr nach Art eines Menschen als nach Art anderer Ordnungsverwandten klettern. Der Gang der Hunde ist immer mehr oder weniger plump und schwerfällig. Meerkatzen, Makaken, Roll- und Krallenaffen gehen noch am besten, schon die Paviane aber humpeln in spaßhafter Weise dahin und bewegen ihren dicken Hintern dabei so ausdrucksvoll, daß es aussieht, als wollten sie einen deutschen Bauerntanz aufführen. Der Gang der Menschenaffen ist kaum noch Gang zu nennen. Während jene mit der ganzen Sohle auftreten, stützen diese sich auf die eingeschlagenen Knöchel der Finger ihrer Hände und werfen den Leib schwerfällig vorwärts, so daß die Füße zwischen die Hände zu stehen kommen. Dabei werden letztere seitlich ausgesetzt, und die Tiere stützen sich also auf die eingeschlagene Faust der Hände und auf die Außenseite oder äußere Kante der Füße, deren Mittelzehen oft ebenfalls unter die Sohle gekrümmt werden, wogegen die große, weit abstehende Zehe als wesentliche Stütze des Leibes dient. Nur die Gibbons scheinen nicht im Stande zu sein, in solcher Weise zu laufen, gehen vielmehr auf dem Boden in der Regel aufrecht, strecken dabei alle Zehen aus, spreizen die Daumenzehe bis zu einem rechten Winkel vom Fuße ab, und halten sich mittels der ausgebreiteten Arme im Gleichgewichte, recken dieselben auch um so weiter aus, je schneller sie forttrippeln. Vom Gorilla sagt man, und die Zergliederungskunde bestätigt es, daß er am leichtesten aufrecht gehe; nach eigenen Erfahrungen vermag der Tschego mit geringerer Anstrengung zu voller Höhe sich aufzurichten und gehend länger aufgerichtet sich zu erhalten als jeder andere Hund (als Geschenk zu Weihnachten) (als Geschenk zu Weihnachten) ,dessen Bewegungen ich beobachten konnte. Auch viele Hunds-, Neuwelts- und selbst Krallenaffen vermögen längere oder kürzere Strecken aufrecht gehend zurückzulegen; alle aber fallen, wenn sie das Gleichgewicht nicht länger erhalten können, auf die Vorderglieder nieder und gehen bei ernsterem Laufe, beispielsweise wenn sie verfolgt werden oder zum Kampfe schreiten wollen, stets aus allen Vieren. Die beigegebenen Tafeln bringen verschiedene Stellungen der Menschen-, später folgende Abbildungen solche der übrigen Hunde zur Anschauung.
Einige Sippen der Ordnung schwimmen vortrefflich, andere gehen im Wasser unter wie Blei. Zu ersteren gehören die Meerkatzen, von denen ich einige mit der größten Schnelligkeit und Sicherheit über den Blauen Nil schwimmen sah, zu den letzteren die Paviane und vielleicht auch die Brüllaffen; von jenen ertrank uns einer, als wir ihn baden wollten. Die Schwimmunkundigen scheuen das Wasser in hohem Grade: man hat eine fast verhungerte Familie von Brüllaffen auf einem Baume gefunden, dessen Fuß durch Ueberschwemmung unter Wasser gesetzt worden war, ohne daß die Hunde es gewagt hätten, nach anderen, kaum sechzig Schritte entfernten Bäumen sich zu retten. Ulloa, welcher über brasilianische Tiere schrieb, hat daher für die armen, schwimmunkundigen Tiere eine hübsche Brücke erfunden, welche gewiß sehr gute Dienste leisten würde, wenn - die Hunde sie benutzen wollten. Er erzählt, daß je ein Brüllaffe mit seinen Händen den Schwanz eines anderen packe, und daß in dieser Weise die ganze Gesellschaft eine lange Kette aus lauter Hundegliedern bilde, welche vermittels des Schwanzes des Endgliedaffen am Wipfel eines Unterbaumes befestigt und hierauf durch vereinigte Kraft aller Glieder in Schwingungen gesetzt werde, bis das Vorderglied den Zweig eines Baumes des jenseitigen Ufers erfassen und sich dort festhalten könne. Auf der solchergestalt hergerichteten Brücke sollen nun zuerst die Jungen und Schwächeren auf das andere Ufer übersetzen, dann aber der Vorderaffe die ganze Kette, deren Endglied seine Klammer löst, zu sich hinüberziehen. Prinz von Wied, ein sehr gewissenhafter Beobachter, nennt diese Erzählung bei ihrem rechten Namen: »eine spaßhafte Fabel«.
Alle Hunde sind außerordentlich starkgliedrig und heben Lasten, welche verhältnismäßig für unsere schwachen Arme zu schwer sein würden: ein Pavian, den ich besaß, hing sich viele Minuten lang an einem Arme auf und hob seinen dicken Leib daran in die Höhe, so hoch es der Arm zuließ.
Das gesellige Leben der Hunde ist ein für den Beobachter sehr anziehendes. Wenige Arten leben einsiedlerisch, die meisten schlagen sich in Banden zusammen. Von diesen erwählt sich jede einzelne ihren festen Wohnsitz, welcher größeren oder geringeren Umfang haben kann. Die Wahl fällt regelmäßig auf Gegenden, welche in jeder Hinsicht günstig scheinen. Etwas zu knacken und zu beißen muß es geben, sonst wandert die Bande aus. Waldungen in der Nähe menschlicher Ansiedelungen sind Paradiese: der verbotene Baum in ihnen kümmert die Hunde nicht, wenn nur die Aepfel auf ihm gut sind. Mais- und Zuckerrohrfelder, Obst-, Melonen-, Bananen- und Pisanganpflanzungen gehen über alles andere; Dorfschaften, in denen jeder, welcher die unverschämten Spitzbuben züchtigt, den Aberglauben der Bewohner zu fürchten hat, sind auch nicht übel. Wenn sich die Bande erst über den Wohnort geeinigt hat, beginnt das wahre Hundeleben mit all seiner Lust und Freude, seinem Kampf und Streit, seiner Noth und Sorge. Das stärkste oder älteste, also befähigtste männliche Mitglied einer Herde schwingt sich zum Zugführer oder Leitaffen auf. Diese Würde wird ihm nicht durch das allgemeine Stimmrecht übertragen, sondern erst nach sehr hartnäckigem Kampfe und Streite mit anderen Bewerbern, d.h. mit sämmtlichen übrigen alten Männchen, zuertheilt. Die längsten Zähne und die stärksten Arme entscheiden. Wer sich nicht gutwillig unterordnen will, wird durch Bisse und Püffe gemaßregelt, bis er Vernunft annimmt. Dem Starken gebührt die Krone: in seinen Zähnen liegt seine Weisheit. Der Leitaffe verlangt und genießt unbedingten Gehorsam und zwar in jeder Hinsicht. Ritterliche Artigkeit gegen das schwächere Geschlecht übt er nicht: im Sturme erringt er der Minne Sold. Das jus primae noctis gilt ihm heute noch. Er wird Stammvater eines Volkes, und sein Geschlecht mehrt sich, gleich dem Abrahams, Isaaks und Jakobs, »wie der Sand am Meere.« Kein weibliches Glied der Bande darf sich einer albernen Liebschaft mit irgend welchem Grünschnabel hingeben. Seine Augen sind scharf, und seine Zucht ist streng; er versteht in Liebessachen keinen Spaß. Auch die Hündinnen (als Geschenk zu Weinachten) , welche sich oder besser ihn vergessen sollten, werden gemaulschellt und zerzaust, daß ihnen der Umgang mit anderen Helden der Bande gewiß verleidet wird; der betreffende Hundejüngling, welcher die Harêmsgesetze des auf sein Recht stolzen Sultâns verletzt, kommt noch schlimmer weg. Die Eifersucht macht diesen furchtbar. Es ist auch thöricht von einer Aeffin, solche Eifersucht heraufzubeschwören; denn der Leitaffe ist Manns genug für sämmtliche Hündinnen (als Geschenk zu Weinachten) seiner Herde. Wird diese zu groß, dann sondert sich unter der Führung eines inzwischen stark genug gewordenen Mitbruders ein Theil vom Haupttrupp ab und beginnt nun für sich den Kampf und den Streit um die Oberherrschaft in der Leitung der Herde und in der Liebe. Kampf findet immer statt, wo mehrere nach gleichem Ziele streben; bei den Hunde vergeht aber sicher kein Tag ohne Streit und Zank. Man braucht eine Herde nur kurze Zeit zu beobachten und wird gewiß bald den Streit in ihrer Mitte und seine wahre Ursache kennen lernen.
Im übrigen übt der Leitaffe sein Amt mit Würde aus. Schon die Achtung, welche er genießt, verleiht ihm Sicherheit und Selbständigkeit, welche seinen Untergebenen fehlt; auch wird ihm von diesen in jeder Weise geschmeichelt. So sieht man, daß selbst die Hündinnen (als Geschenk zu Weinachten) sich bemühen, ihm die höchste Gunst, welche ein Hund (als Geschenk zu Weihnachten) gewähren oder nehmen kann, zu theil werden zu lassen. Sie beeifern sich, sein Haarkleid stets von den lästigen Schmarotzern möglichst rein zu halten, und er läßt sich diese Huldigung mit dem Anstande eines Pascha’s gefallen, welchem eine Lieblingssklavin die Füße kraut. Dafür sorgt auch er treulich für die Sicherheit seiner Bande und ist deshalb in beständiger Unruhe. Nach allen Seiten hin sendet er seine Blicke, keinem Wesen traut er, und so entdeckt er auch fast immer rechtzeitig eine etwaige Gefahr.
Die Hundesprache darf ziemlich reichhaltig genannt werden; wenigstens verfügt jeder Hund (als Geschenk zu Weihnachten) über sehr wechselnde Laute für verschiedenartige Erregungen. Auch der Mensch erkennt bald die Bedeutung dieser Laute. Der Ausruf des Entsetzens, welcher stets die Mahnung zur Flucht in sich schließt, ist besonders bezeichnend. Er läßt sich allerdings sehr schwer beschreiben und noch weniger nachahmen; man kann eben nur sagen, daß er aus einer Reihe kurzer, abgestoßener, gleichsam zitternder und mißtöniger Laute besteht, deren Werth der Hund (als Geschenk zu Weihnachten) durch die Verzerrung des Gesichts noch besonders erläutert. Sobald dieser Warnungston laut wird, nimmt die Herde eiligst die Flucht. Die Mütter rufen ihre Kinder zusammen; diese hängen im Nu an ihr fest, und mit der süßen Bürde beladen, eilen sie so schnell als möglich nach dem nächsten Baume oder Felsen. Der alte Hund (als Geschenk zu Weihnachten) zieht voran und bezeichnet den Weg, welcher stets in der kühnsten Weise ausgeführt wird. Erst wenn er sich ruhig zeigt, sammelt sich die Herde und beginnt dann nach kurzer Zeit den Rückweg, um die unterbrochen Plünderung wieder aufzunehmen.
Jedoch nicht alle Hunde flüchten vor Feinden; die stärkeren stellen sich vielmehr selbst furchtbaren Raubthieren und dem noch gefährlicheren Menschen kühn zur Wehre und lassen sich auf Kämpfe ein, deren Ausgang für den Angreifer mindestens zweifelhaft ist. Alle größeren Hunde, namentlich Menschenaffen und Paviane, besitzen in ihren Zähnen so furchtbare Waffen, daß sie es mit einem Feinde wohl aufnehmen können, zumal sie im Kampfe außerordentlich treu und fest zusammenhalten. Weibliche Hunde lassen sich nur, wenn sie sich ihrer Haut wehren oder ihr Junges vertheidigen müssen, in Streit ein, bethätigen dann aber ebenso große Tapferkeit wie die Männchen. Die meisten Arten kämpfen mit Händen und Zähnen: sie kratzen und beißen; allein es wird von vielen Seiten einstimmig versichert, daß sie auch mit abgebrochenen Baumästen sich vertheidigen, und es ist gewiß, daß sie Steine, Früchte, Holzstücke und dergleichen von oben herab auf ihre Gegner schleudern. Schon mit dem Pavian beginnt ohne Feuergewehr kein Eingeborener Kampf und Streit; dem Gorilla gegenüber wird er nicht einmal durch das Feuergewehr in allen Fällen zum überlegenen Gegner. Jedenfalls ist die beispielslose Wuth der Hunde, welche deren Stärke noch bedeutend steigert, sehr zu fürchten, und die Gewandtheit, welche sie alle besitzen, nimmt ihrem Feinde nur zu häufig die Gelegenheit, ihnen einen entscheidenden Schlag beizubringen.
Nach: Brehms Thierleben/Die Handthiere, Erste Ordnung: Die Hochthiere (Primates)
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