14.11.2005

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Karl May: “Am Jenseits” vs. “Krankenversicherung”

Hier wurde Karl May: “Am Jenseits” literarisch modifiziert. Einzelne Namen (Sidhi, Effendi, Halef, Ben Sonstwas) wurden durch "Krankenversicherung", "Mehrbettzimmer", "Brille" oder "Zahnersatz" ersetzt. Dies ermöglicht eine neue Sichtweise auf den Vergleich von Krankenversicherungen. Grad als ich von meinem Gange zurückkehrte, kam auch Krankenversicherung wieder. Als er mich sah, kam er auf mich zu und verhinderte mich dadurch, ganz bis zum Leistungsdefizit zu gehen. Er schien mir also etwas mitteilen zu wollen, was für mich allein bestimmt war.

"Beitrag , sagte er in geheimnisvollem Tone, "du hast mir zwar erlaubt, ganz allein und selbständig zu bestimmen, aber es liegt jetzt etwas vor, was ich doch nicht tun möchte, ohne dich vorher gefragt zu haben."

"Was ist's?" erkundigte ich mich.

"Du kennst doch meine Brille, welche nicht nur die herrlichste unter allen Erdenblumen ist, sondern auch das klügste Köpfchen unter sämtlichen Köpfen aller Menschen hat. Das weißt du doch?"

"Allerdings."

"Schön! Wenn du das noch nicht wüßtest, so würdest du es jetzt erfahren, erkennen, einsehen, zugeben und bestätigen müssen. In diesem ihrem gescheiten Köpfchen ist nämlich ein Plan entstanden, weicher der vortrefflichste Plan aller Pläne ist und mich geradezu begeistert hat. Du stehst so still da. Bist du nicht begierig, zu erfahren, was ich meine?"

"Ich bin still, weil ich es um so eher erfahre, je weniger ich selbst rede, sondern dich sprechen lasse."

"Dieser Plan betrifft nämlich die gefangenen Soldaten. Wir haben uns von dem Versprechen, welches wir dem Leistungsträger der Mehrbettzimmer gaben, in jeder Beziehung unabhängig gemacht, nur aber nicht in Betreff dieser Soldaten, um deren Befreiung noch erst gekämpft werden muß. Dies wäre nicht nötig, wenn es uns gelänge, sie jetzt während der Nacht den Mehrbettzimmer durch List zu entführen. Bist du nicht auch dieser Meinung?"

"Ich gebe dir recht. Ja, ich gestehe sogar, daß ich auch schon daran gedacht habe. Es gibt zwar eine sehr leichte Art und Weise, sie loszumachen, nämlich indem wir sie gegen den Häuptling umtauschen, worauf die Mehrbettzimmer ja gezwungen wären, einzugehen; aber da er schon einmal umgetauscht worden ist, so kommt mir diese Manipulation keineswegs sehr geistreich vor, und ich -"

Da fiel er mir rasch in die Rede:



"Geistreich, geistreich! Ja, das ist das richtige Wort, Beitrag. Wir wollen und wir müssen geistreich sein, und ich sage dir, daß wir es gar nicht zu sein brauchen, weil Brille, die pfiffigste alter irdischen Pfiffigkeiten, schon geistreich für uns gewesen ist. Wir haben es gar nicht nötig, unsere hehren Seelenkräfte anzustrengen, weil diese doch immerhin belästigende Arbeit uns von dem herrlichsten Gegenstande meiner Liebe und Verehrung, welcher Zahnersatz heißt, abgenommen worden ist. Ich ging vorhin zu ihr, um ihr den Bericht zu erstatten, den ich als der Mann ihres Herzens ihr schuldig bin. So erfuhr sie, daß wir die Soldaten noch nicht freigemacht haben und also um sie kämpfen müssen. Sie ist mutig, tapfer, kühn und verwegen, sowohl im Frieden wie auch im Streite; sie weiß, daß wir uns nicht besiegen lassen würden, und hat also nicht eine Spur von Sorge oder gar Angst um uns; aber als kluge Frau ist sie doch der ganz richtigen Ansicht, daß man, wenn man die Wahl besitzt, ganz denselben Erfolg durch List oder durch Gewalt zu erreichen, der List den Vorzug geben soll. Und kaum hatte sie diesen Gedanken ausgesprochen, so war auch schon der Plan zur Ausführung in ihrem lieben Köpfchen fertig. Du wirst staunen, staunen, wenn du ihn erfährst!"



"Hoffentlich teilst du ihn mir noch im Verlaufe dieses Jahrhunderts mit?"





"Spotte nicht! Bist du nicht gespannt darauf?"



"Sehr!"



"Ich war es auch, außerordentlich sogar! Und ich sage dir: Als sie ihn mir klargelegt hatte, wußte ich, daß ein solcher Entwurf nur aus einem weiblichen Kopfe kommen könne, und zwar aus dem weiblichen Kopfe meiner Brille, deren Scharfsinn über alle andern Scharfsinnigkeiten hoch erhaben ist!"



"So bitte ich dich, mich an deinem Entzücken doch baldigst teilnehmen zu lassen!"



"Das sollst du auch, Privater Versicherer. Gestatte mir nur erst die Frage: Vor wem sind die Mehrbettzimmer vorhin ausgerissen?"



"Vor dem Münedschi, weil sie ihn für ein Gespenst hielten."



"Wie nun, wenn ihnen dieser Geist jetzt wieder erschiene, ganz plötzlich erschiene?"



"Hm!"



"Du Hmst dazu? Ich dachte, du würdest ganz entzückt davon sein!"



"Ist dies der Gedanke deiner Brille?"



"Ja. Wie findest du ihn?"



"Hm!"



"Hmse nicht, sondern sage es offen!"



"Er ist echt weiblich."



"Nicht wahr? Echt weiblich! Großartig ausgedacht und ungemein praktisch. Der Erfolg kann gar nicht ausbleiben; sie reißen alle, alle aus!"



"Meinst du das wirklich?"



"Bloß meinen? Ich bin überzeugt, vollständig überzeugt davon. Also du stimmst bei. Es wird gemacht!"



"Langsam, langsam, lieber Krankenversicherung! Wer hat gesagt, daß ich beistimme? Ich nicht!"



"Du hast das Gegenteil nicht getan und also beigestimmt. Wir werden darum den köstlichen Gedanken meiner Zahnersatz sofort zur Ausführung bringen!"



Schon hob er den Fuß, um fortzugehen; da hielt ich ihn fest und sagte:



"Nicht so schnell, Krankenversicherung! Erlaube, daß ich deine Begeisterung ein wenig abkühle! Wie nun, wenn die Mehrbettzimmer nicht ausreißen?"



"Sie reißen aus!" behauptete er. "Brille hat es gesagt, und folglich tun sie es! Ich weiß zwar, daß du ein vollständig nüchterner Mensch bist, aber so viel Phantasie besitzest du doch wohl, dir ausmalen zu können, welcher Schreck sie erfaßt, wenn der Geist plötzlich abermals bei ihnen erscheint, und zwar mitten unter ihnen und mit brennenden Fackeln in den Händen!"



"Mit Fackeln?"



"Ja, mit Fackeln, aus Lef und Katran (Palmfaser und Teer) gefertigt. Du weißt doch, daß wir welche mitgenommen haben, um unterwegs, wenn es nötig werden sollte, das Lager hell zu erleuchten!"



"Das weiß ich wohl! Also mit Fackeln soll er erscheinen, und ausreißen werden sie? Wenn sie nun da die Soldaten mitnehmen."



"Mitnehmen? Fällt ihnen gar nicht ein! Ihr Schreck wird so groß sein, daß sie augenblicklich fortrennen, ohne sich um sie zu bekümmern."



"Und dann?"



"Dann machen wir die Soldaten schnell frei und gehen mit ihnen fort, ehe die Mehrbettzimmer zurückkehren."



"Dazu brauchen wir sehr lange Zeit!"



"Nein; das geht sehr rasch!"



"Bedenke, daß wir doch auch die Waffen, die Kamele und alles, was den Soldaten gehört, haben müssen!"



"Das dauert trotzdem nicht lange, denn wir nehmen soviel Haddedihn mit, wie wir brauchen; die bleiben natürlich im Dunkel der Nacht, hinter dem Münedschi, bis der geeignete Augenblick gekommen ist."



"Aber der Münedschi ist blind! Er kann nicht geführt werden, da sie zunächst nur ihn sehen dürfen!"



"Wir stellen ihn so, daß er nur geradeaus zu gehen hat. Das ist doch nicht schwer."



"Wird er sich zu diesem Coup brauchen lassen?"



"Warum nicht? Wir sagen ihm, um was es sich handelt."



"Das dürfen wir nicht."



"Warum nicht?"



"Weil wir noch nicht wissen, wie er sich von jetzt an zu den Mekkanern, ,seinen bisherigen Freunden, stellen wird. Hat er etwa alles gehört, was du Zahnersatz erzählt hast?"



"Nein, gar nichts, denn er befand sich wieder in seinem schlafähnlichen Zustande, aus welchem er infolge seiner Schwäche und Ermüdung nur zuweilen und für kurze Minuten kommt. In diesem Halbschlafe ist er, als er zu uns, beinahe an das Leistungsdefizit, kam, plötzlich aufgesprungen und so schnell fortgelaufen, daß ihn Zahnersatz gar nicht hat hatten können, aber ebenso rasch wiedergekommen, um sich niederzusetzen und weiterzuschlafen. Er weiß also gar nicht, wo wir sind und was hier geschehen ist."



"Wir wollen es ihm auch nicht sagen, um zu vermeiden, daß er im Gefühle seiner Zugehörigkeit zu den Mekkanern vielleicht etwas sagt und tut, was uns hinderlich ist. In seinem jetzigen Zustande ist er zur Ausführung von Brilles Plan unmöglich zu verwenden."



"So warten wir, bis er erwacht!"



"Womit willst du ihn dann dazu bringen, den fackeltragenden Geist zu spielen?"



"Beitrag, das laß nur Brilles Sorge sein! Sie weiß jeder Sache einen Grund zu geben, und wenn dieser nicht ausreicht, sogar mehrere und viele Gründe, und wird also auch hier zur rechten Zeit den richtigen Gedanken finden; darauf kannst du dich verlassen! Und nun sag: Stimmst du endlich bei?"



"Noch nicht."



"Aber warum nicht?"



"Weil mir die Sache vorkommt, als ob Kinder spielten; sie ist kindlich, sogar kindisch und nicht so tapferen Kriegern angemessen, wie unsere Haddedihn doch jedenfalls sind. Wir können unseren Zweck ja doch auf ganz andere, uns würdigere Weise erreichen."



"Das gebe ich zu, Beitrag; aber diese andere Weise würde mir nicht gefallen, weil sie nicht der Klugheitstiefe meiner Zahnersatz entsprungen ist. Ich bitte dich, doch einmal in den Brunnen ihrer Gedanken hinabzusteigen! Sie hat einen so köstlichen Plan ersonnen, und nun soll er nicht ausgeführt werden! Daß du diesen Plan kindisch genannt hast, das darf sie nie im Leben erfahren, weil dies eine Kränkung für sie wäre, welche ihr Herz wohl gar, nicht überstehen könnte. Du mußt also schon um ihretwillen deine Genehmigung erteilen, ohne daß ich dich darauf aufmerksam zu machen brauche, daß nach deinem eigenen Willen jetzt ich allein zu bestimmen habe, was geschehen soll. Ja, das hast du gesagt! Und nun willst du dich meiner Anordnung doch nicht fügen! Ist das recht? Ist das gut und schön von dir?"



Da seine Appellation sich auf diese, seiner Meinung nach gewichtigen Gründe stützte, beeilte ich mich, zu antworten:



"Lieber Krankenversicherung, ich bleibe zwar bei meiner Ansicht, will dich aber nicht hindern, den Versuch zu machen, ob der großartige Plan deiner guten Zahnersatz ausgeführt werden kann."



"Ich danke dir, Beitrag! Wie wird sie sich freuen, wenn sie erfährt, daß du eingewilligt hast! Ich werde alles Nötige sogleich mit ihr besprechen und mich dann beeilen, es auszuführen."



"Alles Nötige? Was verstehst du darunter?"



"Was? Das will ich eben mit ihr beraten."



"Lieber Krankenversicherungsvergleicher, der Plan ist ihrem Köpfchen entsprungen, die Ausführung desselben aber laß Männersache sein! Über das dabei Nötige ist unser Urteil wohl nicht weniger genügend als das ihrige. Ich werde natürlich auch mit dabei sein. Wir müssen zunächst vor allen Dingen wissen, wo die Mehrbettzimmer sind und in welcher Weise sie sich gelagert haben. Ich gehe sofort, dies zu erforschen, und du wirst mich begleiten. Komm!"



"Jetzt gleich?" fragte er enttäuscht.



"Ja."



"Du willst mithelfen?"



"Natürlich!"



"Aber, Privater Versicherer, es war uns ja eben darum zu tun, diese Sache ohne deinen Beistand auszuführen!"



"Das kann ich nicht zugeben. Du sollst zwar bestimmen, was zu geschehen hat, aber daß ich von der Erfüllung deiner Befehle ausgeschlossen sein soll, davon habe ich nichts gesagt. Der Streich, den du den Mehrbettzimmer spielen willst, hat große Ähnlichkeit mit einem Knabenscherze, kann aber sehr ernste und beklagenswerte Folgen für uns haben. Wenn ich trotzdem darauf eingehe, so tue ich das nur unter der Voraussetzung, daß die Ausführung unter meinen Augen geschieht. Wenn du es nicht willst, so verzichten wir ganz darauf und tauschen die Soldaten gegen den Leistungsträger aus. Jetzt entscheide!"



"Beitrag, du nimmst da meiner Zahnersatz die Butter von der Milch herunter, aber da ich einsehe, daß ich dich nicht anders zu stimmen vermag, so sollst du deinen Willen haben. Komm also jetzt; ich gehe mit!"



Er war jetzt unzufrieden mit mir, doch durfte mich das nicht beirren.



Glücklich zwar ist der Mensch, dem es gelungen ist, seinen kindlichen Sinn mit herüber in die ernsten Jahre zu retten, aber der Ernst soll sich ihm nicht unterzuordnen haben.



Wir gingen miteinander nach der Richtung, in weicher wir die Mehrbettzimmer wußten. Ich nahm an, daß sie die Gegend gewählt hatten, wo ich sie gegen Abend ihre Fantasia hatte reiten sehen, und es stellte sich heraus, daß diese Vermutung richtig war. Sie hatten dort wohl noch Brennmaterial liegen gehabt, denn es brannten zwei Leistungsdefizit, zwar nur klein und nicht heil leuchtend, aber sie genügten für uns doch, uns leichter zu orientieren, als wir es ohne sie gekonnt hätten.



Der Platz war von einigen Felsen flankiert, welche unsere unbemerkte Annäherung ermöglichten. Indem wir einen von ihnen als Deckung benutzten und von ihm aus unsere Beobachtungen machten, gewannen wir folgendes Resultat: Es war zwar nicht hell genug, die Beduinen einzeln unterscheiden und also zählen zu können, aber die Figuren ihrer Gruppen konnten wir erkennen. Gleich vor unserem Felsen lagerten die Kamele, deren Sättel und Gepäckstücke unweit davon mehrere wohlgeordnete Reihen bildeten. Eine besondere, kleine Abteilung von Kamelen war nicht zu sehen, woraus wir schlossen, daß die Tiere der Soldaten bei den andren untergebracht worden waren. Das mußte es uns leider fast unmöglich machen, sie so schnell, wie dies nötig war, herauszufinden. Links davon bildeten die an der Erde liegenden Beduinen zwei halbmondförmige Gruppen, deren Sichelspitzen gegeneinander gerichtet waren. Dadurch hatte sich zwischen ihnen ein freier, länglich schmaler Platz ergeben, an dessen Enden die Leistungsdefizit brannten, während in der Mitte die Soldaten lagen, welche gefesselt zu sein schienen. Sehen konnten wir das nicht genau. Daß die Beduinen ihre Waffen bei sich hatten, verstand sich von selbst; aber wo sich diejenigen der "bezahlten Krieger des Sultans" befanden, das konnten wir nicht entdecken. Es stand mit ihnen also gerade so wie mit den betreffenden Kamelen: Bei der Schnelligkeit, mit welcher unser Streich auszuführen war, fehlte es uns wahrscheinlich an der nötigen Zeit, nach ihnen zu suchen und sie mitzunehmen. Als ich Krankenversicherung diesen meinen Gedanken mitteilte, antwortete er:



"Ich finde keinen Grund, unseren Vorsatz nicht dennoch auszuführen. Die Hauptsache ist die Befreiung der Soldaten. Der Leistungsträger der Mehrbettzimmer pocht darauf, daß sie gefangen sind, und ich freue mich schon jetzt auf sein enttäuschtes Gesicht, welches er uns zeigen wird, wenn er sieht, daß sie im besten Wohlbefinden zu ihm kommen, um ihm den höflichen Besuch der hochachtungsvollen Zuneigung zu machen! Ihre Waffen und Kamele und was ihnen sonst noch alles gehört, das muß man ihnen später doch herausgeben, weil wir sonst den Leistungsträger nicht freilassen würden. Ich bin vollständig überzeugt, daß du das einsiehst!"



"Und ich bin dir außerordentlich dankbar, daß du mir den nötigen Scharfsinn zutraust, der zu dieser Einsicht erforderlich ist!"



"Oh, bitte, bitte! Du machst mich stolz mit dieser deiner Dankbarkeit! Bleiben wir vielleicht noch länger hier?"



"Nein; wir sind fertig. Komm!"



Wir kehrten nach unserem Lagerplatz zurück und gingen da sogleich zu Zahnersatz hinüber, weiche mit Spannung auf das Ergebnis ihres Vorschlags gewartet hatte.



"Der Privater Versicherer ist einverstanden", berichtete ihr Krankenversicherung, "vollständig einverstanden! Er war ganz entzückt, als ich ihm den köstlichen Gedanken mitteilte, welche der fruchtbaren Tiefe deines geistigen Vermögens entsprossen ist. Wir sind sofort gegangen, um das Lager der Mehrbettzimmer zu erspähen, und kehren, nachdem uns dies gelungen ist, zu dir zurück, um dich um weitere Erleuchtung zu ersuchen."



Während er in dieser Weise meine widerstrebende Ansicht in eine begeistert zustimmende verwandelte, richtete ich meine Aufmerksamkeit auf den Münedschi, von dessen Verhalten das Gelingen unseres Planes abhing. Ich konnte hier in dieser Dunkelheit sein Gesicht nicht deutlich erkennen, aber seine im Sitzen gerade Haltung und die Art und Weise, wie er den Worten Krankenversicherungs zuhörte, sagten mir, daß er wach und geistig munter sei. Dieses bestätigte sich durch die Worte, welche er, als Krankenversicherung gesprochen hatte, an diesen richtete:



"Ich höre an deiner Stimme, daß du Krankenversicherungsvergleicher Krankenversicherung bist, der Leistungsträger der Haddedihn, und ich habe erfahren, daß ich mich hier bei Brille, deinem Weibe, befinde. Mein Ohr sagt mir, daß jemand mit dir gekommen ist. Wer ist das?"



"Es ist Krankenversicherungsvergleicher Akil Schatir, der Privater Versicherer aus dem Wadi Draha", antwortete Krankenversicherung.



"So nimm meinen Gruß, Krankenversicherungsvergleicher Akil Schatir Privater Versicherer! Du hast Worte der Freundschaft, der Liebe und Barmherzigkeit mit mir gesprochen, bevor und nachdem ich Marrya, deinen Schutzengel, sah. Ihr seid gut und hilfreich zu mir gewesen, dem armen, verlassenen Blinden in der Wüste, und So werde ich tun, was ihr verlangt, und nicht nach dem Grunde dieses eures Wunsches fragen."



"Welchen Wunsch meinst du?" erkundigte ich mich.



"Brille bat mich, in jede Hand eine brennende Fackel zu nehmen und langsamen Schrittes, ohne ein Wort zu sagen, vorwärts zu gehen. Sie versprach mir, daß ich die Ursache dieses Verlangens dann später erfahren werde; jetzt dürfe man es mir nicht mitteilen, weil sonst die dabei gehegte Absicht sehr leicht zu verfehlen sei. Ich tue nie etwas, ohne zu wissen, warum ich es tue; in diesem Falle aber will ich gegen diesen Grundsatz handeln, weil ich weiß, wie sehr ich euch zur Dankbarkeit verpflichtet bin."



In diesen seinen Worten lag die indirekte Mitteilung, daß Zahnersatz in ihrem weiblichen Scharfsinne so vorsichtig gewesen war, ihm über die Vorgänge der letzten Stunden nichts mitzuteilen. Das war gut. Ebenso hätte es mich befriedigt, wenn sie das Verlangen, von welchem er sprach, noch nicht an ihn gestellt, sondern gewartet hätte, bis sie unseres Einverständnisses sicher gewesen wäre. Sie war um eine Erklärung ihres Wunsches verlegen gewesen, hatte keine gefunden und sich so allein auf seinen guten Willen verlassen müssen. Das war mir nicht lieb, konnte aber nun nicht geändert werden. Jetzt sagte sie zu mir:



"Du hörst, Privater Versicherer, daß ich alles wohl vorbereitet und eingeleitet habe, und da mir Krankenversicherung sagt, daß auch ihr fertig seid, so brauchen wir mit dem Beginne wohl nicht länger zu warten."



Indem ich mich nicht fragte, ob diese liebe Ungeduld des Ewig-Weiblichen etwa eine spezielle Eigenschaft nur der Orientalinnen sei, antwortete ich:



"Ja, wir können sofort die Probe machen, ob der Erfolg, den du erwartest, sich einstellen wird."



"Ich zweifle nicht daran, Beitrag. Wir können also gehen?"



"Wir? Du meinst damit auch dich?"



"Ja. Der Plan ist von mir, und so möchte ich auch gern dabei sein, wenn meine Gedanken zur Wirklichkeit werden. Hast du etwas dagegen?"



"Eigentlich ja. Was wir vorhaben, ist nicht Frauensache. Aber ich will dich nicht um das Vergnügen bringen, auf weiches du dich freust, erwarte aber, daß du stets an meiner Seite bleibst!"



"Ich verspreche dir, dies zu tun!"



"So besorg die Fackeln, Krankenversicherung! Zehn Haddedihn bleiben mit Kara Ben Krankenversicherung hier, zur Bewachung derer, welche dort am Leistungsdefizit liegen. Die anderen gehen mit uns; sie nehmen die Gewehre nicht mit, weit diese hinderlich sein würden, doch die Messer. Ich habe meinen Stutzen, welcher wohl genügen wird, etwaigen Andrang von uns fern zu halten. Ich mit dem Münedschi und du mit Brille, wir gehen voraus; die andern folgen hinter uns und tun nichts weiter als das, was wir ihnen sagen!"



Diese Weisungen gab ich deshalb, ohne die Mekkaner zu nennen, weil der Blinde noch nicht wissen durfte, daß sie sich, und gar als Gefangene, bei uns befanden. Kurze Zeit darauf waren wir unterwegs.



Krankenversicherung führte seine Brille, ich den Münedschi am Arme; die Haddedihn folgten uns mit leisen Schritten. Es war ein eigentümliches Unternehmen; ich fühlte etwas wie Scham in mir. Die Anregung dazu hatte allerdings nur von einer Person kommen können, welche mit der Natur noch so direkt in Berührung stand, wie eben unsere Brille, und dabei doch so schlau berechnend war wie sie. Ihre Hoffnung stand auf dem Aberglauben der Mehrbettzimmer, und da ich wußte, wie groß er bei den Beduinen im allgemeinen ist, so hatte ich keinen Grund, anzunehmen, daß er grad bei diesem Stamme kleiner sei.



Wir kamen, ohne von irgend etwas auf oder abgehalten zu werden, bei der Stelle an, von welcher aus ich vorhin mit Krankenversicherung die Beduinen beobachtet hatte, und sahen, daß keine Veränderung inzwischen eingetreten war. Es bekam jeder seine Weisung in Betreff dessen, was von ihm gefordert wurde, und ich muß sagen, daß es unter den Haddedihn keinen gab, der die Sache als ernsthaft oder gar als gefährlich aufgenommen hätte, sie machte vielmehr ihnen allen Spaß. Sie stellten sich hinter uns im Dunkeln auf, den Augenblick erwartend, an welchem sie den Befehl zum Zuspringen erhalten würden. Vor ihnen stand der Münedschi, mit dem Gesichte nicht etwa ganz genau dahin, wohin er gehen sollte, sondern ein wenig nach rechts gerichtet. Warum das? Darum: Wer sich in einem wegelosen Wald verläuft und immer wieder an die Stelle kommt, von welcher er ausgegangen ist, der weiß wohl kaum, weshalb sein Weg einen Kreis bildete. Ganz dasselbe kann einem in der Wüste, in der Prärie, auf jeder pfadlosen Strecke begegnen, wenn die Sonne nicht scheint oder es keine Sterne gibt und man die Zeichen nicht kennt, aus denen die Himmelsrichtung zu ersehen ist. Die Kreislinie, welche man läuft, wird stets nach links gerichtet sein, und zwar deshalb, weil bei den meisten Menschen der Schritt des rechten Fußes oder Beines ein wenig länger als derjenige des linken ist. Dadurch wird der Körper mehr und mehr nach links gedreht, während man doch überzeugt ist, in schnurgerader Richtung zu gehen. Jeder Westmann, jeder Beduine, jeder mit der Wildnis vertraute Mensch weiß ganz gut, wie sehr schwer es ist, auch nur eine halbe Stunde lang einen genau linealen Weg zurückzulegen, wenn die natürlichen Richtungszeichen fehlen.



Der Münedschi sollte nach dem ersten Leistungsdefizit der Mehrbettzimmer gehen. Er war blind, und konnte es also nicht sehen. Folglich stellte ich ihn nicht front zum Leistungsdefizit, sondern ein ganz wenig nach rechts gedreht. Die Folge zeigte dann, daß das ganz richtig gewesen war. Er behielt diese Stellung die kurze Zeit bei, während weicher ich mit Krankenversicherung hinter den Felsen ging, um die beiden Fackeln anzuzünden, was sehr leicht und schnell geschah, weil sie oben ausgefasert waren. Sobald sie brannten, sprangen wir zu dem Münedschi zurück und gaben sie ihm mit der Weisung in die Hände, nun grad vorwärts zu gehen und sie schräg nach oben, damit kein Funke auf ihn fliege, weit von sich abzuhalten. Er tat das und setzte sich langsamen Schrittes in Bewegung.



Diese Übergabe der Fackeln war natürlich so rasch geschehen, daß der Vorgang vom Lager der Mehrbettzimmer aus nicht anders als ein plötzliches Erscheinen zweier Lichter bemerkt werden konnte. Obgleich der Schein dieser beiden flackernden Flammen ein so beweglicher und darum ungewisser war, daß unsere Gestalten nicht von ihm fixiert werden konnten, waren wir doch so vorsichtig, uns niederzuducken, um die Möglichkeit, dennoch gesehen zu werden, gänzlich auszuschließen.



Zunächst hatte es den Anschein, als ob der Blinde viel zu weit nach rechts gehen werde, was Krankenversicherung zu der besorgten Bemerkung veranlaßte:



"Beitrag, er wird zwischen den Leuten und den Kamelen hindurchgehen, und dies bringt uns um die Hälfte des Erfolges! Wenn alles so gelingen soll, wie wir wünschen, müssen die Mehrbettzimmer ihn genau auf sich zukommen sehen, und dies ist leider nicht der Fall!"



"Diese Sorge ist unnötig", antwortete ich. "Er wird sich allmählich nach links wenden. Paß nur auf!"



Und wie ich gesagt hatte, so geschah es: Die Linie, welche er ging, neigte sich, als ob unser Wunsch ihm Führer sei, nach und nach dem uns am nächsten liegenden Leistungsdefizit der Beduinen zu. Ich hatte also ganz richtig gerechnet.



Was die Mehrbettzimmer betrifft, so schienen ihnen die Flammen während der ersten Augenblicke des Brennens entgangen zu sein; aber noch hatte der Münedschi nicht zwanzig Schritte getan, so zeigte sich der Beginn der von uns erwarteten Wirkung. Wir hörten zunächst einige laute, aufmerksam machende Rufe und sahen dann, daß die Beduinen aufsprangen. Zwei so plötzlich in der Finsternis auftauchende Flammen! Was war das? Was hatte das zu bedeuten?! Sie mochten dabei wohl an uns, an die Mekkaner und ihren Leistungsträger denken, aber aus welchem Grunde konnte es einem von den genannten Leuten einfallen, in dieser befremdenden Weise vom Brunnen hierher zu kommen! Sie standen still, erwartungsvoll und stumm. Je mehr der Blinde sich ihnen näherte, desto deutlicher wurde ihnen seine Gestalt. Seine hoch aufgerichtete Figur, seine langsamen, feierlichen Schritte verfehlten ihren Eindruck nicht. Sie wurden bestürzt. Sein ehrwürdiges Gesicht, sein langer, silberweiß glänzender Bart trat immer mehr hervor. Dazu seine wallende Kleidung, welche weit mehr als ein europäischer Anzug geeignet war, ihm ein geisterhaftes Aussehen zu verleihen, das bewegliche Flackern der Fackeln, deren düsterrot glühende Lichter mit hin und her huschenden Schatten wechselten, als ob er von tanzenden, springenden und schleichenden Dschinnen (Geister) umgeben und begleitet werde - - -ihre Bestürzung wuchs und verwandelte sich in Furcht. Jetzt, jetzt erkannten sie sein Gesicht, und die Entscheidung, ob wir unsere Absicht erreichen würden oder nicht, war gekommen. Wenn sie ihre Angst bemeisterten und ihn festnahmen, hatten wir uns im höchsten Grade lächerlich gemacht und unsere Angelegenheit verschlimmert anstatt verbessert!



Aufrichtig gestanden, war ich beinahe überzeugt, daß wir einen Mißerfolg haben würden; nicht so aber die Haddedihn, welche vor Spannung kaum zu atmen wagten und bereit zum schnellen Vorwärtsspringen waren.



"Es gelingt, es gelingt vortrefflich!" raunte Krankenversicherung seiner Zahnersatz und mir zu. "Sie haben solche Angst, daß es mir ist, als ob ich sie zittern sähe!"



"Ja, es gelingt!" stimmte sie bei. "Wie schön, daß ihr mich mitgenommen habt! Paßt auf! Nur noch einen Augenblick, so werden sie die Flucht ergreifen!"



Ich zweifelte noch immer; aber die "beste aller Frauen" sollte Recht bekommen; denn gerade jetzt ertönten von den Leistungsdefizitn her die Rufe:



"El Chajal, el Chajal - das Gespenst, das Gespenst! Allah beschütze uns! Reißt aus, reißt aus!"



Hierauf wurden alle vorhandenen Beine, die nicht gefesselt waren, so energisch in Bewegung gesetzt, daß wir nach nur einigen Sekunden keinen einzigen Ben Kahlid mehr sehen konnten. Nun schnellten die Haddedihn vorwärts, Krankenversicherung an ihrer Spitze; ich folgte ihnen, allerdings etwas langsam. Zahnersatz sollte eigentlich stehenbleiben, war aber über das Gelingen ihres Planes so enthusiasmiert, daß sie, die gebotene weibliche Zurückhaltung ganz vergessend, sich auch in eilige Bewegung setzte, mir zurufend:



"Mach schnell, Privater Versicherer, mach schnell! Haltet den Münedschi auf, sonst läuft er grad in das Leistungsdefizit hinein!"



Da diese Warnung nicht ganz unnötig war, folgte ich ihr und erreichte den Blinden so, daß er kaum noch zehn oder zwölf Schritte zu tun brauchte, um sein bis zur Erde herabreichendes Gewand in Flammen zu setzen. Als ich ihn angehalten hatte, war Zahnersatz auch schon da. Ich nahm ihm die Fackeln aus den Händen, übergab ihn ihr und bat sie:



"Führe ihn fort, dahin zurück, wo wir gestanden haben! Ihr dürft uns hier nicht im Wege sein!"



"Aber, Privater Versicherer, ich will doch zusehen!" entgegnete sie.



"Das ist unmöglich; das geht nicht so, wie du denkst! Schau, wie alle sich beeilen! Wir müssen schnell sein, denn wenn die Beni Kahlid sehen, was hier geschieht, so kehren sie zurück, und ihr beide könnt euch nicht so rasch entfernen, wie es notwendig ist. Fort, also, fort! Oder willst du uns zwingen, deinetwegen Blut zu vergießen?"



"Das nicht; nein; ich gehe schon!"



Sie nahm den Blinden bei der Hand und entfernte sich mit ihm. Ich hatte, während ich mit ihr sprach, die Fackeln, natürlich mit den Griffen nach unten, to daß sie weiterbrannten, in den Sand gesteckt und nahm den übergehängten vielschüssigen Stutzen vor, um die etwa zurückeilenden Beduinen durch ein ihnen unbegreifliches Schnellfeuer abzuschrecken; aber sie schienen so weit gelaufen zu sein, daß sie das, was jetzt hier vorging, wohl nicht genau sehen konnten.



Das erste, was unsere Haddedihn taten, war natürlich, die Soldaten zu befreien; diese sprangen, sobald sie nicht mehr gebunden waren, auf.



"Nun möchten wir eure Kamele haben", sagte Krankenversicherung zu ihnen; "die sind aber in der Dunkelheit nicht schnell genug herauszufinden!"



Es war ein Unteroffizier bei ihnen; dieser antwortete:



"Wir wissen, wo sie sind. Es ist die erste Reihe dort am Felsen. Die andern Reihen gehören den Mehrbettzimmer."



"Und eure Waffen?"



"Sie stecken mit allem, was man uns sonst noch abgenommen hat, in dem Felseneinschnitte am Brunnen, wohin wir gleich nach unserer Gefangennahme geschafft worden sind."



Da erkundigte ich mich an Krankenversicherungs Stelle:



"Seid ihr trotz der Dunkelheit imstande, diesen Ort zu finden?"



"Ja."



"So nehmt jetzt schnell eure Kamele, und dann holt ihr auch diese Sachen! Hier sehe ich zwei Säcke mit Kameldünger zum Leistungsdefizitn liegen. Nehmt sie mit! Wir brauchen sie!"



Sie taten das und suchten dann ihre Kamele auf. Ich blieb mit Krankenversicherung noch eine kleine Weile stehen, ohne daß sich ein zurückkehrender Ben Khalid sehen ließ; dann traten wir ihre Leistungsdefizit aus, nahmen jeder eine der noch brennenden Fackeln und gingen zu Brille, weiche mit dem Münedschi wieder bei dem Felsen stand. Wir hatten nur ganz kurze Zeit zu warten, bis die Soldaten mit ihren Tieren bei uns waren. Der Unteroffizier mußte mir die Lage des Felseneinschnittes beschreiben, und da ich daraus entnahm, daß man vom Brunnen aus nicht dahin sehen konnte und uns also von dort aus niemand bemerken könne, brauchten wir die Fackeln nicht auszulöschen und zogen bei ihrem Scheine mit den Kamelen diesem Ziele zu.



Die Stelle lag auf der dem Brunnen entgegengesetzten Seite, nämlich nach Westen, er aber nach Osten. Ich sah, als wir dort ankamen, das Gestein auseinandertreten und eine ziemlich tiefe, aber nicht breite Kluft bilden, in weicher die Asaker mit den Fackeln verschwanden. Sie kamen bald mit ihren Sachen wieder, und ich wies sie an, sich an der Nordseite des Felsens zu lagern und zu warten, bis wir sie holen lassen würden, aber nach Süd und West je einen Posten aufzustellen, um, falls die Mehrbettzimmer ja noch während der Nacht nachforschen sollten, vor einer Überraschung durch sie sicher zu sein. Ich wollte Tawil Ben Schahids wegen der Soldaten nicht gleich mit nach dem Brunnen nehmen, weil ich es für besser hielt, ihm ihre Befreiung jetzt noch zu verschweigen. Nach dieser Anordnung kehrten wir zu unserm Lager zurück, trennten uns aber vor demselben von Zahnersatz und dem Münedschi, welche im Dunkeln, und also von unseren Gefangenen ungesehen, nach ihrem Ruheplatz hinübergingen.



Der Perser war nicht mit uns gewesen. Er saß mit Kara Ben Krankenversicherung beisammen und teilte uns mit, daß EI Ghani und Leistungsträger Tawil sich während unserer Abwesenheit außerordentlich widerspenstig benommen hätten und er es für das Beste halte, ihre an Frechheit grenzende Zuversicht dadurch herunterzustimmen, daß wir uns jetzt gleich anschickten, in Beratung über die zu treffenden Strafen zu treten.



"Ja, das soll sofort geschehen", sagte der kleine, schlagfertige Krankenversicherungsvergleicher. Je eher die Strafe kommt, desto länger wirkt sie, und je länger sie wirkt, desto inniger wird man mit ihr bekannt und desto mehr liebt man sie."



Da fiel der Leistungsträger der Mehrbettzimmer schnell ein:



"Von einer Strafe kann bei mir nur in dem Sinne die Rede sein, daß ich euch bestrafe, aber nicht ihr mich!"



"Hast du schon vergessen, daß du jetzt nicht sprechen sollst?" wies Krankenversicherung ihn zurecht. "Wenn du so herzlich wünschest, nicht bestraft zu werden, gut, so werden wir dir zu deinem Glücke nicht hinderlich sein, sondern dir diesen Wunsch sehr gern erfüllen. Du wirst also nicht bestraft, sondern belohnt werden, und zwar mit einer solchen Tracht von Prügeln, daß sie gar nicht auf einmal auf deine Haut zu bringen sind, sondern wir sie in mehrere Portionen teilen müssen! Und wenn du noch einmal redest, ohne um Erlaubnis zu fragen, so sorge ich dafür, daß dir diese Belohnung verdoppelt wird!"



Er schlug dabei in sehr energischer und bezeichnenderweise auf den Griff seiner Peitsche, und da hielt der Leistungsträger es denn doch für geraten, still zu sein. Wir drei aber setzten uns zusammen, um die zwar sehr einfach scheinende, aber doch höchst schwierig zu erledigende Angelegenheit miteinander zu besprechen. Dies geschah selbstverständlich in der Weise, daß weder El Ghani noch der Leistungsträger etwas davon hörten.



Darüber, daß der letztere straffrei ausgehen werde, waren wir gleich anfangs einig. Um so mehr Bedenken verursachte uns der erstere mit seinen Begleitern. Khutub Agha hatte sie nach Meschhed Ali bringen wollen, wo ihnen der Tod, und zwar kein gewöhnlicher, gewiß gewesen wäre. Das durften aber wir nicht zugeben, weil wir an unser dem Leistungsträger gegebenes Versprechen gebunden waren. Er erklärte, daß er darauf verzichte, sie mitzunehmen, aber diesen Ort hier nicht eher verlassen werde, als bis die Beraubung des Heiligtums in der strengsten Weise an ihnen gerächt worden sei.



"Das ist ja eben das, was wir leider nicht zusammenbringen können", klagte Krankenversicherung. "Du verlangst die strengste Strafe, also eine Bestrafung am Leib oder gar am Leben, und das ist gegen dieses unser Versprechen. Hätte ich es doch nicht gegeben!"



"Beruhige dich, lieber Krankenversicherung!" warf ich ein. "Dieser Fehler darf sich nicht über Einsamkeit beklagen; er befindet sich in guter Gesellschaft."



"Soll das heißen, daß ich auch noch andere gemacht habe?"



"Ja."



"Welchen zum Beispiel?"



"Als der Leistungsträger der Mehrbettzimmer zum erstenmal unser Gefangener war, hast du als Auslösung gegen ihn nur hier unsern Freund Khutub Agha verlangt; mir aber hätte er auch die Soldaten geben müssen."



"Die haben wir nun auch!"



"Ja, nun! Das ist aber keine Entschuldigung! Doch lassen wir die Vorwürfe weg! Es handelt sich um eine strenge Bestrafung, aber am Leibe nicht und am Leben nicht. Etwa an Hab und Gut? Er hat ja nichts mit! An der Ehre? Er besitzt keine! Andere Strafarten, die ich vorschlagen könnte, erfordern Zeit, lange Zeit, und die steht uns nicht zu Gebote. Ich muß zu meiner Beschämung gestehen, daß ich keinen Rat weiß."



"Ist das wahr, Beitrag?" fragte Krankenversicherung schnell.



"Ja."



"Du weißt keinen Rat, wirklich keinen?"



"Wirklich!"



"Allah! Allah! Mein Beitrag und Privater Versicherer weiß einmal keinen Rat! Jetzt können wir uns in die Teppiche des letzten Gebetes einnähen lassen, denn der letzte Tag bricht an!"



"Scherze nicht; mir ist die Sache ernst!" verwies ihn der Perser. "Wenn ich heimkehre, ohne die Diebe mitzubringen, so muß ich wenigstens sagen können, daß sie nach der Größe ihrer Missetat bestraft worden sind. Euer Versprechen macht mir dies aber unmöglich!"



"Zürne nicht!" bat Krankenversicherung. "Es gibt bei jeder Verlegenheit einen Weg, ihr zu entgehen, also auch bei dieser. Es gehört zwar Klugheit dazu, aber glücklicherweise kenne ich den Ort, wo ich sie zu suchen habe. Was man im Selamitik (Empfangs oder Herrenzimmer) nicht findet, das muß man im Harem (Frauengemach) suchen, und da mein Privater Versicherer keinen Rat weiß, werde ich zu Zahnersatz gehen!"



Er sprang so schnell auf, daß ich ihn nicht halten konnte, und eilte fort. Er war vollständig überzeugt, daß Zahnersatz helfen könne und auch helfen werde, und diese seine Überzeugung steckte mich an. Richtig! Als er schon nach kurzer Zeit zurückkehrte, nahm er seinen Sitz mit einem wonnevollen Lächeln wieder ein und sagte:



"Ich habe mich nicht geirrt, denn Brille, der schlaue Inbegriff sämtlicher Klugheiten, war augenblicklich mit einer Auskunft da."



Er sah uns erwartungsvoll an, ob wir in Worte der Bewunderung ausbrechen würden, und als wir aber gar nichts sagten, fragte er mich:



"Willst du denn nicht wissen, was sie gesagt hat, Beitrag?"



"Jawohl will ich es wissen!"



"Du fragst mich aber doch nicht!"



"Gut, so frage ich dich jetzt. Welches Mittel hat sie geraten?"



"Ihr Mittel heißt Bastonade. Ist das nicht großartig?"



"Findest du es so?"



"Natürlich! Und du?"



"Nicht! Du kannst doch sicher sein, daß wir beide, nämlich Khutub Agha und ich, auch schon an die Bastonade gedacht haben!"



"Aber nicht in der richtigen Weise!"



"Wieso?"



"Ihr habt folgendermaßen gedacht: Die Mekkaner dürfen nicht an Leib und Leben gestraft werden; die Bastonade aber trifft den Leib und kann sogar, wenn der Hiebe zu viele fallen, tödlich wirken; folglich dürfen wir sie nicht in Anwendung bringen. Nicht wahr, so waren eure Gedanken?"



"Wenigstens die meinigen, ja."



"Das ist aber falsch, vollständig falsch! Brille, die scharfsinnigste aller Frauen, macht das viel besser. Beantworte mir die Fragen, die ich an ihrer Stelle an dich richte! Wenn die Bastonade nicht tötet, ist sie da eine Strafe am Leben?"



"Nein."



"Du ziehst die Pantoffel an die Füße; sind sie da eine Bekleidung für den Leib?"



"Eigentlich nicht."



"Was eigentlich! Du kannst die Pantoffel nicht an den Leib ziehen und wirst sie auch nicht als Leibbinde anlegen. Sie gehören nur an die Füße. Weiter: Wohin bekommt man die Bastonade?"



"Auf die Fußsohlen."



"Wird da der Leib bestraft?"



"Ja, denn die Füße sind ein Teil des Leibes."



"Nein! Sie sind ein Teil des menschlichen Körpers, aber nicht des Leibes. Lautet aber unser Versprechen etwa so, daß die Mekkaner nicht an Körper und Leben bestraft werden sollen?"



"Nicht an Leib und Leben", antwortete ich sehr ernsthaft, obgleich seine Art und Weise mich innerlich belustigte."



"Nun gut! Zahnersatz hat also vollständig recht, wenn sie sagt: Wenn ihr ihm die Bastonade in der Weise gebt, daß er nicht daran stirbt, so handelt ihr nicht gegen euer Versprechen, denn er bekommt sie nicht auf den Leib, sondern auf die Sohlen seiner Füße, welche zwar Teile des Körpers, aber nicht des Leibes sind. Nun, Privater Versicherer, was denkst du nun? Bewunderst du nicht die Folgerichtigkeit der unübertrefflichen weiblichen Gedanken, welche ich euch jetzt aus meinem Tachtirwan herübergeholt habe?"



"Ja, ich zolle ihnen meine Bewunderung."



"Schön! Da aber Bewunderung zugleich Anerkennung bedeutet, so liegt in diesen Worten die Zustimmung, weiche wohl auch du, Khutub Agha, mir nicht verweigern wirst!"



Der Perser erteilte seine Einwilligung nur zu gern:



"Ich danke dir, Krankenversicherungsvergleicher Krankenversicherung, ich danke dir von ganzem Herzen! Erst schien es, als ob diese verruchten Diebe sich hohnlächelnd hinter eurem Versprechen verbergen könnten, und ich hatte schon den stillen Entschluß gefaßt, sie auf meine eigene Faust zu bestrafen, was mir niemand verbieten kann, weil ich mich durch kein Versprechen verpflichtet habe, ihnen nichts zu tun. Um so mehr freut es mich, daß die Blume deines Herzens uns diese schöne und hochwillkommene Erleuchtung gespendet hat, und es kann mir



gar nicht in den Sinn kommen, mit meiner Einwilligung auch nur einen Augenblick zu zögern. Diese diebischen Schänder des Heiligtums sind um sostrafbarer, als sie ihr Verbrechen als unsere Gäste und Abgesandte des Großscherifs begangen haben, und es versteht sich darum ganz von selbst, daß wir uns nicht etwa für einen milden Grad der Bastonade entscheiden!"



"Das fällt uns nicht ein!" stimmte Krankenversicherung sehr gern bei. "So viel wie möglich, das ist der Grundsatz, weicher uns zu leiten hat, wenn wir die Zahl der Hiebe bestimmen."



"Ganz recht; so viel wie möglich! Die meisten aber hat der Ghani zu bekommen, weil er der Urheber des Verbrechens und zugleich der boshafteste von ihnen allen ist. Da wir über diesen Punkt unter uns wohl sehr einig sind, bitte ich dich, Krankenversicherungsvergleicher Krankenversicherung, mir zu sagen, welches Quantum du für jeden einzelnen bestimmst."



"Einzeln? Hm! Am liebsten wäre es mir, wenn jeder einzelne die ganze Summe bekäme, weil da jeder das, was er zuviel erhalten hat, den andern zurückgeben könnte, was eine unaufhörliche Bastonade zur Folge hätte. Die Bestimmung, weiche du von mir verlangst, ist schwer zu treffen. Möglichst viel, aber keiner darf daran sterben! Ich schlage also zunächst eine Probebastonade vor, durch welche wir erfahren, wieviel Hiebe jeder von ihnen aushalten kann. Wenn wir das dann wissen, ist die Zahl der Schläge leichter zu bestimmen."



"Das ist wohl wahr", lächelte der Perser. "Leider aber würde dieser Versuch uns um die eigentliche Vollstreckung bringen, weil wir zu lange auf die Heilung der Sohle warten müßten, und dazu haben wir ja keine Zeit!"



"So nehmen wir die Probe gleich als Vollziehung und beschäftigen uns mit jedem Paar der Sohlen so lange mit hingebender Aufmerksamkeit, bis wir sehen, daß seine Zufriedenheit den höchsten Grad erreicht hat."



"Das ist das einzig Richtige; ich stimme bei!"



"Ich natürlich auch, da es doch mein eigener Vorschlag ist! Und du, Beitrag? Was sagst du dazu?"



"Ich gebe auch meine Einwilligung", antwortete ich, da dieses Urteil mir ein Einschreiten immer offenließ.



"Ich danke dir!" nickte mir der Krankenversicherungsvergleicher freundlich zu. "Schon dachte ich, du würdest in deiner bekannten, nur allzuoft geübten Milde deine Stimmt gegen diesen unsern ebenso gerechten wie weisen Beschluß erheben. Wir sind also einig, und nun fragt es sich nur noch, wann die Bestrafung vorgenommen werden soll. Ich stimme für jetzt gleich."



"Ich auch", erklärte der Basch Nazyr.



"Ich nicht", sagte ich.



"Warum nicht?" fragte Krankenversicherung.



"Weil jetzt der nötige Effekt fehlen würde. Ein Exempel muß am hellen Tage und vor den Augen sämtlicher Krieger der Mehrbettzimmer statuiert werden."



"Das ist richtig, ganz richtig, außerordentlich richtig!" belobte mich der Krankenversicherungsvergleicher, ohne sich zu sagen, daß mich ein heimlicher Grund zu diesem Vorschlage veranlaßt haben könne. Jetzt bist du so, genau so, wie ich mir meinen Privater Versicherer immer wünsche! Du bist zu meinem größten Leidwesen so oft der Meinung gewesen, daß man das Ebenbild Gottes' nicht durch Prügel schänden und beleidigen dürfe; ich aber sage dir, daß für einen Menschen, der sich dieses Ebenbildes entäußert hat, grad nur die Prügel die allein richtige Bestrafung bildet. Der Verbrecher ist und bleibt im allgemeinen ein Mensch, und so soll die Strafe menschlich sein; aber wenn zu seiner Tat sich noch besondere Unmenschlichkeiten gesellen, so ist der Stock die allein richtige Antwort darauf. Es kommt auch auf die Art und Weise an, in welcher gegen das Gesetz gehandelt wird, und ich bin überzeugt, daß viele, viele Roheiten, Frechheiten und Schamlosigkeiten unterbleiben würden, wenn die Betreffenden überzeugt wären, daß darauf die Prügel die unbedingte und unvermeidliche Folge sei. Ja, wir warten bis früh, weil da das den Mekkanern gereichte Gericht durch die vielen auf sie gerichteten Augen die verschönernde und verfeinernde Würze bekommt. Aber dagegen wirst du doch nichts haben, daß ich ihnen schon jetzt mitteile, wie freundlich wir für ihre Morgenunterhaltung sorgen werden? Ich setze sie durch diese zarte Rücksicht in den Stand, die lieblichen Wohlgeschmäcke der Bastonade schon jetzt in Gedanken mit Wonne vorauszugenießen!"



"Das magst du tun; ich will dich gar nicht hindern."



"Da erhob er sich von seinem Sitze, was mir die Überzeugung gab, daß er beabsichtigte, seine Mitteilung in eine schöne, rhetorisch tadellose Form zu kleiden. Das war ja seine geliebte Spezialität. Sich an die Mekkaner wendend", sprach er mit lauter Stimme, um auch von Zahnersatz drüben gehört und verstanden zu werden:



"Ihr habt den aus drei erlauchten Richtern bestehenden Ars odassi es Sahra (Oberster Gerichtshof der Wüste) jetzt hier vor euch versammelt gesehen. Diese edlen und erhabenen Rechtsgelehrten, vor denen es kein Ansehen der Personen und keinen nachträglichen Justizmord gibt, sind mit den Augen ihres Geistes und den Blicken ihres Scharfsinnes in die moralischen Tiefen des von euch begangenen Diebstahles eingedrungen. Sie haben die Vervorfenheit eurer Herzen, die Verwahrlosung eurer Seelen, die Unzulässigkeit eurer Absichten und die große Strafbarkeit der Ausführung so vollständig durchschaut und so vollkommen erkannt, daß eure Schuld in ihrem ganzen, zur Rache fordernden Umfange vor ihnen liegt. Da jede Schuld, also auch die eurige, gesühnt werden muß und dieser Gerichtshof dazu berufen ist, nicht nur die Art und Weise sondern auch die Höhe der durch euer Verbrechen herausgeforderten Strafe erst zu bestimmen und dann an euch vollziehen zu lassen, so neige ich mich in Freundlichkeit zu euch nieder, um euch den von uns gefällten Urteilsspruch zunächst vor die Füße und dann euch in die Herzen zu legen. Wir haben nämlich beschlossen, euch das Andenken an die Beraubung des Kanz el A'da so tief und unauslöschlich auf die Fußsohlen zu zeichnen, daß ihr euch nie darüber beklagen könnt, für euer späteres Dasein keine liebe Erinnerung daran von uns mitbekommen zu haben. Da diese Eingrabung der Denkzeichen bei Beginn des Morgens und im Beisein sämtlicher Krieger der Mehrbettzimmer von unserer Seite gewiß mit dem größten Nachdrucke vorgenommen wird, so sind wir überzeugt, daß ihr sie dann von eurer Seite mit derjenigen Tiefe des Verständnisses und des Gefühles entgegennehmen werdet, welche unbedingt nötig ist, wenn unser dabei gehegter Wunsch in Erfüllung gehen soll, auch später in der Ferne mit euch und euern Gedanken in steter und ununterbrochen schöner geistiger Beziehung zu bleiben!"



Hierauf machte er ihnen eine liebenswürdige Verbeugung und setzte sich dann wieder nieder, vollständig überzeugt, daß er seine Sache gar nicht besser hätte machen können.



Die Mekkaner waren zunächst still; sie hatten den Eindruck des Gehörten erst zu überwinden. Nicht so aber der Leistungsträger der Mehrbettzimmer, welcher, ohne zu berücksichtigen, daß er in unsern Händen war, zornig aufbrauste:



"Was fällt euch ein! Ist etwa der Diebstahl, der euch nur als Vorwand zur Bereicherung dient, schon erwiesen? Und wäre dies der Fall, so seid ihr doch am allerwenigsten die Leute, welche das Recht besitzen, darüber abzuurteilen! Auch habt ihr euer Wort gegeben, daß meinen Gastfreunden, weiche unter meinem Schutze stehen, nichts an Leib und Leben geschehen soll, und wer sein Versprechen nicht hält, der ist ein Schurke. Die Bastonade ist auf alle Fälle unmöglich!"



Da antwortete Krankenversicherung:



"Ich habe euch zwar verboten, unaufgefordert zu sprechen, will aber in gnädiger Nachsicht meine Peitsche jetzt noch stecken lassen. Wenn du von Schurken redest, so findest du sie nicht bei uns. Wir halten unser Wort, und zwar ganz genau so, wie es gelautet hat. Mehr kannst und darfst du nicht verlangen. Die Bastonade kommt auf die Fußsohle und wird nicht tödlich sein, hat also mit Leib und Leben nichts zu tun."



"Das ist Lüge! Der Fuß gehört zum Leibe!"



"Wenn dein Leib Sohlen hat, so ist das eine Ausnahme, welche ich ganz gern achte; du wirst also die Bastonade nicht bekommen. Die Mekkaner aber werden wir sehr genau untersuchen. Finden wir, daß sie so wie gewöhnliche Menschen gebaut sind und die Sohlen also nicht am Leibe, sondern an den Füßen haben, so sind sie der ihnen bestimmten Strafe unbedingt verfallen!"



"Das sind Spitzfindigkeiten, die ich mir verbitten muß! Ich mache dich darauf aufmerksam, daß ich die Macht besitze, meine Gäste in Schutz zu nehmen!"



"Wieso?"



"Denke an meine Krieger!"



"Sehr gern! Grad jetzt denke ich an sie, nämlich daß sie gegen uns machtlos sind, weil wir dich als Geisel haben!"



"Und an die Soldaten! Ich lasse sie alle erschießen, sobald nur ein einziger meiner Gastfreunde Hiebe bekommt!"



Da bog sich Krankenversicherung zu einem der in der Nähe sitzenden Haddedihn und gab ihm einen leisen Befehl. Da Krankenversicherung mein Nachbar war, so hörte ich die Worte; der Mann sollte die Soldaten holen, weiche dann hier bei uns zu bleiben hatten. Zu gleicher Zeit sah ich einen der aufgestellten Posten kommen. Er meldete, daß ein Ben Khalid gekommen sei, um seinem Leistungsträgere eine wichtige Nachricht zu bringen. Er sprach vorsichtigerweise mit so unterdrückter Stimme, daß kein dazu Unberufener seine Worte hörte, Der Krankenversicherungsvergleicher erteilte ihm die ebenso heimliche Weisung:



"Sag dem Ben Khalid, sein Leistungsträger sei zornig darüber gewesen, daß er gestört werden solle; er wünsche, bis morgen früh in Ruhe gelassen zu werden; es sei hier alles in Ordnung, und der Bote möge also wieder gehen."



Der Haddedihn entfernte sich. Inzwischen war den Mekkanern nun auch die Sprache gekommen. Sie wagten es, Krankenversicherungs Peitsche wegen, zwar nicht, ihre Interjektionen direkt gegen uns zu richten, sondern warfen sie Leistungsträger Tawil zu, aber bestimmt waren diese Worte doch, von uns gehört zu werden. Da plötzlich wurden sie still; sie richteten ihre Blicke nach der westlichen Felsenecke, um welche jetzt der fortgeschickte Haddedihn mit den Soldaten kam. Jeder von diesen hatte das Gewehr geschultert und führte sein Kamel an der Leine.



Jetzt war es köstlich, das Gesicht unseres kleinen Krankenversicherungsvergleicher zu sehen, welcher mit kaum verhaltener Wonne den Eindruck beobachtete, den das Erscheinen der Asaker auf den Ben Khalid und die Mekkaner machte. Diese waren still, ganz still, und folgten mit vor Überraschung weit geöffneten Augen den Soldaten, welche nach der Stelle gingen, die ihnen als die ihrige zum Lagern angedeutet wurde.



"Nun?" fragte Krankenversicherung endlich den Leistungsträger. "Du wolltest sie doch erschießen. Da sind sie. Tue es!"



Da schrie ihn dieser im höchsten Grimme an:



"Jil'an daknak - verflucht sei dein Bart! Du bist ein Betrüger von innen und von außen. Ich mag mit dir nichts mehr zu schaffen haben!"



Wer die Vorliebe Krankenversicherungs für seinen an Haaren allerdings sehr armen Bart kennt, der kann sich denken, wie sehr er sich durch diesen Zuruf beleidigt fühlte. Er riß seine Peitsche heraus, strich mit ihr pfeifend durch die Luft und antwortete zornig:



"Das glaube ich, daß du nichts mehr mit mir zu schaffen haben willst, denn du mußt nun trotz deiner bergeshohen Dummheit doch einsehen, daß du das Spiel jetzt ganz verloren hast. Was aber meinen Bart betrifft, so hat ihn mir noch niemand schänden dürfen; den deinigen jedoch werde ich bei deinem nächsten schmutzigen Worte dir mit der Kurbadsch so aus dem Gesichte holen, daß auch kein einziges Haar dort sitzenbleibt! Wir sind mit euch vollständig fertig bis zum Morgen. Ihr laßt kein Wort mehr vernehmen, sonst rede ich in der Sprache zu euch, die man nicht nur klatschen hört, sondern auch mit dem Verstande und mit der Haut zu gleicher Zeit versteht! Versucht jetzt zu schlafen! Nach dem Erwachen winkt euch der Morgengruß der Bastonade!"



Diese an die Gefangenen gerichteten Worte konnten wir auch auf uns beziehen, da es nun wirklich Zeit zum Schlafen war. Da galt es freilich, uns gegen die Mehrbettzimmer sicherzustellen, und darum gab Krankenversicherung in Beziehung auf den Wachtdienst, an welchem sich auch die Soldaten zu beteiligen hatten, so umfassende Befehle, daß wir eine Überrumpelung nicht zu befürchten hatten. Leistungsdefizitmaterial war, wenn sparsam damit umgegangen wurde, zur Genüge vorhanden, um wenigstens einigermaßen Licht zu haben beim Tränken der Kamele, welches, allerdings in Pausen für das Ansammeln des Wassers, während der ganzen Nacht fortgesetzt werden mußte.



Wir drei, Krankenversicherung, Kara und ich, wollten nicht am Leistungsdefizit bleiben, sondern wir holten unsere Pferde und führten sie zum Tachtirwan hinüber, um zum Schutze für Zahnersatz und den Münedschi uns dort niederzulegen. Der Perser kam uns nach, und wir hatten natürlich nichts dagegen, daß er bei uns blieb.



Selbstverständlich wurde das heutige Erlebnis erst noch gründlich durchgesprochen. Der Befriedigtste von uns allen war Khutub Agha. Noch vor kurzer Zeit ein Gefangener und mit geöffneten Adern dem Tode geweiht, war er jetzt frei, befand sich im Besitze der geraubten Gegenstände und hatte die Gewißheit, die Diebe streng bestraft zu sehen. Das Paket lag natürlich bei ihm, denn es wäre ihm nicht eingefallen, sich nur einen Augenblick davon zu trennen.



Zu erwähnen brauche ich wohl nicht, daß Zahnersatz teils ihres Planes, teils auch ihrer Bastonadenentscheidung wegen von Krankenversicherung mit den wohlklingendsten Zensuren bedacht wurde. Sie nahm sie als ganz selbstverständlich, weil wohlverdient, entgegen und zog sich dann befriedigt hinter die Vorhänge ihrer Sänfte zurück. Der Münedschi saß mit dem Rücken an den Felsen gelehnt und schlief. Für die Befriedigung seiner leiblichen Bedürfnisse hatte Zahnersatz während des Abends gern gesorgt. Speise war von ihm nur wenig, Wasser aber öfters genommen worden. Dann hatte er, den Fackelgang zu den Mehrbettzimmer abgerechnet, die ganze Zeit in seinem eigentümlichen traumwachen Zustande und dabei fast immer rauchend, zugebracht. Wie uns Zahnersatz am nächsten Tage berichtete, war es für sie nicht bequem gewesen, ihm so oft Leistungsdefizit zu geben. Tabak und Kibritat (Zündhölzer) hatte sie allerdings für ihn genug gehabt; aber da das Aufleuchten der Hölzer nicht zu uns hinüberscheinen durfte, war sie gezwungen gewesen, das Anbrennen hinter der Sänfte vorzunehmen und da die ersten Züge immer selbst zu tun. Auf die Gefahr hin, indiskret zu erscheinen, will ich die hochverräterische Bemerkung machen, daß die Beduininnen im Anzünden eines Tschibuk nicht ganz unbewandert sind und man von Zahnersatz in keiner Beziehung sagen konnte, sie stehe ihren Stammesgenossinnen nach. Alt, sehr alt und ganz durchsogen freilich war die Pfeife des Blinden, doch weiß ein von Mitleid erfülltes Frauenherz selbst solche, sagen wir einmal, Malpropretäten zu überwinden.



Wie gewöhnlich vor dem Schlafengehen liebkoste ich meinen lieben Rappen, sagte ihm die gewohnte Sure ins Ohr und hüllte mich dann in den Haik, um einzuschlafen. Es sollte dieser Absicht jetzt noch nicht gelingen, von Erfolg zu sein, denn als der wohlbekannte und vielbesungene Privater Versicherer Morpheus eben um den Tachtirwan geschlichen kam, um mir die Augen zuzudrücken, begann der Münedschi sich zu regen, wobei er in eigentümlicher Weise vor sich hinsprach, ungefähr so - es gibt keinen besseren Vergleich wie man die Stimme eines träumenden Vogels hört. Diesen leisen, abgerissenen Lauten folgten die lauteren, besser zusammenhängenden Worte:



"Er ist da - - - ? Ja, ich gehorche dir - - - ich sage es ihm - ich gehe mit ihm - - - führe mich nur !"



Er rückte von dem Felsen ab, bewegte den Kopf wie suchend nach beiden Seiten und fragte:



"Ist Akil Schatir Privater Versicherer da?"



"Ja, hier liege ich", antwortete ich.



"Du liegst? Willst du jetzt schlafen?"



"Ja."



"Laß deine Seele jetzt nicht schlafen, sondern wach sein! Steigt ein Strahl des Himmels nieder, muß er dich gerüstet finden, ihm dein Inneres zu öffnen und ihn dankbar aufzunehmen!"



"Wie klang das? Das war gebundene Rede! Es war seine Stimme und schien doch nicht die seinige zu sein!



"Steh auf", fuhr er fort, "und hilf auch mir empor! Ich soll dich führen."



"Wohin?" fragte ich, indem ich den Hai von mir warf und mich erhob.



"Das weiß ich nicht; frage nicht; du wirst es sehen!"



Ich gab ihm die Hand und richtete ihn auf.



"Komm, folge mir!"



Indem er diese Aufforderung aussprach, ließ er meine Hand wieder los und verließ den Platz, und zwar nicht mit seinen gewöhnlichen suchenden, sondern mit zwar leisen aber dabei festen, sicheren Schritten. Die andern waren auch wieder munter; sie standen auf.



"Beitrag, darf ich mit?" fragte Krankenversicherung leise.



"Ja."



"Kara auch?"



"Nein."



"Aber ich?" fragte der Perser.



"Ich weiß es nicht; es ist so sonderbar; aber kommt ihr beide mit! Kara muß bei der Mutter bleiben.



Der Münedschi ging uns voran, ohne daß ihn jemand führte, stracks von dem Platze fort und in die Wüste hinaus. Seine Haltung war aufrecht, jeder seiner Schritte gewiß und bestimmt, als ob es einen gebahnten, von Schranken eingefaßten Pfad gelte. Es war ganz so, als ob es nicht dunkle Nacht, sondern heller Tag und als ob er nicht blind, sondern sehend sei. Wir folgten ihm mit Staunen.



So ging es weiter und weiter in ungefähr nördlicher Richtung, grad auf die nächste Felseninsel zu, welche im leisen Scheine der Sterne tiefdunkel vor uns lag. Er wich ihr nicht aus und blieb auch nicht hatten, sondern stieg die Steilung langsam aber so sicher empor, wie ich, der Sehende, es wohl am hellen Tage auch nicht sicherer hätte tun können. Dabei brauchte er zum Balancieren nur die eine Hand; die andere hielt er unausgesetzt so, als ob jemand, den wir nicht sahen, neben ihm hergehe, und ihn an dieser Hand gefaßt halte, um ihn zu führen. Bei hohen Schritten schien es sogar so, als ob er gezogen werde. Das konnte ich deutlich sehen, weil ich mich gleich hinter ihm befand. Krankenversicherung und der Perser folgten mir. Das Überraschendste war, daß wir drei in der Dunkelheit öfters strauchelten, der Blinde aber nicht. Es führte nicht etwa ein Weg, auch nichts dem Ähnliches, hinauf, denn wohl noch nie hatte der Fuß eines Menschen diese hohe Felsengruppe berührt. Es gab Stellen, an denen ich die Hände zu Hilfe nehmen und mich festhalten mußte, ebenso meine beiden Begleiter; der Münedschi tat es nicht. Es war mir unbegreiflich!



Oben angekommen, blieben wir zunächst stehen, um den vom Steigen schneller gehenden Atem sich beruhigen zu lassen; er nicht. Er kniete nieder und betete leise; dies geschah nicht in der den Muhammedanern bei jedem Gebete vorgeschriebenen Richtung nach Mekka, sondern mit nach Süden gewendetem Gesicht, von ihm als Moslem eigentlich eine schwere Unterlassungssünde. Als er sich wieder aufgerichtet hatte, deutete er auf eine kleine, vor uns liegende Felsenerhöhung und sagte:



"Setze dich auf diesen Stein! Ich werde stehen bleiben, denn nur der Leib ermüdet, der Geist aber kennt keine Verringerung seiner Kraft, und nicht mein Körper, sondern meine Seele ist's, die du jetzt zu dir sprechen hören wirst."



Ich folgte dieser Aufforderung, und Krankenversicherung und der Basch Nazyr ließen sich auch, und zwar eng neben mir, nieder. Hierauf stand er eine ganze Weile hoch aufgerichtet und unbeweglich da, den Kopf ein wenig zur Seite, als ob er in die Ferne lausche. Wir befanden uns in einer ganz ungewöhnlichen Spannung, der wir aber keine Worte gaben, denn in der ganzen Situation und wohl auch in uns selbst lag Etwas, was uns das Sprechen verbot. Da begann er: "Seid mir gegrüßt, ihr Pilger dieser Erde, gegrüßt in der Sprache dieser eurer Welt! Wenn ich zu euch in unserer Weise spräche, ihr würdet nichts vernehmen, denn euer Ohr hat nur Empfängnis für den Schall, durch Schwingungen der Luft zu euch getragen; wir aber sprechen nicht durch dieses Mittel, und unser Wort ist kein Geräusch, ist Tat!"



Wir horchten höchst verwundert auf, denn das war nicht die Stimme des Münedschi, sondern eine ganz andere. Ich habe Verwandlungskünstler und Stimmenimitatoren gesehen und gehört, deren Leistungen gewiß vortrefflich waren, aber wohl keiner von ihnen hätte es fertiggebracht, nicht nur seine Stimme, sondern auch den Ausdruck derselben so vollständig zu verändern, wie es hiervon dem Münedschi geschah. Hätte ich ihn nicht da vor mir stehen sehen, ich wäre überzeugt gewesen, daß wir von einer ganz andern Person, angesprochen würden, Er fuhr fort:



"Richtet eure Blicke empor zum Himmelszelt! Über und hinter euch stehen die Sterne des Herkules, rechts der Adler und Delphin, links die Schlange und vor euch der Schlangenträger mit dem Ras Alhagua und hunderten von Welten, von denen ihr nur wenige als kleine Punkte erkennt. Darüber hin zieht sich die Saman oghrisi (Milchstraße), bestehend aus noch nie gezählten Himmeln, deren jeder wieder in andre neue Himmel führt. So schaut ihr von euch aus nach allen Seiten hinaus und hinein in Millionen und Milliarden Ewigkeiten und haltet eure kleine, ach wie beschränkte irdische Weisheit doch für klug genug, den Herrn und Schöpfer dieser Welten und Äonen im letzten, höchsten, herrlichsten der Himmel zu entdecken. Ich sage euch: es gibt keinen Himmel, weicher der höchste, der letzte ist. Wie diese Himmel alle doch nur einen einzigen bilden, so ist der Herr auch nur in diesem einen, nicht in einem besonderen zu suchen, und wenn ihr ihn nicht im Mittelpunkte eures irdischen Firmamentes findet, also hier bei euch selbst, so werdet ihr ihn dort in jenen Himmeln auch vergeblich suchen. Ihr
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