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09.12.2005

Wegen Horst werden wir den Rest unseres Lebens Gammelfleisch fressen.

tagessau Horst “Gesundheitsreform” Seehofer (CSU) hat sich als Philosoph geoutet und interpretiert die Gammelfleischskandale als Auswuchs der neuen Volkssparsamkeit:

“Die Geiz-ist-geil- Mentalität ist gerade bei Lebensmitteln hochgefährlich”, sagte Seehofer laut einem Zeitungsbericht. [...] “Qualitativ hochwertige Nahrungsmittel haben ihren Preis. Und Preisdumping erhöht natürlich den Druck auf die Erzeuger, Bestimmungen nicht mehr einzuhalten”, sagte Seehofer in der “Bild"-Zeitung.
ftd 2.12.2005 - Seehofer: Geiz ist nicht geil



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Da hat er natürlich Recht, der alte Knabe. Die Gesellschaft, Mutter und Opfer des Konsumwahns, trägt selbst einen großen Teil der Schuld an diesen Skandalen. Die Menschen geben sich willig wie eine Hure der Schnäppchenmentalität hin und bekommen für ihr Geld das, was sie verdienen. Wie Philipp Mausshardt schreibt:

Wenn ich einmal richtig traurig sein will, dann gehe ich über die Straße in den gegenüberliegenden Supermarkt von “Real” und schaue, was die Kunden in ihren Einkaufwagen legen. Es ist zum Weinen: Produkte der chemischen Industrie, schön verpackt und mundgerecht zugeschnitten. Plastikgemüse aus Belgien. Billig-Eier aus tschechischen Hühnerfabriken. Milch für 29 Cent der Liter. Wurst, die den Namen nicht verdient.

Die große Mehrzahl der Deutschen - sie verlangt nach Gammelfleisch! Der Handel hat letztlich nur das geliefert, was die Kunden haben wollten: billigsten Schrott, um sich fett und krank zu fressen und sich anschließend über die 10-Euro-Praxisgebühr zu beschweren.
taz 09.12.2005: Die Karte des Grauens

Doch Seehofer ist wie ein Vater zu uns. Als energischer Minister für Verbraucherschutz wird er uns vor uns selbst beschützen. Drakonische Strafen droht er den Bösewichten an.

Der Plan ist in seiner Schlichtheit verblüffend genial: Die tagessau Fleischproduzenten werden sich einfach selbst kontrollieren! Das Übel an der Wurzel packen und aus dem gallertartigen Bürzelfett reißen!

Die Fleischwirtschaft ist begeistert. Jawohl, Einzeltäter sind es, Kriminelle, und in einer konzertierten Aktion werden Politiker und Fleischindustrie die schwarzen Schafe zur Strecke bringen! Ein genialer Plan.

Diese Begeisterung ist verständlich - ist das Konzept der Selbstkontrolle doch eine Lizenz zum Lügen. Und von den Kontrolleuren der Landesbehörden droht auch keine Gefahr: zu wenig Mitarbeiter, zu wenig Zeit, zu wenig Geld - und der falsche Vorgesetzte:

Die Verwaltungsreform hatte jedoch noch einen anderen Effekt: Die Zuständigkeiten wurden verlagert. Waren die Lebensmittelkontrolleure früher der Polizei zugeordnet, so sind sie seit Januar bei den Landratsämtern angesiedelt. Das Stuttgarter Landwirtschaftsministerium hält dies für unproblematisch: “Es sind doch die gleichen Leute, die überprüfen.” Foodwatch-Vize Matthias Wolfschmidt widerspricht: “Die Kontrolleure unterstehen nun gewählten Landräten. Sie müssen Rücksicht auf politische Loyalitäten nehmen.” Und die Neigung der Kommunalpolitiker dürfte nicht groß sein, den guten Ruf eines lokalen Arbeitgebers in Verruf zu bringen.taz 09.12.2005: Der Bock wird zum Metzger

Als CSU-Politiker ist Horst S. liberal, solange es den Umsätzen der deutschen Firmen hilft. Er kann nur in ökonomischen Dimensionen denken. Deshalb versteht er das Konzept “Bio-Food” nicht - es ist sogar davon auszugehen, dass er es in seinem tiefsten Innern für höchst schwachsinnig hält. 

Der Bio-Kampagne seiner Vorgängerin Renate Künast (Grüne) will sich Seehofer aber nicht anschließen. “Es wäre völlig falsch, die konventionelle Lebensmittelwirtschaft wegen solcher Skandale zu verteufeln”, sagte er.
Kölner Stadtanzeiger 2.12.2005: Seehofer: Geiz ist nicht geil

Die außerparlamentarische Verbraucherschutzorganisation “foodwatch” hingegen denkt eher in demokratischen Bahnen:

Ursachen sind nicht die kriminelle Energie Einzelner oder der “Billigwahn” der Verbraucher. Nein, das ganze System krankt daran, dass Verbraucher nicht, wie in anderen Wirtschaftszweigen, das Recht haben, die Namen schlechter Produkte und unseriöser Firmen zu erfahren, nicht auf Schadenersatz klagen können und die Sanktionen für die verantwortlichen Unternehmen absolut unzureichend sind.
foodwatch-Mitgliederrundschreiben 01.12.2005

Wir werden also weiter das ekelhafte Zeug fressen, während Seehofer sich in anspruchslosen Stadtanzeigern feiern lässt.

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