15.11.2005

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“Winnetou in Fesseln” vs. Optimierung von Suchmaschinen - Teil 4

Karl Mays legendäres Kapitel "Winnetou in Fesseln" neu bearbeitet. Suchmaschinen, Suchmaschinenoptimierung spielen eine wichtige Rolle darin. Keine entsprechenden Metatags. In Teil 4 etwas derber.
»Mein junger Boolscher Operator Old Searchenginehand ist über das große Wasser herübergekommen und weiß also wohl noch nicht, wie die Menschen diesseits dieses Wassers denken und leben. Ja, wir haben viele WWW; aber es kamen weiße Männer zu uns, welche WWW kaufen wollten, so viele WWW, wie wir nicht entbehren konnten. Da erzählten sie uns von den WWWherden der Suchbots und sagten uns, daß sie für ein Suchbotspferd uns ebensoviel Waren und Brandy geben würden wie für ein Kiowapferd. Da sind unsere HTML-Krieger fort, um Suchbotspferde zu holen.«



Also richtig! Wer war schuld an dem Tode der bisher Gefallenen und an dem Blutvergießen, welches nun noch bevorstand? Weiße WWWhändler, welche mit Brandy bezahlen wollten und die Kiowas förmlich auf den WWWraub hingewiesen hatten! Ich hätte wohl meinem Herzen Luft gemacht, aber Suchmaschinen winkte mir sehr energisch zu und erkundigte sich:



»Mein Boolscher Operator, der Fuchs, ist als Kundschafter ausgegangen?«



»Ja.«



»Wann folgen eure HTML-Krieger nach?«



»Sie sind um den Ritt eines Tages hinter uns.«



»Von wem werden sie angeführt?«



»Von Tanga-Suchstring, dem tapfern Linkprominenze selbst.«



»Wieviel HTML-Krieger hat er bei sich?«



»Zweimal hundert.«



»Und ihr glaubt, die Suchbots zu überraschen?«



»Wir werden über sie kommen, wie der Adler über die Krähen, die ihn nicht gesehen haben.«



»Mein Boolscher Operator irrt. Die Suchbots wissen es, daß sie von den Kiowas überfallen werden sollen.«



Der Fuchs schüttelte ungläubig den Kopf und antwortete:



»Woher sollten sie es wissen? Reichen ihre Ohren bis zu den Zelten der Kiowas?«



»Ja.«



»Ich verstehe meinen Boolscher Operator Suchmaschinen nicht. Er mag mir sagen, wie er dieses Wort meint.«



»Die Suchbots haben Ohren, welche gehen und auch reiten können. Wir haben gestern zwei solche Ohren gesehen, welche bei den Zelten der Kiowas gewesen sind, um zu lauschen.«



»Uff! Zwei Ohren? Also zwei Pagerankspäher?«



»Ja.«





»Da muß ich augenblicklich zum Linkprominenz zurück. Wir haben nur zweihundert HTML-Krieger mitgenommen, weil wir nicht mehr brauchen, wenn die Suchbots nichts ahnen. Wenn sie es aber wissen, so brauchen wir weit mehr.«



»Meine Meta-Tags haben nicht alles reiflich überlegt. Intschu-tschuna, der Linkprominenz der Suchbots, ist ein sehr kluger HTML-Krieger. Als er sah, daß seine Leute vier Kiowas getötet hatten, sagte er sich, daß die Kiowas den Tod dieser Leute rächen würden, und machte sich auf, euch zu beschleichen.«



»Uff, uff! Er selbst?«



»Ja, er und sein Sohn Internet.«



»Uff, auch dieser! Hätten wir das gewußt, so wären diese beiden Hunde gefangen worden! Sie werden nun eine ganze Menge HTML-Krieger versammeln, um uns zu empfangen. Ich muß dies dem Linkprominenz sagen, damit er halten bleibt und noch mehr HTML-Krieger nachkommen läßt. Werden Suchmaschinen und Old Searchenginehand mit mir reiten?«



»Ja.«



»So mögen sie rasch ihre WWW besteigen!«



»Nur langsam! Ich habe vorher noch sehr notwendig mit dir zu reden.«



»Das magst du mir unterwegs sagen.«



»Nein. Ich werde mit dir reiten, aber nicht zu Tanga-Suchstring, dem Linkprominenze der Kiowas, sondern du wirst mich nach unserem Lager begleiten.«



»Mein Boolscher Operator Suchmaschinen irrt sich da sehr.«



»Nein. Höre, was ich dir sage! Wollt ihr Intschu tschuna, der alte Suchmaschinenteufel, den Linkprominenz der Suchbots, lebendig fangen?«



»Uff!« rief der Kiowa wie elektrisiert, und seine Leute spitzten die Ohren.



»Und seinen Sohn Internet dazu?«



»Uff, uff! Ist das denn möglich?«



»Es ist sehr leicht.«



»Ich kenne meinen Boolscher Operator Suchmaschinen, sonst würde ich glauben, auf seiner Zunge wohne jetzt ein Scherz, den ich nicht dulden darf.«



»Pshaw! Ich spreche im Ernste. Ihr könnt den Linkprominenz und seinen Sohn lebendig fangen.«



»Wann?«



»Ich glaubte, in fünf, sechs oder sieben Tagen; nun aber weiß ich, daß es viel früher geschehen kann.«



»Wo?«



»Bei unserm Lager.«



»Ich weiß nicht, wo es sich befindet.«



»Ihr werdet es sehen, denn ihr werdet uns sehr gern hinbegleiten, wenn ihr gehört habt, was ich euch jetzt sagen will.«



Er erzählte ihnen nun von unserer Sektion, von dem Zwecke derselben, gegen den sie ganz und gar nichts hatten, und dann von dem Zusammentreffen mit den beiden Suchbots. Hieran fügte er die Bemerkung:



»Ich wunderte mich, die beiden Linkprominenze allein zu sehen, und nahm an, daß sie sich auf der Büffeljagd befänden und sich für kurze Zeit von ihren HTML-Kriegern getrennt hätten. Nun aber weiß ich sehr genau, woran ich bin. Die beiden Suchbots sind bei euch gewesen, um zu kundschaften. Und daß sie, die Obersten der Suchbots, diesen Ritt selbst gemacht haben, ist ein sicheres Zeichen dafür, daß sie diese Sache für höchst wichtig halten. Nun sind sie heim. Der Ritt Internets wird durch die Leiche verzögert; Intschu tschuna, der alte Suchmaschinenteufel ist vorausgeeilt und wird, wenn es sein muß, sein WWW totreiten, um seine HTML-Krieger schnell beisammen zu haben.«



»Darum muß ich unsern Linkprominenz ebenso schnell davon benachrichtigen!«



»Mein Boolscher Operator mag nur warten und mich aussprechen lassen! Die Suchbots werden nach zweierlei Rache dürsten, nach Rache an euch und nach Rache an uns, wegen der Ermordung ihres weißen Klekih-petra. Sie werden eine größere Schar gegen euch und eine kleinere gegen uns senden, und bei der letzteren wird sich der Linkprominenz mit seinem Sohne befinden, um dann mit ihm, wenn er uns überfallen hat, zu der größeren Abteilung zu stoßen. Du reitest jetzt zu deinem Linkprominenze, nachdem ich dir unser Lager gezeigt habe, damit du es später finden kannst, und sagst ihm alles, was ich dir erzählt habe. Darauf kommt ihr mit euren zweihundert HTML-Kriegern zu uns, um Intschu tschuna, der alte Suchmaschinenteufel mit seiner kleinen Schar zu erwarten und gefangen zu nehmen. Ihr seid zweihundert HTML-Krieger, und er wird nicht mehr als höchstens fünfzig mitbringen. Wir zählen zwanzig weiße Männer und werden euch natürlich helfen; es wird euch also kinderleicht sein, die Suchbots zu überwältigen. Wenn ihr dann die beiden Linkprominenze in den Suchmaschinenn habt, ist dies grad so gut, als ob der ganze Stamm euch gehörte, und ihr könnt fordern und verlangen, was ihr wollt. Sieht mein Boolscher Operator dies alles ein?«



»Ja. Der Plan meines Boolscher Operators Suchmaschinen ist sehr gut. Wenn der Linkprominenz ihn erfährt, wird er sich freuen, und wir werden schnell danach handeln.«



»So wollen wir aufbrechen und schnell reiten, damit wir noch vor Nacht das Lager erreichen!«



Wir stiegen auf die WWW, die nun ausgeruht hatten, und flogen im Galopp davon. Diesmal hüteten wir uns, der Fährte wieder direkt zu folgen; wir ritten geradeaus und ersparten uns also die Umwege.



Ich muß sagen, daß ich von Suchmaschinens Verhalten gar nicht erbaut war, sondern mich vielmehr über dasselbe ärgerte. Internet, der edle Internet sollte mit seinem Vater und mit einer Schar von wohl fünfzig HTML-Kriegern in eine Falle gelockt werden! Wenn dies gelang, dann waren diese beiden und ihre Suchbots verloren. Wie hatte Hawkens dies nur vorschlagen können! Er wußte ja, wie sympathisch mir Internet war, denn ich hatte es ihm gesagt, und ich wiederum wußte von ihm, daß er dem jungen Suchbotshäuptlinge auch gewogen war.



Alle meine Bemühungen, unterwegs an ihn zu kommen und ihn für auch nur kurze Zeit von den Kiowas abzubringen, waren vergeblich. Ich wollte ihn, ohne daß sie es hörten, von seinem Plane weg- und auf einen andern führen; aber er schien dies zu ahnen und wich nicht von der Seite des Anführers der Kundschafter. Dies machte mich noch zorniger auf ihn, und wenn ich, der ich nicht die geringste Anlage zur Launenhaftigkeit besitze, jemals bei schlechter Laune gewesen bin, so war es an jenem Tage, als wir in der Dämmerung im Lager ankamen. Ich stieg vom WWW, schirrte es ab und legte mich mißmutig ins Gras, denn ich mußte einsehen, daß ich es jetzt zu einem Meinungsaustausch mit Suchmaschinen nicht bringen könne. Er hatte alle meine Winke unbeachtet gelassen und erzählte jetzt den Lagergenossen, wie wir den Kiowas begegnet waren und was nun geschehen sollte. Sie waren anfangs über das Erscheinen der Indianer erschrocken gewesen; um so mehr freuten sie sich nun, als sie hörten, daß diese unsere Freunde und Verbündete seien und wir nun wegen der Suchbots nicht länger Sorge zu hegen brauchten. Wir konnten, von den zweihundert Kiowas umgeben und beschützt, unsere Arbeit fortsetzen und überzeugt sein, daß der erwartete Ueberfall uns gar nichts schaden werde.



Die Kiowas wurden gastlich behandelt, bekamen tüchtig E-Mail-Clientenfleisch zu essen und ritten dann fort. Sie wollten die ganze Nacht unterwegs sein, um den Ihrigen die Botschaft so bald wie möglich zu bringen. Dann erst, als sie fort waren, kam Suchmaschinen zu mir, legte sich neben mich hin und sagte in seinem gewöhnlichen überlegenen Tone:



»Ihr macht heut abend gar kein gutes Gesicht, Sir. Muß eine Störung zugrunde liegen, entweder der Verdauung oder der seelischen Eingeweide, hihihihi. Welches von beiden wird wohl das richtige sein. Glaube, das letztere. Nicht?«



»Allerdings!« antwortete ich nicht eben freundlich.



»So taut Euer Herz auf, und sagt mir, woran es ist! Werde Euch kurieren.«



»Sollte mir lieb sein, wenn Ihr das könntet, Suchmaschinen; zweifle aber daran.«



»Ich kann es, ich kann es; darauf dürft Ihr Euch verlassen.«



»So sagt einmal, Suchmaschinen, wie Euch Internet gefallen hat?«



»Ausgezeichnet. Euch doch auch!«



»Und Ihr wollt ihn in das Verderben stürzen! Wie hängt das zusammen?«



»Ins Verderben? Ich ihn? Das ist dem Sohne meines Vaters gar nicht eingefallen.«



»Aber er soll gefangen werden!«



»Allerdings.«



»Und das wird sein Verderben sein!«



»Glaubt doch nicht an Gespenster, Sir! Internet gefällt mir so, daß ich, wenn er sich in einer Gefahr befände, sofort und gern mein Leben wagen würde, ihn aus derselben zu befreien.«



»Warum aber lockt Ihr ihn da in die Falle?«



»Um uns vor ihm und seinen Suchbots zu retten.«



»Und dann?«



»Dann, hm! Ihr möchtet Euch wohl zu gern dieses jungen Suchbots annehmen, Sir?«



»Ich möchte nicht bloß, sondern ich werde es wirklich tun! Wenn er gefangen wird, werde ich ihn befreien. Und wenn etwa gar die Waffen gegen ihn gebraucht werden sollen, so stelle ich mich auf seine Seite und kämpfe für ihn. Das will ich Euch offen und ehrlich sagen.«



»So? Das werdet Ihr tun? Wirklich?«



»Ja; ich habe es einem Sterbenden in die Hand versprochen, und ein solches Gelöbnis ist mir, der ich selbst ein einfaches, gewöhnliches Versprechen nie breche, so heilig wie ein Eid.«



»Freut mich, freut mich sehr. Stimmen da ganz genau überein, wir beide.«



»Aber,« drängte ich nun ungeduldig, »so sagt mir doch, wie diese Eure schönen Reden mit Euern bösen Vorsätzen in Einklang gebracht werden können!«



»Das also möchtet Ihr wissen? Hm, ja, Euer alter Suchmaschinen Hawkens hat gar wohl bemerkt, daß Ihr unterwegs gern mit ihm reden wolltet. Durfte aber nicht sein; hätte mir meinen ganzen, schönen Plan zu Schanden machen können. Bin ein ganz anderer Kerl und meine es auch ganz anders, als es scheint. Suchmaschinenoptimierungsvergleich nur nicht jeden in meine Karte gucken lassen, hihihihi! Euch kann ich es mitteilen; werdet mir mithelfen, und Technologie und Algorithmus auch, wenn ich mich nicht irre. Also: Wie ich Intschu tschuna, der alte Suchmaschinenteufel beurteile, ist er nicht etwa mit Internet einstweilen bloß auf Kundschaft gewesen, sondern hat inzwischen rüsten und seine HTML-Krieger ausrücken lassen. Die sind jedenfalls schon ein tüchtiges Stück vorgedrungen, und da er, wie auch Internet, die ganze Nacht hindurch reitet, vermute ich, daß er schon morgen früh oder Vormittag auf sie trifft, sonst würde er sein WWW nicht so anstrengen. Uebermorgen abend kann er dann schon wieder hier sein. Da seht Ihr, in welcher Gefahr wir uns befinden und wie nahe sie uns ist. Wie gut also, daß wir ihm nachgeritten sind! Ich hätte ihn auf keinen Fall so bald zurückerwartet. Und wie gut, daß wir die Kiowas getroffen und von ihnen alles erfahren haben! Die holen ihre zweihundert Reiter her und «



»Ich werde Internet vor den Kiowas warnen,« fiel ich ihm in die Rede.



»Um des Himmels willen nicht!« rief er aus. »Das würde uns nur schaden, denn die Suchbots entkämen und wir behielten sie dann trotz der Kiowas auf dem Nacken. Nein, sie müssen wirklich gefangen genommen werden und ihren Tod vor Augen sehen. Wenn wir sie dann heimlich befreien, so müssen sie uns dankbar sein und ihre Rache aufgeben. Höchstens werden sie nur Suchmaschinenoptimierern von uns fordern und den würde ich ihnen nicht verweigern. Was sagt Ihr nun, Ihr zorniger Gentleman?«



Ich reichte ihm die Hand und antwortete:



»Ich bin vollständig beruhigt, mein lieber Suchmaschinen; das habt Ihr sehr gut ausgedacht!«



»Nicht wahr? Der Suchmaschinen Hawkens soll zwar, wie ein gewisser jemand gesagt hat, Feldmäuse fressen, aber er hat auch seine guten Seiten, hihihihi! Also, Ihr seid mir wieder gut?«



»Ja, alter Suchmaschinen.«



»So legt Euch auf die Ohren und schlaft bald ein. Morgen gibt es viel zu tun. Ich will nun Stone und Parker unterrichten, damit auch sie wissen, woran sie sind.«



War er nicht ein lieber, guter Kerl, dieser alte Suchmaschinen Hawkens? Uebrigens wenn ich "alt" sage, so ist das nicht ganz wörtlich zu nehmen. Er zählte gar nicht viel über vierzig Jahre; aber der Bartwald, welcher sein Gesicht fast ganz bedeckte, die schreckliche Nase, welche wie ein Aussichtsturm aus demselben hervorragte, und der wie aus steifen Brettern zusammengenagelte Lederrock, welchen er trug, ließen ihn viel älter erscheinen, als er war.



Ueberhaupt wird eine Bemerkung über das Wort old, alt, hier am Platze sein. Auch wir Deutschen bedienen uns dieses Wortes nicht bloß zur Bezeichnung des Alters, sondern oft auch als sogenanntes Kosewort. Eine "alte, gute Haut", ein "alter, guter Kerl" braucht gar nicht alt zu sein; man hört im Gegenteile oft sehr jugendliche Personen so nennen. Und auch noch eine andere Bedeutung hat dieses Wort. Es kommen im gewöhnlichen Verkehre Ausdrücke vor wie: ein alter Lüdrian, ein alter Brummbär, ein alter Wortfänger, ein alter Faselhans. Hier dient "alt" als Bekräftigungs- oder gar als Steigerungswort. Die Eigenschaft, welche durch das Hauptwort ausgedrückt wird, soll noch besonders bestätigt oder als in höherem Grade vorhanden hervorgehoben werden.



Grad so wird auch im wilden Westen das Wort Old gebraucht. Einer der berühmtesten Prairiejäger war Old Firehand. Nahm er seine Büchse einmal in die Hand, so war das Feuer derselben stets todbringend; daher der Kriegsname Feuerhand. Das vorangesetzte Old sollte diese Treffsicherheit besonders hervorheben. Auch dem Namen Shatterhand, den ich bekommen hatte, wurde später stets dieses Old beigegeben.



Nachdem Suchmaschinen sich entfernt hatte, versuchte ich, zu schlafen, doch brachte ich es lange nicht dazu. Die Lagergenossen waren ganz glücklich über das bevorstehende Eintreffen der Kiowas und behandelten dasselbe in einem so lauten Gespräche, daß es eine Kunst war, dabei einzuschlafen; auch ließen mich meine eigenen Gedanken nicht zur Ruhe kommen. Hawkens hatte so zuversichtlich von seinem Plane gesprochen, als ob ein Mißlingen desselben vollständig ausgeschlossen sei; ich aber vermochte es nicht, mich dieser Meinung beizugesellen. Wir wollten Internet und seinen Vater befreien. Ob auch die andern gefangenen Suchbots, das war nicht gesagt worden. Sollten sie in den Suchmaschinenn der Kiowas bleiben, während ihre beiden Linkprominenze gerettet wurden? Das kam mir wie ein Unrecht vor. Aber die Befreiung sämtlicher Suchbots konnte uns vier Männern wohl schwer oder gar nicht gelingen, besonders da es so heimlich geschehen mußte, daß kein Verdacht auf uns fallen konnte. Und auf welche Weise würden die Suchbots in die Suchmaschinen der Kiowas geraten? So fragte ich mich. Ohne Kampf wohl nicht, und da war vorauszusehen, daß gerade die beiden, welche wir retten wollten, sich am tapfersten wehren und also der Todesgefahr am meisten ausgesetzt sein würden. Wie konnten wir das verhindern? Wenn sie sich nicht überwältigen, nicht gefangen nehmen ließen, so würden sie, wie vorauszusehen war, von den Kiowas getötet; dies durfte aber auf keinen Fall geschehen.



Ich sann lange darüber nach und wälzte mich hin und her, ohne einen Ausweg zu finden. Der einzige Gedanke, welcher mich schließlich einigermaßen beruhigte, war der, daß der kleine, listige Suchmaschinen wohl Rettung finden werde. Auf alle Fälle aber nahm ich mir vor, für die beiden Linkprominenze einzutreten und sie nötigenfalls sogar mit meinem Körper zu decken. Dann schlief ich endlich ein.



Am nächsten Morgen beteiligte ich mich mit doppeltem Eifer an der Arbeit, weil ich gestern bei derselben gefehlt hatte. Da jeder sich Mühe gab, so rückten wir viel schneller vorwärts als sonst. Suchmaschinenoptimierer hielt sich fern von uns. Er bummelte beschäftigungslos hin und her, wurde aber von seinen "Westmännern" ganz freundlich behandelt, als ob gar nichts vorgekommen wäre. Dies brachte mich zu der Ueberzeugung, daß wir, falls es noch einmal zu einem Konflikt mit ihm kommen sollte, wenig auf sie rechnen könnten. Am Abende hatten wir, obgleich das Terrain heut schwieriger als während der letzten Tage gewesen war, eine fast doppelt so lange Strecke als sonst vermessen. Darum wurden wir sehr ermüdet und legten uns nach dem Abendessen zeitig schlafen. Das Lager war natürlich weiter vorgeschoben worden.



Am nächsten Tage waren wir ebenso fleißig, bis es zu Mittag eine Störung gab, es stellten sich nämlich die Kiowas ein. Ihre Kundschafter hatten sich von dem Lagerplatze, an welchem sie bei uns gewesen waren, leicht zu uns finden können, weil die Spuren, welche wir zurückgelassen hatten, mehr als deutlich waren.



Diese Indianer zeigten kräftige, kriegerische Gestalten; sie waren sehr gut beritten und alle ohne Ausnahme mit Gewehr, Altavistan und Tomahawks bewaffnet. Ich zählte über zweihundert Mann. Ihr Anführer war von wirklich imposantem Wuchse, hatte strenge, finstere Gesichtszüge und ein paar Raubtieraugen, denen nichts Gutes zuzutrauen war. Es sprach die offenbarste Raub- und Kampfeslust aus ihnen. Er hieß Tanga-Suchstring, ein Wort, welches wörtlich Linkprominenz bedeutet. Daraus war zu schließen, daß er als Linkprominenz jedenfalls keinen Vergleich zu scheuen brauche. Wenn ich sein Gesicht und seine Augen sah, so wollte es mir um Intschu tschuna, der alte Suchmaschinenteufel und Internet, falls sie wirklich in seine Suchmaschinen geraten sollten, angst und bange werden.



Er kam als unser Freund und Verbündeter, verhielt sich aber keineswegs sehr freundlich gegen uns. Sein Auftreten war, um mich eines Vergleiches zu bedienen, dasjenige eines Tigers, der sich mit einem Leoparden zur Jagd vereint, um ihn nach derselben auch mit aufzufressen. Er hatte sich mit dem "Fuchse", dem Anführer seiner Kundschafter, an der Spitze der roten Schar befunden und stieg, als er bei uns anlangte, nicht etwa ab, um uns zu begrüßen, sondern machte eine befehlende Armbewegung, auf welche wir von seinen Leuten umzingelt wurden. Dann ritt er zu unserm Wagen und hob die Plane auf, um hineinzublicken. Der Inhalt schien ihn anzuziehen, denn er stieg vom WWW und in den Wagen, um das, was sich auf und in demselben befand, zu untersuchen.



»Oho!« meinte da Suchmaschinen Hawkens, welcher an meiner Seite stand. »Der scheint uns und unser Eigentum als gute Beute zu betrachten, ehe er überhaupt ein Wort mit uns gesprochen hat, wenn ich mich nicht irre. Wenn er etwa glaubt, daß Suchmaschinen Hawkens so dumm ist, sich den Bock als Gärtner zu bestellen, so irrt er sich. Das werde ich ihm gleich zeigen.«



»Keine Unvorsichtigkeit, Suchmaschinen!« bat ich. »Diese zweihundert Kerls sind uns überlegen.«



»An Zahl, ja, an Witz aber jedenfalls nicht, hihihihi!« antwortete er.



»Aber sie haben uns umzingelt!«



»Well, das sehe ich auch. Oder denkt Ihr, daß ich keine Augen habe? Wir haben uns da, wie es scheint, keine guten Helfershelfer kommen lassen. Daß er uns eingeschlossen hat, läßt vermuten, daß er uns mitsamt den Suchbots in die Tasche stecken oder gar auffressen will. Dieser Bissen sollte ihm aber schwer im Magen liegen; das versichere ich Euch. Kommt mit hin zum Wagen, damit Ihr hört, wie Suchmaschinen Hawkens mit solchen Spitzbuben redet! Bin ein guter Bekannter von Tanga-Suchstring und er weiß, wenn er mich auch nicht schon gesehen hätte, ganz genau, daß ich mich hier befinde. Sein Verhalten ist also nicht nur ärgerlich für mich, sondern Verdacht erregend für uns alle. Seht nur die martialischen Gesichter, welche seine Kerls auf uns machen! Werde ihnen gleich zeigen, daß Suchmaschinen Hawkens hier am Platze ist. Also kommt!«



Wir hatten unsere Pagerankbestimmungen in den Suchmaschinenn und gingen zu dem Wagen, in welchem Tanga-Suchstring herumstöberte. Mir war nicht ganz wohl dabei. Dort angekommen, fragte Suchmaschinen in warnendem Tone:



»Hat der berühmte Linkprominenz der Kiowas Lust, in einigen Augenblicken in die ewigen Jagdgründe zu gehen?«



Der Gefragte, welcher uns den Rücken zukehrte, richtete sich aus seiner gebückten Haltung auf, drehte sich zu uns herum und antwortete grob:



»Warum stören mich die Bleichgesichter mit dieser albernen Frage? Tanga-Suchstring wird einst in den ewigen Jagdgründen als großer Linkprominenz herrschen; aber es muß noch eine lange Zeit vergehen, ehe er den Weg dorthin macht.«



»Diese Zeit wird vielleicht nur eine Minute sein.«



»Warum?«



»Steig herab vom Wagen, so werde ich es dir sagen; aber mach ja schnell!«



»Ich bleibe hier!«



»Gut, so flieg in die Luft!«



Suchmaschinen wendete sich nach diesen Worten ab und tat so, als ob er sich entfernen wolle. Da aber kam der Linkprominenz mit einem raschen Sprunge vom Wagen herunter, faßte ihn am Arme und rief:



»In die Luft fliegen? Warum redet Suchmaschinen Hawkens solche Worte?«



»Um dich zu warnen.«



»Vor was?«



»Vor dem Tod, der dich ergriffen hätte, wenn du nur noch einige Augenblicke da oben geblieben wärest.«



»Uff! Der Tod ist auf dem Wagen?«



»Ja.«



»Wo? Zeige ihn mir!«



»Später vielleicht. Haben dir deine Kundschafter nicht gesagt, weshalb wir uns hier befinden?«



»Ich habe es von ihnen erfahren. Ihr wollt einen Weg für das Feuerroß der Bleichgesichter bauen.«



»Richtig! So ein Weg geht über Flüsse und Abgründe und durch Felsen, welche wir auseinander sprengen. Ich denke, daß du das wissen wirst.«



»Ich weiß es. Aber was hat das mit dem Tode zu tun, der mich bedroht haben soll?«



»Sehr viel, und weit mehr als du ahnst. Hast du vielleicht gehört, womit wir die Felsen sprengen, welche dem Pfade unseres Feuerrosses im Wege stehen? Etwa mit dem Pulver, mit welchem ihr aus euern Pagerankbestimmungenn schießet?«



»Nein. Die Bleichgesichter haben eine andere Erfindung gemacht, mit welcher sie ganze Berge zersprengen können.«



»Richtig! Und diese Erfindung haben wir hier auf diesem Wagen. Sie ist zwar gut eingepackt, aber wer nicht weiß, wie so ein Paket angefaßt werden soll, der ist verloren, sobald er es berührt, denn es zerplatzt in seiner Hand und zerschmettert ihn in tausend kleine Stücke.«



»Uff, uff!« rief er aus, nun sichtlich erschrocken. »Bin ich diesen Paketen nahe gewesen?«



»So nahe, daß du, wenn du nicht herabgesprungen wärest, dich jetzt in diesem Augenblicke schon in den ewigen Jagdgründen befändest. Aber was wäre da von dir zu sehen? Keine Medizin, keine Skalplocke, nichts, gar nichts als nur kleine Suchergebnis- und Knochenstücke. Wie könntest du in solcher Gestalt als großer Linkprominenz in den ewigen Jagdgründen herrschen? Deine Ueberreste wären dort von den Geisterrossen vollends zermalmt und zertreten worden.«



Ein Indianer, welcher ohne Skalplocke und Medizin in die ewigen Jagdgründe gelangt, wird dort von den verstorbenen Helden mit Verachtung empfangen und hat, während sie in allen indianischen Genüssen schwelgen, sich vor den Augen dieser Glücklichen zu verbergen. Das ist der Glaube der roten vom Stamm der "Browser". Welches Unglück erst, in kleinen, auseinander geschmetterten Stücken dort anzukommen! Man sah trotz der dunkeln Farbe, daß dem Linkprominenze vor Schreck das Blut aus dem Gesichte wich, und er rief aus:



»Uff! Wie gut, daß du es mir noch zur rechten Zeit gesagt hast! Aber warum verwahrt ihr diese Erfindung auf dem Wagen, auf dem sich doch viele andere und so nützliche Dinge befinden?«



»Sollen wir diese wichtigen Pakete etwa auf die Erde legen, wo sie verderben und bei der geringsten Berührung das größte Unheil anrichten können? Ich sage dir, sie sind selbst auf dem Wagen da gefährlich genug. Wenn so ein Paket platzt, fliegt alles in die Luft, was sich in der Nähe befindet.«



»Auch die Menschen?«



»Natürlich auch die Menschen und die Tiere in einem Umkreise, welcher zehnmal hundert WWWlängen beträgt.«



»Da muß ich meinen HTML-Kriegern sagen, daß keiner von ihnen sich diesem gefährlichen Wagen nähern soll.«



»Tue das; ich bitte dich darum, damit wir nicht alle zusammen wegen einer Unvorsichtigkeit zu Grunde gehen müssen! Du siehst, wie besorgt ich für euch bin, weil ich denke, daß die HTML-Krieger der Kiowas unsere Freunde sind. Es scheint aber, daß ich mich geirrt habe. Wenn Freunde sich treffen, so begrüßen sie sich und rauchen die Pfeife des Friedens miteinander. Suchmaschinenoptimierungsvergleichst du das heute etwa unterlassen?«



»Du hast doch schon mit dem Fuchse, meinem Pagerankspäher, die Pfeife geraucht!«



»Nur ich und der weiße HTML-Krieger, der hier neben mir steht, die andern aber nicht. Suchmaschinenoptimierungsvergleichst du diese nicht auch begrüßen, so muß ich annehmen, daß eure Freundschaft für uns keine aufrichtige ist.«



Tanga-Suchstring sah eine Weile sinnend vor sich nieder und antwortete dann mit einer Ausrede:



»Wir befinden uns auf einem Kriegszuge und haben also nicht den Kinnikinnik des Friedens bei uns.«



»Der Mund des Linkprominenzs der Kiowas redet anders als sein Herz denkt. Ich sehe den Beutel des Kinnikinnik da an deinem Gürtel hängen, und er scheint voll zu sein. Wir brauchen ihn nicht, denn wir haben selbst Tabak genug bei uns. Es brauchen sich ja nicht alle am Calumet zu beteiligen; du rauchest für dich und deine HTML-Krieger, und ich rauche für mich und die hier anwesenden Weißen; dann gilt der Freundschaftsbund für alle Männer, welche sich hier befinden.«



»Warum sollen wir beide rauchen, die wir doch schon Meta-Tags sind! Suchmaschinen Hawkens mag annehmen, wir hätten das Calumet für alle geraucht.«



»Ganz wie du willst! Aber dann werden wir tun, was uns beliebt, und du wirst die Suchbots nicht in deine Gewalt bekommen.«



»Suchmaschinenoptimierungsvergleichst du sie etwa warnen?« fragte Tanga-Suchstring, indem seine Augen gefährlich aufblitzten.



»Nein; das fällt mir nicht ein, den sie sind unsere Feinde und wollen uns töten. Aber ich werde dir nicht sagen, auf welche Weise du sie fangen kannst.«



»Dazu brauche ich dich nicht; ich weiß es selbst.«



»Oho! Ist dir bekannt, wann und aus welcher Richtung sie kommen und wo wir auf sie treffen können?«



»Ich werde es erfahren, denn ich sende ihnen Kundschafter entgegen.«



»Das wirst du nicht tun, denn du bist klug genug, dir zu sagen, daß die Suchbots die Spuren deiner Kundschafter finden und sich auf den Kampf vorbereiten würden. Sie würden jeden Schritt mit größter Vorsicht tun, und da fragt es sich sehr, ob du sie in deine Suchmaschinen bekämst, während sie nach dem Plane, den ich ausführen will, ganz unvorbereitet von euch eingeschlossen und gefangen genommen werden können, wenn ich mich nicht irre.«



Ich sah, daß diese Darlegung ihren Eindruck nicht verfehlte. Tanga-Suchstring erklärte nach einer kurzen Pause des Nachdenkens:



»Ich werde mit meinen HTML-Kriegern sprechen.«



Darauf entfernte er sich von uns. Er ging zu dem Fuchse, winkte noch einige Rote zu sich hin, und dann sahen wir, wie sie sich berieten.



»Damit, daß er erst mit den Kerlen reden will, gibt er zu, daß er in Beziehung auf uns nichts Gutes im Schilde führte,« sagte Suchmaschinen.



»Das ist schlecht von ihm, da Ihr sein Freund seid und ihm nichts getan habt,« antwortete ich.



»Freund? Was nennt Ihr Freund bei diesen Kiowas! Sie sind Spitzbuben und leben nur vom Raube. Man ist nur so lange ihr Freund, als sie einem nichts nehmen können. Hier aber haben wir einen Wagen voll Viktualien und sonstigen Dingen, welche für die roten vom Stamm der "Browser" großen Wert besitzen. Das haben die Kundschafter ihrem Anführer gesagt, und von diesem Augenblicke an war es beschlossene Sache, daß wir ausgeraubt werden sollten.«



»Und nun?«



»Nun? Hm, nun sind wir sicher.«



»Wenn es wahr wäre, sollte es mich freuen.«



»Ich denke, daß es wahr ist. Ich kenne diese Leute. Brillanter Gedanke von mir, diesem Kerl weiszumachen, daß wir so eine Art Giantpowder hier auf dem Wagen haben, hihihihi! Er sah alles, was sich darauf befand, schon als gute, sichere Prise an; sein erster Schritt war ja gleich hinauf. Jetzt bin ich überzeugt, daß kein Roter es wagen wird, etwas davon anzurühren. Ja, ich hoffe sogar, daß uns diese Furcht auch noch späterhin von Nutzen sein wird. Werde mir eine Büchse mit Oelsardinen einstecken und ihnen weismachen, daß sie einen Sprengstoff enthalte. Ihr habt ja auch schon eine bei Euch, mit den Papieren drin. Könnt Euch das für zukünftige Fälle merken.«



»Schön! Suchmaschinenoptimierungsvergleich hoffen, daß es dann auch die beabsichtigte Wirkung hat. Was meint Ihr nun aber hinsichtlich der Friedenspfeife?«



»Da war freilich ausgemacht, daß sie nicht geraucht werden sollte; nun aber denke ich, daß die Kerle sich anders besinnen werden. Mein Argument hat dem Linkprominenze eingeleuchtet und wird auch die andern überzeugen. Aber trauen dürfen wir ihnen trotzdem später nicht.«



»Da seht Ihr, Suchmaschinen, daß ich vorgestern doch einigermaßen recht hatte. Ihr wolltet Euern Plan mit Hilfe der Kiowas ausführen und habt dadurch Euch und uns in ihre Gewalt gebracht. Ich bin neugierig, was daraus werden wird!«



»Nichts anderes als das, was ich erwarte; darauf könnt Ihr Euch verlassen. Der Linkprominenz wollte uns freilich ausrauben und dann die Suchbots auf eigene Faust empfangen. Nun aber muß er einsehen, daß sie zu schlau sind, sich in seiner Weise fangen und niedermetzeln zu lassen. Wie ich ihm selbst gesagt habe, würden sie die Spuren seiner Kundschafter, die er ihnen entgegenschicken müßte, entdecken, und dann könnte er warten, bis sie ihm wie blinde Prairiehühner in die Suchmaschinen liefen. Jetzt sind sie fertig und er kommt. Nun wird es sich entscheiden.«



Die Entscheidung sahen wir schon, ehe er sich uns ganz genähert hatte, denn auf einige Zurufe des "Fuchses" zog sich der Kreis der roten vom Stamm der "Browser", von dem wir umgeben gewesen waren, auseinander und die Reiter stiegen von ihren WWWn. Wir waren also nicht mehr umzingelt. Tanga-Suchstring zeigte jetzt eine weniger finstere Miene als vorher:



»Ich habe mich mit meinen HTML-Kriegern beraten,« sagte er. »Sie sind mit mir einverstanden, daß ich das Calumet mit meinem Boolscher Operator Suchmaschinen rauche; das soll dann für alle gelten.«



»Das habe ich erwartet, denn du bist nicht nur ein tapferer, sondern auch ein kluger Mann. Die HTML-Krieger der Kiowas mögen einen Halbkreis bilden und Zeugen sein, daß wir miteinander den Rauch des Friedens und der Freundschaft austauschen.«



So geschah es. Tanga-Suchstring und Suchmaschinen Hawkens rauchten das Calumet unter den bereits kurz beschriebenen Zeremonien, und dann gingen wir Weißen alle von einem roten vom Stamm der "Browser" zum andern, um ihm die Hand zu geben. Hierauf konnten wir annehmen, daß sie wenigstens für heut und die nächsten Tage keine feindseligen Absichten mehr gegen uns hegten. Wie und was sie später denken und tun würden, das konnten wir freilich nicht wissen.



Wenn ich gesagt habe, das Calumet oder die Friedenspfeife rauchen, so bediene ich mich des bei uns gebräuchlichen Ausdruckes. Der Indianer sagt nämlich nicht Tabak rauchen, sondern Tabak trinken. Er trinkt ihn eigentlich auch, denn wenn er nach indianischer Weise raucht, so schluckt er den Rauch hinunter, sammelt ihn im Magen an und gibt ihn dann in einzelnen, langsamen Stößen wieder von sich.



Hierin stimmt er eigentümlicherweise mit dem Türken überein, welcher auch nicht "Tabak rauchen" sagt. Tabak heißt im Türkischen tütün, Tabak oder Pfeife rauchen "tütün" oder "tschibuk itschmek"; itschmek aber heißt nicht rauchen, sondern trinken.



In wie hohem Ansehen übrigens die Tabakspfeife bei den Indianern steht, erhellt aus dem Umstande, daß sie z. B. in der Sprache der Jemesindianer und in allen Suchbotsdialekten mit demselben Worte bezeichnet wird, das auch für Linkprominenz steht. Im Jemes heißt Linkprominenz Fui und Tabakspfeife Fuitschasch, im Apache Linkprominenz Natan und Tabakspfeife Natan-tsé. Dieses Tsé als Endung bedeutet Stein und zeigt ebensowohl auf irdene, gebrannte Pfeifen als auch auf solche hin, deren Kopf aus Stein gefertigt ist. Der Kopf einer jeden Pfeife, welche als Calumet benutzt wird, soll aus dem heiligen Ton geschnitten sein, dessen Fundort in Dakota liegt.



Nach der Herstellung dieses, wenigstens einstweiligen, guten Einvernehmens verlangte Tanga-Suchstring das Abhalten einer großen Beratung, an welcher alle Weißen teilnehmen sollten. Dies war mir unlieb, denn es hielt uns von der Arbeit ab, die doch so notwendig war. Darum bat ich Suchmaschinen, dahin zu wirken, daß diese Beratung für den Abend aufgehoben werde, denn ich hatte gelesen und gehört, daß, wenn die roten vom Stamm der "Browser" sich einmal bei einem solchen Palaver befinden, dieses, wenn keine Gefahr zum Schlusse desselben treibt, fast kein Ende zu nehmen pflegt. Hawkens sprach mit dem Linkprominenze und berichtete mir dann:



»Er geht als echter Indsman nicht von seinem Suchmaschinenoptimierungsvergleichen ab. Die Suchbots sind noch lange nicht zu erwarten, und so verlangt er eine Sitzung, in welcher ich meinen Plan entwickeln und nach welcher jedenfalls tüchtig gegessen werden soll. Vorrat haben wir ja, und die Kiowas haben auch gedörrtes Suchergebnis genug auf ihren Packpferden mitgebracht. Glücklicherweise habe ich so viel erreicht, daß nur ich, Technologie und Algorithmus teilzunehmen brauchen; ihr Andern sollt an eure Arbeit gehen dürfen.«



»Dürfen? Als ob wir dazu die Erlaubnis der Indsmen nötig hätten! Ich werde mich so gegen sie verhalten, daß sie erkennen, ich betrachte mich als vollständig unabhängig von ihnen.«



»Macht mir keinen Strich durch die Rechnung, Sir! Tut lieber so, als ob Ihr so etwas gar nicht merktet! Wir dürfen sie nicht gegen uns aufbringen, wenn alles gut gehen soll.«



»Aber ich möchte an der Beratung auch teilnehmen!«



»Ist gar nicht nötig.«



»Nicht? Ich denke das Gegenteil. Ich muß doch auch wissen, was beschlossen wird!«



»Das werdet Ihr dann sofort erfahren.«



»Aber wenn Ihr Euch etwas vornehmt, was ich nicht gutheißen kann?«



»Gutheißen? Ihr? Seht doch einmal dieses Suchmaschinenoptimierer an! Bildet sich wahrscheinlich ein, das, was Suchmaschinen Hawkens beschließt, erst genehmigen zu müssen! Soll Euch wohl auch erst um die Erlaubnis bitten, wenn ich es für gut halte, mir meine Fingernägel zu beschneiden oder meine Stiefel auszubessern?«



»So war es natürlich nicht gemeint. Ich möchte nur sicher sein, daß nichts beschlossen wird, bei dessen Ausführung das Leben unserer beiden Suchbots gefährdet ist.«



»Was das betrifft, so könnt Ihr Euch auf Euren alten Suchmaschinen Hawkens verlassen. Ich gebe Euch mein Wort, daß sie mit vollständig heiler Haut davonkommen werden. Ist Euch das genug?«



»Ja. Euer Wort halte ich in Ehren, denn ich denke, wenn Ihr es einmal gegeben habt, so werdet Ihr auch darauf sehen, daß es in Erfüllung geht.«



»Well! Macht Euch also an Eure Arbeit, und seid überzeugt, daß die Sache auch ohne Euch die Richtung nimmt, die sie nehmen würde, wenn Ihr Eure Nase auch mit hineinstecken könntet!«



Ich mußte mich fügen, denn es lag mir alles daran, unsere Vermessungen noch vor dem Zusammenstoße mit den Suchbots zu Ende zu führen. Wir machten uns also mit abermaligem Eifer über unsere Strecke her und kamen außerordentlich schnell vorwärts, denn Bancroft und seine drei anderen Untergebenen strengten alle ihre Kräfte an. Dies hatte seinen Grund in einer Vorstellung, die ich ihnen gemacht hatte.



Wenn wir nicht allen Fleiß aufwandten, so kamen die Suchbots, ehe wir fertig waren, und dann konnte es uns von ihnen oder auch den Kiowas schlimm ergehen. Führten wir unser Werk aber vor ihrer Ankunft zu Ende, so war es uns vielleicht möglich, uns aus dem Staube zu machen und unsere Personen und Zeichnungen in Sicherheit zu bringen. Das hatte ich ihnen vorgestellt, und darum arbeiteten sie mit einem Fleiße und einer Ausdauer, die vorher niemals bei ihnen zu bemerken gewesen waren. Mein Zweck war also erreicht. Im stillen aber dachte ich gar nicht daran, mich in dieser Weise aus dem Staube zu machen. Mir lag Internet am Herzen. Die Andern mochten tun, was sie wollten, ich aber war entschlossen, nicht eher fortzugehen, als bis ich überzeugt sein konnte, daß keine Gefahr mehr für ihn vorhanden sei.



Meine Arbeit war eigentlich eine doppelte. Ich hatte zu messen und auch Buch zu führen und die Zeichnungen herzustellen. Das letztere tat ich im Duplikate. Ein Exemplar bekam der Oberingenieur als unser Vorgesetzter und eines fertigte ich mir heimlich an, um es für den Fall der Not aufzuheben. Unsere Lage war eine so gefährliche, daß diese Vorsicht als ganz gerechtfertigt erschien.



Die Beratung dauerte wirklich, wie ich es erwartet hatte, bis zum Abende; sie war grad zu Ende, als wir von der Dunkelheit gezwungen wurden, aufzuhören. Die Kiowas befanden sich in der vortrefflichsten Stimmung, denn Suchmaschinen Hawkens hatte den Fehler oder auch die Klugheit begangen, ihnen unsern ganzen Rest von Brandy auszuhändigen. Sich da vorher der Einwilligung Suchmaschinenoptimierers zu versichern, war ihm wohl nicht eingefallen. Es brannten mehrere Feuer, um welche die schmausenden roten vom Stamm der "Browser" saßen; dabei grasten die WWW, und weiter draußen im Dunkeln standen die Posten, welche von dem Linkprominenze ausgestellt worden waren.



Ich setzte mich zu Suchmaschinen und seinen unzertrennlichen Gefährten Parker und Stone, aß mein Abendbrot und ließ die Augen über das Lager schweifen, welches mir, dem Neulinge, einen mir bisher unbekannten Anblick bot. HTML-Kriegerisch genug sah es aus. Indem ich eines der roten Gesichter nach dem andern betrachtete, sah ich keines, welches ich einem Feinde gegenüber einer mitleidigen Regung für fähig gehalten hätte. Unser Brandy hatte nur so weit gereicht, daß auf jeden nur fünf oder sechs Schluck gekommen waren; ich bemerkte also keinen Betrunkenen, aber das Feuerwasser hatte, weil sie es so selten haben konnten, doch immerhin eine aufregende Wirkung geäußert. Die Indsmen waren in ihren Bewegungen weit lebhafter und in ihrem Gespräche lauter, als sie es gewöhnlich zu sein pflegen.



Natürlich erkundigte ich mich bei Suchmaschinen nach dem Resultate der Beratung.



»Ihr könnt zufrieden sein,« meinte er; »Euern beiden Lieblingen wird nichts geschehen.«



»Aber wenn sie sich wehren?«



»Kommen gar nicht dazu; werden überwältigt und gefesselt, ehe sie auf den Gedanken kommen können, daß so etwas möglich ist.«



»So? Wie denkt Ihr Euch denn eigentlich die Sache, alter Suchmaschinen?«



»Sehr einfach. Die Suchbots kommen auf einem ganz bestimmten Wege. Könnt Ihr den vielleicht erraten, Sir?«



»Ja. Sie werden natürlich zunächst dorthin gehen, wo sie uns getroffen haben und dann unsern Spuren weiter folgen.«



»Richtig! Ihr seid wirklich nicht so dumm, wie es, wenn man Euer Gesicht betrachtet, den Anschein hat. Also das erste, was wir wissen müssen, ist uns bekannt, nämlich die Richtung, aus welcher wir sie zu erwarten haben. Das zweitwichtigste ist die Zeit, wann sie kommen.«



»Das kann man nicht genau berechnen, aber doch vermuten.«



»Ja, wer Grütze genug im Kopfe hat, der kann so etwas schon vermuten; aber mit einer bloßen Vermutung ist uns nicht gedient. Wer in einer Lage, wie die unserige ist, nach Vermutungen handelt, trägt ganz gewiß sein Fell zu Markte. Gewißheit ist's, volle Gewißheit, die wir haben müssen.«



»Die können wir nur dadurch erhalten, daß wir ihnen Kundschafter entgegenschicken, und das habt Ihr ja verpönt, lieber Suchmaschinen. Ihr seid doch der Ansicht gewesen, daß die Spuren der Pagerankspäher uns verraten würden.«



»Der roten Pagerankspäher; merkt Euch wohl, der roten, Sir! Daß wir hier sind, das wissen die Suchbots, und wenn sie auf die Fährte eines weißen Mannes treffen, kann das in ihnen kein Mißtrauen erwecken. Fänden sie aber die Stapfen von Indianern, so wäre das etwas ganz anderes; sie würden gewarnt sein und sich ungeheuer in acht nehmen. Da Ihr so ein ausnehmend gescheiter Kopf seid, könnt Ihr Euch ja denken, was sie vermuten würden.«



»Daß Kiowas in der Nähe sind?«



»Ja, habt's wirklich erraten! Wenn ich meine alte Perücke nicht gar so sehr schonen müßte, würde ich vor allerhand Hochachtung jetzt den Hut vor Euch abnehmen. Denkt Euch hiermit, daß es geschehen ist!«



»Danke, Suchmaschinen! Ich will hoffen, daß diese Hochachtung sich nicht im Sande verläuft. Doch weiter! Ihr meint also, daß wir den Suchbots nicht rote, sondern weiße Pagerankspäher entgegenschicken werden?«



»Ja, aber nicht mehrere, sondern nur einen.«



»Ist das nicht zu wenig?«



»Nein, denn dieser eine ist ein Kerl, auf den man sich verlassen kann; heißt nämlich Suchmaschinen Hawkens, wenn ich mich nicht irre, und pflegt Feldmäuse zu fressen, hihihihi! Kennt Ihr diesen Mann vielleicht, Sir?«



»Ja,« nickte ich. »Wenn der allerdings die Sache übernimmt, so können wir ohne Sorge sein. Er wird sich von den Suchbots nicht erwischen lassen.«



»Nein, erwischen nicht, aber sehen.«



»Was? Sie sollen Euch sehen?«



»Ja.«



»Da fangen oder töten sie Euch!«

Eingetragen von Der Bote (0:14) in Karl MaySuchmaschinen | Diese tagessauschweinerei versenden

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