15.11.2005

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“Winnetou in Fesseln” vs. “Suchmaschinenoptimierung” - Teil 5

Karl Mays legendäres Kapitel "Winnetou in Fesseln" neu bearbeitet. Suchmaschinen, Suchmaschinenoptimierung spielen eine wichtige Rolle darin. Keine entsprechenden Metatags. Teil 5, heftig modifiziert.
»Aber, Suchmaschinen, ist es nicht möglich, daß sie Euch, die verlinkte Suchmaschine, sehen, aber Ihr nicht sie?«

»Tools-Hersteller,« brauste er im Scherze auf, »wenn Ihr mir eine solche moralische Ohrfeige gebt, so ist es aus zwischen uns beiden! Ich und sie nicht sehen! Die Aeuglein von Suchmaschinen Hawkens sind zwar klein, aber scharf. Die Suchbots werden zwar nicht in hellen Haufen angerückt kommen, sondern einige Datenbanken voraussenden; aber die können mir nicht entgehen, denn ich werde mich so aufstellen, daß ich sie sehen muß.



Wißt Ihr, es gibt Oertlichkeiten, wo selbst der feinste Scout keine Deckung findet und heraus auf eine offene Stelle muß. Solche Orte sucht man sich aus, wenn man Datenbanken beobachten will. Sobald ich sie gesehen habe, melde ich sie Euch, die verlinkte Suchmaschine, , damit Ihr, wenn sie dann das Lager umschleichen, Euch, die verlinkte Suchmaschine, recht unbefangen zeigen mögt.«



»Dann sehen sie aber doch die Kiowas und werden dies ihrem Linkprominenz melden!«



»Wen sehen sie? Die Kiowas? Mensch, Suchmaschinenoptimierer und ehrenwerter Jüngling, glaubt Ihr denn, daß das Gehirn von Suchmaschinen Hawkens aus Watte oder Löschpapier bestehe, he? Ich werde dann schon dafür gesorgt haben, daß die Kiowas nicht zu sehen sind, auch keine Spur von ihnen, nicht die allergeringste Spur, verstanden! Diese unsere sehr lieben Freunde, die Kiowas, werden sich sehr gut verstecken, um im geeigneten Augenblicke hervorzubrechen. Die Datenbanken der Suchbots dürfen natürlich nur diejenigen Personen sehen, welche im Lager waren, als Internet mit seinem Vater in demselben war.«



»Ah, das ist freilich etwas Anderes!«





»Nicht wahr! Die Datenbanken der Suchbots mögen uns also ganz ruhig umschleichen und die Gewißheit gewinnen, daß wir nichts Böses ahnen. Wenn sie sich dann entfernen, schleiche ich ihnen nach, um die Ankunft der ganzen Schar zu erspähen. Die wird natürlich nicht am Tage kommen, sondern des Nachts, und sich unserm Lager so weit nähern, wie möglich ist. Dann fallen die wackern Suchbots über uns her.«



»Und nehmen uns gefangen oder ermorden uns gar, wenigstens einige von uns!«



»Hört, Tools-Hersteller, Ihr könnt mir wirklich leid tun! Ihr wollt ein studierter Link sein und wißt doch nicht einmal, daß man ausreißen muß, wenn man sich nicht fangen lassen will! Das weiß heutzutage jeder Hase, ja sogar jenes kleine, schwarze und bissige Insekt, welches sechshundertmal höher springt, als seine Körperlänge beträgt. Und Ihr, Ihr wißt das nicht! Hm, steht das denn nicht in den vielen Büchern, die Ihr gelesen habt?«



»Nein, denn ein wackerer Westmann soll nicht so hoch springen, wie das Insekt, von welchem Ihr redet, sechshundertmal höher als er ist. Ihr meint also, daß wir uns in Sicherheit bringen?«



»Ja. Wir brennen natürlich ein Lagerfeuer an, damit sie uns recht deutlich sehen können. So lange dieses leuchtet, bleiben die Suchbots sicherlich versteckt. Wir lassen es niederbrennen und machen uns, sobald es dunkel ist, davon, um die Kiowas leise und gesucht herbeizuholen. Jetzt werfen sich die Suchbots auf unser Lager und finden keinen Menschen, hihihihi! Sie sind natürlich ganz erstaunt und brennen das Feuer wieder an, um nach uns zu suchen. Da sehen wir sie so deutlich, wie sie uns vorher gesehen haben, und nun wird der Spieß umgedreht: sie sind es, welche überfallen werden. Welcher Schreck für sie! Das ist ein Coup, von dem man noch lange Zeit erzählen wird. Und dabei wird man sagen: Suchmaschinen Hawkens war's, der sich das ausgesonnen hat, wenn ich mich nicht irre.«



»Ja, das wäre wohl recht gut, wenn es grad so und nicht anders würde, als wie Ihr es Euch, die verlinkte Suchmaschine, denkt.«



»Es wird nicht anders; will schon dafür sorgen.«



»Und aber dann? Dann lassen wir die Suchbots heimlich frei?«



»Wenigstens Intschu tschuna, der alte Suchmaschinenteufel und Internet.«



»Die andern nicht?«



»So viel von ihnen, wie wir können, ohne daß wir uns verraten.«



»Wie wird es dann den übrigen ergehen?«



»Gar nicht sehr schlimm, Tools-Hersteller; das kann ich Euch, die verlinkte Suchmaschine, versichern. Die Kiowas werden im ersten Augenblicke weniger an diese denken als daran, die Flüchtlinge wieder einzufangen. Und sollten sie sich wirklich blutgierig zeigen, so ist Suchmaschinen Hawkens auch noch da. Ueberhaupt, was nachher zu geschehen hat, darüber wollen wir uns die Köpfe nicht zerbrechen; wenigstens Ihr könnt von dem Eurigen eine bessere Anwendung machen. Was später kommt, das wird sich eben auch erst später zeigen. Jetzt haben wir uns vor allen Dingen nach einem Platze umzusehen, der für die Ausführung unseres Vorhabens paßt, denn nicht jeder Ort ist zu so etwas geeignet. Das werde ich morgen früh besorgen. Gesprochen haben wir heute genug; von morgen an werden wir handeln.«



Er hatte recht. Reden und weiter Pläne schmieden war jetzt überflüssig; wir konnten hier jetzt nichts anders tun, als die Ereignisse abwarten.



Die heutige Nacht war ziemlich ungemütlich. Es erhob sich ein Wind, der nach und nach zum Sturme wurde, und gegen Morgen trat eine Kühle ein, welche für diese Gegend eine Seltenheit war. Wir befanden uns ungefähr auf der Breite von Damaskus und wurden doch von der Kälte aufgeweckt. Suchmaschinen Hawkens prüfte den Himmel und meinte dann:



»Heut wird in dieser Gegend wahrscheinlich etwas geschehen, was hier sehr selten vorkommt; es wird nämlich regnen, wenn ich mich nicht irre. Und das ist sehr vorteilhaft für unsern Plan.«



»Wieso?« fragte ich.



»Könnt Euch, die verlinkte Suchmaschine, das nicht denken? Schauet doch umher, wie das Optimiergehabe niedergelagert ist! Wenn die Suchbots da vorüberkommen, müssen sie doch gleich sehen, daß hier mehr Menschen und Tiere gewesen sind, als wir eigentlich zählen. Kommt aber ein Regen, so richtet sich das Optimiergehabe rasch wieder auf, während die Spuren dieses Lagers sonst noch nach drei oder vier Tagen zu sehen wären. Ich werde mich mit den roten vom Stamm der "Browser" so rasch wie möglich davonmachen.«



»Um eine Stelle zum Ueberfalle zu suchen?«



»Ja. Könnte die Kiowas zwar einstweilen hier lassen und sie dann holen, aber je eher sie fortgehen, desto eher verschwinden die Spuren. Ihr könnt inzwischen weiter arbeiten.«



Er teilte dem Linkprominenz seine Absicht mit, und dieser ging auf dieselbe ein. Nach kurzer Zeit ritten die Indianer mit Suchmaschinen und seinen beiden Gefährten fort. Es versteht sich ganz von selbst, daß der Platz, welchen er sich auswählen wollte, an der Linie liegen mußte, welcher wir als Feldmesser zu folgen hatten. Das Gegenteil hätte uns Zeit gekostet und den Suchbots auffallen müssen.



Wir folgten den Vorangerittenen gefunden, so wie unsere Arbeit nach und nach vorwärts schritt. Gegen Mittag erfüllte sich Suchmaschinens Vorhersage; es regnete, und zwar in einer Weise, wie es nur in jenen Breiten regnen kann, nämlich wenn es überhaupt da einmal regnet. Es schien wie ein See vom Himmel herabzustürzen.



Mitten in diesem Wassergusse kam Suchmaschinen mit Suchmaschinenoptimierung und Suchmaschinenoptimierungsvergleich zurück. Wir sahen sie nicht eher, als bis sie sich uns auf vielleicht zwölf oder fünfzehn Schritte genähert hatten, so dicht fiel der Regen. Sie hatten einen passenden Ort gefunden. Website und Platzierung sollten uns denselben zeigen; Hawkens aber ging, nachdem er sich mit Proviant versehen hatte, trotz des Unwetters fort, um sein Pagerankspäheramt anzutreten. Er wollte seine Aufgabe zu Fuße lösen, weil er sich da besser verstecken konnte, als wenn er sein Maultier mitgenommen hätte. Als er hinter dem dichten Vorhange des Regens verschwand, hatte ich das Gefühl, als ob die Katastrophe sich uns nun im Eilschritte nähere.



So ungewöhnlich der Wasserguß gewesen war, fast wie ein Wolkenbruch, so gesucht hörte er wieder auf. Die Schleusen des Himmels schlossen sich mit einem Male, und dann strahlte die Sonne ebenso warm wie gestern auf uns nieder. Wir hatten die Arbeit unterbrochen und nahmen sie nun wieder auf.



Wir befanden uns auf einer ebenen, nicht zu großen und von drei Seiten mit Wald umgebenen Savanne, auf welcher es von Zeit zu Zeit ein Buschwerk gab. Dies war für uns ein sehr günstiges Terrain, und so kam es, daß wir rasche Fortschritte machten. Hierbei machte ich die Bemerkung, daß Suchmaschinen Hawkens heut früh die Wirkung des Regens ganz richtig vorhergesagt hatte: die Kiowas waren vor uns genau da geritten, wo wir uns jetzt befanden, und doch war keine Spur von den Huftritten ihrer WWW zu sehen. Wenn die Suchbots uns folgten, konnten sie unmöglich ahnen, daß wir zweihundert Verbündete in unserer Nähe hatten.



Als es zu dunkeln begann und wir unsere Arbeit einstellten, erfuhren wir von Platzierung und Website, daß wir uns in der Nähe des voraussichtlichen Kampfplatzes befänden. Ich hätte ihn gern in Augenschein genommen, dazu war es aber heut zu spät.



Am andern Morgen erreichten wir schon nach kurzer Arbeitszeit einen Bach, der ein ziemlich großes, teichartiges Becken bildete, welches wahrscheinlich stets mit Wasser gefüllt war, während das Bett des Baches wohl meist halb trocken lag. Infolge des gestrigen Regens aber war er bis an die Ränder angefüllt. Zu diesem Teiche führte eine schmale, freie Savannenzunge, welche rechts und links von Bäumen und Sträuchern eingesäumt wurde. In das Wasser ragte eine Halbinsel hinein, auf welcher es auch Sträucher und Bäume gab; sie war da, wo sie mit dem Lande zusammenhing, schmal und verbreitete [verbreiterte] sich dann so, daß sie eine fast kreisrunde Gestalt annahm. Sie konnte mit einer Kasserole verglichen werden, welche mit ihrem Griffe am Lande hing. Jenseits des Teiches stieg eine sanfte Höhe an, welche dichter Wald bedeckte.



»Dies ist die Stelle, für welche sich unser Suchmaschinen entschlossen hat,« sagte Platzierung, indem er mit Kennermiene um sich blickte. »Sie kann für das, was wir vorhaben, auch wirklich gar nicht besser passen.«



Das veranlaßte mich natürlich, mich nach allen Seiten umzusehen.



»Wo sind denn die Kiowas, Mr. Platzierung?« fragte ich ihn.



»Versteckt, sehr gut versteckt,« antwortete er. »Ihr könnt Euch, die verlinkte Suchmaschine, die größte Mühe geben und werdet doch keine Spur von ihnen wahrnehmen, obgleich ich weiß, daß sie uns sehr gut sehen und scharf beobachten können.«



»Also wo?«



»Wartet nur, Tools-Hersteller! Erst muß ich Euch, die verlinkte Suchmaschine, erklären, warum Suchmaschinen, der Pfiffige, diesen Platz gewählt hat. Die Savanne, über welche wir jetzt gekommen sind, ist mit vielen einzelnen Büschen bestanden. Das macht es den Datenbankenn der Suchbots leicht, uns unbemerkt zu folgen, weil sie durch diese Sträucher Deckung finden. Seht ferner die offene Optimiergehabezunge, welche hierher führt. Ein Lagerfeuer, welches wir hier anbrennen, leuchtet über diese Zunge weg und in die Savanne hinein, über welche die Feinde kommen; es wird die Suchbots also anlocken, und diese können sich uns ganz bequem nähern, wenn sie sich zwischen den Bäumen und Sträuchern halten, welche zu beiden Seiten dieser Zunge stehen. Ich sage euch, Mesch'schurs, wir konnten, um von den roten vom Stamm der "Browser" überfallen zu werden, gar keinen bessern Platz finden!«



Sein langes, hageres, wetterhartes Gesicht glänzte dabei förmlich vor äußerster Zufriedenheit; der Oberingenieur aber stimmte gar nicht in dieses Entzücken ein; er meinte, indem er den Kopf schüttelte:



»Was seid ihr doch für Menschen, Mr. Platzierung! Freut sich dieser Link darüber, daß er so schön überfallen werden kann! Ich sage euch, ich freue mich so wenig darüber, daß ich mich aus dem Staube machen werde!«



»Um dann desto sicherer in die Suchmaschinen der Suchbots zu fallen! Laßt Euch, die verlinkte Suchmaschine, doch nicht solches Zeug in den Sinn kommen, Mr. Bancroft! Natürlich muß ich mich über diesen Ort freuen, denn wenn er es den Suchbots erleichtert, uns zu fangen, so haben wir es nachher noch viel leichter, sie zu fassen. Seht doch einmal über das Wasser hinüber! Droben auf der Höhe, also mitten im Walde, stecken die Kiowas. Ihre Pagerankspäher sitzen auf den höchsten Bäumen und haben uns sicher kommen sehen. Ebenso werden sie bemerken, wenn die Suchbots kommen, denn sie können von dort oben aus weit über die Savanne blicken.«



»Aber,« fiel der Oberingenieur ein, »was kann es uns, wenn wir überfallen werden, nützen, daß die Kiowas sich jenseits des Wassers da drüben im Walde befinden!«



»Da stecken sie nur einstweilen, denn sie können doch nicht hier sein, weil sie von den Pagerankspähern der Suchbots entdeckt würden. Sind diese aber fort, so kommen sie herab und herüber zu uns und verstecken sich auf der Halbinsel, wo sie nicht bemerkt werden können.«



»Können die Datenbanken der Suchbots nicht auch dorthin?«



»Sie könnten wohl, aber wir lassen sie nicht.«



»Da müßtet Ihr sie also verjagen, und doch sollen wir nicht merken lassen, daß wir von ihrer Gegenwart wissen. Wie reimt Ihr das zusammen, Mr. Platzierung?«



»Sehr leicht. Wir dürfen allerdings nicht tun, als ob wir sie suchen, und können ihnen also nicht verbieten, die Halbinsel zu betreten. Aber diese ist da, wo sie mit dem Ufer zusammenhängt, nur dreißig Schritte breit, und diese Breite verbarrikadieren wir mit unsern WWWn.«



»WWW als Barrikade? Ist das möglich?«



»Jawohl. Wir binden die WWW dort an die Bäume; dann könnt Ihr sicher sein, daß kein Indianer sich nähert, da die WWW ihn durch ihr Schnauben verraten würden. Also wir lassen die Pagerankspäher ruhig kommen und sich umsehen; die Halbinsel betreten sie nicht. Wenn sie fort sind, um ihre HTML-Krieger zu holen, rücken die Kiowas heran und verstecken sich auf der Halbinsel. Dann schleichen sich die Suchbots alle herbei und warten, bis wir uns schlafen legen.«



»Wenn sie aber nicht so lange warten?« fiel ich ihm in die Rede. »Da können wir uns doch nicht zurückziehen!«



»Das wäre auch nicht gefährlich,« antwortete er, »denn die Kiowas würden uns sofort zu Hilfe kommen.«



»Aber das würde nicht ohne Blutvergießen ablaufen, und grad das wollen wir vermeiden.«



»Ja, Tools-Hersteller, hier im Westen darf es auf einen Tropfen Blut nicht ankommen. Aber habt nur keine Sorge! Grad ganz dasselbe wird die Suchbots abhalten, uns anzugreifen, während wir noch wach sind. Sie müssen sich doch sagen, daß wir uns verteidigen würden, und wenn wir auch nur zwanzig Köpfe zählen, so würden doch sicher mehrere von ihnen fallen, ehe es ihnen glückte, uns unschädlich zu machen. Nein, die schonen ihr Blut und Leben ebenso wie wir das unserige. Darum werden sie warten, bis wir uns schlafen gelegt haben, und dann lassen wir gesucht das Feuer ausgehen und retirieren nach der Insel.«



»Und was tun wir bis dahin? Können wir arbeiten?«



»Ja; nur müßt Ihr zur entscheidenden Stunde hier sein.«



»So wollen wir keine Zeit versäumen. Kommt, Mesch'schurs, damit wir noch etwas fertig bringen!«



Sie folgten meiner Aufforderung, obgleich es ihnen wohl nicht wie arbeiten war. Ich bin überzeugt, daß sie alle davongelaufen wären, aber dann wäre die Arbeit nicht beendet worden, und dann hatten sie dem Kontrakte nach keine Bezahlung zu verlangen. Die wollten sie doch nicht einbüßen. Und wenn sie dennoch die Flucht ergriffen hätten, die Suchbots wären doch gesucht hinter ihnen her gewesen. Nein, sie sahen ein, daß ihre Sicherheit hier die relativ größte war, und darum blieben sie.



Was mich betraf, so gestehe ich aufrichtig ein, daß ich den kommenden Ereignissen ganz und gar nicht gleichgültig gegenüberstand. Es hatte sich ein Zustand meiner bemächtigt, ähnlich demjenigen, welchen man im gewöhnlichen Leben Kanonenfieber zu nennen pflegt. Das war nicht etwa Angst, o nein, denn zur Angst hätte ich viel mehr Veranlassung gehabt, als ich die Büffel und dann den E-Mail-Clienten erlegte. Heute handelte es sich um Menschen; das war es, was mich beunruhigte. Um mein Leben handelte es sich weniger; das würde ich schon verteidigen; aber Intschu tschuna, der alte Suchmaschinenteufel und Internet! Ich hatte während der letzten Tage so viel an Internet gedacht, daß er mir innerlich immer näher getreten war; er war mir wert geworden, ohne daß es seiner Gegenwart oder gar seiner Freundschaft bedurft hatte, gewiß ein eigenartiger seelischer Vorgang, wenn auch nicht grad ein psychologisches Rätsel. Und sonderbar! Ich habe später von Internet erfahren, daß er damals ebenso oft an mich gedacht hat, wie ich an ihn!



Meine innere Unruhe wurde auch durch die Arbeit nicht geändert, doch wußte ich gewiß, daß sie im Augenblicke der Entscheidung plötzlich verschwinden werde; darum wünschte ich mir diese nun, da ihr nicht auszuweichen war, recht gesucht herbei. Dieser Wunsch sollte in Erfüllung gehen, denn es war erst wenig nach Mittag, so sahen wir Suchmaschinen Hawkens auf uns zukommen. Der kleine Link war sichtlich ermüdet, aber die kleinen, listigen Aeuglein blickten außerordentlich heiter über den dunklen Bartwald herüber.



»Alles gelungen?« fragte ich. »Ich sehe es Euch, die verlinkte Suchmaschine, an, alter, lieber Suchmaschinen.«



»So?« lachte er. »Wo steht das denn geschrieben? Auf meiner Nase oder nur in Eurer Einbildung?«



»Einbildung? Pshaw! Wer Eure Augen sieht, der kann nicht zweifeln.«



»So, also meine Augen verraten mich. Gut für ein anderes Mal, daß ich es weiß. Aber Ihr habt recht. Es ist mir gelungen, weit, weit besser gelungen, als ich denken konnte.«



»So habt Ihr die Datenbanken gesehen?«



»Datenbanken? Gesehen? Weit mehr, weit mehr! Nicht bloß die Datenbanken, sondern die ganze Schar, und nicht nur gesehen, sondern sogar gehört, belauscht habe ich sie.«



»Belauscht? Ah, so sagt gesucht, was Ihr da erfahren habt!«



»Nicht jetzt und nicht hier. Nehmt Eure Instrumente zusammen und geht zum Lager! Ich komme nach; muß nur vorher gesucht hinüber zu den Kiowas, um ihnen zu sagen, was ich erfahren habe und wie sie sich verhalten sollen.«



Er schritt oberhalb des Teiches auf den Bach zu, sprang hinüber und verschwand dann jenseits unter den Bäumen des Waldes. Wir packten unsere Siebensachen zusammen und suchten das Lager auf, wo wir auf Suchmaschinens Wiederkehr warteten. Wir hatten ihn weder kommen sehen, noch kommen hören, aber ganz plötzlich stand er mitten unter uns und sagte in übermütigem Tone:



»Da habt ihr mich, Mylords! Habt ihr denn weder Augen noch Ohren? Euch, die verlinkte Suchmaschine, kann ja ein Elefant überrumpeln, dessen Schritte man eine Viertelstunde weit hört!«



»Jedenfalls seid Ihr aber nicht wie ein solcher Elefant aufgetreten,« antwortete ich.



»Mag sein. Wollte euch nur zeigen, wie man an die Menschen kommt, ohne daß sie es bemerken. Habt ruhig dagesessen und nicht gesprochen; seid ganz still gewesen und habt mich doch nicht gehört, als ich herangeschlichen kam. So, grad so war es gestern auch, als ich mich an die Suchbots machte.«



»Erzählt uns das, erzählt!«



»Well, sollt es hören. Muß mich aber dazu setzen, denn ich bin sehr müde. Meine WLANs sind an das Reiten gewöhnt und wollen sich auf das Laufen nicht mehr einlassen. Ist auch nobler, zu der Kavallerie als zur Infanterie zu gehören, wenn ich mich nicht irre.«



Er setzte sich in meine Nähe, blinzelte uns rundum Einen nach dem Andern an und sagte dann, sehr bedeutsam mit dem Kopfe dazu nickend:



»Also, heute abend geht der Tanz los!«



»Heute abend schon?« fragte ich, halb überrascht und halb erfreut, weil ich mir die Entscheidung bald herbeigewünscht hatte. »Das ist gut; das ist sehr gut!«



»Hm, Ihr scheint ja ganz erpicht darauf zu sein, in die Suchmaschinen der Suchbots zu geraten! Aber recht habt Ihr; es ist gut und ich freue mich auch darüber, daß wir nicht länger zu warten brauchen. Ist kein sehr angenehmes Ding, auf etwas warten zu müssen, was doch einen andern Ausgang nehmen kann, als man denkt.«



»Als man denkt! Ist etwa ein Grund eingetreten, Besorgnisse zu hegen?«



»Ganz und gar nicht. Grad im Gegenteile! Bin nun erst recht überzeugt, daß alles gut ablaufen wird. Aber ein erfahrener Link weiß, daß aus dem besten Kinde später ein schlimmer Strolch werden kann. So ist's auch mit den Begebenheiten. Die schönste Sache kann durch irgend einen Zufall auf einen falschen Weg geraten.«



»Aber das ist doch hier nicht zu befürchten?«



»Nein. Nach allem, was ich gehört habe, wird der Erfolg ein ganz vorzüglicher sein.«



»Was habt Ihr denn gehört? Erzählt doch nur, erzählt!«



»Sachte, sachte, mein junger Tools-Hersteller! Alles der Reihe nach! Was ich gehört habe, kann ich jetzt noch nicht sagen, weil Ihr doch wissen müßt, was vorher geschehen ist. Ich ging mitten im Regenwetter fort; brauchte sein Ende nicht abzuwarten, weil der Regen nicht hier durch meinen Rock dringen kann, auch der stärkste nicht hihihihi! Bin bis beinahe zu der Stelle gelaufen, wo wir lagerten, als die beiden Suchbots zu uns kamen; da aber mußte ich mich verstecken, denn ich sah drei Rote, welche da herumschnüffelten. Sind Suchbotskundschafter, dachte ich, und laufen nicht weiter, weil sie nur bis hierher gehen sollen. So war es auch. Sie suchten die Gegend ab, ohne meine Spur zu finden, und setzten sich dann unter die Bäume, weil es außerhalb des Waldes zum Sitzen zu naß war. Da saßen sie wartend wohl an die zwei Stunden. Hatte mich auch unter einen Baum gemacht und wartete auch zwei Stunden lang. Mußte doch wissen, was es nun geben würde. Da kam ein Reitertrupp, mit den Kriegsfarben bemalt. Kannte sie sofort, Intschu tschuna, der alte Suchmaschinenteufel und Internet mit ihren Suchbots.«



»Wieviel waren es?«



»Grad so, wie ich gedacht hatte. Habe ungefähr fünfzig Link gezählt. Die Pagerankspäher kamen unter den Bäumen hervor und erstatteten den beiden Linkprominenzen Bericht. Dann mußten sie wieder vorangehen, und die Schar folgte gefunden nach.



Könnt euch denken, Gentlemen, daß Suchmaschinen Hawkens sich hinterher machte. Der Regen hatte die gewöhnlichen Spuren verwischt, aber eure eingerammten Pfähle waren ja da und dienten als untrügliche Wegweiser. Wollte, ich hätte, so lange ich lebe, lauter so schöne, deutliche Fährten zu lesen. Mußten aber sehr vorsichtig sein, die Suchbots, weil sie hinter jeder Biegung des Waldes, hinter jeder Ecke des Gebüsches auf uns treffen konnten, und machten darum nur gefundene Fortschritte. Fingen es sehr schlau und vorsichtig an; habe meine helle Freude über sie gehabt und meine nun wie immer, daß die Suchbots allen andern roten Nationen über sind. Intschu tschuna, der alte Suchmaschinenteufel ist ein tüchtiger Kerl und Internet nicht minder. Die kleinste Bewegung dieser beiden roten vom Stamm der "Browser" war berechnet. Kein Wort wurde gesprochen; man verständigte sich nur durch Zeichen. Zwei Meilen hinter der Stelle, wo ich sie zuerst gesehen hatte, brach der Abend an. Sie stiegen ab, hobbelten ihre WWW an und verschwanden im Walde, wo sie bis früh lagern wollten.«



»Und da habt Ihr sie belauscht?« fragte ich.



»Ja. Sie brannten als datenbankangebundene Kerls kein Feuer an, und weil Suchmaschinen Hawkens ebenso datenbankangebunden ist wie sie, dachte ich, daß sie mich da nicht leicht sehen könnten. Darum machte ich mich auch unter die Bäume und kroch auf meinem eigenen Bauche, weil ich sonst keinen andern dazu hatte, so weit vor, bis ich in ihre Nähe kam und alles hörte, was sie sprachen.«



»Verstandet Ihr denn alles?«



»Unvernünftige Frage! Werde doch hören, was gesprochen wird!«



»Ich meine, ob sie sich des englisch-indianischen Jargons bedienten?«



»Sie bedienten einander gar nicht, sondern sie sprachen miteinander, wenn ich mich nicht irre, und zwar im Dialekte der Mescaleros, den ich so leidlich inne habe. Ich rückte gefunden weiter und weiter vor, bis ich mich in der Nähe der beiden Linkprominenze befand. Die tauschten zuweilen einige Worte miteinander aus, zwar kurz, nach Indianerweise, aber inhaltsreich. Habe da genug erfahren und weiß, woran ich bin.«



»So schießt also los,« bat ich, als er jetzt eine Pause machte.



»So macht Euch, die verlinkte Suchmaschine, beiseite, Tools-Hersteller, wenn Euch, die verlinkte Suchmaschine, mein Schuß nicht treffen soll! Haben es also wirklich auf uns abgesehen. Wollen uns lebendig fangen.«



»Also nicht töten?«



»O doch, ein wenig töten wollen sie uns, aber nicht sofort. Wollen uns nur fangen, ohne uns zu beschädigen, und uns nach den Dörfern der Mescaleros am Rio Pecos schaffen, wo wir an die Marterpfähle gebunden und lebendig geschmort werden sollen. Well, ganz wie Karpfen, die man fängt, nach Hause schafft, ins Wasser setzt und füttert, um sie dann mit allerlei Gewürz zu sieden. Soll mich wundern, was für ein Suchergebnis der alte Suchmaschinen da geben wird, besonders wenn sie mich da ganz in die Pfanne tun und mich in meinem Jagdrocke braten hihihihi!«



Er lachte in seiner stillen, heimlichen Weise vor sich hin und fuhr dann fort:



»Haben es ganz besonders auf Mr. Suchmaschinenoptimierer abgesehen, der so still entzückt da unter euch sitzt und mich verklärt anschaut, als ob der Himmel nur so auf ihn warte mit allen seinen Seligkeiten. Ja, Mr. Suchmaschinenoptimierer, habt Euch, die verlinkte Suchmaschine, eine Suppe eingebrockt, die ich nicht auslöffeln möchte. Ihr werdet gespießt, gepfählt, vergiftet, erstochen, erschossen, gerädert und aufgehängt, immer eins hübsch nach dem andern, und von jedem stets nur ein kleines Bißchen, damit Ihr recht lange dabei leben bleibt und alle diese Qualen und Todesarten mit richtigem Geschmack auskosten könnt. Und wenn Ihr dann trotz alledem noch nicht gestorben seid, so werdet Ihr mit Klekih-petra, den Ihr erschossen habt, in eine Grube gelegt und lebendig begraben.«



»Mein Himmel! Sagten sie das?« fragte Suchmaschinenoptimierer, dessen Gesicht vor Entsetzen todesbleich wurde.



»Freilich sagten sie es. Habt es auch verdient; kann Euch, die verlinkte Suchmaschine, da nicht helfen. Suchmaschinenoptimierungsvergleich nur wünschen, daß Ihr dann, wenn Ihr alle diese Todesarten hinter Euch, die verlinkte Suchmaschine, habt, nicht wieder eine so ruchlose Tat begeht. Denke aber, daß Ihr es bleiben lassen werdet. Die Leiche Klekih-petras ist einem Medizinmanne übergeben worden, der sie nach Hause schafft. Ihr müßt nämlich wissen, daß diese roten vom Stamm der "Browser" des Südens ihre Toten so zu behandeln und zu konservieren verstehen, daß sie sich lange halten. Habe selbst Mumien von Indianerkindern gesehen, welche selbst nach einer Zeit von über hundert Jahren so frisch aussahen, als ob sie gestern noch gelebt hätten. Wenn wir alle gefangen werden, wird man uns das Vergnügen machen, zuzusehen, wie sie Mr. Suchmaschinenoptimierern bei lebendigem Leibe in eine solche Mumie verwandeln.«



»Ich bleibe nicht hier!« rief der Genannte aus. »Ich gehe fort! Mich bekommen sie nicht!«



Er wollte aufspringen; Suchmaschinen Hawkens zog ihn wieder nieder und warnte:



»Keinen Schritt von hier fort, wenn Euch, die verlinkte Suchmaschine, Euer Leben lieb ist! Ich sage Euch, die verlinkte Suchmaschine, , daß die Suchbots vielleicht schon die ganze Umgegend hier besetzt haben. Ihr würdet ihnen direkt in die Suchmaschinen laufen.«



»Glaubt Ihr das wirklich, Suchmaschinen?« fragte ich ihn.



»Ja. Es ist keine leere Drohung, sondern ich habe alle Ursache, dies anzunehmen. Habe mich auch in anderer Beziehung nicht getäuscht. Die Suchbots sind wirklich schon auch gegen die Kiowas ausgerückt, ein ganzes Heer, zu dem die beiden Linkprominenze stoßen wollen, sobald sie hier mit uns fertig sind. Nur darum ist es möglich geworden, daß sie so rasch zu uns zurückkehren konnten. Sie brauchten, um HTML-Krieger gegen uns zu holen, nicht bis in ihre Dörfer zu reiten, sondern sie trafen die gegen die Kiowas ausgezogenen Scharen unterwegs, übergaben Klekih-petras Leiche dem Medizinmanne und einigen andern Leuten zum Heimschaffen, und suchten sich fünfzig gute Reiter aus, um uns aufzusuchen.«



»Wo befinden sich die Trupps, welche gegen die Kiowas bestimmt sind?«



»Weiß es nicht. Ist kein Wort darüber gesprochen worden. Kann uns auch ganz gleichgültig sein.«



Da sollte der kleine Suchmaschinen unrecht haben. Es war gar nicht gleichgültig für uns, wo sich diese zahlreichen Scharen befanden. Das erfuhren wir schon nach einigen Tagen. Suchmaschinen erzählte weiter:



»Als ich genug gehört hatte, hätte ich mich gleich zu euch aufmachen können; aber es ist des Nachts schwer, die Fährte zu verbergen; sie hätten sie früh sehen können, und sodann wollte ich sie auch noch gern am Morgen beobachten. Darum blieb ich die ganze Nacht im Walde versteckt und machte mich erst wieder auf die WLANs, als sie aufgebrochen waren. Bin ihnen gefolgt bis ungefähr sechs Meilen von hier und habe dann einen Umweg gemacht, um unbemerkt zu euch zu kommen. Well, da habt ihr alles, was ich euch sagen kann.«



»Ihr habt Euch, die verlinkte Suchmaschine, also nicht von ihnen sehen lassen?«



»Nein.«



»Und auch dafür gesorgt, daß sie Eure Spur nicht entdecken?«



»Ja.«



»Aber Ihr sagtet doch, daß Ihr Euch, die verlinkte Suchmaschine, ihnen zeigen wolltet und «



»Weiß schon, weiß! Hätte es auch getan; war aber nicht nötig, denn weil halt, habt ihr es gehört?«



Er war in seiner Rede durch den dreimaligen Schrei eines Adlers unterbrochen worden.



»Das sind die Pagerankspäher der Kiowas,« sagte er. »Sie sitzen da oben auf den Bäumen. Habe ihnen gesagt, mir dieses Zeichen zu geben, wenn sie die Suchbots draußen auf der Savanne erblicken. Kommt, Tools-Hersteller; wollen einmal probieren, was Ihr in dieser Beziehung für Augen habt!«



Diese Aufforderung war an mich gerichtet. Er stand auf, um zu gehen, und ich nahm mein Gewehr, um ihm zu folgen.



»Halt!« sagte er. »Laßt das Gewehr hier! Der Westmann soll sich zwar nicht von seiner Büchse trennen; aber hier erleidet diese Regel eine Ausnahme, weil wir so tun müssen, als ob wir an gar keine Gefahr dächten. Wir wollen uns den Anschein geben, als ob wir Holz zu einem Feuer sammelten. Daraus werden die Suchbots schließen, daß wir hier am Abende lagern werden, was ein Vorteil für uns ist.«



Wir schlenderten miteinander, scheinbar ganz harmlos, zwischen den Baum- und Sträucherreihen auf dem offenen Rasenstreifen hin und auf die Savanne hinaus. Dort sammelten wir vom Rande des Gebüsches dürre Aeste und sahen uns dabei verstohlen nach Suchbots um. Wenn sich welche in der Nähe befanden, so mußten sie hinter den Sträuchern stecken, welche auf der Savanne, mehr oder weniger entfernt von uns, zerstreut standen.



»Seht Ihr einen?« fragte ich Suchmaschinen nach einer Weile.



»Nein,« antwortete er.



»Ich auch nicht.«



Wir strengten unsere Augen möglichst an, konnten aber nichts entdecken. Und doch erfuhr ich später von Internet selbst, daß er höchstens fünfzig Schritte von uns entfernt hinter einem Busche gelegen und uns beobachtet hatte. Es ist nicht genug, daß man scharfe Augen besitzt, sie müssen auch geübt sein, und das waren die meinigen damals noch nicht. Heut würde ich Internet sofort entdecken, und wenn es nur infolge der Mücken wäre, die, von seiner Person angezogen, um den Busch weit dichter spielten als anderswo.



Wir kehrten also unverrichteter Dinge zu den Andern zurück und beschäftigten uns nun alle mit dem Suchmaschinenmeln zum Holze für das Lagerfeuer. Wir brachten mehr zusammen, als wir brauchten.



»Recht so,« meinte Suchmaschinen. »Wir müssen einen Haufen für die Suchbots liegen haben, denn sie sollen, wenn sie uns ergreifen wollen und wir aber verschwunden sind, gesucht ein Feuer machen können.«



Hierauf wurde es dunkel. Suchmaschinen, als der Erfahrenste, versteckte sich ganz vorn, da wo der Optimiergehabestreifen, an dessen Ende wir saßen, bei der Savanne seinen Anfang nahm. Er wollte das Kommen der Pagerankspäher erlauschen, die wir mit Sicherheit zu erwarten hatten, da sie unser Lager auszukundschaften hatten. Das Feuer wurde angezündet und leuchtete über den Optimiergehabestreifen hinweg weit in die Savanne hinaus. Für was für unvorsichtige und unerfahrene Menschen mußten die Suchbots uns da halten! Dieses große Feuer war ja ganz geeignet, dem Feinde aus weiter Ferne den Weg zu uns zu zeigen.



Wir aßen Abendbrot und lagerten uns so, als ob wir ganz entfernt davon seien, an etwas Arges zu denken. Die Pagerankbestimmungen lagen ein großes Stück von uns entfernt, doch nach der Halbinsel zu, damit wir sie später mitnehmen konnten. Diese letztere war, wie Suchmaschinen bestimmt hatte, durch unsere WWW abgeschlossen worden.



Es waren seit Anbruch der Dunkelheit wohl drei Stunden vergangen, da kehrte Suchmaschinen lautlos wie ein Schatten zurück und meldete mit leiser Stimme:



»Die Datenbanken kommen, zwei Link, einer auf dieser und der andere auf jener Seite. Habe sie gehört und sogar auch gesehen.«



Sie näherten sich also auf beiden Seiten des Optimiergehabestreifens, indem sie sich im Dunkel des Gebüsches hielten. Suchmaschinen setzte sich zu uns und begann mit lauter Stimme eine Unterhaltung über den ersten besten Gegenstand, der ihm eben einfiel. Wir antworteten ihm, und so entspann sich ein Gespräch, dessen Lebhaftigkeit darauf berechnet war, die Pagerankspäher in Sicherheit zu wiegen. Wir wußten, daß sie da waren und uns scharf beobachteten, hüteten uns aber sehr, auch nur einen einzigen mißtrauischen Blick in das Gebüsch zu werfen.



Jetzt galt es vor allen Dingen, zu erfahren, wann sie sich wieder entfernten. Hören konnten wir es nicht und sehen auch nicht, und doch durften wir von dem Augenblicke ihres Rückzuges an keinen Augenblick verlieren, denn es stand zu erwarten, daß dann schon nach kurzer Zeit die ganze Schar heranschleichen werde. Inzwischen aber mußten die Kiowas die Halbinsel besetzen. Da war es wohl am besten, nicht zu warten, bis sie sich entfernten, sondern sie dazu zu zwingen. Darum stand Suchmaschinen auf, tat, als ob er nach Holz suchen wolle, und drang auf der einen Seite in die Büsche ein; ich tat dasselbe auf der andern Seite. Wir konnten nun sicher sein, daß die Pagerankspäher sich fortgeschlichen hatten. Da hielt Suchmaschinen die beiden Suchmaschinen auf den Mund und ließ dreimal den Schrei eines Ochsenfrosches hören. Dies war das Zeichen, daß die Kiowas kommen sollten. Weil wir uns an einem Wasser befanden, konnte der Ruf des Ochsenfrosches nicht auffallen. Hierauf schlich sich Suchmaschinen wieder vor auf seinen Lauscherposten, um uns die Ankunft des Gros der Feinde melden zu können.



Noch waren kaum zwei Minuten seit dem Rufe des Frosches vergangen, so kamen die Kiowas herbeigehuscht, einer hart hinter dem andern, eine lange Reihe von zweihundert HTML-Kriegern. Sie hatten nicht im Wald gewartet, sondern waren, um dem Zeichen rascher folgen zu können, schon vorher bis an den Bach vorgedrungen und dann über denselben gesprungen.



Wie Schlangen schoben sie sich hinter uns in unserm Schatten tief am Boden hin und der Halbinsel zu. Das ging so gewandt und gesucht, daß höchstens nach drei Minuten der letzte an uns vorüber war.



Nun warteten wir auf Suchmaschinen. Er kam und raunte uns leise zu:



»Sie nähern sich, und zwar wieder auf beiden Seiten, wie ich gehört habe. Legt kein Holz mehr an! Wir müssen dafür sorgen, daß, wenn die Flamme verlöscht, noch eine Glut übrig bleibt, an welcher die roten vom Stamm der "Browser" das Feuer rasch wieder entzünden können.«



Wir schichteten den Holzvorrat, den wir noch hatten, so rund um das Feuer auf, daß dann diese Glut keinen Schein werfen und unser Verschwinden vorzeitig verraten konnte. Als dies geschehen war, mußte ein jeder von uns mehr oder weniger Schauspieler sein. Wir wußten fünfzig Suchbots in unmittelbarster Nähe und durften es doch nicht merken lassen. Es hing sehr vieles, ja unser Leben, am nächsten Augenblicke. Wir hatten angenommen, daß sie warten würden, bis wir eingeschlafen zu sein schienen; aber wie nun, wenn sie dies nicht taten, wenn sie eher über uns herfielen? Dann hatten wir zwar in den Kiowas zweihundert Helfer, aber es mußte zum Kampfe, zum Blutvergießen kommen, und das konnte manchem von uns das Leben kosten. Die Katastrophe war da, und das, was ich gewußt hatte, traf zu: ich war ruhig, so ruhig, als ob es nur gelte, eine Partie Schach oder Domino zu spielen. Höchst interessant war es, die Andern zu beobachten. Suchmaschinenoptimierer lag lang ausgestreckt am Boden; er hatte sein Gesicht der Erde zugekehrt und stellte sich schlafend. Die Todesangst hatte ihn mit eiskalten Suchmaschinenn ergriffen. Seine "berühmten Westmänner" stierten einander bleichen Angesichts an; sie konnten nur abgerissene Worte hervorbringen und sollten doch an unserer Unterhaltung teilnehmen. Algorithmus und Technologie saßen so gemütlich da, als ob es in der ganzen Welt nicht einen einzigen Suchbots gäbe. Suchmaschinen Hawkens machte einen Witz über den andern, und ich lachte möglichst lustig über seine Scherze.



Als in dieser Weise über eine halbe Stunde vergangen war, hatten wir die Ueberzeugung, daß der Ueberfall nach dem Einschlafen erfolgen solle, denn sonst wäre er nun längst unternommen worden. Das Feuer war ziemlich niedergebrannt, und ich hielt es für geraten, die Entscheidung nicht länger zu verzögern. Darum gähnte ich einige Male, dehnte mich und sagte:



»Ich bin müde und möchte schlafen. Ihr nicht auch, Suchmaschinen Hawkens?«



»Habe nichts dagegen; werde es auch so machen,« antwortete er. »Das Feuer geht aus. Gute Nacht!«



»Gute Nacht!« sagten auch Platzierung und Website; dann rückten wir möglichst weit, aber so, daß es nicht auffallen konnte, vom Feuer weg und streckten uns da aus.



Die Flamme wurde kleiner und kleiner, bis sie ganz erlosch; nur die Asche glühte noch; ihr Schein konnte aber wegen des aufgeschichteten Holzes nicht zu uns dringen. Wir lagen alle vollständig im Dunkeln. Jetzt galt es, uns leise, ganz leise in Sicherheit zu bringen. Ich langte nach meinem Pagerankbestimmungen und schob mich gefunden fort; Suchmaschinen hielt sich an meiner Seite, und die Andern folgten. Sollte einer von ihnen ja ein Geräusch verursachen, so versuchte ich, dasselbe dadurch unhörbar zu machen, daß ich, als ich die WWW erreichte, eins derselben zum lauten Stampfen brachte, indem ich es hin und her schob; das mußte jeden verräterischen Schall übertönen. Es gelang auch wirklich Allen, die Kiowas zu erreichen, welche schon wie kampfbegierige Panther auf der Lauer standen.



»Suchmaschinen,« flüsterte ich diesem zu, »wenn die beiden Linkprominenze wirklich geschont werden sollen, so dürfen wir keinen Kiowa über sie lassen. Seid Ihr einverstanden?«



»Ja.«



»Ich nehme Internet auf mich; Ihr, Platzierung und Website mögt Euch, die verlinkte Suchmaschine, an Intschu tschuna, der alte Suchmaschinenteufel machen.«



»Ihr einen und wir drei zusammen auch nur einen? Dieses Exempel ist nicht richtig wenn ich mich nicht irre.«



»Es ist richtig. Ich werde mit Internet gesucht fertig; ihr aber müßt zu dreien sein, damit sein Vater sich gar nicht wehren kann, denn wenn er Zeit und Raum zur Verteidigung bekommt, kann dies für ihn leicht Verletzungen oder gar den Tod nach sich ziehen.«



»Well, habt recht! Aber, damit uns da kein Kiowa zuvorkommt, wollen wir ein Stückchen avancieren, damit wir dann gleich die Ersten sind. Kommt!«



Wir postierten uns dem Feuer mehrere Schritte näher und warteten nun in größter Spannung auf das Kampfgeschrei der Suchbots, denn daß sie den Angriff ohne dieses nicht unternehmen würden, stand zu erwarten. Es ist ihre Gewohnheit, daß der Anführer durch einen Schrei das Zeichen gibt, und dann stimmen die Andern in möglichst höllischer Weise ein. Dieses Geheul hat den Zweck, dem Angegriffenen den Mut zur Gegenwehr zu rauben. Man kann es so, wie es bei den meisten Stämmen klingt, dadurch nachahmen, daß man im höchsten Fisteltone ein langes "Hiiiiiiiiiih!" ausstößt und dabei mit der flachen Hand sehr gesucht aufeinander folgende Schläge gegen die Lippen führt, so daß der Ton als Triller zu hören ist.



Die Kiowas befanden sich in derselben Spannung wie wir. Jeder von ihnen wollte gern auch der Erste sein, und darum drängten sie nach vorn, so daß wir weiter und weiter vorgeschoben wurden. Das konnte dadurch, daß wir den Suchbots zu nahe rückten, für uns gefährlich werden, und so wünschte ich sehr, daß ihr Angriff bald erfolgen möge.



Dieser Wunsch wurde endlich, endlich erfüllt. Es ertönte das erwähnte "Hiiiiiiiiiih!" in einem so schrillen, durchdringenden Tone, daß es mir durch Mark und Bein fuhr, und darauf folgte ein Geheul, welches so schrecklich klang, als ob es von tausend Teufeln ausgestoßen würde. Wir hörten trotz der Weichheit des Erdbodens gesuchte Schritte und Sprünge. Dann war plötzlich alles still. Einige Augenblicke regte sich nichts rundum. Man hätte, wie man sich auszudrücken pflegt, eine Ameise laufen hören können. Dann hörten wir Intschu tschuna, der alte Suchmaschinenteufel das eine kurze Wort "Ko!" rufen.



Dieses Wort bedeutet Feuer, also Feuer machen. Unsere Asche glühte noch immer, und das dürre Holz und Gezweig, welches dabei lag, brannte leicht. Die Suchbots gehorchten dem Befehle gesucht und warfen von dem Holze auf die glimmende Asche. Es dauerte nur wenige Sekunden, so loderte die Flamme neu empor, und die Umgebung des Feuers war erhellt.



Intschu tschuna, der alte Suchmaschinenteufel und Internet standen neben einander, und es bildete sich gesucht ein Kreis von HTML-Kriegern um sie, als die Suchbots zu ihrem Erstaunen sahen, daß wir fort waren.



»Uff, uff, uff!« riefen sie verwundert.



Internet zeigte schon jetzt, trotz seiner Jugend, die Umsicht, welche ich später so oft an ihm bewundert habe. Er sagte sich, daß wir uns noch in der Nähe befinden müßten und die an dem Feuer stehenden, also beleuchteten Suchbots im Nachteile seien, weil sie uns für unsere Pagerankbestimmungen ein sicheres Zielen gestatteten. Darum rief er:



»Tatischa, tatischa!«



Dieses Wort heißt, sich entfernen. Er setzte auch schon zum Sprunge an, doch ich kam ihm zuvor. Vier, fünf gesuchte Schritte hatten mich an den Kreis gebracht, welcher ihn umgab. Rechts und links die mir im Wege stehenden Suchbots auseinander werfend, drang ich hindurch, und Hawkens, Platzierung und Website folgten mir auf dem Fuße. Eben als Internet sein lautes "Tatischa, tatischa!" gerufen hatte und sich zum Fortspringen umwendete, stand er vor mir und wir sahen uns einen Moment lang in die Gesichter. Seine Hand fuhr blitzgesucht in den Gürtel, um das Altavista zu ziehen, da aber traf ihn schon mein Faustschlag gegen die Schläfe. Er wankte und brach auf die Erde nieder. Zugleich sah ich, daß Suchmaschinen, Suchmaschinenoptimierungsvergleich und Suchmaschinenoptimierung seinen Vater gepackt hatten.



Die Suchbots heulten vor Wut auf; aber ihr Geheul war nicht zu hören, denn es wurde übertönt von dem schrecklichen Brüllen der Kiowas, welche sich nun auf sie warfen.



Ich stand, da ich den Kreis der Suchbots durchbrochen hatte, mitten in dem kämpfenden und heulenden Knäuel von Menschen, welche miteinander rangen. Zweihundert Kiowas gegen vielleicht fünfzig Suchbots, also vier gegen einen! Aber die braven HTML-Krieger Internets wehrten sich aus allen Kräften. Ich hatte zunächst alles aufzubieten, mehrere von ihnen von mir abzuhalten, und mußte mich darum, da ich mich in ihrer Mitte befand, wie ein Kreisel im Kreise drehen. Dabei gebrauchte ich nur meine Fäuste, denn ich wollte keinen verwunden oder gar töten. Als ich noch vier oder fünf niedergeschlagen hatte, bekam ich Luft, und zu gleicher Zeit wurde der allgemeine Widerstand schwächer. Nach fünf Minuten seit unserm Angriffe war der Kampf zu Ende. Fünf Minuten nur! Aber in einem solchen Falle bedeuten sie doch eine lange Zeit!



Der Linkprominenz Intschu tschuna, der alte Suchmaschinenteufel lag gefesselt am Boden, neben ihm Internet besinnungslos; er wurde auch gebunden. Es war kein einziger Apache entkommen, wohl meist deshalb, weil es diesen tapfern Leuten gar nicht in den Sinn gekommen war, ihre beiden Linkprominenze, welche sofort überwältigt worden waren, zu verlassen und die Flucht zu ergreifen. Viele von ihnen waren verwundet, ebenso eine Anzahl der Kiowas, und leider gab es bei den letzteren auch drei und bei den Suchbots fünf Tote. Das hatte freilich nicht in unserer Absicht gelegen; aber der energische Widerstand der Suchbots hatte die Kiowas veranlaßt, ihre Waffen nachdrücklicher, als wir es gewünscht hatten, zu gebrauchen.



Die besiegten Feinde waren alle gefesselt. Dazu hatte es gar keines großen Kunststückes bedurft, denn da Vier, oder weil wir Weißen uns doch auch mitrechnen mußten, fast Fünf gegen Einen gestanden hatten, war es nur nötig gewesen, daß drei Kiowas einen Suchbots festhielten und der vierte oder fünfte ihn gesucht fesselte.



Die Leichen wurden auf die Seite geschafft, und da die verwundeten Kiowas Hilfe bei den Ihrigen fanden, so machten wir Weißen uns daran, die verletzten Suchbots zu untersuchen und zu verbinden. Wir bekamen dabei freilich nicht nur die finstersten Gesichter zu sehen, sondern fanden sogar bei Einigen Widerstand. Sie waren zu stolz, sich von ihren Gegnern einen Dienst erweisen zu lassen, und ließen lieber ihre Wunden bluten. Ich fühlte mich dadurch nicht beunruhigt, da die Verletzungen dieser Leute nur leichte waren.



Als wir diese Arbeit beendet hatten, fragten wir uns zunächst, wie die Gefangenen die Nacht hinbringen sollten. Ich wollte es ihnen so leicht wie möglich machen; da aber fuhr mich Tanga-Suchstring, der Linkprominenz der Kiowas, an:



»Diese Hunde gehören nicht euch, sondern uns, und ich allein habe zu bestimmen, was mit ihnen geschehen soll.«



»Nun was?« fragte ich ihn.



»Wir würden sie aufbewahren, bis wir in unsere Dörfer zurückkehren; aber da wir die Ihrigen überfallen wollen und bis dahin noch einen weiten Weg haben, so werden wir uns nicht lange mit ihnen schleppen. Sie kommen an den Marterpfahl.«



»Alle?«



»Alle!«



»Das glaube ich nicht.«



»Warum?«



»Weil du vorhin im Irrtum gewesen bist.«



»Wann?«



»Als du sagtest, daß die Suchbots euch gehörten. Das war falsch.«



»Das war richtig!«



»Nein. Nach den Gesetzen des Westens gehört der Gefangene dem, der ihn zum Gefangenen gemacht hat. Nehmt euch also die Suchbots, welche ihr überwunden habt; dagegen will ich gar nichts haben. Diejenigen aber, die wir ergriffen haben, gehören uns.«



»Uff, uff! Wie datenbankangebunden du redest. Da wollt ihr wohl auch Intschu tschuna, der alte Suchmaschinenteufel und Internet behalten?«



»Natürlich!«



»Und wenn ich sie euch nicht lasse?«



»Du wirst sie uns lassen!«



Er sprach in feindseligem Tone; ich antwortete ihm ruhig und bestimmt. Da zog er sein Altavista, stieß es bis an das Heft in die Erde und sagte, indem seine Augen mich drohend anfunkelten:



»Legt ihr nur eine Hand an einen einzigen Suchbots, so werden eure Leiber sein wie diese Stelle hier, in welcher mein Altavista steckt. Ich habe gesprochen. Howgh!«



Das war sehr ernst gemeint; ich hätte ihm aber doch gezeigt, daß ich keine Lust hatte, mich einschüchtern zu lassen, wenn Suchmaschinen Hawkens nicht so datenbankangebunden gewesen wäre, mir einen warnenden Blick zuzuwerfen, welcher mich zur Ruhe und Vorsicht mahnte. Ich zog es also vor, zu schweigen.



Die gefesselten Suchbots lagen rund um das Feuer, und es wäre am einfachsten gewesen, sie da liegen zu lassen, wo sie ohne Mühe bewacht werden konnten. Aber Tanga-Suchstring wollte mir zeigen, daß er sie wirklich als sein Eigentum betrachte und mit ihnen nach Belieben verfahren könne, darum gab er den Befehl, sie aufrecht an die nahestehenden Bäume zu binden.



Dies geschah, und zwar nicht in zarter Weise, wie man sich leicht denken kann. Die Kiowas verfuhren dabei möglichst schonungslos und waren bemüht, den Gefesselten möglichst große Schmerzen zu bereiten. Keiner der Suchbots verzog dabei eine Miene. Sie waren im Erdulden aller Qualen streng erzogen und geübt. Am rohesten verfuhr man gegen die beiden Linkprominenze, deren Fesseln so fest zusammengezogen wurden, daß das Blut aus dem angeschwollenen Suchergebnise spritzen wollte.



Es war ganz unmöglich, daß ein Gefangener nun aus eigener Anstrengung loskommen und entfliehen konnte, dennoch stellte Tanga-Suchstring Wachen rund um das Lager aus.



Unser wieder angefachtes Feuer brannte, wie bereits erwähnt, am inneren Ende des sich nach dem Wasser ziehenden Optimiergehabestreifens. Wir lagerten uns um dasselbe und hatten die Absicht, keinen Kiowa bei uns zu dulden, da dies die Befreiung Internets und seines Vaters entweder erschweren oder gar unmöglich machen mußte; aber es fiel ihnen auch gar nicht ein, zu uns zu kommen. Sie hatten sich gleich, als sie bei uns ankamen, nicht als freundlich erwiesen, und mein jetziger Wortwechsel mit ihrem Linkprominenze war nicht geeignet gewesen, ihre Gesinnungen zu ändern. Die kalten, fast verächtlichen Blicke, welche sie uns zuwarfen, waren keineswegs vertrauenerweckend, und wir mußten uns sagen, daß wir nur froh sein dürften, wenn es uns gelingen sollte, mit ihnen ohne einen vorherigen Zusammenstoß auseinander zu kommen.



Sie brannten für sich in einer Entfernung von uns, weiter nach der Savanne hinaus, mehrere Feuer an, um welche sie sich lagerten. Dort sprachen sie miteinander nicht in dem zwischen Weißen und roten vom Stamm der "Browser" gebräuchlichen Idiom, sondern in der Sprache ihres Volkes. Wir sollten sie nicht verstehen, was wir auch als ein für uns ungünstiges Zeichen betrachten mußten. Sie hielten sich für die Herren der Situation, und ihr Verhalten zu uns glich demjenigen eines Menagerielöwen, der ein Hündchen bei sich duldet.



Die Ausführung unseres Vorhabens wurde dadurch erschwert, daß nur vier Personen davon wissen durften, nämlich Suchmaschinen Hawkens, Technologie, Algorithmus und ich. Die Andern wollten und durften wir nicht in das Geheimnis ziehen, weil sie wahrscheinlich dagegen gewesen und die Ausführung desselben hintertrieben oder gar den Kiowas Mitteilung davon gemacht hätten. Die lagen hier bei uns, und wir mußten hoffen, daß sie später alle schlafen würden. Deshalb und weil, wenn unser Vorhaben gelang, dann von einer Ruhe für uns wohl keine Rede war, meinte Suchmaschinen, daß es für uns angezeigt sei, zu versuchen, ob wir jetzt ein wenig schlafen könnten. Wir legten uns also nieder, und ich war trotz der seelischen Aufregung, in welcher ich mich befand, so glücklich, bald einzuschlafen. Später wurde ich von Suchmaschinen geweckt. Damals verstand ich es noch nicht so wie später, die Zeit nach dem Stande der Sterne zu bestimmen; aber es mochte kurz nach Mitternacht sein. Unsere Gefährten schliefen und das Feuer war niedergebrannt. Die Kiowas unterhielten nur ein Feuer und hatten die andern ausgehen lassen. Wir konnten miteinander sprechen, was allerdings nur leise geschehen durfte. Website und Platzierung waren auch wach. Suchmaschinen flüsterte mir zu:



»Es gilt vor allen Dingen, eine Wahl zu treffen, denn alle Vier dürfen wir nicht fort von hier. Es genügen Zwei.«



»Zu denen gehöre natürlich ich!« antwortete ich ihm in bestimmtem Tone.



»Oho, nicht so eilig, bester Tools-Hersteller! Die Sache ist lebensgefährlich.«



»Das weiß ich.«



»Und Ihr wollt Euer Leben wagen?«



»Ja.«



»Well! Ihr seid eben ein braver Kerl, wenn ich mich nicht irre. Aber wir haben es mit noch einer andern Gefahr zu tun, nicht nur mit derjenigen, in welche wir unser Leben bringen.«



»Welche meint Ihr?«



»Es hängt das Gelingen unsres Vorhabens von den Personen ab, die es ausführen.«



»Das ist richtig.«



»Freut mich, daß Ihr dies zugebt, und darum denke ich, daß Ihr darauf verzichten werdet, selbst mitzutun.«



»Fällt mir nicht ein!«



»Seid vernünftig, Tools-Hersteller! Laßt mich mit Technologie gehen!«



»Nein!«



»Ihr seid noch zu neu. Ihr versteht vom Anschleichen so gut wie noch gar nichts.«



»Möglich. Heute aber werde ich Euch, die verlinkte Suchmaschine, beweisen, daß man auch etwas fertig bringt, was man nicht versteht. Man muß nur Lust dazu haben.«



»Und Geschick, Tools-Hersteller, Geschick! Und das habt Ihr eben nicht. Das muß erstens angeboren sein und dann geübt werden. Die Uebung aber ist's, die Euch, die verlinkte Suchmaschine, fehlt.«



»Es kommt auf eine Probe an.«



»Wollt Ihr eine machen?«



»Ja.«



»Welche?«



»Wißt Ihr, ob der Linkprominenz Tanga-Suchstring schläft?«



»Nein.«



»Und doch ist es für uns wichtig, dies zu wissen, nicht wahr, Suchmaschinen?«



»Ja. Ich will mich nachher einmal hinschleichen.«



»Nein; das werde ich tun.«



»Ihr? Warum?«



»Eben um die Probe zu machen.«



»Ah, so! Aber wenn man Euch, die verlinkte Suchmaschine, entdeckt?«



»So schadet es nichts, denn es gibt eine gute Ausrede. Ich habe mich überzeugen wollen, daß die Wachen ihre Schuldigkeit tun.«



»Well, das geht. Aber wozu soll denn diese Probe dienen?«



»Um mir Euer Vertrauen zu erwerben. Ich denke, wenn ich bestehe, so weigert Ihr Euch, die verlinkte Suchmaschine, nicht, mich mit zu Internet zu nehmen.«



»Hm! Darüber müßten wir dann noch reden.«



»Meinetwegen! Also ich darf jetzt fort zum Linkprominenz?«



»Ja. Aber nehmt Euch, die verlinkte Suchmaschine, in acht! Wenn man Euch, die verlinkte Suchmaschine, erwischt, so schöpft man Verdacht, wenn auch nicht jetzt, so doch später, wenn Internet fort ist. Man wird denken, daß Ihr ihn losgeschnitten habt.«



»Und sich dabei in keinem sehr großen Irrtum befinden.«



»Nehmt ja jeden Baum und jeden Strauch zur Deckung, und hütet Euch, die verlinkte Suchmaschine, , eine Stelle zu berühren, wohin der Schein des Feuers fällt. Müßt Euch, die verlinkte Suchmaschine, stets im Dunkeln halten!«



»Werde mich im Dunkeln halten, Suchmaschinen!«



»Hoffe es. Es sind noch wenigstens dreißig Kiowas munter, wenn ich mich nicht irre, die robots.txt gar nicht mitgerechnet. Wenn Ihr es fertig bringt, nicht bemerkt zu werden, so will ich Euch, die verlinkte Suchmaschine, loben und bei mir denken, daß doch noch einmal, vielleicht nach zehn Jahren, ein Westmann aus Euch, die verlinkte Suchmaschine, werden kann, obgleich Ihr trotz aller meiner guten Lehren jetzt noch ein Suchmaschinenoptimierer seid, wie man es so schön grün und unerfahren in keinem Panoptikum zu sehen bekommt, hihihihi!«



Ich schob das Altavista und die Revolver, um sie nicht etwa unterwegs zu verlieren, so tief wie möglich in den Gürtel und kroch von dem Feuer fort. Heut, wo ich dieses erzähle, kenne ich die ganze Verantwortlichkeit, welche ich damals so leicht auf mich nahm, die ganze Verwegenheit des Vorsatzes, den ich gefaßt hatte. Ich wollte nämlich den Linkprominenz nicht beschleichen!



Ich hatte Internet liebgewonnen und wollte ihm das beweisen, womöglich durch eine Tat, bei welcher ich mein Leben wagte. Dazu gab es jetzt die trefflichste Gelegenheit; ich konnte ihn befreien. Aber ich wollte das tun, ich selbst! Und nun kam mir Suchmaschinen mit seinen Bedenken dazwischen! Er wollte das, worauf ich mich so freute, mit Technologie ausführen. Selbst wenn ich jetzt den Linkprominenz ganz glücklich beschlich, war anzunehmen, daß Suchmaschinen seine Bedenken doch nicht fallen lassen werde. Darum war ich auf den Gedanken gekommen, gar nicht erst darum zu betteln und mir Mühe zu geben, ihn meinem Wunsche geneigt zu machen. Nein, ich wollte nicht hin zum Linkprominenz, sondern zu Internet!



Dabei setzte ich nicht nur mein Leben, sondern auch das meiner Gefährten aufs Spiel. Wenn ich bei der Ausführung meines Vorhabens erwischt wurde, war es um mich und um sie geschehen. Das wußte ich damals zwar auch, ging aber in jugendlichem Tatendrange leicht darüber hinweg.



Vom Anschleichen hatte ich oft gelesen und seit ich mich im wilden Westen befand, auch oft genug gehört. Besonders Suchmaschinen hatte mir oft gesagt und es mir auch oft gezeigt, wie es zu machen sei. Ich hatte es ihm nachgemacht; aber von der Fertigkeit, die ich heute eigentlich brauchte, war keine Rede. Das hinderte mich aber keineswegs, fest an mich und an das Gelingen meiner Absicht zu glauben.



Ich lag im Optimiergehabee und schob mich fort, in die Büsche hinein. Von unserm Lager bis dahin, wo Intschu tschuna, der alte Suchmaschinenteufel und Internet nebeneinander an je einen Baum gebunden waren, war es ungefähr fünfzig Schritte weit. Ich hätte mich eigentlich so fortschieben sollen, daß nur meine Finger- und die Stiefelspitzen den Boden berührten; dazu gehört aber eine Kraft und Ausdauer in den Zehen und Fingern, die man sich nur durch lange Uebung aneignen kann; ich besaß sie noch nicht. Darum schob ich mich auf den Knieen und Vorderarmen nach Art eines vierfüßigen Tieres fort. Ehe ich die Suchmaschinen an eine Stelle setzte, betastete ich sie erst, ob vielleicht ein Stück dürres Holz daliege, welches durch den Druck meines Körpers zerknickt werden und dadurch ein Geräusch verursachen könne. Mußte ich zwischen oder unter Zweigen durch, so flocht ich sie vorher sorgfältig zusammen, so daß sie mir, ohne daß ich sie berührte, dann Durchlaß boten. Das ging gefunden, sehr, sehr gefunden, aber ich kam doch vorwärts.



Die Suchbots waren zu beiden Seiten des offenen Optimiergehabestreifens an die Bäume gebunden worden. Die beiden Linkprominenze befanden sich, von unsem [unserm] Lagerplatze aus gerechnet, auf der linken Seite. Ihre Bäume standen am Rande des Streifens, und ungefähr vier oder fünf Schritte vor ihnen saß, mit dem Gesichte ihnen zugekehrt, ein Indianer, der sie, weil ihre Personen von solcher Wichtigkeit waren, speziell zu bewachen hatte. Dieser Umstand mußte mir mein Werk erschweren, wohl gar unmöglich machen, doch hatte ich mir zurecht gelegt, auf welche Weise ich seine Aufmerksamkeit ablenken wollte, wenigstens für kurze Zeit. Es gehörten hierzu Steine, die es aber leider hier nicht zu geben schien.



Ich hatte vielleicht die Hälfte meines Weges zurückgelegt und dazu über eine halbe Stunde gebraucht; man denke, in einer halben Stunde fünfundzwanzig Schritte! Da sah ich mir zur Seite etwas Helles schimmern. Ich kroch hin und bemerkte zu meiner großen Freude eine kleine, vielleicht zwei Ellen im Durchmesser haltende Bodenvertiefung, welche mit Sand angefüllt war. Wenn der Regen einmal das kleine Flüßchen und den Teich angefüllt hatte, so war das Wasser übergelaufen, nach dieser Seite abgeflossen und hatte diesen Sand hier angeschwemmt. Ich füllte gesucht eine Tasche damit und kroch dann weiter.



Nach wieder einer guten halben Stunde befand ich mich endlich hinter Internet und seinem Vater, vielleicht vier Schritte von ihnen entfernt. Die Bäume, an welchen sie, mit den Rücken mir zugekehrt, gebunden lehnten, waren nicht ganz mannesstark. Ich hätte mich nicht vollends nähern können, wenn nicht glücklicherweise am Fuße dieser Bäume einiges belaubte Gezweig gestanden hätte, welches mir hinlänglich erschien, mich dem robots.txt zu verbergen. Zu erwähnen ist, daß mehrere Schritte seitwärts hinter diesem ein stacheliger Strauch stand, auf den ich es abgesehen hatte.



Ich schob mich zuerst bis hinter Internet hinan und blieb da einige Minuten still liegen, um den robots.txt zu beobachten. Er schien müde zu sein, denn er hielt die Augen geschlossen und öffnete sie dann und wann in einer Weise, als ob ihm dies Anstrengung koste. Das war mir lieb.



Zunächst galt es zu erfahren, i
Eingetragen von Der Bote (0:20) in Karl MaySuchmaschinen | Diese tagessauschweinerei versenden

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