Der Sympathieträger von der-schweinische-bote.de

22.01.2006

Der ‘Themse-Wal’ ist mir scheißegal. Wirklich.

imageEine Woge der Solidarität schwappt über den Kontinent - ein Wal in London, wie in einem Disneyfilm!  Er hat sich verschwommen, der arme, und ist jetzt verwirrt.

Ganz Europa fiebert bei der dramatischen, ja verzweifelten (!) Rettungsaktion mit - und doch: Der Wal kann trotz immenser Bemühungen nicht gerettet werden. Und stirbt. Die tagessau Menschen trauern.

Ist das nicht völlig daneben?



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Rund 20 Stunden nach dem Tod des Wals finde ich bei news.google.de 841 Treffer für wal london. Auszüge:

  • “Moby Dick” ist tot (sueddeutsche.de)
  • London „trauert“ um seinen Wal (Südtirol Online)
  • Zoo-Direktor: Ganze Welt schaute auf Rettungsversuch für den Wal (web.de)
  • Obduktion soll Todesursache von Themse-Wal klären (news.de)
  • Einsamer Wal in den “Streets of London” (Max-online.de)

Welch Sympathie! Gestandene, journalistisch ernstzunehmende Quellen reihen sich in den Hype, in die Massenhysterie.

Jetzt fühlen wir uns alle gut, weil wir um “Willy” (bild) trauern.

Eigentlich trauert niemand. Wir sind einfach eine Schicksalsgemeinschaft, die den Wal angaffen, wie er verreckt, uns voyeuristisch an Details laben, und wir müssen nicht nachdenken, sondern fühlen uns gut, weil der Medienhype um das arme Tier uns suggeriert: Wir sind noch Menschen! Wir haben Mitleid! Wir Menschen retten die Natur! Wir greifen ein, wir lassen das süße Medienkuscheltier nicht einfach so sterben - dazu sind wir zu gut.

Und dann rennen wir wieder in den Lidl und kaufen billigen Müll, den kleine Kinder in gnadenlosen Fabriken der Dritten Welt hergestellt haben, und wenn diese Kinder in wenigen Jahren sterben oder unheilbar krank werden, wird niemand sie obduzieren oder sich einen Kehricht um die Todesursachen kümmern.

Aber jetzt wieder zurück an die Arbeit, zur Trauer um den Themse-Wal, Marsch Marsch.

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Kommentare:
Kommentar von fou  am  22.01.2006, 17:42 | #

Ja, das ist wirklich zum kotzen. Es interessiert keine Sau, dass es am Horn von Afrika gerade eine der größten Hungerkatastrophen gibt, oder das Amazonasbecken in Brasilien teilweise immernoch staubtrocken ist.

Aber ein kleiner Fisch, der sich verschwommen hat wird von Millionen Menschen wahrgenommen.

Kranke neue Welt…

Kommentar von Der Erik  am  22.01.2006, 23:23 | #

Ist es nicht der Wal in uns allen, der unsere ureigenste Angst symbolisiert?

Wir so zerbrechlichen Hominiden - und auf der Gegenseite ein stattlicher Wal. Und selbst der schafft es nicht, stellvertretend für uns Regierungen zu stürzen und Gleichgültigkeit in Selbstverantwortung umzuwandeln.

Haben wir denn noch eine Wal?

Kommentar von Gileas  am  28.01.2006, 15:58 | #

Und das die Japaner hunderte Wale für “Forschungszwecke” töten, ist völlig egal *kotz*

Kommentar von mnky  am  31.01.2006, 15:00 | #

ich finde es nicht zum kotzen. wir sind doch schuld daran das das arme tier qualvoll verendet ist. bald wird es keine wale mehr geben und dann hast du deine ruhe vor ihnen.

die starken sonargeräte die die seemächte dieser welt einsetzen verursachen übrigens ohrenbluten bei diesen meeressäugern. das tut weh und sie verlieren die orientierung.

zum kotzen wahr eher der umstand das die medien wieder mal ein highlight draus machen mit werbeblock und es geht gleich weiter ...

mittlerweile schauen die leute doch nur noch hin wenn der newsbalken unten rot .. könnte ja was spannendes sein ...

ein indiz dafür das der mensch sensationsgeil ist und auf seine erlösung aus dem alltag wartet ...

save the whales!

Kommentar von sullivan  am  10.02.2006, 1:10 | #

...es ist in der TAT ZUM KOTZEN, dass die mittlerweile wieder vor Arroganz dumm gewordene
Bevölkerung bei sozialen Fragen völlig versagt
und sich gleichzeitig noch traut, leuchtende Diakonie Augen bei Klischee-Stichworten wie “Kinder”, “Tierschutz”....etc. zu bekommen
und fehlendes Engagement aufputzt, indem es
gestrandete Wale beweint.
Das Beste allerdings ist am Ende:
Sowohl staatliches HighTec als auch private
Anteilnehmer taugen nicht als Hundewurst…
und sind nur in der Lage, die Wal-Angelegenheit
komplett zu vermasseln.

Sorry, da glaubt man doch wohl, zu spinnen....oder?

Kommentar von sullivan  am  10.02.2006, 1:52 | #

...noch ein Wort zu fehlender Solidarität, wo sie
hingehört, fehlender Aufklärung, NullSinn für
Prioritäten und gesellschaftlich Verantwortung
an “maily” (kann ich leider nicht genau lesen):

Es sind absolut keine Sonargeräte, die das machen,
es sind ionosphärisch gespiegelte Wellen, die im
Projekt HAARP in Alaska erzeugt werden und sowohl
U-Boote als auch Wale ansteuern können.
Lies das und beantworte Dir die Frage selbst,
wie der Wal in die Themse....usw.
Tierschutz ist ok. Menschenschutz scheint mir
wichtiger......yes?

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