17.11.2005
Kriegsführung der Zukunft: Roboter statt Soldaten
Im Oktober 2005 fand die “Grand Challenge 2005” statt - ein von der
DARPA ausgerichteter Wettbewerb, in dem unbemannte Fahrzeuge einen 212km langen Kurs durch die Mojave-Wüste innerhalb von zehn Stunden bewältigen mussten. Mehr dazu in der letzten c’t 23/2005 (Artikel “Fahrzeug-Robotik: Grand Challenge 2005").
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Die DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) ist eine Agentur des Pentagon, die Hightech-Projekte für das Pentagon durchführt, eine hyperfortschrittliche Rüstungsfabrik der USA. Neben vielen destruktiven Dingen hat die DARPA (früher: ARPA) der Welt auch Schönes gebracht - z.B. den Vorläufer des Internets (das ARPANET).
Doch die Intention von hochgezüchteten Rüstungsbetrieben ist niemals eine gute. Deshalb werden die jährlich stattfindenden Rennen der Roboter-Fahrzeuge nicht der puren Unterhaltung wegen durchgeführt:
Demnächst haben wir es mit einem weiteren, weitaus wichtigeren Schritt zum automatischen Krieg zu tun: Die Roboter treffen eigenständige Entscheidungen. Zwar beschränkt sich das bisher noch auf relativ einfache Aufgaben, wie das selbsttätige Fahren in unbekanntem Gelände. Bald aber dürfte die Grenze zum eigenständig operierenden und um sich schießenden Kampfroboter überwunden sein.
Zunächst geht es jedoch erst einmal um die Probleme des Nachschubs. Wegen der hohen Verluste von Menschenleben auf den Nachschubrouten hat der amerikanische Kongress das Pentagon beauftragt, bis 2015 etwa ein Drittel aller Landfahrzeuge des Militärs von Robotern fahren zu lassen.
telepolis, 11.10.2005: “An der Schwelle zum automatischen Krieg”
Der Automatisierung der Nachschubwege und zugehöriger Verteidigungssysteme wird die Automatisierung von Kriegsgerät für offensive Operationen folgen: Panzer, bewegliche Mienen, Kampf- und Aufklärungsflugzeuge und ganz perverse, kleine Nano-Roboter:
telepolis, 11.10.2005: “An der Schwelle zum automatischen Krieg”
Beachtenswert dabei ist die ethische Dimension: Keine Gewissenskonflikte mehr, ein Druck auf’s Knöpfchen reicht, um eine Armee batteriebetriebener Soldaten auf ihren Weg zu schicken, die auf alles schießen, was sich bewegt. Ohne Zeugen nimmt das Töten seinen Lauf, die Roboter kommen zurück und benötigen keinerlei weitere psychische Betreuung (Stichwort “Vietnam-Syndrom"), sondern nur ein Schlückchen Öl. Somit befördern diese Maschinen ein neues Kriegskonzept: Nach dem “totalen” Krieg, in dem die Einbeziehung (und auch Tötung) von Zivilbevölkerung in Kriegshandlungen Teil der Strategie war, kann man sich auf das “fabrikmäßige Abschlachten ganzer Bevölkerungsgruppen” (ebd.) freuen.
Wenn man noch einen Schritt weiter denkt, stößt man auf Science-Fiction-ähnliche Visionen - den Krieg der Maschinen gegeneinander:
telepolis, 11.10.2005: “An der Schwelle zum automatischen Krieg”
Und hier ergeben sich dann nur zwei Szenarien. Im ersten übernehmen die Maschinen die Kontrolle über sich selbst und damit (nach einem erbarmungslosen Krieg) über die Menschheit. Dieses Szenario ist aus “Terminator” bekannt und nicht sehr wahrscheinlich, da die Künstliche Intelligenz (KI) doch noch sehr in den Kinderschuhen steckt. Es ist nicht davon auszugehen, dass Elektronengehirne in absehbarer Zeit komplexe, interessengeleitete Entscheidungsprozesse autonom durchführen können.
Die zweite Möglichkeit: Die Krieg führenden Parteien schicken ihre Roboter-Soldaten auf’s Schlachtfeld. Dort schießen sich die Kriegsmaschinen mit unvorstellbarer Feuerkraft gegenseitig die Köpfe vom Rumpf - und die verfeindeten Generäle trinken dabei gemeinsam ein Schnäpschen, um den Ausgang des Krieges dann doch wieder auf traditionelle Weise auszufechten: mit der Faust.
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