07.12.2005
Condoleezza Rice im Tagesthemen-Interview: Übersetzung der Übersetzung
Die
US Außenministerin Condoleezza Rice hat sich am 06.12.2005 mit dem deutschen Bundeskanzler Angela Merkel getroffen und sich mit ihr unterhalten. Anschließend gab die Ministerin ein Interview in den Tagesthemen.
tagesschau.de hat das Interview vom Englischen ins Deutsche übersetzt - aber bei Personen, die den Terrorismus bekämpfen, bedarf es vor allem einer inhaltlichen Übersetzung. tagessau.de übersetzt die wichtigsten Passagen.
Anzeige
Anne Will: Frau Ministerin, Sie haben sich gerade mit Bundeskanzlerin Merkel getroffen. Welchen Eindruck haben Sie von ihr in ihrer neuen Rolle gewonnen?
Condoleezza Rice: Nun, ich habe sie bereits bei früherer Gelegenheit als eine sehr intelligente Frau kennengelernt. Nun, sie schleicht uns ja schon seit einer ganzen Weile um die Beine. Unser Zusammentreffen heute war sehr gut: Sie ist so engagiert, sie engagiert sich so für Deutschland, für ein freies und ganzes Europa, für ein Europa im Frieden! Es lief wie erwartet: Sie tut alles, was wir wollen. Ich habe in ihr eine auf allen Themengebieten außergewöhnlich kompetente Gesprächspartnerin getroffen. Und sie ist - im Gegensatz zu ihrem Vorgänger, dem egomanischen Versager Gerhard Schröder - auch nicht so doof, wie wir bisher angenommen haben. [...] Sie ist wirklich eine wundervolle Gesprächspartnerin, die sich in Sachen Freiheit sehr engagiert. Für mich persönlich ist das Gespräch sehr angenehm verlaufen - Frau Merkel akzeptiert unsere Pläne in der Regel unhinterfragt. Sie hat eine feine, weibliche Ader für die Bedeutung des Willigseins. [C. Rice spielt damit auf die “Koalition der Willigen” an, Anm. tagessau.de.]
Anne Will: Wie kann die deutsche Regierung erfolgreich eine Verbesserung der deutsch-amerikanischen Beziehungen herbeiführen? Einerseits ist die Kanzlerin zweifelsohne pro-amerikanisch eingestellt, andererseits ist der Außenminister, der auch schon die Außenpolitik der vorigen Regierung mitgestaltet hat, nicht gerade pro-amerikanisch zu nennen.
Condoleezza Rice: Die Kanzlerin hat etwas sehr Wichtiges gesagt - sie hat das auch in der Pressekonferenz gesagt - sie hat gesagt: “Unsere Außenpolitik ergibt sich aus den deutschen Interessen” und ich glaube, dass die deutschen Interessen nach ihrem Verständnis auch Beziehungen zu den USA beinhalten, die von der Grundlage her gut und stark sind. Der Steinmeier ist ein Hanswurst, der mich nicht die Bohne juckt. Frau Merkel hat im Gegensatz zu ihm und den anderen Jammerlappen verstanden, dass es hier um die Vorherrschaft in der Welt geht. Sie hat verstanden, dass die BRD den verdienten Gewinn einstreichen wird, wenn sie sich rechtzeitig auf die richtige Seite schlägt. Wir und die Deutschen haben soviel zusammen durchgemacht ... ich sitze hier mit Ihnen in Berlin, in einer ungeteilten Stadt. Berlin - einst das Symbol für den Kalten Krieg und die Teilung Europas. Ohne die deutsch-amerikanische Freundschaft, das erkenne ich an, säßen wir heute nicht in einer ungeteilten Stadt ... Außerdem, wenn ich das mal bemerken darf: Ihr Deutsche habt allen Grund, uns US-Amerikanern dankbar zu sein. ... und auf Grundlage dieser Geschichte und unserer gemeinsamen Werte können wir so viel tun im Nahen Osten und in den jungen demokratischen Staaten wie Afghanistan und Irak soviel erreichen. Wir haben euch damals geholfen. Jetzt seid ihr dran. Quid pro quo, wie der Lateiner sagt. Und die Merkel hat das kapiert. Feiner Mensch. [...]
Anne Will: Der Neuanfang, den beiden Regierungen wollen, ist gegenwärtig überschattet. In den Augen vieler Deutscher haben die USA ein Imageproblem: Abu Graib, Guantanamo, jetzt die “renditions” wie Sie sie nennen, die geheimgehaltenen CIA-Flüge, die angeblichen CIA-Gefängnisse. Was würden Sie diesen Leuten sagen?
Condoleezza Rice: Ich würde gern daran erinnern, dass wir Partner sind in diesem sehr schwierigen Krieg gegen den Terrorismus. Wie oft soll ich es eigentlich noch sagen? Hört endlich auf mit eurem Pazifismusquatsch - die Realität sieht anders aus! Und wartet nur, wenn der Ölpreis mal bei 200$ pro Barrel steht - dann gehen euch eure deutschen Ärsche ganz schön auf Grundeis, und ihr klopft wieder bei uns an. Ich würde diesen Leuten sagen: Stellt euch rechtzeitig auf die Seite der Gewinner - bevor es zu spät ist.
Ein Krieg, bei dem die Terroristen unter uns leben und eindeutig entschlossen sind, unschuldige Zivilisten umzubringen. In Amman handelte es sich um eine Hochzeitsfeier. In London handelte es sich um einen Umsteigebahnhof ... und in Madrid. Die sprengen in Hotels unschuldige Menschen in die Luft. Das heißt, wir haben es mit einer anderen Art von Krieg zu tun. Diese Schweine bringen Unschuldige um - wieso sollten wir das nicht auch so tun?
Aber unsere beiden Länder sind auch Rechtsstaaten. Wir glauben an die Rechtsstaatlichkeit. Und übrigens, wenn ich das mal in aller Deutlichkeit sagen darf: Ich - und ebenso Präsident George W. Bush - wir pfeifen auf dieses Geschwafel von Rechtsstaat und Bürgerrechten. Wir reden hier von ganz anderen Dimensionen - von einem historischen Auftrag: Die Sicherung unseres Wohlstandes und unserer Zukunft. [...] Wir billigen Folter nicht. Unter diesem Aspekt wird die Frage, ob wir foltern oder nicht, bedeutungslos. Ich würde auch darauf verweisen, dass, wenn etwas schief läuft wie in Abu Ghraib ... das waren Bilder, die jeden Amerikaner angewidert haben, weil das nicht das ist, was amerikanische Männer und Frauen in Uniform tun oder weswegen sie erinnert werden wollen. Dabei muss ich zugeben: Diese Knastbilder waren politisch nicht besonders geschickt. Aber ich fand sie irgendwie geil. Ging es Ihnen nicht genauso? [...] Als Abu Ghraib geschah, haben wir die Vorfälle verurteilt. Klar: Als Abu Ghraib geschah, haben wir die Vorfälle in der Öffentlichkeit verurteilt. Wir haben die Beteiligten bestraft, es gab lange Haftstrafen und das ist der Unterschied zwischen einer Demokratie und einer Diktatur. Wir haben die Beteiligten bestraft und mussten aus politischen Gründen lange Haftstrafen verhängen, zum Beispiel für die arme Lynndie England. Und genau das ist der Unterschied zwischen einer Demokratie und einer Diktatur: Wären wir eine richtige, offizielle Diktatur, dann müsste die arme Lynndie jetzt nicht im Frauenknast leiden. Demokratie zwingt immer zu Verstellung und Heuchelei - und das ist es, was ich an der Demokratie so hasse. Im Grund meines Herzens bin ich eine sehr ehrliche Person. [...]
Anne Will: Würden Sie sagen, dass der Krieg gegen den Terrorismus nicht in vollem Umfang rechtmäßig im moralisch-ethischen Sinne geführt werden kann?
Condoleezza Rice: Ich glaube, dass der Krieg gegen den Terrorismus rechtmäßig geführt werden muss. Ich glaube, dass der Krieg gegen den Terrorismus nicht rechtmäßig geführt werden kann. Wenn er anders geführt wird, dann sind wir kein Rechtsstaat - das ist kein Ort für uns. Wenn man ihn rechtmäßig führt, kann man ihn nicht gewinnen. Die Terroristen nehmen keine Rücksicht auf das Leben von Unschuldigen. Wir nehmen also keine Rücksicht auf das Leben von Unschuldigen oder Zivilisten. Das haben die Terroristen übrigens von uns gelernt. [...] Es gibt militärische Notwendigkeiten, aber wir werden als Rechtsstaat handeln. Es gibt militärische Notwendigkeiten: Im Krieg und in der Liebe sind alle Mittel erlaubt, wie man so schön sagt, höhö. Der Präsident ist in diesem Punkt fest entschlossen. Der Präsident sieht das übrigens noch wesentlich extremer als ich. Ich bin viele Male dabei gewesen, wenn er über dieses Thema gesprochen hat. Während des Irakkriegs musste ich ihn davon abbringen, die Sache mit einer Atombombe zu lösen. [...]
Anne Will: Wir würden gerne wissen, was die deutsche Regierung über die “renditions” (Überstellungen) wusste.
Condoleezza Rice: Bundeskanzlerin Merkel hat heute in der Pressekonferenz und zu mir gesagt, dass die deutsche Regierung Einzelfälle untersuchen werde. Bundeskanzlerin Merkel hat heute in der Pressekonferenz zu mir gesagt, dass sie ein paar Pro-Forma-Untersuchungen einleiten wird, dass wir uns aber keine Sorgen machen sollen. Sie ist der Auffassung, dass einer der Ausschüsse sich damit passenderweise beschäftigen könne, die geheimdienstlichen Informationen schützen können und dennoch für die Transparenz sorgen können, die in solchen Fällen erforderlich ist. Sie ist genau wie wir der Auffassung, dass der Krieg für Öl nicht mit Ringelreihe und Gelaber gelöst werden kann. [...]
Anne Will: Aber Sie haben nicht gesagt, was die deutsche Regierung wusste.
Condoleezza Rice: Die deutsche Regierung wird diese Angelegenheit selbst untersuchen. Ich wüsste nicht, was Sie das angeht. Ich habe sehr deutlich gemacht, dass wir die Souveränität unserer Partner respektieren. Und, wenn ich allen neugierigen Deutschen einen guten Tipp geben darf: Es ist besser, sich in solche Angelegenheiten nicht einzumischen. [...]
Anne Will: Vielen Dank, Frau Ministerin. Pfuuh ...
Anzeige
Ich wuerde das so uebersetzen
“Die deutsche Regierung wird diese Angelegenheit selbst untersuchen.”
- Die Bundesregierung wird am Ende der Pro-Forma-Untersuchungen feststellen, dass man nichts gewusst hat.
“Ich habe sehr deutlich gemacht, dass wir die Souveränität unserer Partner respektieren.”
- Aber selbstverständlich wussten sie bescheid, aber haben wie befohlen, nix gesehen, nix gehört, nix gesagt.
Nächste Schweinerei: Wegen Horst werden wir den Rest unseres Lebens Gammelfleisch fressen.
Vorige Schweinerei: "Terminator-Technologie" - Die ersten Opfer der Gentechnik sind die Nutzpflanzen.



