06.11.2005
Die Märchen der Atomlobby
Im Rahmen der Koalitionsverhandlungen wird heftig über den Ausstieg aus dem Atomausstieg gestritten: CDU und CSU wollen die Laufzeiten der Atomkraftwerke grundsätzlich von 32 auf 40 Jahre verlängern, die SPD hält an der bisherigen Vereinbarung mit den Energieversorgungsunternehmen fest (=2021 soll der letzte deutsche Meiler vom Netz gehen).
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Die Atomlobby gibt sich alle Mühe, die Entscheidungsträger zu manipulieren. Sprachrohr ist dabei z.B. der
BDI (=Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.). In der aktuellen Kernenergiestudie “Ökonomische Auswirkungen alternativer Laufzeiten von Kernkraftwerken in Deutschland” (pdf, 600kB) fordert der BDI tatsächlich eine Laufzeitverlängerung der bestehenden Kernkraftwerke auf 60 Jahre - im Namen der Ökonomie und Ökologie.
Zu solchen Ergebnissen kann man nur kommen, wenn man unrichtige Sachverhalte zugrunde legt oder das Zusammenspiel der Einflussgrößen nicht korrekt gewichtet. Hans Boës räumt in seinem sehr lesenswerten Artikel Atomarer Zündstoff mit den Märchen der Atomlobby auf:
- Atomenergie ist sicher.
- Lüge! Lüge! “Und bei etwa 450 Reaktoren weltweit gehen statistische Analysen von einem Super-GAU irgendwo in der Welt etwa alle 100 bis 200 Jahre aus. [...] Die Europäische Kommission hat im Jahr 2003 eine Studie veröffentlicht, nach der bis zu 65 Millionen Menschen bereits an den Folgen der militärischen und zivilen Nutzung der Atomenergie gestorben sind.”
- Atomenergie ist billig.
- Lüge! Lüge! Die Kosten für Forschung, Entwicklung, Versicherung, Entsorgung machen Atomkraft zu “eine[r] der teuersten Energieerzeugungen, die wir heute betreiben”. Dabei sind alle Atomkraftwerke chronisch unterversichert: “Aber auch hier gibt es Sonderkonditionen: Die Kraftwerksbetreiber dürfen sich gegenseitig versichern und die Schadenssumme wird einfach per Dekret auf 2,5 Milliarden begrenzt. Selbst vorsichtige Schätzungen gehen aber von einer mehr als tausendfachen Schadenssumme bei einem GAU aus. Im Falle aller Fälle wären die Deutschen also nicht wesentlich besser versichert als die Menschen von Tschernobyl.”
- Atomenergie hat Zukunft.
- Lüge! Lüge! Die Uranvorräte halten noch maximal 60 Jahre, wahrscheinlich ist sogar schon in 30 Jahren Schluss.
Für Hans Boës ist klar: Regenerative Energien können dezentral erzeugt und eingesetzt werden, dies hätte eine Kastration der Stromkartelle zur Folge.
Wir schließen daraus: Atomkraft ist böse! böse! und wir sollten uns am besten an Aktionen beteiligen und alternative Informationsangebote konsumieren:
- .ausgestrahlt: E-Card an SPD-Parteivorstand schicken und zur Einhaltung der Wahlversprechen bezüglich des Atomausstiegs auffordern.
- Offenen Brief an Sigmar Gabriel und Klaus Wilhelm Lippold unterzeichnen
- www.bund-gegen-atomkraft.de - Newsletter abonnieren
- erneuerbare-statt-atom.de
- x1000malquer.de
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Es spricht doch schon Bände, dass Frau Merkel den Siemens-Vorstandschef v. Pierer gerne in ihr “Kompetenz"team geholt hätte (er versteckte sich stattdessen dann aber lieber als ihr “Berater"). Von Pierer und Hans-Olaf Henkel sind Merkel wegen ihres Eintretens für die Atomenergie sehr verbunden (vgl. http://www.zeit.de/2005/35/Merkel_2fBosse)
Offenbar verfolgt Frau Merkel inzwischen aber auch selbst die Strategie, ihre Ziele nicht mehr allzu deutlich darzulegen, speziell in der Atomenergie-Frage. Es gilt also, die Augen offenzuhalten, um weiteren unliebsamen Überraschungen rechtzeitig begegnen zu können.
Nächste Schweinerei: EU-Chemierichtlinie "REACH" am Kippen - Mitschuldige: Angela Merkel
Vorige Schweinerei: 'PR-Journalismus' im Hamburger Abendblatt



